Studienfächer
Medien- und Journalismus-Studiengänge (Seite 1)
IMM-Generation. So hat ein Berliner Kabarettist die heutige Studenten-Generation bezeichnet. Denn egal ob nach Studiengang oder Berufsziel gefragt, die Antwort deutscher Studenten lautet oft: »Ich mach' was mit Medien!« Kein Wunder also, dass Universitäten und Fachhochschulen rund 500 Studiengänge auflisten, die irgendwas mit Medien zu tun haben.Von Frauke Lüpke-Narberhaus
500 Studiengänge in ganz Deutschland. Die lassen sich grob in 9 Studienrichtungen einteilen: Journalistik, Publizistik und Kommunikationswissenschaft, Medienwissenschaft, Medienwirtschaft, PR/Öffentlichkeitsarbeit, Medientechnik, Multimedia und Medieninformatik, Medienkultur und schließlich Mediendesign.
Zunächst einmal sollte sich also ein Studienanfänger fragen: In welche dieser 9 Richtungen soll es gehen?
Journalistik
Ein Medienstudiengang ebnet nicht automatisch den Weg in eine Redaktion. Im Gegenteil. Viele Zeitungsmacher raten von einem solchen Studium eher ab. Manuel J. Hartung, Chefredakteur vom Studentenmagazin Zeit Campus, begründet warum: »Journalismus ist Handwerk. Auch wenn sich viele Medien-Studiengänge um Praxis bemühen - Schreiben lernt man am besten in einer Lokalredaktion und später auf einer Journalistenschule. Als Journalist denkt man später ohnehin stets über Medien nach. Wer dann schon Medien studiert, beraubt sich einer anderen Sicht auf viele Dinge - Jura, Geschichte, Psychologie, Medizin, Biologie, gar Theologie oder Mathematik geben einem Einsichten, die man in einem Medienstudium nicht bekommen kann.« Anders hingegen beurteilt Hartung ein Journalistik-Studium. »Die Universitäten Dortmund, Leipzig und Eichstätt haben sich über die Jahre einen guten Ruf erarbeitet.«
Im Journalistik-Studium sind Theorie und Praxis meist sehr eng verzahnt. Auf der einen Seite geht es also um Fragen, die auch Kommunikations- und Medienwissenschaftler umtreiben: Was macht eine Nachricht zur Nachricht? Wie haben sich die Medien entwickelt? Wie wirken Medien? Auf der anderen Seite geht es um journalistische Kompetenzen.
Die Uni Dortmund integriert ein einjähriges Volontariat in ihr achtsemestriges Bachelor-Studium. Mit dem Studienende ist der Student demnach doppelt qualifiziert: er darf sich Bachelor of Arts und Redakteur im Sinne des Tarifvertrages nennen. Volontariate sind bekanntlich rar, daher sind die Studienplätze an der Uni Dortmund begehrt und der Numerus Clausus ist stets auf hohem Niveau (zwischen 1,2 und 1,4).
Grundsätzlich gilt: Der Studieninteressierte muss das nötige Talent zum Journalisten mitbringen. Um das herauszufinden sollte er vor Studienbeginn in einer Redaktion ein Praktikum absolvieren oder aber als freier Mitarbeiter tätig sein. Das setzen zumindest viele Universitäten voraus. Demnach arbeiten Journalistik-Studenten später auch meist in Redaktionen – sei es Print, Hörfunk, Fernsehen oder Online. Typische Arbeitsfelder sind aber auch Öffentlichkeitsarbeit, Kulturvermittlung, Filmproduktion und Verlage.
Publizistik und Kommunikationswissenschaft
Ob für Film, Fernsehen oder Online: Bewegtbilder sind immer mehr gefragt.(Bild © Frauke Lüpke-Narberhaus)
Während des Studiums beschäftigen sich Kommunikationswissenschaftler weniger mit direkter, so genannter Face-to-Face-Kommunikation, sondern mit Kommunikation, die durch Massenmedien vermittelt wird. Das Studium gliedert sich dabei in verschiedene Bereiche, den allgemeinen Teil durchlaufen meist alle Studenten – in unterschiedlicher Intensität. Das heißt: Theoretische Grundlagen, Kommunikationsgeschichte, Mediensysteme und Medienorganisation, Medienwirkung und Rezeption sowie Methoden der Kommunikationsforschung. Spezialisieren können sich Studenten – je nach Angebot und Forschungsschwerpunkt – auf die Bereiche Medientheorie, Journalismus, PR/Öffentlichkeitsarbeit und Werbung.
Der Wandel der Medien habe sich in den letzten Jahren beschleunigt, erklärt Neuberger. »Das konnte und kann jeder in seinem Alltag beobachten. Für Kommunikationsberufe heißt dies: Es genügt nicht mehr, einige althergebrachte Handwerksregeln zu lernen, wie es im Volontariat oder in anderen reinen Praxisausbildungen geschieht. Innovatives Handeln erfordert mehr: Wer in der gegenwärtigen Medienwelt bestehen will, muss in der Lage sein, noch unerschlossene Optionen und drohende Risiken neuer Medien zu reflektieren. Darauf sind Kommunikationswissenschaftler vorbereitet.«
Medienwissenschaft
Ein medien- und ein kommunikationswissenschaftliches Studium sind nur schwer voneinander abzugrenzen. Nicht umsonst geht die Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) davon aus, dass es sich bei allen Studiengängen, die sich mit Medien auseinandersetzen, um ein Fach handelt. Auch wenn unterschiedliche Fachbezeichnungen kursieren und sie unterschiedlich organisiert sind. Deswegen strebt die wissenschaftliche Fachgesellschaft DGPuK auch eine einheitliche Bezeichnung an.
Medienwissenschaftliche Studiengänge sind meist praxisbezogen sowie eng mit Nachbardisziplinen verknüpft. Mit dem MA-Studiengang »Interdisziplinäre Medienwissenschaft« beispielsweise verzahnt die Universität Bielefeld vier verschiedene Bereiche: die Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft (Text- und Medienproduktion, Texttechnologie, Medienkultur, …), die Fakultät für Pädagogik (Medienpädagogik, Neue Medien und Lernen,…), die Fakultät für Soziologie (Kommunikation und Medien, Medien und Gesellschaft,…) und die Technische Fakultät (Mediengestaltung, Bildverarbeitung, …).
Medienwissenschaftler verdienen ihr Geld meist in ähnlichen Berufen wie Kommunikationswissenschaftler. Darüber hinaus nehmen sie auch planerisch-konzeptionelle Funktionen in Medienunternehmen oder Verlagen ein und arbeiten beispielsweise als Programmplaner.
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