« Vorheriger Artikel | Zur Übersicht | Nächster Artikel »
Studienwahl

Wie bewerbe ich mich für einen Studienplatz?


1. Die Bedeutung des Schulabschlusses

Die Bewerbung für einen Studienplatz macht nur Sinn, wenn Ihr einen Schulabschluss habt, welcher dazu berechtigt, ein Studium aufzunehmen. Dies ist die Hochschulreife. Die Art Eurer Hochschulreife hat Einfluss darauf, welche Fächer bzw. an welcher Hochschulart Ihr studieren dürft.
  • Mit der allgemeinen Hochschulreife (Abitur) könnt Ihr grundsätzlich alle Studienfächer an allen Hochschulen studieren.
  • Mit der fachgebundenen Hochschulreife kommen nur Studienfächer aus einem bestimmten Fachbereich in Betracht. Vorsicht: Es gibt sowohl das fachgebundenem Abitur (Fachabitur - wird allerdings umgangssprachlich oft mit der Fachhochschulreife verwechselt!), womit ein Studium in passenden Fachbereichen an Unis möglich ist, als auch die fachgebundene Fachhochschulreife, dann ist nur ein Studium in bestimmten Fachhochschulstudiengängen möglich
  • Wer die Fachhochschulreife besitzt, konnte bislang nur an Fachhochschulen studieren, nicht aber an einer Uni. Dies hat sich mittlerweile geändert. So kann man z. B. in Hessen mit der FH-Reife jeden Bachelor-Studiengang an den Universitäten aufnehmen. Auch sonst gibt es teilweise an Hochschulen diese Möglichkeit. Wer nicht auf Anhieb die Chance hat, mit FH-Reife direkt in sein Wunschstudienfach an einer Uni zu kommen, kann sich überlegen, erst an der FH zu studieren. Spätestens mit einem Fachhochschul-Bachelor hat man nämlich auch die fachgebundene Hochschulreife, so dass danach der Weg zur Uni offensteht.
Wenn Ihr kein Abitur habt, solltet Ihr Euch unbedingt vergewissern, ob Euer Schulabschluss für das gewünschte Studium genügt. Ist dies nicht der Fall, erfahrt Ihr in dem Artikel Wege zur Hochschulreife, welche Möglichkeiten es gibt, den erforderlichen Abschluss nachzuholen.

Insbesondere bei manchen künstlerischen Studiengängen haben BewerberInnen in Ausnahmefällen die Chance, auch ohne Hochschulreife an einer Hochschule aufgenommen zu werden. Voraussetzung ist allerdings, dass sie eine besondere Begabung für das Studienfach mitbringen.

Mit etwas Glück kommt man mit Berufsausbildung und/oder Berufserfahrung auch in anderen Studiengängen ohne Hochschulreife unter. Also lieber genau informieren, was in Eurem konkreten Fall möglich ist, bevor Ihr vorschnell die Flinte ins Korn werft!



2. Sonstige Studienvoraussetzungen und Eignungsnachweise

Bei vielen Studienfächern genügt allein die Hochschulzugangsberechtigung, um einen Studienplatz erhalten (sog. zulassungsfreie Studiengänge). Bei anderen werden weitere Bewerbungsunterlagen oder Eignungsnachweise verlangt. Im Ergebnis können damit auch die Bewerbungen sehr unterschiedlich aufwändig sein. Teilweise erschöpfen sich auch die aufwändigen Bewerbungen darin, dass man die nötigen Unterlagen zusammenstellt und vielleicht seine Motivation für den Studiengang schriftlich darlegt oder einen ausführlichen Lebenslauf schreibt. Wird darüber hinaus die Eignung im Sinne von Begabung, Kenntnissen und Fertigkeiten abgefragt, kann das Bewerbungsverfahren bereits die Form einer Prüfung haben, welche es mit entsprechender Vorbereitung zu bestehen gilt.

Aufnahmeprüfung

Wollt Ihr ein künstlerisches Fach (z. B. Bildhauerei, Schauspiel, Gesang), Sport oder Architektur studieren, müsst Ihr nicht nur die Hochschulreife besitzen, um einen Studienplatz erhalten zu können, sondern außerdem noch eine Aufnahmeprüfung bestehen. Je nach Studiengang muss zusätzlich oder statt der Aufnahmeprüfung eine Mappe mit eigenen Werken abgegeben werden. Jeweils geht es darum, Eure Eignung für das Studienfach nachzuweisen. Einzelheiten zu den Prüfungen/Mappen selbst erfahrt Ihr an den jeweiligen Hochschulen. Wichtig ist es zu wissen, dass das umfangreiche Bewerbungsverfahren deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt als eine sonstige Studienplatzbewerbung. Der Termin für die Prüfung liegt meist viele Monate vor dem eigentlichen Studienbeginn. Umso wichtiger ist es, sich rechtzeitig nach Terminen und Anforderungen an die Aufnahmeprüfung/Mappe zu erkundigen, zumal die Vorbereitung derselben natürlich auch einige Zeit in Anspruch nimmt.

Fremdsprachenkenntnisse

Bei einigen Studiengängen müsst Ihr damit rechnen, neben der Hochschulreife besondere Sprachkenntnisse nachweisen zu müssen. Dies gilt nicht nur für Studienfächer, die offensichtlich etwas mit Sprachen zu tun haben. Auch in anderen Fächern gehören Sprachkenntnisse zunehmend zu den Standardvoraussetzungen. Ein Grund dafür kann z. B. sein, dass die Vorlesungen ganz oder teilweise in Englisch gehalten werden.

In vielen Fällen reicht es, wenn Ihr eine bestimmte Anzahl von Schuljahren die Fremdsprache gehabt und eine bestimmte Mindestnote im Abitur erreicht habt. Teilweise wird eine Mindestpunktzahl in einschlägigen Tests (z. B. TOEFL) gefordert.

Bei Fächern wie Geschichte oder Archäologie sind zuweilen noch Lateinkenntnisse nachzuweisen.

Auch in Bezug auf möglicherweise erforderliche Sprachkenntnisse gilt: Rechtzeitig bei der Hochschule erkundigen, auch wenn Ihr zunächst keinen Grund erkennen könnt, wieso in Eurem Fach Sprachen einen Rolle spielen sollten!

Praktika vor Studienbeginn

Auch absolvierte Praktika sind manchmal Voraussetzung, um ein Fach studieren zu können. Dabei werden keine besonderen Leistungen in dem Praktikum erwartet, sondern es geht lediglich darum, dass man bereits einen Blick in Praxis geworfen hat, bevor man das Studium aufnimmt. Dies ist für die Zeitplanung nicht ganz unwichtig, zumal viele Studiengänge nur zum Wintersemester begonnen werden können. Auch wollen die Bewerbungen für den Praktikumsplatz rechtzeitig geschrieben sein. Also: Frühzeitig an der potenziellen Hochschule nachfragen, ob ein Praktikum erforderlich ist und in welchen Einrichtungen/Betrieben man es machen kann. Übrigens kann die auf diesem Wege "verordnete" Praxiserfahrung auch helfen, Klarheit hinsichtlich der eigenen Berufswünsche zu gewinnen.



3. Die Chance auf einen Studienplatz

Studienplätze gibt es nicht unbegrenzt. Bei manchen Studienfächern klaffen Angebot und Nachfrage generell oder an bestimmten Hochschulen sogar sehr weit auseinander. Die Folge sind Aufnahmebeschränkungen, d. h. nicht jedeR bekommt einen Studienplatz.

Begegnet wird dem Problem meist mit der Einführung eines Numerus clausus (NC) für das betreffende Fach. Das bedeutet, dass die vorhandenen Studienplätze überwiegend auf die BewerberInnen mit den besten Schulabschlusszeugnissen verteilt werden. Gibt es beispielsweise sehr viele Einserkandidaten, die sich für ein Fach bewerben, und belegen diese sämtliche Studienplätze eines Faches, so liegt dessen NC vielleicht bei 1,8. Gibt es im nächsten Jahr mehr Studienplätze in dem Fach, sind die Schulzeugnisse der BewerberInnen nicht mehr ganz so toll oder interessieren sich nicht mehr so viele Einserkandidaten für das betreffende Fach, so sinkt der NC. Die Chance auf einen Studienplatz hängt also von den Schulzeugnissen aller BewerberInnen für ein Fach ab und kann durchaus variieren.

Wem es nicht auf Anhieb über ein gutes Schulzeugnis gelingt, einen Studienplatz zu ergattern, kann mit etwas (mehr) Geduld zu einem späteren Zeitpunkt mit einem solchen Platz rechnen, denn ein gewisser Prozentsatz der vorhandenen Studienplätze wird nach dem Kriterium der Wartezeit vergeben. Teilweise gibt es darüber hinaus weitere Auswahlkriterien. So werden Auswahlgespräche geführt, Motivationsschreiben verlangt oder eine einschlägige Berufsausbildung gefordert.

Bei bestimmten Fächern (in NRW sind dies noch ein paar mehr) werden die Studienplätze zentral über die hochschulstart.de (die frühere Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen) in Dortmund verteilt. Ansonsten führen die einzelnen Hochschulen Bewerbungsverfahren durch und führen auch NCs ein.

Mehr zum Numerus clausus findet Ihr im Artikel Zulassungsbeschränkte Studiengänge / hochschulSTART.de (Ex-ZVS). Müsst Ihr ein Motivationsschreiben vorlegen, so findet Ihr Tipps im Artikel Motivationsschreiben: Wie sag ich's nur?. Ebenso haben wir Tipps für Auswahlgespräche an Hochschulen.



4. Einschreibung (Immatrikulation) an der Hochschule

Einige Wochen vor Beginn des Semesters hat das Bangen um einen Studienplatz dann im Idealfall ein Ende, wenn Ihr die Mitteilung der Hochschule oder der ZVS erhaltet, dass Ihr das Studium aufnehmen könnt. In dieser Mitteilung werdet Ihr zugleich aufgefordert, Euch bis zu einem bestimmten Zeitpunkt an der Hochschule einzuschreiben (zu immatrikulieren) und damit den angebotenen Studienplatz anzunehmen. Erst wenn Ihr Euch eingeschrieben habt, ist Euch der Studienplatz sicher. Ist das Studienfach zulassungsfrei, müsst Ihr Euch selbst an der Hochschule erkundigen, wann Ihr Euch einschreiben könnt.

Die Immatrikulation muss meist beim Studierendensekretariat der Hochschule innerhalb eines bestimmten Zeitraums erfolgen. Diesen sollte man keinesfalls verpassen! Kann man unmöglich selbst vor Ort erscheinen, so beauftragt man jemanden damit und stellt der betreffenden Person eine schriftliche Vollmacht aus. Einplanen sollte man unbedingt eine längere Wartezeit bei der Einschreibung. Meistens bilden sich - insbesondere nachdem die ZVS-Bescheide verschickt wurden - lange Schlangen vor den Studierendensekretariaten.

Folgende Unterlagen sind auf jeden Fall für die Einschreibung notwendig:
  • Nachweis der Hochschulzugangsberechtigung (Abitur o. ä.)
  • Krankenversicherungsnachweis
  • Personalausweis oder Pass
  • Belege über Praktika / Eignungstests / Fremdsprachenkenntnisse (soweit gefordert)
  • Bescheid von hochschulstart.de oder Hochschule


5. Was tun, wenn's nicht geklappt hat?

Leider muss man immer auch damit rechnen, dass es nicht auf Anhieb was wird mit dem gewünschten Studienfach an der Lieblings-Hochschule. In diesem Fall gibt es drei Möglichkeiten.

Erstens: Ihr könnt mit viel Geduld auf einen Studienplatz zu einem späteren Zeitpunkt hoffen. Wartezeit ist - wie erwähnt - ebenfalls ein Kritierium, nach dem Studienplätze vergeben werden. Vielleicht könnt Ihr in der Zwischenzeit bereits erste Erfahrungen in einem einschlägigen Praktikum oder in einem Job sammeln. Jedenfalls solltet Ihr die Zeit nutzen. Später werdet Ihr dankbar sein für jede noch so kleine zusätzliche Qualifikation, die Ihr nachweisen könnt. In einen anderen Studiengang solltet Ihr Euch aber nicht einschreiben, denn damit lauft Ihr Gefahr, dass die Zeit, in der Ihr eingeschrieben wart, bei der Berechnung der Wartezeit unberücksichtigt bleibt.

Zweitens: Ihr überlegt Euch, was Ihr stattdessen studieren könnt. Aber Vorsicht: Nicht unüberlegt in irgendwelche zulassungsfreien Studiengänge einschreiben, weil keine bessere Alternative in Sicht ist. Dies kann später übel nach hinten losgehen, wenn Ihr Euren Wunschstudiengang gefunden habt und für diesen BAföG erhalten möchtet. Gleichgültig, ob Ihr Euch im ersten Studiengang anderweitig finanziert; Ihr nehmt auf jeden Fall einen Fachrichtungswechsel vor, der nicht ohne Folgen bleibt. Mehr dazu unter www.bafoeg-rechner.de/FAQ/fachwechsel.php.

Drittens: Ihr kämpft um Euren Studienplatz und klagt Euch im Zweifel an der Hochschule ein. Mehr dazu im Artikel Studienplatzklage .

Noch Fragen?

Schaut in unser Studien-Forum, vielleicht wurde Eure Fragen schon von anderen gestellt und beantwortet. Bei Bedarf könnt Ihr auch eigene Beiträge verfassen und Euer Problem schildern.



Diese Seite verlinken »

 

Logo von Studis Online  Studieren leicht gemacht