Studienwahl

Akkreditierung von Studiengängen

Seit einigen Jahren liest man immer wieder von der "Akkreditierung von Studiengängen". Bei den Studienangeboten der Hochschulen wird z.B. angegeben, der Studiengang Informatik sei von der Akkreditierungsagentur ASIIN zertifiziert. Was steckt dahinter und inwieweit sollte man die Wahl eines Studiengangs von seiner Akkreditierung abhängig machen?

Akkreditierung statt Rahmenprüfungsordnungen

Früher wurden Rahmenbedingungen von Studiengängen durch sogenannte Rahmenprüfungsordnungen durch die Wissenschaftsministerien geregelt. Ungefähr parallel zur Umstellung auf die gestuften Bachelor-/Master-Abschlüsse wurde zunächst parallel, inzwischen ersatzweise die Akkreditierung von Studiengängen eingeführt.

Durch die Akkreditierung soll eine "Qualitätssicherung" der Studiengänge erreicht werden. Hier sei aber gleich angemerkt, dass Studienqualität schwer messbar ist, da es sich nicht um materielle Güter handelt, bei denen man standardisierte Maße hat. Wann aber Bildung gesellschaftlich "gut" ist, das können unterschiedliche Menschen verschieden beurteilen. So mag es gesamtgesellschaftlich gesehen sinnvoll sein, wenn Technik und Wirtschaft auch kritisch hinterfragt werden. Arbeitgeber wollen das aber möglicherweise nicht zu sehr ausgeprägt wissen, wenn es um das eigene Tun geht.

Privatrechtlich organisierte Kontrolle

Real ausgeführt wird die Akkreditierung durch privatrechtliche Agenturen, die vom staatlich kontrollierten Akkreditierungsrat geprüft werden und das Recht zu Akkreditierungen erhalten. In den einzelnen Bundesländern haben die Wissenschaftsministerien dann unterschiedlich geregelt, ob Studiengänge von vornhereien akkreditiert sein müssen oder erst nach Start nachträglich einem solchen Prozess unterzogen werden.

Die Agenturen selbst sind bis auf die Akkreditierung durch den Rat alle paar Jahre jeder demokratischen Kontrolle entzogen. Somit ist der Einfluss von Arbeitgeberverbänden und wissenschaftlichen Fachverbänden gestiegen, da diese als Hauptträger der bestehenden Agenturen nun relativ direkt Einfluss nehmen können, die Politik hat sich dagegen auf Metakontrolle zurückgezogen hat.

Die Akkreditierung wurde z.T. auch ingeführt, weil sich einige davon eine "flexiblere" Genehmigung von Studiengängen erhofften. Inzwischen scheint sich aber herauszustellen, dass die einzelnen Agenturen eher noch detailliertere Kriterienkataloge als früher die Ministerien aufgestellt haben oder sich die Hochschulen gar nicht mehr trauen, weit vom vermeintlichen fachlichen "Mainstream" abzuweichen, um die Akkreditierung nicht zu gefährden.

Trend zur Systemakkreditierung

Da eine individuelle Akkreditierung jedes Studiengangs ("Programmakkreditierung") teuer und zeitaufwändig ist (trotz dem Trend zur Vereinheitlichung), scheinen Hochschulen und Politik sich perspektivisch darauf verständigt zu haben, der Systemakkreditierung den Vorzug zu geben. Hierbei prüfen die Agenturen nicht mehr die einzelnen Studiengänge, sondern das interne Qualitätssicherungssystem einer Hochschule. Dies kann sich auch nur auf Teilbereiche der angebotenen Studiengänge beziehen.

Voraussetzung für eine erstmalige Systemakkreditierung ist, dass – abhängig von der Studierendenzahl – ein oder mehrere Studiengänge bereits per Programmakkreditierung zertifiziert wurden. Nach erfolgreicher Systemakkreditierung ist eine Programmakkreditierung der sie umfassenden Studiengänge nicht mehr notwendig. Im Rahmen der Akkreditierung wird dann nur noch ein Studiengang stichprobenartig untersucht.

Qualitätssiegel Akkreditierung?

Langfristig werden wohl alle Studiengänge in irgend einer Form akkreditiert sein. Die es noch nicht sind, können deswegen nicht als schlechter bezeichnet werden. In einigen Bundesländern gibt es noch nicht den absoluten Zwang dazu und die Hochschulen versuchen sich die Kosten zu sparen, vielleicht auch bis sie eine Systemakkreditierung durchführen können.

Eine Akkreditierung sagt auch nicht zwangsläufig aus, dass ein Studiengang "gut" ist. Denn dieses Urteil wird zwangsläufig immer individuell ausfallen. Möglicherweise kann die Akkreditierung zu einer Konformität führen, die langfristig gar nicht so positiv ist, da auf neue Entwicklungen zu spät eingegangen wird. Die Systemakkreditierung könnte einerseits etwas mehr Flexibilität schaffen, auf der anderen Seite ist die Prüfung oberflächlicher.

Was tun bei der Studienwahl?

Es gilt für StudienanfängerInnen – wie auch schon früher – sich individuell mit den angebotenen Studiengängen zu beschäftigen, um heraus zu finden, welcher der richtige ist. Diese Entscheidung auf andere (hier: die Akkreditierungsagentur) abzuschieben, ist zwar bequem, führt aber nicht unbedingt zur individuell richtigen Entscheidung. Langfristig werden sowieso praktisch alle Studiengänge akkreditiert sein, als Unterscheidung würde dann nur noch dienen, welche Agentur die Akkreditierung vorgenommen hat.

Besser ist es jedoch, selbst zu definieren, welche Schwerpunkte wichtig sind, welche Ausstattungsmerkmale der Hochschule man wichtig findet, aber auch, ob man eher der Typ für eine "große" oder "kleine" Hochschule ist. Will man mehr "Praxisorientierung" oder ist man eher an "Wissenschaft" interessiert? Gespräche mit Studierenden vor Ort, mit Aktiven in der jeweiligen Fachschaft bringen oft mehr Erkenntnisse. Nicht zuletzt sind auch die Angebote außerhalb des Studienfachs – ob an Uni oder aus der Stadt – zu berücksichtigen und die Stadt, in der man dann leben würde.

Institutionen und Hintergründe rund um die Akkreditierung

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