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Stimmt die Chemie?
Infos vom Chemiestudium bis zu den Berufschancen

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03.07.2020
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Chemiker und Chemikerinnen haben durchaus Chancen auf dem Arbeitsmarkt und ein spannendes Studium. Die Geschichte der Chemie reicht zurück bis ins Mittelalter. Nicht wenige Alchemisten verzweifelten am Versuch aus Blei Gold herzustellen. In der modernen Chemie änderte sich die Suche nach dem Universalen zur Suche nach der Unterschiedlichkeit in den Elementen. Und dieses Streben spielt heute in vielen Bereichen eine nützliche Rolle.

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Von Thomas Delecat, ergänzt von der Studis Online-Redaktion


1. Oft gestellte Fragen

Die Regelstudienzeit für einen Bachelor in Chemie beträgt 6 Semestern (180 ECTS). Im Master wird Chemie in der Regel 4-semestrig (120 ECTS) angeboten. Chemie wird oft im Rahmen eines Mehrfach-Bachelors studiert. Es kann dabei Haupt- oder Nebenfach sein. Es gibt auch Studienangebote, bei denen es eine Hälfte eines 2-Fach-Bachelors ist.

Chemie kann in über 70 Städten studiert werden, darunter Berlin, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt / Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart.

Naturwissenschaftler mit Master-Abschluss, die sich nicht für das Lehramt entschieden haben, können zum Berufseinstieg mit einem Einkommen von 34.000 € rechnen. Fünf Jahre nach dem Master-Abschluss liegt das Jahreseinkommen von ChemikerInnen bei rund 53.000€. 10 Jahre nach dem Abschluss haben sie Einkünfte von rund 68.700 €.

Formeln, Reagenzgläser, Bunsenbrenner und Petri-Schale – ein hoher Anteil an Laborarbeit zeichnet das Chemiestudium aus. Aber man sollte auch keine Berührungsängste gegenüber der Mathematik oder der Physik besitzen. Und man wird im Studium auch nicht umhin kommen, englische Fachliteratur zu verstehen und Vorlesungen auf Englisch zu lauschen.




2. Inhalt des Studiums

Die Chemie ist die Naturwissenschaft, die sich mit dem Aufbau, der Zusammensetzung, den Eigenschaften und der Umwandlung von Stoffen auseinander setzt. Wer sie studiert, wird viel mit Formeln, aber auch viel mit Reagenzgläsern, Bunsenbrennern und Petri-Schalen zu tun haben. Ein hoher Anteil an Laborarbeit zeichnet das Studium flächendeckend an allen Universitäten aus. Aber man sollte auch keine Berührungsängste gegenüber der Mathematik oder der Physik besitzen. Und man wird im Studium auch nicht umhin kommen, englische Fachliteratur zu verstehen und Vorlesungen zu lauschen, die auf englisch abgehalten werden.

Die Kerninhalte der Chemie selbst unterteilen sich in verschiedene Schwerpunkte. Diese überschneiden sich gegenseitig und stellen nur die verschiedenen Perspektiven dar, mit denen man an chemische Fragestellungen herangeht. Die wohl wichtigste Trennung stellt die zwischen der organischen und der anorganischen Chemie dar. In letzterer befassen sich die StudentInnen und WissenschaftlerInnen mit allen Elementen und ihren Verbindungen, mit Ausnahme des Kohlenstoffs. Dieses ist bekanntlich die Grundlage allen irdischen Lebens und bekommt daher in der organischen Chemie eine Sonderrolle.

Eine weitere, wichtige Perspektive bzw. Teildisziplin ist die physikalische Chemie. Hier versucht man mit Hilfe physikalischer Gesetze besser die Grundlagen der Chemie zu verstehen. Begriffe wie Bindungslehre, Thermodynamik oder Kinetik spielen hier eine wichtige Rolle. Sehr eng damit verbunden ist die theoretische Chemie, die versucht zu verstehen, warum verschiedene Elemente miteinander Bindungen eingehen, welche Kräfte dabei eine Rolle spielen und wieso bestimmte Reaktionen (beispielsweise eine Explosion) dabei entstehen.

Die analytische Chemie wiederum ist das Fachgebiet für alle, die gerne mit Zahlen jonglieren. Oder um es mal sehr, sehr platt zu sagen (jeder studierte Chemiker möge an dieser Stelle kurz beide Augen zudrücken): Einer/m analytischen ChemikerIn drückt man eine Dose Pflanzenschutzmittel in die Hand und sie/er wird herausfinden, welche Substanzen, Stoffe und zuletzt Elemente da in welchem Mischungsverhältnissen vorkommen. Davon ausgehend hat die Angewandte Chemie einen besonders wichtigen Standpunkt innerhalb der Chemie. Denn sie versucht all das, was in den Laboren und in den Köpfen von ChemikerInnen entsteht, für den Alltag und die menschlichen Bedürfnisse nutzbar zu machen.

Studienalltag

Das Chemiestudium ist eine spannende Mischung zwischen Theorie und Laborarbeit. Letztere nimmt einen großen und wichtigen Platz während der Ausbildung ein und unterscheidet die Chemie dadurch von vielen anderen Fächern, die man an einer Hochschule lernen kann. Ein ruhiges Händchen, keine Angst im Umgang auch mit gefährlichen Chemikalien und natürlich die Begeisterung, im Reagenzglas oder Erlenmeierkolben eine Reaktion zu beobachten, sind hier Grundvoraussetzung.

Als StudentIn sollte man zudem gute Nerven und einen langen Atem beweisen. Es wird an vielen Hochschulen bewusst in den ersten beiden Semestern versucht, die Spreu vom Weizen zu trennen. Das erste Studienjahr wird daher besonders überfrachtet und lernintensiv sein.

Das ist kein böser Zug der Hochschule, sondern dient der eigenen Orientierung. Wer in dieser Zeit merkt, das Chemie irgendwie doch nicht »seine Sache« ist, braucht kein schlechtes Gewissen haben, wenn er über einen Studienwechsel nachdenkt. Eine Förderung mit BAFöG ist bei einem Fachrichtungswechsel bis zum dritten Semester gut möglich.

Man sollte sich davon aber auch nicht zu sehr abschrecken lassen. Wer ein gesundes Interesse an der Materie besitzt und nicht völlig auf den Kopf gefallen ist, wird auch das »böse« erste Jahr überstehen.

Ein Chemie-Studium beginnt meistens im Wintersemester, nur an wenigen Hochschulen wird auch ein Start im Sommersemester angeboten. Beworben wird sich bei den jeweiligen Hochschulen. Eine zentrale Vergabe wird derzeit nicht praktiziert. Welche Hochschule Chemie oder ein mit ihr verwandtes Studienfach anbietet, kann man z.B. der Hochschuldatenbank von Studis Online entnehmen.

Mit der Chemie verwandte Studiengänge

Ausgehend von der Angewandten Chemie kann man an einigen deutschen Hochschulen sehr speziell auf einzelne Fragen zugeschnittene Studiengänge studieren.

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Stimmt die Mischung?

Das wohl bekannteste Beispiel ist die Lebensmittelchemie. Von der Analyse der chemischen Zusammensetzung der Lebensmittel über die Haltbarmachung bis zur geschmacklichen Verfeinerung lernt der/die StudentIn hier, was es im Umgang mit »unser täglich Brot« zu beachten gilt. Und weil diese Tätigkeit mit einer sehr hohen Verantwortung einhergeht, wird man am Ende auch staatlich geprüft, ehe man als LebensmittelchemikerIn arbeiten darf. Die jeweiligen Ausbildungs- und Studienverordnungen der einzelnen Bundesländer regeln diese Prüfungen.

Weitere Studiengänge sind die pharmazeutische Chemie, die speziell auf die Forschung und Entwicklung von Medikamenten zugeschnitten ist und bei der man Hand in Hand mit MedizinerInnen, PharmazeutInnen aber auch BiologInnen arbeitet. Noch biologischer wird’s in der Biochemie, die versucht, die organischen Vorgänge des Lebens chemisch zu verstehen.

Daneben gibt es noch die Agrikulturchemie, bei der man sich, platt gesagt, mit Düngemitteln auseinandersetzt. Sie wird jedoch nicht als eigener Studiengang angeboten, sondern gehört zum Lehrangebot anderer Studiengänge. Die Wirtschaftschemie vermittelt einem ein solides »Halbwissen« in der Chemie und der Wirtschaft, so dass man in Betrieben als Schnittstelle zwischen Forschung und Vermarktung arbeiten kann. Die Umweltchemie beschäftigt sich mit Fragen chemischer Prozesse in künstlichen und natürlichen Lebenskreisläufen (z.B. umweltgerechte Müllentsorgung).

In Studienfächern der Molekularwissenschaft verbindet sich die Chemie mit Physik und Biologie. Studenten und Studentinnen erforschen in diesen Studiengängen die Bildung, den Aufbau und die Umwandlung von Molekülen aus den Perspektiven verschiedener Naturwissenschaften.


3. Dauer des Chemie-Studiums und mögliche Studienabschlüsse

In der Regel dauert das Chemie Studium 6 Semester und wird als Bachelor of Science mit einer Bachelorarbeit abgeschlossen. Insgesamt werden dabei 180 ECTS-Punkte (Credit Points) erbracht.

Chemie wird oft im Rahmen eines Mehrfach-Bachelors studiert. Es kann dabei Haupt- oder Nebenfach sein. Es gibt auch Studienangebote, bei denen es eine Hälfte eines 2-Fach-Bachelors ist.

Anschließend kann noch das Master-Studium in Chemie oder einem ähnlichen Masterstudiengang absolviert werden. Der Master of Science kann in 4 Semestern abgeschlossen werden, wobei 120 Credits erbracht werden müssen.

Außerdem kann Chemie auf Lehramt studiert werden, seltener noch auf Staatsexamen. Weitere Infos in unserem Artikel Lehramt studieren.

Neben den konsekutiven Masterstudiengängen, die direkt im Anschluss an den Bachelor studiert werden können, werden auch einige weiterbildende Master angeboten. Weiterbildende Master setzen neben einem Hochschulabschluss meist noch mind. ein Jahr Berufstätigkeit nach diesem Abschluss voraus.

Chemie: Studiendauer (Regelstudienzeit)
Bachelor6 - 8 Semester
Master3 - 4 Semester
Lehramt7 - 10 Semester
Bachelor (Teilzeit)9 - 12 Semester
Master (Teilzeit)4 - 8 Semester

Studienformen des Chemie-Studiums

Die klassische Form des Chemie-Studiums ist das Vollzeit-Präsenzstudium. Man studiert Vollzeit an einer Hochschule, an der man praktisch täglich zu Veranstaltungen (Vorlesungen, Übungen, Tutorien etc.) geht und wo auch die Prüfungen stattfinden. Vollzeit bedeutet grob 40 Stunden / Woche, wobei in der Realität meist Phasen mit weniger Zeitaufwand anderen (vor allem vor größeren Prüfungen) gegenüberstehen, in denen evt. auch mehr Zeit pro Woche mit dem Studium verbracht wird.

Daneben gibt es Studienangebote in Teilzeit, d.h. das Studium ist dabei so organisiert, dass man mit geringerem Zeitaufwand pro Woche, aber entsprechend längerer Studienzeit zum Studienabschluss kommen kann.


4. Was kostet ein Chemie-Studium 2022?

Lebenshaltungskosten insgesamt

Während eines Chemie-Studiums brauchst du eine finanzielle Grundlage für eine Unterkunft am Studienort, für Nahrung, Kleidung, Fahrtkosten, Telefon und Internet sowie Bücher und Arbeitshefte. Je nach Ort und eigener Sparsamkeit liegen die monatlichen Ausgaben zwischen 672 € und über 1.600 €. Im Durchschnitt geben Studierende inzwischen knapp 900 € im Monat für Studienkosten aus.

München ist Spitzenreiter, was die Mieten und die Lebenshaltungskosten an sich angeht, aber auch Frankfurt/Main, Hamburg, Köln und Berlin liegen deutlich über dem Durchschnitt. Günstiger lebt es sich in kleineren Städten abseits der Metropolen, insbesondere in den neuen Bundesländern.

Hauptkostenpunkt: Miete

Die Mieten für ein WG-Zimmer liegen je nach Stadt zwischen 249 Euro und 700 Euro (Werte von 2022 via wg-gesucht.de). Andere Wohnformen können billiger sein (günstige Wohnheimzimmer), aber auch teurer (eigene Wohnung, teure Studierenden-Appartments mit All-inclusive-Service).

Gerade durch die aktuellen Energiekosten kann es durch hohe Nebenkosten leider sogar noch teurer werden. Für BAföG-Empfänger:innen im Wintersemester 2022/2023 hilft hier ein wenig der zweite Heizkostenzuschuss.

Kosten je nach Ort und persönlicher Situation

Für das Studium ist halbjährlich noch ein Semesterbeitrag zu zahlen. Damit werden bspw. günstigere Mensapreise ermöglicht. In einigen Studienstädten ist ein Semesterticket für den öffentlichen Nahverkehr eingeschlossen, was zwar den Semesterbeitrag erhöht, aber deutlich günstiger als andere Dauerkarten für den jeweiligen Verkehrsverbund ist. An einigen größeren Unis gibt es auch studentische Fahrradwerkstätten.

Kosten für eine Krankenversicherung sind zu berücksichtigen, wenn eine Familienversicherung über die Eltern nicht mehr möglich ist.

Muss ich für ein Chemie-Studium Studiengebühren zahlen?

Praktisch alle Bachelor und konsekutiven Master können an staatlichen Hochschulen ohne Studiengebühren begonnen werden. Konsekutive Master schließen meist an ein fachgleiches (oder zumindest fachlich passendes) Bachelorstudium an und setzen keine Berufserfahrung voraus. Ein langes Studium oder ein Zweitstudium sind allerdings in einigen Bundesländern kostenpflichtig.


5. Wie kann ich mein Chemie-Studium finanzieren?

Elterliche Unterstützung

Eine Aufgabe deiner Eltern – und das ist sogar im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB § 1610) explizit geregelt – ist es, dir eine angemessene Berufsausbildung zu ermöglichen. Dazu zählt auch, dir im Studium finanziell oder mit Kost und Logis unter die Arme zu greifen. Die Entscheidung, ob es ein Studium sein soll und welche Fachrichtung, liegt primär in deiner Hand, so dein Schulabschluss dir diesen Weg ermöglicht. Der Staat unterstützt deine Eltern u.a. mit Kindergeld, das im Ausnahmefall auch direkt an dich ausgezahlt werden kann.


BAföG beantragen: Staatliche Förderung, zur Hälfte geschenkt!

BAföG für Studentinnen und Studenten soll einspringen, wenn deine Eltern – aus Sicht des Gesetzes – zu wenig Einkommen haben, um ausreichend Unterhalt für das Studium zu leisten.

Die Verbesserungen beim BAföG seit Wintersemester 2022/2023 führen dazu, dass ein Antrag viel eher lohnt als bisher. So wurde der Freibetrag auf das Elterneinkommen um 20,75 Prozent erhöht, die Bedarfssätze um 5,75 Prozent (letzteres ist leider das schwächste Detail). Vor allem steigt die Altersgrenze auf 45 Jahre und die Vermögensgrenze für alle, die schon 30 Jahre alt sind, auf 45.000 € (für alle unter 30 immerhin noch auf 15.000 €).

Die BAföG-Rückzahlung ist auf 10.010 € begrenzt, beginnt erst Jahre später und nur, wenn ausreichend verdient wird. Hast du bereits eine Ausbildung gemacht und danach mehrere Jahre gearbeitet sowie in wenigen anderen Ausnahmefällen könnte es sogar elternunabhängiges BAföG für dich geben. Das gilt auch, wenn du bei Studienbeginn schon 30 Jahre oder älter bist.


Stipendien für das Chemie-Studium

Stipendien stehen einer viel kleineren Gruppe zur Verfügung als BAföG. Größter Vorteil: Durch Stipendien erhaltene Förderung ist geschenkt. Dazu kommt oft eine ideelle Förderung. Die großen Studienförderwerke vergeben Stipendien nach den BAföG-Regeln (also abhängig vom Einkommen der Eltern). Hinzu kommen noch 300 Euro „Büchergeld“ im Monat für alle. Das Bewerbungsverfahren beginnt in der Regel ein halbes Jahr zuvor.

Für Auslandsaufenthalte im Studium kann es Förderung in Form von ERASMUS-Stipendien geben oder über den DAAD.


Jobben als Werkstudent / Minijob / Selbständig sein

Die meisten Studierenden jobben zumindest zeitweise während des Studiums, oft als Mini-Jobber oder als Werkstudent. Während der Vorlesungszeit darf die Arbeitszeit 20 Wochenstunden nicht überschreiten.

Eine Anrechnung auf das BAföG erfolgt, wenn dein durchschnittlicher Verdienst über 520 Euro im Monat liegt (ab Oktober 2022, davor 450 €). Entscheidend ist im Unterschied zur Steuer nicht das Kalenderjahr, sondern der Bewilligungszeitraum des BAföG.


Staatlicher Bildungskredit und weitere Möglichkeiten

Für Studierende in höheren Semestern oder im Master gibt es den staatlichen Bildungskredit mit günstigen Zinsen und einer Auszahlung von bis zu 300 Euro / Monat für höchstens zwei Jahre.

Ein Studienkredit (oder ein Bildungsfonds) ist dagegen nur als letzte Möglichkeit in Betracht zu ziehen, wenn die günstigeren Möglichkeiten nicht reichen oder bspw. am Studienende eine Konzentration auf das Studium ohne Jobben möglich sein soll.

Wenn du schon in den letzten Semestern des Studiums angelangt bist, kann u.U. – gerade in sozialen Notlagen – auch ein Studienabschlussdarlehen oder Überbrückungsdarlehen in Frage kommen. Scheue dich nicht, dich zu erkundigen und – wenn für dich möglich – ein solches in Anspruch zu nehmen. Die Konditionen sind deutlich besser als bei Bildungskredit oder gar Studienkrediten!


6. Berufsaussichten

Etwa ein Viertel des deutschen Bruttosozialproduktes, also des Wohlstandes hierzulande, hängt mit Produkten und Dienstleistungen der chemischen Industrie zusammen. Und Fachkräfte sind hier teilweise eine Mangelware. Da aufgrund der viel beschworenen, demografischen Entwicklung zunehmend ältere Chemiker in Rente gehen werden, kann man auch halbwegs sicher davon ausgehen, dass die Nachfrage in Zukunft weiterhin vorhanden sein wird.

Im Gegensatz zu einer Laufbahn in der freien Wirtschaft ist eine akademische Karriere für Chemie-Absolventen schwieriger. Gerade reine Bachelor-Alumnis werden in rein wissenschaftlich ausgerichteten Tätigkeiten immer die Rolle als »Hilfskraft« einnehmen.

Auch mit höheren Abschlüssen sind die Stellen an Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen begrenzt – und je höher die Qualifikation (Master, Doktor etc.), desto knapper wird es. Auch ein Wechsel in die freie Wirtschaft kann schwerer werden, wenn man lange im universitären Bereich verblieben war und keinen oder wenig Kontakt zu Firmen der Branche hatte.

Neben der Arbeit als WissenschaftlerIn wird ein/e ChemikerIn vor allem in den Branchen der Klebstoffhersteller, der Waschmittelindustrie, der Nahrungsmittelindustrie, der Ölindustrie, der Glas- und Keramikindustrie sowie in öffentlichen Einrichtungen Arbeit finden. Ohne das jetzt überdramatisieren zu wollen, sollte man sich als ChemikerIn aber auch immer seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sein. In einigen Firmen kann die eigene Arbeit die Interessen der Rüstungsindustrie tangieren, auch die Umwelteinwirkungen der Chemie sind immer ein Problem und man sollte sich möglichst früh schon damit auseinandersetzen, ob man entsprechende Jobs erstrebenswert findet (man kann sich ja auch aktiv für Verbesserungen einsetzen!) oder hier lieber die Finger von lässt (der Kampf für Verbesserungen kann auch frustrierend sein, wenn alles langsamer vorangeht).

Im Bereich Lehramt können die Einstellungschancen je nach Bundesland und Schulart unterschiedlich aussehen. In unserem letzten Artikel zum Lehrermangel aus dem Sommer 2018 wurde Chemie nicht explizit genannt – das Fach war also wohl weder total überlaufen noch besonders gesucht.


7. Gehalt von ChemikerInnen

Gehalt in € Master Uni
34.000
Einstieg
53.000
5 Jahre
68.700
10 Jahre
Ø Fachgruppe Naturwissenschaften; Chemie; Befragung: DZHW.

Die Frage des Gehalts interessiert nicht wenige Menschen. Je höher die Ausbildung einer/s Chemiker/s, desto höher sind i.d.R. auch das Einstiegsgehalt und – das allerdings von weiteren Parametern abhängig – die Aufstiegschancen. Wer »nur« einen Bachelor-Abschluss in der Tasche hat, muss deshalb mit Gehaltseinbußen rechnen. Naturwissenschaftler mit Master-Abschluss, die sich nicht für das Lehramt entschieden haben, können zum Berufseinstieg mit einem Einkommen von 34.000 € rechnen.

Fünf Jahre nach dem Master-Abschluss liegt das Jahreseinkommen von ChemikerInnen bei rund 53.000€.

10 Jahre nach dem Abschluss haben sie Einkünfte von rund 68.700 €. In der Fachgruppe Naturwissenschaften verdienen sie damit ähnlich wie PhysikerInnen. BiologInnen verdienen nach 10 Jahren im Schnitt 8.000 weniger, MathematikerInnen hingegen durchschnittlich 7.500 mehr.

Für angehende Lehrer/Innen gelten andere Gehälter, je nach Bundesland und Beamtenstatus, gängiges Einstiegsgehalt ist jedoch rund 20.300 €.

Es muss nochmal betont werden, dass die Einstiegsgehalt-Zahlen für die komplette Fachrichtung Naturwissenschaften gelten und wie bei allen Gehaltsangaben gilt: Je nach konkreter Position im Unternehmen, Branche, Größe des Unternehmens, Ort der Beschäftigung und noch manchem mehr unterscheiden sich konkrete Gehälter mehr oder weniger stark von Durchschnittszahlen.

Da die Zahlen bereits einige Jahre alt sind, könnten die aktuellen Gehälter etwas höher liegen.

Quelle: Absolventenbefragungen des DZHW. Alle Gehälter für Vollzeitbeschäftigte inkl. Zuschläge, auf Hunderter gerundet. Einstiegsgehalt Stand 2013. Gehalt nach 5 Jahren Stand 2014. Gehalt nach 10 Jahren Stand 2015. Zuschläge für 5/10-Jahre selbst geschätzt.


Empfehlenswert

Chemie für Ahnungslose. Eine Einstiegshilfe für Studierende
Dieses Buch richtet sich sowohl an Schüler- als auch an StudienanfängerInnen. Es werden kurz, schnörkellos aber sehr verständlich die Grundlagen der Chemie erklärt und auf Zusammenhänge mit anderen Fächern oder Teildisziplinen verwiesen. Wer sich für das Chemie-Studium entschieden hat, aber noch den langen Sommer auf die ersten Vorlesungen wartet, kann in diesem Buch gut schmökern.

Der Chemiekasten
Einige kennen ihn vielleicht noch aus ihrer Kindheit. Ohne jetzt Namen von bestimmten Herstellern nennen zu wollen, ist ein Chemiekasten sicher ein netter und spielerischer Weg, sich der Materie und späterer Laborpraxis zu nähern. Chemische Substanzen, Säuren, Laugen, Teststreifen, Reagenzgläser u.ä. sind hier samt »Rezeptbuch« vorhanden und helfen, einen ganz eigenen Zugang zur Chemie zu finden.

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