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10.05.2024
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Spätestens seit dem Film „Die Apothekerin“ wissen wir, dass der Beruf des Pharmazeuten viel Verantwortung bedeutet. In der Romanvorlage von Ingrid Noll missbraucht die bizarr-mörderische Apothekerin ihr Berufswissen, um Gift zu mischen. Schon Paracelsius formulierte im Mittelalter: „Die Dosis machts, dass ein Ding kein Gift.“ Die richtige Dosierung und die Wirkung von Medikamenten lehrt das Pharmazie-Studium.

Von Maria Köpf


1. Studieninhalte

Es gibt keinen Studiengang der „Apothekerwissenschaften“. Wer später in der Apotheke arbeiten will, studiert Pharmazie. Grob gesagt konzentrieren sich ApothekerInnen auf den Verkauf, die Beratung und die Prüfung von Arzneimitteln. Historisch betrachtet entwickelte sich eine Zweiteilung der Pharmazie im 18. Jahrhundert heraus: die pharmazeutischen Fabrikationsstätten und der Verkauf und die Prüfung von Arzneien durch Apotheker. So entwickelte sich auch eine Differenzierung von Universitätsabschlüssen.

Pharmazie lässt sich nach der Approbationsordnung mit dem Staatsexamen als Apotheker/in abschließen, daneben qualifiziert Pharmazie im Bachelor- bzw. Masterstudiengang für eine Arbeit in der Industrie und in (Entwicklungs-) Labors. Die Lage für AbsolventInnen eines Staatsexamensstudiums in Pharmazie ist zwar noch stabil, aber Flexibilität dürfte gefragt sein. Die Digitalisierung und Online-Services werden sich auf das Dasein der Apotheken auswirken.

Ziel des Pharmaziestudiums ist es, Medikamente von der Pike auf kennen zu lernen. Das Studium bietet die naturwissenschaftliche Grundausbildung in Chemie, Biologie, Physik und Pharmazie. Studierende erlernen Wirkung und Wirkweise, Entwicklung, Herstellung und Qualitätssicherung von Medikamenten. Kernfächer sind Pharmazeutische Chemie, Biologie, Toxikologie, Pharmakologie, Krankheitslehre und Arzneimittelherstellung. Zusätzlich fließt auch Physik ein, etwa in der pharmazeutischen Technologie oder physikalischen Grundlagen.

Im Hauptstudium entdeckst du u.a. die „Pharmakologie“, „Klinische Pharmazie“, „Medizinische Chemie“ und die Lehre der „Biogenen Arzneistoffe“. Das Studium richtet sich nach der deutschen Approbationsordnung für Apotheker (AappO). Es dauert oft mehr als vier Jahre. Da bleibt die Regelstudienzeit meist nur ein Idealziel. Die ersten Semester sind lernintensiv und prüfungsüberfrachtet. Hochschulen wollen so die „Spreu vom Weizen“ trennen.

Video: Pharmazie studieren

Pharmazie zählt zu den schwierigsten Studiengängen. Trotzdem hat Laurin sich dafür entschieden und es nicht bereut! Inzwischen studiert er im 8. Semester an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und steht kurz vor dem entscheidenden zweiten Staatsexamen.

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2. Aufbau eines Staatsexamen-Studiums der Pharmazie

Das Grundstudium schließt ihr mit dem sogenannten „1. Staatsexamen“ (eigtl. „1. Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung“) ab. Diese Prüfung erfolgt nach rund zwei Jahren. Hier handelt ihr vier große Prüfungen zu vier Stoffgebieten ab. Bis dahin müsst ihr die 8-wöchige Famulatur in eurer vorlesungsfreien Zeit abgeschlossen haben. Sie lehrt euch – kurz gesagt – die notwendige Berufspraxis.

Im Hauptstudium erlernt ihr dann vorwiegend biochemisches, technologisches und pharmazeutisches Wissen. Nach dem 8. Semester erfolgt das „2. Staatsexamen“. Dieses findet in mündlicher Form statt. Nach Beendigung des Studiums absolviert ihr – wenn ihr ApothekerIn werden wollt – das Praktische Jahr (PJ). Das Gehalt ist in diesem Jahr – trotz 40-stündiger Arbeitszeit – recht „mau“. Ihr müsst laut Tarifvertrag mit 1.040,00 € auskommen (Stand 1.1.2023, Bundesgebiet außer Nordrhein und Sachsen). Nebenher bereiten euch Seminare auf das „3. Staatsexamen“ vor. Nach Abschluss des PJ und 3. Staatsexamens seid ihr dann – wenn alles gut geht – Apotheker.

Famulatur – Das Semesterferien-Praktikum

Die Famulatur besteht aus einem 8-wöchigen Berufspraktikum im Apothekenalltag. Laut Approbationsordnung erhaltet ihr „Einblick in die Organisation und Betriebsabläufe sowie in die Rechtsvorschriften für Apotheken und in die Fachsprache“. Leider könnt ihr es nicht vor dem ersten Semester abhaken. Ihr seid verpflichtet, es während des Grundstudiums ganztägig einzubauen.

Planerisch veranlagte Studenten können es auch auf zwei Semesterferien mit je vier Wochen aufteilen. Davon sind vier Wochen freigestellt– zur Wahl stehen eine öffentliche Apotheke, eine Krankenhaus- oder Bundeswehrapotheke, die Pharmaindustrie oder eine Arzneimitteluntersuchungsstelle.

Praktisches Jahr – Das Jahr der Praxis

Das Praktische Jahr (PJ) dauert ein Jahr. Es dient der Festigung von Theorie und Praxis des Universitätswissens. Es erfolgt nach dem abgeschlossenem 2. Staatsexamen. Unterteilt wird die Famulatur in zweimal sechs Monate. Die Hälfte der Zeit muss in einer öffentlichen Apotheke verbracht werden. Die andere Hälfte ist ebenso wie die Famulatur wahlweise „freigestellt“. Im Gegensatz zur Famulatur dürft ihr das PJ auch an einer Universität ableisten.


3. Studienalltag

Infos zur Autorin

Maria Köpf studierte Germanistik und Judaistik an der Freien Universität Berlin. Auch lebte sie für ein halbes Jahr in Israel und ein weiteres halbes Jahr in Spanien. Seit einigen Jahren verbindet sie mit den abgeschlossenen Studien und Ausbildungen Journalismus und Medizin und schreibt heute als freie Journalistin für medizinische Fachzeitschriften und renommierte Magazine.

Ähnlich wie das Chemiestudium besteht das Pharmaziestudium nicht nur aus grauer Theorie, sondern auch aus viel Praxis. Ein großer Teil des Studiums besteht aus Laborarbeit. Hier kommen besonders die Bereiche Chemie, Analytik und Technologie vor. Die zentrale Laborarbeit wird immer von begleitenden Vorlesungen und Seminaren „untermauert“.

Der Aufbau des Studiums ist sehr verschult. Im Prinzip ist jede Semesterwoche vorgegeben. Erst habt ihr Vorlesungen, dann die Praktika und Seminare, abschließend den Prüfungsblock und in den Semesterferien eure Berufspraktika u.ä. Studierende sollten auf viel Büffelei vorbereitet sein. Vom ersten Tag an muss gelernt werden: die Vorlesungen und Laborpraktika wollen vor- und nachbereitet sein. Speziell zur Laborarbeit noch ein Hinweis: sie lehrt euch ruhig zu arbeiten und Nerven zu bewahren. Denn ihr sollt später durch sauberes Arbeiten eure Kollegen und Kunden vor gefährlichen Chemikalien und Medikamenten schützen.


4. Bewerbung: Fristen beachten, frühzeitig um Testteilnahme kümmern

Die klassischen Pharmazie-Studiengänge auf Staatsexamen sind zulassungsbeschränkt und werden bundesweit zentral vergeben. Wer nicht ein sehr gutes Abitur hat, Verbesser seine Chancen durch Teilnahme (und gutes Bestehen) der – leider je nach Universität, um die es geht – unterschiedlichen Tests wie HAM-Nat oder Phast.

Wenn du im Wintersemester Pharmazie studieren möchtest, musst du dich für den HAM-Nat (nur bei Bewerbung an der Uni Hamburg oder Uni Greifswald) schon bis 15. Januar anmelden. Die meisten Unis (aktuell 18) setzen auf den Phast. Für ihn gibt es mehrere Termine im Jahr in bis zu 13 Städten in ganz Deutschland, meist je einen im April, Mai, Juni und November.

Zur Bewerbungsfrist bei Hochschulstart.de (15. Januar für das Sommersemester; 15. Juli für das Wintersemester / Altabiturient:innen bis 31. Mai!) müssen die Ergebnisse des Tests schon vorliegen.


5. Studiendauer, -abschlüsse und weitere Studienmöglichkeiten

In der Regel dauert das Pharmazie-Studium 8 Semester und wird mit dem ersten Staatsexamen abgeschlossen.

Pharmazie: Studiendauer (Regelstudienzeit)
Bachelor6 - 7 Semester
Master2 - 4 Semester
Staatsexamen8 - 10 Semester
Bachelor (Teilzeit)9 Semester
Master (Teilzeit)4 Semester

Weitere Studienmöglichkeiten und -formen

Pharmazie lässt sich auch als Teilzeitstudium studieren. Mit ein wenig Berufspraxis im pharmazeutischen Bereich ergibt auch ein weiterführender Masterstudiengang in Pharmazie Sinn. Sie konzentrieren sich in der Regel auf einen pharmazeutischen Spezialbereich, etwa „Arzneimittelwissenschaften“ oder „Krankenhauspharmazie“ (Master).

Doch gibt es auch weitere Masterstudiengänge, die ein breites Themenspektrum der Pharmazie abdecken, eine Übersicht findet sich . Damit findet ihr meist Arbeit in Entwicklungslabors der chemischen oder pharmazeutischen Industrie. Auch die Perspektive an Universitäten, Berufsakademien, Prüfinstitutionen und bei Umwelt-/Gesundheitsbehörden ist gegeben.

Verwandte Studiengänge

Der Master-Studiengang „Clinical Research" vertieft Kenntnisse in der klinischen Forschung. Je nach Interessenschwerpunkt lässt sich der Weg in Forschungs-, Entwicklungs- oder Prüfinstitute finden. Dabei sollt ihr Gesetze und Qualitätsbestimmungen berücksichtigen.

Ein Masterstudium der „Toxikologie“ bzw. „Ökotoxikologie“ untersucht Wirkung, Resorption, Verteilung und Abbau körperfremder Substanzen. Wie die Stoffe im Menschen, Tier und im Ökosystem wirken, stellt ein Hauptthema des Studiums dar. Die AbsolventInnen haben forschungsnahe Berufe: von Chemie-, Biotechnologie-, Umwelttechnologie- und Pharmafirmen bis hin zur Lebensmittelhygiene und Umweltlabors.


6. Wo kann Pharmazie studiert werden?

Du kannst Pharmazie an vielen Hochschulen in Deutschland studieren. Das Studienangebot ist recht groß. Insgesamt kann Pharmazie in 28 Städten studiert werden.


7. Was kostet ein Pharmazie-Studium 2024 und wie finanziere ich es?

Was das Studentenleben kostet

Während eines Pharmazie-Studiums brauchst du eine finanzielle Grundlage für eine Unterkunft am Studienort, für Nahrung, Kleidung, Fahrtkosten, Telefon und Internet sowie Bücher und Arbeitshefte. Je nach Ort und eigener Sparsamkeit liegen die monatlichen Ausgaben – wenn nicht bei den Eltern gewohnt wird – zwischen 783 € und über 1.896 €. Im Durchschnitt geben Studierende inzwischen über 950 € im Monat aus.

Der Hauptkostenpunkt ist in der Regel die Miete. Anhaltspunkte zur Höhe im Artikel Mieten für ein WG-Zimmer.

Und wie bezahle ich das alles?

Für alle, die mit knapp 20 ein Studium beginnen, dürfte der gerade angesprochene Studienfinanzierungs-Check gar nicht nötig sein. Für sie sind meist die Eltern die erste Finanzquelle – Details dazu im Artikel Unterhalt von den Eltern.

Haben die Eltern wenig Einkommen, springt das Studenten-BAföG ein. Für einige kann auch ein Stipendium in Frage kommen.

Ab Wintersemester 2024/2025 gibt es für unter 25-jährige, die vor dem Studium Bürgergeld (oder einige andere Sozialleistungen) beziehen, voraussichtlich eine Studienstarthilfe von einmalig 1.000 €.

Ansonsten jobbt die große Mehrheit der Studierende noch neben dem Studium.

Weitere Möglichkeiten der Studienfinanzierung findest du in unserer Übersicht Geld für das Studium. Oder nutze den Studienfinanzierungs-Check – dann weißt du schneller, was überhaupt für dich in Frage kommt.


8. Berufe und Verdienstmöglichkeiten

Aus dem Studium sollte später ein Beruf werden. Hier ein oder mehrere Beispiele – natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Immer auch mit Infos zum Gehalt im jeweiligen Beruf. Und gelegentlich mit Video 🎥

Im Bereich Pharmazie herrschen weiterhin gute Arbeitsmarktbedingungen. Die Arbeitslosenquote liegt bei ca. 2%, es gibt laut einer Berechnung des Informationssystem Studienwahl und Arbeit unter 1.000 Arbeitslose mit dem Zielberuf Apotheker/in.

Über 80% arbeiten später in klassischen Apotheken „um die Ecke“, weitere ca. 3% in Krankenhausapotheken. Demjenigen, der nur bis zum 2. Staatsexamen studiert hat (oder äquivalent den Masterabschluss in Pharmazie erwirbt), aber natürlich auch allen approbierten ApothekerInnen, stehen diverse andere Türen offen – ca. 15% der AbsolventInnen der Pharmazie landen dort. Es geht um Beschäftigungen in der pharmazeutischen Industrie (Produktentwicklung), in Forschung und Lehre (Pharmakologinnen und ToxikologInnen), im Großhandel (Produktmanagement, Vertrieb), bei der Bundeswehr (Prüfinstitutionen) und in der Verwaltung (Landesgesundheitsamt, Gesundheitsbehörde).

Darüber hinaus kannst du prinzipiell auch Arbeit bei Krankenversicherungen, pharmazeutischen Berufsorganisationen und Berufsverbänden (z.B. der Apothekengewerkschaft Adexa) finden.

Video: Pharmazie (Job, Apotheker:in)

Dennis hat Pharmazie studiert und ist seit kurzem als Apotheker in München angestellt. Rund 80 Prozent der Pharmazie-Absolvent:innen wählen diesen Weg als Berufseinstieg. Es gebe wohl kaum eine größere Diskrepanz zwischen dem umfangreichen Wissen, das man sich im Studium aneignet und dem, was man dann im Beruf anwenden kann, findet Dennis.

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Fazit

Die Lage bleibt für AbsolventInnen wahrscheinlich stabil – dies zeigen demographische Veränderungen, ein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein und der wachsende Pflegebedarf in Pflege-, Senioren- und Krankenhäusern. Zwar geht die Tendenz beispielsweise zu weniger Stadtapotheken, doch werden im Teilzeitsektor und auf dem Land wiederum stets Apotheker gesucht. Die Digitalisierung wird auch bei den Apotheken Veränderungen bringen. Zusammen mit der Tendenz zum Sparen kann das auch bedeuten, dass Apotheken „vor Ort“ seltener werden und mehr auf Versand gesetzt wird. Sei also bereit für Neues – Chancen gibt es genügend, solange du flexibel bleibst.

Auch in anderen Pharmazieberufen herrscht durchaus eine gute Berufslage. Um davon profitieren zu können, solltest du dein Studium dann frühzeitig mit den passenden Praktika bei deinem „Lieblingsarbeitgeber“ unterfüttern. Ähnlich wie bei den Medizinern gibt es übrigens Initiativen, die als „Apotheker ohne Grenzen“ (z.B. Apotheker ohne Grenzen e.V.) die weltweite pharmazeutische Versorgung von Menschen in Not sicherstellen.


Links

Übersichten aller Pharmazie- und verwandter Studiengänge

Externe Links


Hinweis: Dieser Artikel wurde am 02.03.2016 veröffentlicht. Am oben angegebenen Datum wurde er zuletzt von der Studis Online-Redaktion überarbeitet (insbesondere Aktualisierungen, wo nötig).





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