Fotografieren verboten
So schreibt man einen englischen CV

Im englischen CV ist ein Foto nicht nur unnötig – es ist absolut unüblich!
Beim CV gibt es große Unterschiede zwischen Europa und den USA: Während bei uns ein Modell dominiert, das dem Europass – einem von der EU entwickelten Standardlebenslauf – relativ nahe kommt, unterscheiden sich amerikanische CVs teilweise deutlich. Dieser Artikel bezieht sich in erster Linie auf die in Europa gängigen Normen, zeigt aber auch einige Unterschiede zu den USA auf.
Die gute Nachricht: englische Lebensläufe sind nicht allzu standardisiert. Es gibt also kein kompliziertes Regelwerk, das ihr lesen müsst. Die meisten Tipps, die für den deutschen Lebenslauf gelten, sind auch auf Englisch richtig. Wie im Deutschen ist es das Ziel des englischen Lebenslaufes, alle Stationen und Aktivitäten im bisherigen Leben schnell erfassbar zu machen. Der Leser muss auf den Lebenslauf schauen und sich innerhalb von wenigen Sekunden ein Bild machen können. Wie ein deutscher Lebenslauf aussehen sollte, zeigen wir euch hier.
Das Design
Wie im Deutschen gilt: Keine überflüssigen Informationen. Etwa 90 Prozent aller CVs haben die Überschrift "Curriculum Vitae". Doch dass es sich um einen Lebenslauf handelt, ist bereits vom Format her aus fünf Metern Entfernung sichtbar. Warum also eine bekannte Information wiederholen? Was dagegen weniger offensichtlich und dafür umso wichtiger ist: der Name. Genau diesen solltet ihr groß voranstellen. Ebenfalls streichen könnt ihr Wörter wie Address, Email und Telephone. Denn jeder kann eine Telefonnummer und eine E-Mailadresse erkennen, ohne extra darauf hingewiesen zu werden. Und: Eine Unterschrift ist im englischen Lebenslauf nicht nötig.
Der Aufbau

Sebastian Horndasch ist Autor der beiden Studienführer Bachelor nach Plan und Master nach Plan, die bei Auswahl, Bewerbung und Finanzierung des Bachelor- beziehungsweise des Masterstudiums helfen. Er betreibt mit www.horndasch.net ein Blog, das sich vor allem mit Fragen der Studienwahl und der Bewerbung auseinander setzt. Sebastian hat in Erfurt Staatswissenschaften studiert und hat einen Master in Economic Development von der Nottingham University. Er promoviert derzeit im Bereich Bildungsökonomie.
Personal Profile und Career Objective
Nach den Personal Details folgen oftmals zwei hierzulande eher unübliche Kategorien: Personal Profile und Career Objective. Da sich beide ein wenig überschneiden, werdet ihr meist nur eine in einem CV finden. Wählt ihr beide, müsst ihr darauf achten, dass sie unterschiedliche Informationen enthalten. Achtung: In europäischen Lebensläufen handelt es sich um eine Kann-Kategorie, in Amerika ist das Profile fester Bestandteil. Wer sich also in den USA bewirbt, sollte es keinesfalls vergessen.
Im Personal Profile könnt ihr eine kurze Charakterisierung eurer selbst verfassen. Für die Bachelorabsolventin aus dem Beispiellebenslauf könnte diese folgendermaßen lauten:
- "Young Professional well-experienced in social media with a Bachelor’s degree in media sciences; co-founded student-run marketing agency; proven technical skills in leading media software; ability to work under high pressure."
Im Beispiellebenslauf haben wir uns entschieden, statt dem Personal Profile lieber das Career Objective zu nennen. Anders als im Deutschen, wo ihr unter "Angestrebte Position" schlicht die Stellenbezeichnung nennt, solltet ihr im englischen CV generell bleiben und eure wichtigsten Argumente nennen. Die Studentin im Beispiellebenslauf schreibt folgendes:
- "To work as a marketing professional in the social media industry, applying my experience as the co-founder of a student-run marketing firm and my Bachelor’s degree in Media Sciences"
Jan Perret, stellvertretender Leiter des Karriereservices der Nottingham University, hat bei den beiden Kategorien gemischte Gefühle: "Personal Statement und Career Objective können sehr kraftvoll sein und einen prägnanten Überblick über die Ziele und Kenntnisse einer Person bieten. Schlecht gemacht, können sie aber auch überflüssig oder sogar schädlich sein. Der Inhalt sollte also für den Leser einen zusätzlichen Nutzen bieten, um eine positive Ergänzung darzustellen." Wer sich unwohl fühlt, kann die Kategorien auch weglassen – außer, ihr bewirbt euch in den USA.
Education und Professional Experience
Mit Education und Professional Experience folgen zwei Kategorien, die sich von der Sprache abgesehen nicht von den deutschen Pendants unterscheiden: Die Stationen werden rückwärts chronologisch mit den jüngsten Entwicklungen zuerst aufgezählt, die Überschrift enthält die wichtigsten Angaben (Position, Organisation, Ort), darunter folgen die wichtigsten Aufgaben und Informationen. Wie im deutschen Lebenslauf ist die Grundschule irrelevant. Ein Eintrag könnte dabei folgendermaßen lauten:
| 02/2011 – 04/2011 | Intern at the Social Media Agency "Neo Medien", Berlin Contributed to the design of the social media strategy for a German blue chip company Represented Neo Medien at the "Mediascope 2011" conference in Cologne |
|---|
Vielleicht fällt euch beim Lesen auf, dass die Beispielabsolventin aktive Verben nutzt: Contributed und Represented. Viele Leute würden statt dessen folgendes schreiben "Participation in the Mediascope 2011 conference in Cologne". Das ist nicht falsch, allerdings ist es auch nicht sehr präzise und klingt passiv. Die aktivere Formulierung – "Represented Neo Medien..." – klingt besser und ist präziser. Dies hebt auch Jan Perret hervor: "Wir raten allen, aktive Verben zu nutzen, um klar zu machen, was man genau gemacht hat. In der dritten Person bleiben die Aufgaben und Erfolge für den Leser recht vage."
Im Beispiel-CV haben wir die Noten der Absolventin ins Englische übertragen und dabei die Tabelle im Artikel zum Studium in Großbritannien genutzt. Dies ist natürlich nur bei einer Bewerbung im Vereinigten Königreich sinnvoll. Falls ihr euch unsicher seid, könnt ihr auf die Übersetzung der Noten auch verzichten.
Engagement und Ehrenamt
Ehrenämter und Engagement sind immer positiv und sollten im CV unbedingt genannt werden. Doch wo? Verfügt man über mehrere Stationen, bietet sich eine eigene Kategorie mit dem Titel Extracurricular Activities oder – wie im Beispiel-CV – Voluntary Activities an. Ist das Engagement auf nur eine Sache begrenzt, würde eine eigene Kategorie übertrieben wirken. In diesem Fall könnt ihr euer Engagement später unter euren persönlichen Interessen nennen.
Skills
Wie im Deutschen gibt man auch im englischen CV seine Sprach- und Computerkenntnisse an. Euren Führerschein müsst ihr dabei nicht erwähnen, solange dieser nicht explizit in einer Stellenausschreibung gefordert wird. Solltet ihr eure Kenntnisse durch Sprachtests und Zertifikate belegen können, solltet ihr diese auch aufzählen. In unserem Beispiel-CV hatte die Studentin beispielsweise besonders gut im TOEFL-Test abgeschnitten.
Hobbys und weitere Interessen
Hobbys gehören auch in einen englischen Lebenslauf. Jan Perret betont aber, dass man die Sektion niemals Hobbies nennen sollte. "Ich rate zum Titel ‚Activities’ oder ‚Interests’. ‚Hobbies’ klingt auf Englisch sehr kindisch." Dabei solltet ihr es nicht bei einer kurzen Aufzählung belassen. "Arbeitgeber möchten Details sehen. Eine reine Aufzählung sagt nicht viel, es muss klar werden, wie engagiert man ist und wie gut man seine Sache macht. Ich rate dazu, zwei bis drei Aktivitäten auszuwählen, die wirklich etwas über einen sagen."
Die Absolventin in unserem Beispiel-CV spielt zum Beispiel seit längerem mit hohem Engagement Fußball. Würde sie nur "Fußball" als Aktivität nennen, könnte es auch sein, dass sie im Sommer regelmäßig im Park kickt. Daher hat sie folgendes geschrieben:
- "I have been playing competitive football for several years and currently play for my university team. Apart from keeping me fit, it also teaches me about the importance of teamwork."
In englischsprachigen Ländern sind Praktikums- und Arbeitszeugnisse nicht üblich. Aus diesem Grund spielen Referenzen eine große Rolle, die möglichen Arbeitgebern Informationen über die Bewerber geben können. Unter den Referenzen sollet ihr zwei bis drei Personen nennen, die etwas über euch sagen können – Beispielsweise der ehemalige Chef beim Praktikum sowie ein Professor, der euch gut kennt. Wichtig: Ihr sollet die Leute fragen, bevor ihr sie in eurem CV nennt.
Die wichtigsten Unterschiede zwischen Lebenslauf und CV
| Lebenslauf | CV | |
|---|---|---|
| Foto | Ja | Nein | Status | Möglich | Nein |
| Geburtstag und -ort | Ja | Möglich, aber nicht notwendig |
| Nationalität | Nur, falls nicht aus Namen und Geburtsort erschließbar | Nur, wenn ein Arbeitsvisum nötig ist |
| Persönlichkeitsprofil | Nein | Ja, möglich |
| Karriereziel | Möglich, kurz angestrebte Position nennen | Ja, Position und wichtigste Qualifikationen nennen |
| Hobbies | Ja, kurz halten | Ja, mit Details |
| Referenzen | Nein | Ja, möglich |
| Datum und Unterschrift | Möglich | Nein |
Richtig schreiben
Bei Nicht-Muttersprachlern wird im Englischen nicht ganz so streng auf Rechtschreibung und Grammatik geachtet – dennoch solltet ihr euch Mühe geben. Jan Perret rät, sich Hilfe bei anderen zu suchen: "Nach meiner Wahrnehmung sollten Nicht-Muttersprachler sehr vorsichtig mit Rechtschreibung und Grammatik sein. Wer sich nicht ganz sicher ist, sollte jemanden Kompetentes um Hilfe bitten. Daneben sollte man in englischen Lebensläufen keine blumige Sprache nutzen. Arbeitgeber bevorzugen eine klare Sprache und Struktur."Im Englischen schreibt man fast alles klein, auch Substantive. Doch es gibt Ausnahmen: So gilt bei Namen, Ländern und Titeln die Großschreibung. Es heißt beispielsweise nicht "bachelor of arts in education", sondern "Bachelor of Arts in Education" und nicht "a german university", sondern "a German university".
Bei Überschriften könnt ihr euch entscheiden, ob ihr alles groß oder lieber klein schreiben möchtet. Im Beispiellebenslauf wären sowohl "Professional experience" als auch "Professional Experience" richtig. Wichtig ist nur, dass ihr euch im CV für eine Schreibweise entscheidet und diese dann konsequent durchhaltet. Im Beispiellebenslauf haben wir uns für Großbuchstaben entscheiden. Dies könnt ihr aber machen, wie ihr wollt.
Claudia Horn hatte in ihrem Lebenslauf viele Fehler gemacht: "Sprachlich war mein englischer CV soweit in Ordnung. Dafür habe einerseits meinen Familienstand genannt und andererseits persönliche Interessen und Referenzen weggelassen. Den Masterstudienplatz habe ich aber trotzdem erhalten."
Kleines Wörterbuch: Die wichtigsten Begriffe übersetzen
| Abschlussarbeit | Dissertation / Thesis |
| Abitur | Abitur (equivalent to A level) |
| Arbeitserfahrung | Professional (or: Work) Experience |
| Ausbildung | Education |
| Hauptfach | Major Subject |
| Hobbys/Interessen | Personal Interests / Activities |
| Kenntnisse und Fähigkeiten | Skills |
| Nebenfach | Minor Subject |
| Note | Mark |
| Praktikum | Internship |
| Praktikant/in | Intern |
| Soziales Engagement | Voluntary Activities / Extracurricular Activities |
| Sprachkenntnisse | Language Skills |
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