28.01.2010

Leichter lernen
Mindmapping für Anfänger und Profis

Beim Lesen bleibt nichts hängen. Eine Zwischenfrage in der mündlichen Prüfung oder im Referat ließ Dich den Faden verlieren. Stures Auswendiglernen erlebst Du als sinnlos oder sogar als Qual. Wer kennt das nicht? Mit Mindmaps kannst Du diese Stolpersteine im Studium elegant überspringen. Das Mindmapping ist mittlerweile in vielen Disziplinen verbreitet. Sabine Grotehusmann erklärt die Grundlagen dieser Technik des Notierens.

Was ist eine Mindmap?

Die Mindmap ist eine Landkarte des Geistes. Auf dieser Landkarte können Gedanken, Ideen und Fakten festgehalten werden. Es handelt sich also um eine andere Art, Dinge zu notieren. Das Besondere an Mindmaps ist die visuelle Struktur, in die das Wissen eingebunden wird.
Markus Bärlocher - Public domain

So kann eine Mindmap aussehen.
Die Mindmap sieht aus wie ein Baum aus der Vogelperspektive betrachtet. Im Zentrum des Blattes befindet sich der Stamm. Von ihm gehen dicke Äste ab. Aus den Ästen wachsen Zweige. Im Stamm steht das Thema. Auf den Ästen stehen die Schlüsselwörter zum Thema. Die Zweige liefern Details zu den Schlüsselwörtern.
Gedanken mithilfe eines Baumes strukturiert darzustellen, geht übrigens auf den Philosophen Ramon Llull (13. Jh.) zurück.

Hier einige Beispiele für Mindmaps zu verschiedenen Themen: Woher kommt der Erfolg dieser Technik?

Mindmaps lösen zahlreiche Probleme, die beim Lernen auftreten können:

ProblemLösung durch Mindmaps
Es hat sich gezeigt, dass Informationen, die ohne Struktur präsentiert werden, leicht wieder verloren gehen.Mindmaps dienen dazu, die Gedächtnisleistung zu verbessern.
Der natürliche Denkprozess verläuft nicht geradlinig, sondern sprunghaft. Durch ihren flexiblen Aufbau fördern Mindmaps das Denkvermögen, d.h. die Fähigkeit Probleme zu lösen und flexibel zu denken.
In Texten z.B. auf Karteikarten können Gedanken nachträglich nur schwer eingefügt werden.Bei Mindmaps können Ergänzungen jederzeit leicht eingefügt werden. Die Gedanken bekommen Platz, sich frei zu entfalten.
Bei umfangreichen Themen oder Projekten verliert man leicht den Überblick.Dank der klaren Struktur eignen sich Mindmaps gut, um einen Überblick zu geben bzw. zu bekommen und Zusammenhänge zu erkennen.
Bei längeren Texten ist es nicht immer leicht, das Wesentliche zu erkennen.Mindmaps enthüllen das Wesentliche, den Kern eines Themas.


Wie geht es?

Mindmaps können per Hand oder mit dem Computer erstellt werden. Eine Übersicht über die verschiedenen Computerprogramme, darunter auch gute kostenlose Produkte, findest Du hier.
Damit das Mindmapping tatsächlich Deine Denkleistung verbessert, solltest Du Dich zunächst an einige Regeln halten. Mit der Zeit wirst Du Deinen eigenen Stil entwickeln. Hier findest Du die Anleitung und Regeln im Überblick: Angenehme Nebenwirkungen

Neben den genannten Vorteilen der Mindmaps hat die Methode auch positive Auswirkungen auf den Zeichner der Mindmap. Der Zeichner empfindet Spaß beim Erstellen der Maps und kann seine Kreativität einbringen. Außerdem erlebt man das Mindmapping als selbstbestimmte Tätigkeit und lernt, Strukturen zu bilden und zu erkennen. Wer regelmäßig mappt, wird leicht Oberbegriffe und Schlüsselwörter finden und schnell überall das Wesentliche erkennen.

Einsatz im Studium

Mindmaps sind vielfältig einsetzbar. Zum Beispiel zur Planung des Studiums, eines Semesters oder von Lernphasen. Sie können auch bei der Gliederung einzelner Themen, eines Prüfungsgebietes, einer Hausarbeit, eines Aufsatzes, Essays, einer Klausuraufgabe oder eines Referates hilfreich sein. Darüberhinaus können sie eine Hilfestellung beim Zusammenfassen, Exzerpieren, Auswendiglernen oder Erarbeiten eines neuen Themas bieten.

Als Joker kann es im seltenen Fall eines Blackouts eingesetzt werden. Ein Brainstorming zur Klausuraufgabe hilft, Dein Gehirn wieder anzuwerfen. Notiere in der Mindmap alles, was Dir einfällt, egal wie weit es von der möglichen Lösung entfernt ist. Wenn Du Dein Denken nicht zensierst, wirst Du schnell auf den richtigen Gedanken kommen.

Erfahrungen aus der Praxis - Tipps für Anfänger und Fortgeschrittene

Umgewöhnung: Für viele Menschen ist das Mindmapping zunächst ungewohnt. Deshalb ist es wichtig, diese Methode Schritt für Schritt zu erlernen! Arbeite mit einem Buch, wende nach und nach die Regeln an oder besuche einen Kurs bei der Volkshochschule oder einer anderen Bildungseinrichtung. Gib Dir ungefähr fünf Mindmaps Zeit, um zu sehen, ob diese Methode für Dich geeignet ist.

Sabine Grotehusmann (Köln) arbeitet als Autorin, Studienrätin und Trainerin mit den Schwerpunkten: Lernen und Kreativität.
www.derpruefungserfolg.de
Schwerpunktverschiebung: Es ist möglich, dass sich auf einer Seite des Blattes ein Schwerpunkt bildet. Dann steht das eigentliche Thema nicht in der Mitte. Du hast dadurch das wahre Thema entlarvt! Oder es gibt zwei. Dann zeichne einfach zwei Mindmaps!

Was tun bei Ideenstopp? Häufig stellt sich ein Ideenstopp ein. Das ist völlig normal, denn Du aktivierst zunächst die obere Schicht Deines Wissensnetzes. Um die tieferen Schichten anzuzapfen, bedarf es etwas Geduld. Auf die ersten Gedanken folgt zwangsläufig eine kurze Flaute, danach sprudeln die Ideen und Gedanken wieder. Halte die Pause aus!

Alles ist erlaubt! Intuitiv zeichnen viele Menschen Verbindungslinien zwischen den Ästen. Damit zeigen sie, dass zwei oder drei Äste zusammengehören. Oft werde ich gefragt, ob das erlaubt sei. Erlaubt ist alles, womit Du gut lernst! Es kann je nach Zweck der Mindmap sinnvoll sein, sie noch einmal neu zu zeichnen. Bei einer Ideensammlung oder der Gliederung eines Aufsatzes ist das nicht nötig. In diesen Fällen genügt es, die Äste durchzunummerieren. Wenn Du Dir jedoch Stoff einprägen möchtest und die Mindmap Inhalte zusammenfasst, wäre das Neuzeichnen angebracht.

Individuelle Tipps

Mindmapping eignet sich für alle Lerntypen. Deshalb hat sich diese Technik schon weit verbreitet. (Zur Ermittlung Deines eigenen Lerntyps klicke hier.) Doch für jede Persönlichkeit bietet sich ein anderer Einsatz der Maps an. Hier nun die individuellen Tipps für die verschiedenen Lernerpersönlichkeiten:

RednerIn
Mindmaps kommen Deiner Spontaneität entgegen. Du kannst schnell Deine Gedanken notieren, ohne sie bereits zu Ende durchdacht zu haben.
ZuhörerIn
Du denkst die Dinge gern erst durch und notierst sie anschließend. Deshalb sind für Dich Planungsmaps und Mindmaps zur Zusammenfassung von Inhalten ideal.
RealistIn
Du gehst gern Schritt für Schritt vor. Deshalb können Dich Zwischenfragen in Referaten oder mündlichen Prüfungen aus dem Konzept bringen. Mit einer Gliederungs-Mindmap hast Du immer den Überblick.
VisionärIn
Deine Neigung zu bildhaftem Denken und Deine Vorliebe für Metaphern kannst Du mit Mindmaps gut ausleben. Auf Symbole, Bilder und Farben solltest Du in Deinen Mindmaps besonderen Wert legen.
LogikerIn
Als analytischem Typ kommen Dir Computer-Mindmaps entgegen. Lade Dir ein (kostenloses) Programm herunter (z.B. hier) und los geht’s.
Gefühlsmensch
Du bist gern beliebt. Mach Deinen Mitlernern ein wertvolles Geschenk. Erstelle eine oder mehrere schöne, farbige, übersichtliche Mindmaps zu Euren Lernthemen. Spätestens nach der Prüfung werden Dir alle dankbar sein.
PlanerIn
Mit linearen Notizen wie Listen oder Texten kommst Du in der Regel gut zurecht. Setze Mindmaps gezielt ein, wenn Dir der Kopf raucht und Du nicht mehr weiterkommst.
SpielerIn
Du hältst Dir gern Optionen offen. Bei Mindmaps lassen sich jederzeit noch Ideen einfügen. Sie kommen Deinem Naturell damit sehr entgegen. Lass' immer Platz für einen "Reste-Ast".




Quelle:

Der Prüfungserfolg, Die optimale Prüfungsvorbereitung für jeden Lerntyp, GABAL Verlag, Offenbach, 2008.



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