31.03.2014
Studienfinanzierung

Studienkredite, Bildungsfonds, Studiendarlehen

Die Finanzierung des Lebensunterhalts während eines Studiums soll in Deutschland im wesentlichen durch die Eltern (Unterhalt) und/oder BAföG erfolgen. In der Realität klappt das bei vielen nicht – aus verschiedenen Gründen. Die Mehrheit der Studierenden jobbt nebenbei. So können dann – evt. auch nur zeitweise oder zum Studienende – Studienkredite oder Bildungsfonds als (weitere) Finanzquelle ins Spiel kommen. Grundsätzlich sollte man auf diese nur zurückgreifen, wenn man keine andere Finanzierungsmöglichkeit (mehr) hat und in so geringem Umfang wie möglich.

Es ist zu empfehlen, erst die folgenden Abschnitte zu lesen, bevor in der Übersichtstabelle der Anbieter die Detailinfos aufgerufen werden. Auf die Tabelle folgt noch ein Absatz mit einem Kommentar von Oliver Iost zum Thema Studienkredite - durchaus lesenswert.

Hinweis: Diese Seite erreicht man auch direkt über die URL www.studienkredite.org.



Begriffsklärungen

Zunächst zur Begriffsklärung: Studiendarlehen und Studienkredit werden synonym verwendet und stehen für ein Darlehen, das den Lebensunterhalt während des Studiums und/oder evt. weitere Kosten (z.B. Studiengebühren) finanzieren soll. Die Besonderheit im Vergleich zu einem normalen Kredit ist, dass nicht auf einen Schlag eine große Summe vergeben wird, sondern monatliche Zahlungen gewährt werden.

Von Bildungsfonds wird gesprochen, wenn die Finanzierung des Ausfallrisikos von Geldgebern über einen Fonds getragen wird. In den USA gibt es Bildungsfonds, die wie normale Wertpapiere gehandelt werden. In Deutschland ist das so offen noch nicht der Fall, hier stellt ein einzelner oder wenige Geldgeber (z.B. Sparkasse Leipzig für den Bildungsfonds der HHL Leipzig) eine bestimmte Geldsumme zur Verfügung, aus der dann die Darlehen ausgegeben werden. Es gibt aber auch erste Anbieter, bei denen man in solche Fonds investieren kann. Nach einer gewissen Zeit trägt sich das ganze im besten Fall von selbst, da ja auch Rückzahlungen eingehen - allerdings nur, wenn es nicht zu viele Ausfälle gibt.

Ein Bildungsfonds ist also eigentlich ein mögliches Finanzierungsinstrument, wie das Geld für die Darlehen eingeworben wird. Für den studentischen Kreditnehmer macht es nur einen Unterschied, wenn auch die Rückzahlung ein anderes Modell verfolgt, als man es von "normalen" Bankkrediten kennt. Das ist in Deutschland meist der Fall: Bei fast allen Bildungsfonds wird die Rückzahlung prozentual an den nach dem Studium erzielten Einnahmen geknüpft (es kann allerdings bestimmte Ausnahmen geben, bei denen doch auf eine "bankübliche" Ratenzahlung umgeschaltet wird).

Studis Online verwendet den Begriff Studienkredit für alle mehr oder weniger privatwirtschaftlich organisierten Kredite oder Bildungsfonds für Studierende.



Studienkredite im Vergleich (Stand 31.03.2014, ohne Gewähr!)

Lange Zeit gab es in Deutschland praktisch keine Studiendarlehen – von wenigen lokalen Anbietern für bestimmte Studienprogramme in der Regel an privaten Hochschulen abgesehen. Erst 2005 hat sich dies geändert – die Ursachen dafür sind nicht unbedingt erfreulich (vgl. den Abschnitt Kommentar und Kritik zu Studiendarlehen). Inzwischen gab es diverse Rückzieher. So hat der Pionier Deutsche Bank (sie hatte 2005 als erste Bank einen allgemeinen Studienkredit angeboten) das eigene Angebot aufgegeben und vermittelt stattdessen nun – wie viele andere Banken – den KfW-Studienkredit.

Im Folgenden eine Übersicht der Anbieter, die nicht auf eine einzelne Hochschule beschränkt sind. Eine Nachfrage vor Ort schadet nie, manchmal gibt es noch besondere hochschulspezifische Angebote. Details zu den einzelnen Angeboten gibt's durch Klick auf den Anbieternamen.

Achtung: Bei allen Anbietern läuft die Rückzahlung einige Zeit nach Ende des Auszahlungszeitraums (oder Abbruch des Studiums ...) an - egal, ob ihr dann doch noch (oder wieder) studiert, arbeitslos seid oder sonst wie wenig Geld habt. Eine Stundung ist nur schwer bis gar nicht möglich. Auch eine Verminderung der Raten ist nur in Ausnahmefällen möglich. Konsequenz im schlimmsten Fall: Privatinsolvenz.

Wer an die Finanzierung der nur noch in Niedersachsen (auch dort Abschaffung zum WiSe 2014/15 geplant) bestehenden allgemeinen Studiengebühren denkt: Für diese gibt es eigene Kreditangebote, die in der Regel günstiger sind als ein Studienkredit. Details im Artikel Studienbeitragsdarlehen. Allerdings sind diese Angebote nur die Finanzierung der Studiengebühren gedacht. Evt. ist also ein Finanzierungs-Mix gefragt. Letzerer Link führt auch zu einer Übersicht aller wesentlichen Finanzierungsquellen - sollte also in jedem Fall angeschaut werden, vielleicht ist ein Studienkredit gar nicht nötig und es gibt bessere Alternativen.

Anbieter/Produkt monatliche Höchstrate Zinssatz 1 Besonderheiten 2
apoStudienKredit der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) Gesamtsumme bis 15.000 € (wenn kein KfW-Studienkredit) bzw. 10.000 € 4,06% eff. während Auszahlung, danach Neuvereinbarung! Kunde der apoBank und Studium/Promotion im Gesundheitsbereich (insbes. Medizin/Pharmazie)
Bildungsfonds von CareerConcept "bis zu 1000 €" i.a. ea3 Auswahlverfahren
Deutsche Bildung "bis zu 1000 €" ea3 Auswahlverfahren; individuelle Angebote, in der Regel höchstens für 36 Monate und insgesamt < 30.000 €
DKB Studenten-Bildungsfonds 650 € 6,49% eff., fest Bei Studienbeginn Alter unter 30 Jahre
EKK-BildungsKredit 500 € 5,45% bzw. 5,6% nom. Auch für berufsbegleitende Studiengänge, keine feste Altersgrenze, kein Leistungsnachweis. Auszahlungsrate sinkt langsam, da Zinsen der aufgelaufenen Schuld laufend zu zahlen sind und direkt abgezogen werden.
Festo Bildungsfonds bis 800 € ea3 Auswahlverfahren, nur für technische und ingenieurwissenschaftliche Studiengänge im Master oder zum Promovieren. Bachelor+Diplom-Studierende mit "nachweislich guten Prüfungsleistungen" können sich ebenfalls bewerben.
Studienkreditprogramm der KfW Förderbank ("KfW-Studienkredit") 650 € 3,32% nominal, Modellfall 3,33% effektiv (seit 01.04.2014) Seit 01.04.2013 ausgeweitet (auch Zweitstudium, Aufbaustudium etc. - Grenze ist aber die Gesamtdauer der Förderung ohne Rückzahlung, die nicht verlängert wurde!), Leistungsnachweis nach 6 Fördersemestern, bei Studienbeginn noch unter 45 Jahre alt; während Rückzahlungsphase kann Festzinsoption gewählt werden
Sparkassen-Bildungskredit bei längerer Förderung unter 500 €, für kurze Zeit auch mehr möglich (je nach Sparkasse) je nach Sparkasse, im Bereich von ca. 3-5% Bonität vorhanden (keine negativen Schufa-Einträge)
Nur bei einigen Sparkassen erhältlich (z.B. Haspa, dort Grenze von 450 €/Monat)
VR-Bildungsfinanzierung 250 € je nach Bank, ca. 4% Nur bei sehr wenigen Volks+Raiffeisenbanken in Bayern erhältlich.

Hinweise/Fußnoten
Alle Angaben sind den Pressematerialien der Anbieter entnommen. Die Namen/Marken können geschützt sein und sind hier nur zur Information genannt. Für ihre Richtigkeit kann keine Gewähr übernommen werden, insbesondere können sich die Konditionen jederzeit von Seiten der Anbieter ändern.

1 Aktueller jährlicher Zins, der Zinssatz kann von der Bank angepasst (also insbesondere auch erhöht) werden - außer es steht ausdrücklich "fest" dabei. Wenn nicht anders angegeben: Nominaler Zinssatz (der effektive Zinssatz hängt dann noch von einigen Randbedingungen ab, ist also je nach individuellem Fall unterscheidlich, er liegt meist etwas höher als der nominale Zinssatz). Die Angaben sind ohne Gewähr, bitte bei der jeweiligen Bank nachprüfen!
2 Aufgezählt sind nur die weitestgehenden Einschränkungen. Weitere kommen hinzu, z.B. bezüglich Alter, Fachsemester etc. Ganz allgemein kann man sagen, dass meist nur das Erststudium finanziert wird (inkl. Master bei Bachelor/Master-Studium) - außer es ist ausdrücklich anderes erwähnt.
3 Rückzahlung einkommensabhängig. Es wird vor Finanzierungsbeginn vereinbart, wie lange ab Beginn der Erwerbstätigkeit nach dem Studium ein bestimmter Prozentsatz des Einkommens an den Fonds zurück zu zahlen ist. Man sollte genau prüfen, was in Sonderfällen passiert (Abbruch des Studiums, auf Dauer kein Einkommen nach dem Studium). Es kann sein, dass in solchen Fällen das ganze doch in einen gewöhnlichen Kredit mit monatlichen Raten umgewandelt wird. Aber auch bei planmäßiger Rückzahlung sollte man mal ausrechnen, wie viel man bei erwartetem Einkommen insgesamt zurückzahlen wird und ob das evt. nicht deutlich mehr als bei einem normalen Studienkredit ist.

Banken und andere Vermittler, die (auch) den KfW-Studienkredit anbieten

Einige Banken verzichten auf eigene Angebote, treten aber als Vermittler des KfW-Studienkredites auf. Dazu kommen noch weitere Organisationen, die keine Banken sind, aber den KfW-Studienkredit vermitteln können.

  • Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank, hat auch eigenes ergänzendes Angebot, s.o.)
  • Commerzbank
  • Deutsche Bank
  • HypoVereinsbank (HVB)
  • MLP
  • Santander (nach Übernahme des Privatkundengeschäfts der SEB am 01.02.2011)
  • Sparkassen (machen teilweise aber auch eigene Angebote, s.o.)
  • Studentenwerke (vereinzelt)
  • Targobank
  • Volks- und Raiffeisenbanken (in Bayern machen sehr wenige eigene Angebote, s.o.)
  • einige PSD-Banken
Falls Informationen hier nicht mehr stimmen sollten oder weitere Anbieter von hochschulübergreifenden Studienkrediten fehlen, bitte per Mailformular melden. Vielen Dank! Gibt es noch Fragen? Diese bitte im Forum rund ums Geld stellen!

Eingestellte / ausgesetzte Studienkredite (Stand 03.09.2013)

Es gab einige Zeit noch mehr Studienkredite. Einige wurden aber inzwischen eingestellt (die Dresdner Bank bspw. gibt es auch gar nicht mehr als eigenständige Bank). Wer wissen will, was für Konditionen diese Angebote geboten hatten, kann sich hier noch informieren - beantragen kann man diese aber nicht mehr: Sparkassen-Bildungskredit und VR-Bildungsfinanzierung sind zwar noch existent. Aber soweit wir das mitbekommen von weniger Banken als zu Beginn. Die meisten Sparkassen und Volks- bzw. Raiffeisenbanken vermitteln stattdessen den KfW-Studienkredit. Oder bieten gar nichts (mehr) an.



Kommentar und Kritik (Stand 03.09.2013)

Zunächst sei darauf hingewiesen, dass alle hier aufgelisteten Studienkredite privatwirtschaftliche Angebote sind. Selbst der Kredit der KfW, die eine staatseigene Bank ist, folgt diesem Grundsatz und ist nicht direkt staatlich gestützt. Das bedeutet, dass alle Anbieter ihr Geld auch zurückhaben wollen und es keine Regelungen gibt, die bei sehr geringem späteren Einkommen eine Stundung ermöglichen. Zwar kann auch eine Bank im Einzelfall mal mit sich reden lassen, ein Anspruch darauf gibt es nicht. Es bliebe im schlimmsten Fall (Kreditaufnahme während Studium, später aber kein Job oder gar sogar Berufsunfähigkeit durch Krankheit/Unfall) nur die Privatinsolvenz.

Nach dieser Warnung muss allerdings auch betont werden, dass es Situationen gibt, bei denen andere Finanzierungsmöglichkeiten ausfallen oder nicht ausreichen – und dann kann ein Studienkredit eine Überlegung wert sein.

Einer der größten Nachteile des BAföGs ist die Elternabhängigkeit, die nur in Ausnahmefällen nicht gilt. Dazu gibt es weitere Situationen, in denen ein BAföG-Bezug nicht mehr möglich ist. Die Stipendien der Stipendiaten-Organisationen sind meist an die BAföG-Regeln gebunden – also auch da keine Hilfe, bis auf kleine Nischen.

Eine wirkliche Lösung dieser Probleme wäre eine Verbesserung und ein Ausbau des BAföGs - auch in Richtung Elternunabhängigkeit. Leider ist damit in näherer Zukunft nicht zu rechnen. Bevor man nur deswegen nicht studiert, ist es besser, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, auf eine (Mit-)Finanzierung durch einen Bildungsfond bzw. Studienkredit zu setzen.

Übrigens wurden erst seit der Einführung von Studiengebühren in einigen Bundesländern (inzwischen größtenteils wieder abgeschafft) vermehrt Studienkredite angeboten. Grund dafür war (und ist), dass zunehmend das Konzept von "Bildung als Investition ins eigene Humankapital" den solidarischeren Ansatz des BAföGs verdrängen sollte. Das Risiko der "Bildungsinvestition" wird auf den einzelnen abgeschoben - damit wird es aber gerade Menschen mit geringeren finanziellen Mitteln schwerer gemacht, an eine Hochschule zu gehen. Langfristig ist zu befürchten, dass das BAföG zugunsten von Bildungsfonds/Studiendarlehen (evt. staatlich gefördert) abgeschafft wird. Zunächst aber geht es "nur" darum, parallel auch Studiendarlehen einzuführen – in Ergänzung zum BAföG (und den Studienbeitragsdarlehen der Länder für allgemeine Studiengebühren; wobei es diese nach einem Hoch vor einigen Jahren bald in keinem Bundesland mehr geben wird).

Diese Entwicklung ist bedenklich, denn mit dem "Humankapital-Konzept" geht mehr und mehr verloren, dass Bildung ein Menschenrecht darstellt und zuerst dem gesellschaftlichen Fortschritt dienen soll, dann erst dem genuin wirtschaftlichen. Unter gesellschaftlichem Fortschritt stelle man sich all die Dinge vor, die eben nicht (richtig) in Geld messbar sind wie Zufriedenheit, Glück, Sicherheit etc.

Das gerne gebrachte Argument, dass Studierende später mehr verdienen würden, ist ebenfalls nur begrenzt stichhaltig. Denn zum einen gibt es Studiengänge, wo der zu erwartende Verdienst keineswegs sonderlich hoch ist. Und für den Einzelnen ist das Heranziehen der Statistik ebenfalls wenig wert: Er kann ja auch zu denen gehören, die Unterdurchschnittlich verdienen werden. Kurz: Studienkredite verschieben das Risiko vollständig auf den Einzelnen, beim BAföG dagegen übernimmt der Staat ein Großteil des Risikos.

Wenn man schließlich in diesem Zusammenhang noch Erkenntnisse von Eliteforschern wie Prof. Hartmann von der TU Darmstadt hinzuzieht, sieht es nochmals anders aus: Studierende aus bildungsfernen (und damit meist auch finanzschwächeren) Schichten haben es auch später im Berufsleben schwerer. Sie sind es aber gerade, die sich verschulden müssten.

Für den/die EinzelneN kann aber – von dieser Kritik und diversen Details, die jedeR sich anschauen sollte, abgesehen – ein Studienkredit, insbesondere wenn dieses nur z.B. zum Studienende in Anspruch genommen wird, tatsächlich eine Hilfe sein.



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