Folge 12: Raus aus Ddorf und aufn Sprung ans Meer oder
Erkenntnisse zu Ehren des Apostrophs
Von Nicola Pridik![]() (Foto von Martin Naß) |
Noch mal: Die eigentliche Bestimmung des Apostrophs liegt darin, dem Leser kundzutun, dass in einem Wort ein oder mehrere Buchstaben ausgelassen wurden. Darüber hinaus wird er eingesetzt, um die Grundform von Personennamen zu verdeutlichen. Für Einsatzszenarien, die darüber hinaus gehen, steht er definitiv nicht zur Verfügung. Insbesondere hat er vor einem Plural-s nichts zu suchen!
Es heißt also:
die PCs (und nicht: die PCs)
Wer dies beherzigt, hat bereits einen wichtigen Beitrag zur Imagepflege von Apostrophen geleistet. Was natürlich nicht heißt, dass die folgenden Regeln lediglich schmückendes Beiwerk sind. (Wir schmücken grundsätzlich nichts, schon gar nicht mit Beiwerk.) Man kann ja schließlich auch noch andere Dinge falsch machen …
Der Apostroph als Auslassungszeichen
Auch wenn der Apostroph im Wesentlichen dazu dient, Auslassungen in einem Wort als solche zu kennzeichnen, bedeutet dies nicht, dass bei jeder Auslassung zwingend ein Apostroph gesetzt werden muss. Das Gegenteil ist der Fall. Bei den meisten Auslassungen kann oder sollte sogar auf das Zeichen verzichtet werden.
Verpflichtend ist der Apostroph nur in den folgenden drei Fällen.
Erstens:
Bei der Genitivbildung von Namen, die auf einen s-Laut enden:
Beispiele:
Hans Motorrad ist gestohlen worden.
Grass Blechtrommel wird häufig in der Schule gelesen.
Ringelnatz Gedichte sind erst neulich neu aufgelegt worden.
Der Apostroph bietet in diesen Fällen die Möglichkeit, einen doppelten s-Laut am Wortende zu vermeiden und dennoch die Genitivform anzuzeigen, indem kenntlich gemacht wird, dass ein Genitiv-s ausgelassen wurde.
Zweitens:
Bei umfangreicheren Auslassungen im Innern eines Wortes:
Derartige Verkürzungsformen findet man häufig bei Ortsbezeichnungen:
Wtal (für: Wuppertal)
Kudamm (für: Kurfürstendamm)
Mgladbach (für: Mönchengladbach)
Drittens:
Wenn Worte mit Auslassungen sonst schwer lesbar oder missverständlich würden:
Bei den schwer lesbaren Wörtern außerhalb der Wiedergabe von gesprochener Sprache hat man vor allem an Verkürzungen gedacht, die Dichter in ihren Gedichten verwenden. Aber die Übergänge zu umgangssprachlichen Verkürzungen sind hier durchaus fließend. Auf der sicheren Seite bewegt Ihr Euch dann, wenn Ihr bei schwer lesbaren oder missverständlichen Verkürzungen immer einen Apostroph setzt.
Bleibt die Frage, wann denn die Lesbarkeit erschwert ist oder Missverständnisse auftreten können. Positiv weiß das keiner so genau. Vielleicht will es uns auch keiner sagen. Jedenfalls haben wir keine Hinweise gefunden, aus denen wir Regeln ableiten könnten. Viel beliebter ist es, die Fälle zu benennen, in denen der Apostroph unproblematisch weggelassen werden kann, weil die Lesbarkeit nicht beeinträchtigt ist. Wir wissen es leider nicht besser als die Sprachprofis und schließen uns deshalb wohl oder übel der Ausschlusstaktik an.
Kein Apostroph steht regelmäßig in folgenden Fällen.
-
Bei vielen Verschmelzungen von Präpositionen und Artikeln. Dabei ist nicht wirklich nachvollziehbar, was die Apostrophen-Fälle von den apostrophenfreien Fällen unterscheidet - aber seht selbst:
Ohne Apostroph:
am, beim, im, vom, zum, hinterm, überm, unterm, vorm, hintern, übern, untern, vorn, zur, ans, ins, aufs, durchs, fürs, hinters, übers, unters, vors, ums
Mit Apostroph dagegen:
aufm, ausm, fürn, inn, nachm, durchn, aufn, fürn, gegens, mitm, nachm
-
Bei Wegfall eines Schluss-e bei bestimmten Verbformen:
Ich hör ihm zu.
Ich schreib einen Brief.
Bleib stehen!
-
Bei Wegfall eines stummen e im Wortinnern:
Ich wechs(e)le das Geld.
Sie geh(e)n in die Vorstellung.
Ich seg(e)le um die Welt.
-
Bei mit r- beginnenden Verkürzungen von Wörtern wie herauf, heran, herein, heraus:
Er ging rauf.
Er fuhr nah ran.
Sie kam rein.
Sie hat rausbekommen, dass …
-
Bei der Verkürzung des Wortes etwas zu was:
Ich muss dir was erzählen.
Heute ist was Schönes passiert.
-
Nicht erforderlich ist der Apostroph außerdem dann, wenn das Wort es mit dem vorangegangenen Wort zu einem Wort zusammengezogen wird. Allerdings wird er dennoch häufig gesetzt und gilt ebenso als richtig. Schreibt man mit Apostroph, steht vor dem Apostroph kein Leerzeichen.
Ausgeschriebene Form Zulässige Verkürzungsformen Wie geht es? Wie gehts? Wie gehts? Nimm es nicht so schwer. Nimms nicht so schwer. Nimms nicht so schwer.
Muss man also nur noch wissen, wann so eine Verschmelzung vorliegt. Einigkeit besteht - wie bereits erwähnt - bei Verbindungen eines Wortes mit dem Wort es:
Ich finds klasse.
Ich mags.
Unklarer wird es bei folgenden Beispielen, bei denen wir in der einschlägigen Rechtschreibliteratur beiden Schreibweisen begegnet sind. Wir nehmen deshalb an, dass hier beide Varianten erlaubt sind oder zumindest keine von ihnen wirklich falsch ist:
| Mit Leerzeichen | Ohne Leerzeichen |
| So n Zufall! | Son Zufall! |
| Wir treffen uns nach m Kaffee. | Wir treffen uns nachm Kaffee. |
Bei Auslassungen am Beginn eines Satzes ersetzt der Apostroph den ersten großen Buchstaben. Danach wird klein weitergeschrieben.
ne Weile wirds dauern. (= Eine Weile …)
Soweit zum Apostroph bei Auslassungen.
Der Einsatz des Apostrophs zur Kenntlichmachung der Grundform von Namen
Der Einsatz eines Apostrophs zur Kenntlichmachung der Grundform eines Namens ist niemals zwingend, sondern ermöglicht nur eine weitere Schreibvariante. Von daher handelt es sich streng genommen um einen Abschnitt, der nur die Fortgeschrittenen interessieren müsste. Empfehlenswert ist er aber durchaus auch für Anfänger - sicher ist sicher.
Wichtig vorab: Wird der Apostroph eingesetzt, um die Grundform eines Namens zu verdeutlichen, dient er ausschließlich diesem Zweck. Er kennzeichnet also weder zusätzlich eine Auslassung noch eine Genitivform.
Der Wunsch, die Grundform eines Namens besonders hervorzuheben, tritt regelmäßig in zwei Fällen auf.
Erstens:
Andreas Kneipe und Carlos Imbiss
Bei Gastronomiebetrieben, insbesondere Imbissen oder Kneipen, ist der Name des Inhabers häufig Bestandteil des Betriebsnamens. Gleiches gilt bei kleineren Läden. Der Personenname steht hier regelmäßig im Genitiv. Ihm wird also ein -s angehängt. Gibt es den Namen in seiner Grundform sowohl mit als auch ohne -s am Ende, so besteht die Gefahr, dass der flüchtige Betrachter der Geschäftsbezeichnung hinsichtlich des Personennamens einem Irrtum unterliegt. Zur Verdeutlichung wird deshalb gerne ein Apostroph zwischen den Namen und das Genitiv-s gesetzt.
Beispiel:
Hier kann der Eindruck entstehen, ein Mann namens Andreas sei der Inhaber (auch wenn es in diesem Fall korrekterweise Andreas Kneipe heißen müsste). Von daher wird zur Verdeutlichung der Grundform des Namens gerne der Apostroph gesetzt: Andreas Kneipe).
Wenn eine Verwechslungsgefahr hinsichtlich des Namens nicht besteht, ist der Apostroph zur Verdeutlichung der Grundform des Namens bei Hinweisschildern zwar nicht falsch, sollte aber vermieden werden.
Beispiel:
Normalerweise sollte hier der Apostroph nicht gesetzt werden. Bringt Silke an Ihrem Laden allerdings ein Schild mit dem Text Silke’s Schmucklädchen an, wäre das nicht falsch.
Oben hatten wir im Gegensatz dazu den Fall, dass der Apostroph nicht vor einem Genitiv-s steht, sondern dieses ersetzt. Beide Fälle sind sorgfältig auseinanderzuhalten.
Im Überblick:
| Genitiv mit Pflicht-Apostroph | Genitiv mit Apostroph-Verbot |
| Hans Kneipe | Wir treffen uns in Werners Kneipe |
| Das Genitiv-s wird nicht geschrieben, sondern durch den Apostroph ersetzt. | Das Genitiv-s wird geschrieben und darf deshalb nicht durch einen Apostroph vom Namen abgehoben werden. |
| Einziger Ausnahmefall: Die Grundform des Namens soll kenntlich gemacht werden. | |
| Andreas Kneipe | |
| Zwischen Name und Genitiv-s darf ausnahmsweise der Apostroph stehen, um zu betonen, dass die Kneipe Andrea und nicht Andreas gehört. Der Apostroph dient also nicht dazu, das Genitiv-s abzugrenzen, sondern soll ausschließlich die Grundform des Namens hervorheben. Bei Hinweisschildern ist es nicht falsch, die Grundform des Namens auch dann durch Apostroph kenntlich zu machen, wenn keine Verwechslungsgefahr hinsichtlich des Namens besteht. |
Zweitens:
Zulässig sind folgende Schreibweisen:
| Ohne Apostroph | Mit Apostroph |
| die grimmschen Märchen | die Grimmschen Märchen |
| das ohmsche Gesetz | das Ohmsche Gesetz |
| die freudsche Fehlleistung | die Freudsche Fehlleistung |
Übrigens findet Ihr im Internet zahlreiche Zusammenstellungen falsch gebrauchter Apostrophe und Menschen, die sich die Image-Rettung des Apostrophs zur Lebensaufgabe gemacht haben. Sicher könnt Ihr auch irgendwo mitmachen, Unterschriften sammeln o. ä. Hauptsache, der kleine Strich kommt weg vom Wühltisch …
Wir beschränken uns hier auf folgenden Link, der Euch verrät, wie das wundersame Zeichen eigentlich genau aussieht und wie nicht. Is ja nich so, dass einfach jeder kleine Strich eben mal einen auf Apostroph machen kann …
http://www.typografie.info/typowiki/index.php?title=Apostroph
Nur, damit wir nicht noch mal da hin kommen, wo wir schon sind oder da bleiben am Ende, was die Sache nicht besser macht. Schlimm genug, dass es so weit gekommen ist …
Tierversuche im Studium
Tierverbrauchende Übungen sind häufig ein fester Bestandteil naturwissenschaftlicher Studiengänge und führen bei einer Vielzahl von Studierenden zu Gewissenskonflikten. Das Projekt SATIS unterstützt Studierende bei der Einführung humaner Ausbildungsmethoden ohne extra getötete Tiere durch den kostenlosen Verleih von alternativen Lehrmaterialen, rechtliche und fachliche Beratung sowie Informationen über bereits bestehende Möglichkeiten des tierverbrauchsfreien Studiums.
Master trotz Mangel
Die Bewerbungssaison für Masterstudienplätze ist in vollem Gange, doch viele Studierende sind verunsichert: Gibt es ausreichend Masterstudienplätze? Wie groß ist der Mangel? Und was kann man tun, um seine Chancen auf einen Platz zu erhöhen? Kann eine Klage einen Studienplatz bringen, wenn es trotz aller Bemühungen nicht gereicht hat?
CHE Hochschulranking 2012
Das CHE-Ranking ist das umfassendste Hochschulranking im deutschsprachigen Raum. Aber nicht alle beteiligen sich – und tauchen daher u.U. gar nicht im Ranking auf. Oliver Iost erläutert die Hintergründe und hat zusammengestellt, was man im Ranking finden kann – und was nicht. Nicht dabei sind z.B. die Unis Köln, Lüneburg und Vechta, die FernUni Hagen und die Medizin-Fakultäten der Unis Göttingen, Hamburg und Jena.
Diese Seite verlinken »






