Auslandsstudium
Studieren in Großbritannien
1. Warum Großbritannien?

Schon die Flagge zeigt es: Großbritannien besteht aus mehreren Landesteilen, die Flagge ist eine Kombination derer aus (Nord-)Irland, Schottland und England. Wales ist in der Flagge nicht extra vertreten und auch in Bildungsdingen England sehr ähnlich.
Doch britische Hochschulen sind nicht generell besser als deutsche: Qualitätsunterschiede zwischen den Universitäten sind deutlich ausgeprägter als bei uns. Es gibt viele herausragende Hochschulen – aber auch viele schlechte. Dies liegt unter anderem daran, dass anders als bei uns Forschungsmittel in Großbritannien auf einige besonders anerkannte Hochschulen konzentriert werden.
Vor allem die Internationalität der Studierenden spricht für Großbritannien. An den besseren Universitäten tummeln sich Menschen aus allen Teilen der Erde. Dabei kann man spannende Entdeckungen machen: So haben Studierende aus verschiedenen Teilen der Erde verschiedene Lernrhythmen. Früh morgens trifft man viele Asiaten, während ab neun Uhr die Briten in die Bibliotheken stürmen – in Großbritannien herrscht eine "9 to 5"-Kultur. Wenn spätestens um sechs die meisten Engländer die Bibliotheken verlassen haben, wird die Durchschnittshautfarbe dunkler: Plötzlich dominieren Studierende aus Indien, Afrika und dem Mittleren Osten.
Überhaupt ist Großbritannien ein sehr gastfreundliches Land. Im Supermarkt wird man vom Kassenpersonal gerne mal mit "Love" oder "Dear" angesprochen und in Pubs kommt man schnell mit den anderen Leuten in Kontakt – vor allem, wenn man Ahnung von Fußball hat. Legendär ist auch die Fairness der Briten im täglichen Leben: Überall werden Schlagen gebildet, selbst an der Bushaltestelle. Das wirkt auf den ersten Blick befremdlich auf ellenbogenerfahrene Deutsche, doch es reduziert Stress und Streit und erleichtert das Leben von Schwächeren.
Große Proteste haben die in England ab 2012 deutlich angehobenen Studiengebühren von bis zu 9.000 Pfund pro Jahr ausgelöst - Medizin und Management sind sogar noch teurer. Günstiger ist das Studium in Schottland, wo Schotten und EU-Ausländer (nicht aber für Engländer) den Bachelor gratis studieren sowie in Nordirland und Wales, die die Studiengebühren im Bachelor bei knapp 3.500 Pfund pro Jahr belassen haben.
2. Das britische Hochschulsystem

Sebastian Horndasch ist Autor der beiden Studienführer Bachelor nach Plan und Master nach Plan, die bei Auswahl, Bewerbung und Finanzierung des Bachelor- beziehungsweise des Masterstudiums helfen. Er betreibt mit www.horndasch.net ein Blog, das sich vor allem mit Fragen der Studienwahl und der Bewerbung auseinander setzt. Sebastian hat in Erfurt Staatswissenschaften studiert und hat einen Master in Economic Development von der Nottingham University. Er promoviert derzeit im Bereich Bildungsökonomie.
Die umfangreiche Personaldecke führt dazu, dass die Services britischer Universitäten weit über das hinausgehen, was deutsche Studierende kennen: Ein umfangreicher Karriereservice, sofortige Hilfe im Sekretariat, Hilfsangebote bei Problemen jedweder Art und problemlose telefonische Erreichbarkeit der Verwaltung sind in Großbritannien Standard.
Fachhochschulen gibt es in Großbritannien nicht, sondern ausschließlich Universitäten. Diese bieten theoretisch und praktisch orientierte Studiengänge an. Häufig gibt es im selben Fach einen theorielastigen Master of Science sowie einen praxisorientierten Master of Arts. Dabei genießen die Hochschulen ein sehr hohes Maß an Autonomie: Sie sind weitaus weniger vom Staat abhängig und können selbständig Personal einstellen.
Studiendauer
Der Bachelor dauert in Großbritannien in der Regel drei Jahre – mit der Ausnahme von Schottland, wo Studierende vier Jahre bis zum Abschluss brauchen. Der Master nimmt mit wenigen Ausnahmen nur ein Jahr in Anspruch. Das Studienjahr gliedert sich an den meisten Hochschulen anders als bei uns nicht in Semester, sondern in Trimester. Da diese aufeinander aufbauen, ist ein Studienbeginn zum Sommer in der Regel nicht möglich. Klausuren finden in der Regel am Ende des jeweiligen Trimesters statt. Allerdings gibt es Ausnahmen: Manche Universitäten arbeiten mit Semestern, andere haben alle Prüfungen am Ende des Studienjahres.
- Autumn Term: Oktober bis Dezember
- Spring Term: Januar bis März
- Summer Term: April bis Juli
Neben den Bachelor- und Masterstudium kommt natürlich auch ein Gaststudium in Frage – entweder als Erasmus-Student oder selbst organisiert. In letzterem Fall werden allerdings Studiengebühren fällig, die bei Erasmus entfallen.
Die drei Studientypen im Überblick
| Typ | Dauer | Zulassung | Fristen | Kosten |
| Gast | 1 – 2 Semester | Erasmus: Über Heimathochschule Selbst organisiert: Über die Zielhochschule |
Hochschulabhängig | Erasmus: Keine Kosten Selbst organisiert: Bis zu 9.000 Pfund (Medizin und Management evt. mehr) |
| Bachelor | 3 – 4 Jahre | Über die UCAS | Mitte September bis 15 Januar (Ausnahme: Cambridge, Oxford und Medizin nur bis 15. Oktober) | England: Bis zu 9.000 Pfund (Medizin und Management evt. mehr); Schottland: Gratis; Nordirland und Wales: Etwa 3.500 Pfund. |
| Master | 1 – 2 Jahre | Über die Zielhochschule | Hochschulabhängig, Fristen enden in der Regel zwischen Dezember und April | England: Bis zu 9.000 Pfund (Medizin und Management evt. mehr); Schottland; Nordirland; Wales: Hochschulabhängig |
Notengebung
Die Notengebung an Hochschulen findet in Großbritannien in Prozentzahlen statt. Ab 70% hat man einen so genannten "first class" Abschluss, also einen Abschluss mit Auszeichnung. Das klingt schaffbar, allerdings ist es kaum möglich, eine bessere Note als 80% zu erreichen. Wer dagegen weniger als 40% schafft, ist durch die Prüfung gefallen. Im Master hat man sogar erst ab 50% bestanden. Folgende Tabelle liefert eine Übersicht, was britische Hochschulnoten ungefähr bedeuten. Achtung: Wie bei uns gibt es auch im Vereinigten Königreich von Fach zu Fach Unterschiede in der Härte der Benotung.
Uninoten in Großbritannien und ihre Entsprechung in Deutschland
| Note | Bezeichnung | Übersetzung | Deutsche Entsprechung |
| 70 + % | First Class (auch: 1) | Mit Auszeichnung bestanden | Ab 76%: 1,0; ab 70%: 1,3 |
| 60 – 69 % | Upper Second-Class (auch: 2.1) | Mit gutem Erfolg bestanden | Ab 66%: 1,7; ab 63%: 2,0; ab 60%: 2,3 |
| 50 - 59 % | Lower Second-Class (auch: 2.2) | Mit Erfolg bestanden | Ab 56%: 2,7; ab 53%: 3,0; ab 50%: 3,3 |
| 45 – 49 % | Third-Class (auch: 3) | Bestanden | 3,7 |
| 40 – 44 % | Pass | Knapp bestanden | 4 |
| 0 – 39 % | Fail | Durchgefallen | 5 bis 6 |
CATS vs. ECTS
Mit der Bolognareform wurde überall in Europa das European Credit Transfer System (ECTS) eingeführt. In ganz Europa? Nein! Ein von unbeugsamen bevölkertes Land blieb bei seinem eigenen Leistungspunktesystem: Großbritannien. Hier herrscht das Credit Accumulation and Transfer Scheme (CATS). Studierende erhalten für jeden besuchten Kurs in der Regel 10 Credits. Pro Jahr müssen 120 Punkte erbracht werden, das macht im Schnitt 12 Kurse im Jahr – vier pro Trimester. Damit lassen sich zwei CATS-Punkte in etwa einen ECTS-Punkt umrechnen.
3. Das Studium
Der Unterricht ist an britischen Universitäten meist straff strukturiert und es herrscht Anwesenheitspflicht. Gerade im ersten Jahr ist das Studium im Vereinigten Königreich sehr verschult. Erst gegen Ende des Bachelors können Studierende ihre eigenen Schwerpunkte setzen.Durchstrukturiertes System

Hauptgebäude der Nottingham University: Eine der größten Universitäten des Landes.
Für Daniel Knapp gab es ein großes Aha-Erlebnis: "Im Masterstudium wie im Bachelorstudium gibt es einen großen Fokus auf schriftliche Prüfungen. Meine schriftlichen Prüfungen waren von der Benotung her durchweg schlechter als meine Essays." Woran das lag? "Eine schriftliche Prüfung in England ist eine auswendig gelernte Wiedergabe einer Testprüfung. Man weiß, es können drei, vier Themen drankommen, ein bis zwei muss man in der Prüfung wählen. Die Engländer haben zu jeder der Fragen einen Essay vorgefertigt und diesen in der Prüfung reproduziert." Er wurde davon überrascht: "Ich dachte, man müsse Nuancen beleuchten, die Fragen waren dann aber genauso wie vom Dozenten vorhergesagt."
Gerade im Master ist das Studium in Großbritannien sehr intensiv. Martin Krengel hatte nach einem deutschen Diplomabschluss in BWL einen Master in Social and Cultural Psychology an der LSE gemacht. "Drei Wochen nach Studienanfang war er zum ersten Mal in der Bibliothek. Ich hatte das Gefühl, dass die Atmosphäre bereits da so intensiv war wie bei uns drei Wochen vor den Prüfungen. In England arbeiten die Studierenden sehr intensiv."
Familiäre Atmosphäre
Die Atmosphäre an den Hochschulen ist in Großbritannien in der Regel familiärer als in Deutschland. Die Seminare sind kleiner und Dozenten in der Regel stets erreichbar. "An britischen Hochschulen herrscht eine Politik der offenen Tür", so Sabine Hinsche-Rozek vom British Council in Berlin. Das bestätigt Daniel Knapp: "Sprechstunden sind in Großbritannien häufiger, Hierarchien flacher, es kommt eher ein Dialog zu Stande." Er schränkt allerdings ein: "In England durchdringen marktwirtschaftliche Prinzipien auch stark die Universitäten. Beziehungen zu Professoren sind daher oft wenig persönlich, sondern stärker zweckorientiert."
Die Sprache ist in Großbritannien kein großes Problem. Anders als in Deutschland spielen korrekte Ausdrucksweise und Grammatik nur eine untergeordnete Rolle – das gilt für Essays wie für Klausuren. "Wir hatten bei 20 Leuten nur 4 Muttersprachler", so Daniel Knapp, "da stachen die Deutschen mit ihren Ausdrucksfähigkeiten positiv heraus."
Für ihn war die Zusammensetzung der Mitstudierenden die positivste Erfahrung im Studium: "Ich kann nicht bestätigen, dass die Lehre in England qualitativ gegenüber der Deutschen überlegen ist. Das, was der Master mir am meisten gebracht hat, war die Horizonterweiterung durch die Kommilitonen aus aller Herren Länder. Man wird konfrontiert mit verschiedenen Weltanschauungen. Mein europazentrisches Weltbild ist in sich zusammen gefallen. Das war eine Schule fürs Leben."
4. Bewerbung und Zulassung
Wie weiter oben erwähnt, gibt es drei Arten des Studiums in Großbritannien: Das Gast-, das Bachelor- sowie das Masterstudium. Dabei fällt die Auswahl nicht leicht. Wie in Deutschland ist es ratsam, sich vorher intensiv mit der Zielhochschule und dem Studiengang auseinander zu setzen. In Großbritannien sind dabei Rankings sehr populär. Am anerkanntesten sind das Times Good Universities Ranking (das nicht gratis online zugänglich ist) und der Guardian University Guide.
Modern und umweltfreundlich: Die Business School der Nottingham University.
Bei den Recherchen kann man durchaus direkten Kontakt mit der jeweiligen Fakultät aufnehmen. "Das wird gerne gesehen", so Hinsche-Rozek. Sie rät daneben zum Besuch der Zielhochschule: "Man kann einen preiswerten Flug buchen und bei den Hochschulen Termine machen. Wenn man früh genug anfragt, wird man von den Universitäten gerne empfangen." Hochschulen veranstalten daneben stets Informationstage für Interessierte – die Daten könnt ihr auf den Uni-Webseiten herausfinden.
Für Bachelor und Master müssen ausländische Bewerber neben allen üblichen Unterlagen auch Sprachnachweise mitbringen. Üblich ist vor allem der IELTS-Test, doch auch der TOEFL wird in der Regel akzeptiert. Das erforderliche Sprachniveau hängt dabei von der Hochschule und vom Studiengang ab. Mathematiker müssen in der Regel geringere Punktzahlen erreichen als Literaturwissenschaftler.
Bewerbung für ein Gaststudium
Ein Gaststudium kann auf zwei Wegen organisiert werden: Als Erasmus-Austausch sowie als selbstorganisierter Auslandsaufenthalt. In ersterem Fall findet die Bewerbung über die eigene Hochschule statt. Hier müsst ihr euch über die jeweiligen Anforderungen direkt an eurer Hochschule informieren.
Möglich ist auch eine direkte Bewerbung als "Visiting Student". Dafür könnt ihr euch ans Admissions Office der jeweiligen Hochschule wenden. Dabei müsst ihr in Deutschland weiter an eurer Hochschule eingeschrieben sein. Informiert auch unbedingt, ob ihr als Gaststudenten auch Prüfungen ablegen könnt.
Bewerbung zum Bachelor
Wer einen Bachelor in Großbritannien machen möchte, muss sich an den Universities and Colleges Admissions Service (UCAS) wenden. Hier werden die Bewerbungen zentral bearbeitet. Das deutsche Abitur wird dabei problemlos anerkannt. Anders als in Deutschland erwarten britische Hochschulen stets auch Referenz- und Motivationsschreiben. Studis Online zeigt euch in einem eigenen Artikel, wie ein gutes Motivationsschreiben aussehen sollte.
Die Bewerbungsfrist fürs Bachelorstudium in endet in Großbritannien extrem früh: Sie läuft dabei von Mitte September des Vorjahres bis zum 15. Januar. Dabei ist es ratsam, sich möglichst früh zu bewerben, denn die Zusagen werden laufend vergeben und gegen Ende der Frist gibt es weniger verfügbare Plätze. Wer sich erst nach dem 15. Januar zur Bewerbung entscheidet, ist allerdings nicht vollkommen chancenlos: Im Sommer werden im so genannten Clearing-Verfahren noch frei gebliebene Plätze vergeben.
Die genannten Fristen gelten für Bewerber an allen britischen Hochschulen – mit Ausnahme derjenigen, die in Oxford oder Cambridge studieren wollen oder einen medizinischen Abschluss anstreben. In diesen Fällen läuft die Frist nur bis zum 15. Oktober – man muss seine Bewerbung also fast ein Jahr im Voraus abschicken. Einer alten Tradition folgend, kann man sich nur entweder in Cambridge oder in Oxford für den Bachelor bewerben und nicht an beiden gleichzeitig.
Bewerbung zum Master
Für den Master müsst ihr euch anders als für den Bachelor direkt an den Universitäten bewerben. Die Fristen hängen hierbei von den jeweiligen Hochschulen ab. Die ersten Bewerbungsfristen enden meist im Dezember, die letzten im April. Die Bewerbungsvoraussetzungen sind dabei von Universität zu Universität verschieden. Hier müsst ihr euch individuell informieren.
Von Masterbewerbern wird oftmals ein Bachelorabschluss verlangt, der "upper second-class" oder "2.1" ist - also mindestens ein Durchschnitt von etwa 2,3 im Deutschen. Da deutsche Noten nicht eins zu eins ins Englische Übersetzbar sind, könnt ihr euch auch dann bewerben, wenn es notenmäßig nicht ganz reicht. In Großbritannien spielen bei der Masterbewerbung Motivationsschreiben, Professorengutachten und Lebensläufe eine weitaus wichtigere Rolle als in Deutschland.
Englische Hochschulen sind generell offener im Umgang mit fachfremden Bewerbern als deutsche. Nach seinem BWL-Diplom wollte Martin Krengel unbedingt einen Master in Wirtschaftspsychologie machen. "Eigentlich wollte ich nach Bochum, aber die Uni erklärte mir, dass ich nur in den Bachelor würde einsteigen können, nicht in den Master. Ich hatte mich dann trotzdem für den Master in Bochum beworben – und bis heute noch nicht einmal eine Absage erhalten." In London musste er seine Wahl zwar gut begründen können, wurde am Ende aber trotz seines fachlichen Hintergrundes für den Master in Social and Cultural Psychology genommen.
5. Leben in Großbritannien
Nicht optional: Der Pub
Deutsche Studierende sind es gewohnt, dass der Mensabesuch einen wichtigen Teil des sozialen Lebens bildet. Nicht so im Vereinten Königreich, denn die meisten Universitäten haben keine oder nur schlechte Mensen. An deren Stelle treten die Pubs. Für Daniel Knapp eine große Umstellung: "Gegen 17:30 Uhr oder 18:00 Uhr geht man in den Pub. "Ich hatte anfangs Kontaktschwierigkeiten mit englischen Kommilitonen, weil ich immer bis 22:00 Uhr gearbeitet hatte. Anders als in Deutschland hat der Unitag in Großbritannien kein offenes Ende. Der Pub in England ist nicht optional."
Wie sich das Studentenleben gestaltet, hängt natürlich auch vom Geld ab. Martin Krengel lebte in London und litt unter den hohen Preisen: "Dass es hier extrem teuer war, hat es für mich schwerer gemacht. London ist eine Riesenstadt, du lebst immer halb in der U-Bahn. Viele Studierende haben ein bis eineinhalb Stunden von der Uni entfernt gewohnt."
Die Lebenshaltungskosten unterscheiden sich deutlich von Region zu Region. Laut Centrum für Hochschulentwicklung muss man mit Lebenshaltungskosten ziwschen 10.500 bis 12.000 Pfund rechnen – in teuren Städten wie London, Oxford und Cambridge sind es dagegen 12.500 bis 14.000 Pfund. Während des teuren Studiums in Großbritannien ist man immerhin gesundheitlich abgesichert: Alle Studierenden sind automatisch beim National Health Service versichert.
6. Das Studium finanzieren
Das System der Studiengebühren in Großbritannien ist uneinheitlich. Ab 2012/13 können englische Universitäten bis zu 9.000 Pfund pro Studienjahr verlangen. Die Obergrenze sollte laut Gesetz nur in "exceptional cases" erreicht werden, tatsächlich nehmen etwa die Hälfte aller englischen Universitäten - und zumeist die besseren - den Höchstpreis. Keine Hochschule verlangt weniger als 6.000 Pfund.Diese Erhöhung der Studiengebühren trifft theoretisch alle Regionen in UK - also auch Schottland, Wales und Nordirland. Diese verabschiedeten allerdings studierendefreundlichere Regeln. So ist das Bachelorstudium in Schottland für Schotten und EU-Ausländer gratis - nicht aber für Engländer. In Wales liegen die Studiengebühren zwar bei bis zu 9.000 Pfund, allerdings trägt der Staat einen Großteil der Kosten, so dass lokale Studierende sowie EU-Ausländer effektiv nur knapp 3.500 Pfund zahlen. Auch in Nordirland liegt die Grenze bei knapp 3.500 Euro. Achtung: Die Studiengebühren für Medizin und Management sind in ganz Großbritannien von den Höchstgrenzen ausgenommen und gehen daher häufig über die normalen Gebühren hinaus.
Auch der Master wird teurer, denn hier haben die Hochschulen in UK mehr Freiheiten. Zwar liegt auch hier die Höchstgrenze in England bei 9.000 Pfund, in anderen Regionen liegen die Preise allerdings oft über denen für den Bachelor. So nimmt die Uni Edinburgh 5.750 Pfund für das Masterjahr, die University of Wales 5.600 und die Queen's University Belfast 3.732.
Wer in Deutschland BAföG erhält, erhält es in der Regel auch im Ausland. Dazu gibt es noch kleine Zuschüsse wie bspw. für die Fahrtkosten. Außerdem werden unter bestimmten Bedingungen Studiengebühren bis 4.600 Euro für ein Jahr übernommen. Beim einjährigen Master wären so die Gebühren immerhin fast zur Hälfte finanziert. Details dazu im Artikel zu Auslands-BAföG.
Das britische Äquivalent zum BAföG, die so genannten "Maintenance Grants", erhalten Studierende nur, wenn sie mindestens drei Jahre in Großbritannien gewohnt haben. Neben dem BAföG gibt es natürlich andere Finanzierungsformen in Deutschland: Stipendien sowie Studienkredite und Bildungsfonds. Für eine Teilfinanzierung und sofern es sich nur um einen Gastaufenthalt in Großbritannien handelt, kann auch der Bildungskredit eine Alternative sein.
In Großbritannien steht allen EU-Bürgern der so genannte Tuition Fee Loan zur Verfügung. Dieser gilt allerdings nur für Studierende, die einen kompletten Bachelor in Großbritannien machen. Gaststudenten und Besucher von Masterprogrammen sind ausgenommen. Der Tuition Fee Loan deckt je nach Bedarf die gesamten Studiengebühren oder nur einen Teil von ihnen ab. Die Zinsen orientieren sich an der Inflation und sind somit außerordentlich günstig. Die Rückzahlung beginnt erst, wenn das Jahreseinkommen über einem gewissen Grenzwert liegt – aktuell (Stand 2011) 21,000 Pfund. Der Tuition Fee Loan wird von der Student Loan Company vergeben.
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) vergibt eine Reihe von Stipendien für das Studium im Ausland. Das bekannteste ist das Jahresstipendium, das die kompletten Kosten eines Studiums im Ausland tragen soll. Hier enden die Bewerbungsfristen früh: Für Großbritannien ist es Mitte November, also etwa zehn Monate vor Studienbeginn.
Sollten eure Eltern nur ein geringes Einkommen haben, kann an den jeweiligen Hochschulen ein Antrag auf Erlass der Studiengebühren gestellt werden. Informiert euch dazu an den jeweiligen Universitäten.
7. Weitere Informationen
- Der UCAS ist die britische Zentralstelle zur Bewerbung fürs Bachelorstudium.
http://www.ucas.com/ - Education UK ist das zentrale Portal des British Council zum Studium in Großbritannien. Hier werden alle Aspekte des Studiums in Großbritannien behandelt.
http://www.educationuk.org/ - Wer einen Master in Großbritannien machen möchte, kann sich bei Prospects informieren.
http://www.prospects.ac.uk/ - Das British Council veranstaltet Infomessen zum Studium in Großbritannien – die Termine findet ihr hier.
http://www.britishcouncil.de/d/education/hefair.htm - Wer den IELTS-Test machen möchte, kann sich auf der entsprechenden Infoseite des British Council informieren und anmelden.
http://www.britishcouncil.de/d/english/ielts.htm - Informationen zum Tuition Fee Loan gibt es auf der Webseite der Student Loans Company.
http://www.slc.co.uk/ - Eine – leider etwas unübersichtliche – Übersicht über Stipendienmöglichkeiten für Großbritannien bietet der DAAD.
http://www.daad.de/stipendien/de/index.de.html?land=42 - Noch Fragen offen? In unserem Auslandsstudium-Forum könnt Ihr sie stellen – und bekommt sie in der Regel auch bald beantwortet!
http://www.studis-online.de/Fragen-Brett/list.php?116
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Praktika vor, während und nach dem Studium
Ein Praktikum (und vor allem seine Bezahlung) kann diverse Auswirkungen auf BAföG, Kindergeld und anderes haben. Abhängig vom Zeitpunkt und davon, ob es im Rahmen des Studiums verpflichtend ist oder nicht. Der Artikel versucht, alle Fälle im Detail abzudecken.
Sprachtests
Gerade wer einen Job sucht, der auch ins Ausland führen soll, wird nicht um Nachweise seiner Sprachkenntnisse herum kommen. Auch für das Studium im Ausland, benötigt man in der Regel den Nachweis ausreichender Sprachkenntnisse. Selbst bei manchem Studium im Inland, vor allem bei international ausgerichteten Master-Studiengängen, wird ein passendes Zertifikat vorausgesetzt. Wir stellen die wichtigsten Tests vor.
CHE Hochschulranking 2012
Das CHE-Ranking ist das umfassendste Hochschulranking im deutschsprachigen Raum. Aber nicht alle beteiligen sich – und tauchen daher u.U. gar nicht im Ranking auf. Oliver Iost erläutert die Hintergründe und hat zusammengestellt, was man im Ranking finden kann – und was nicht. Nicht dabei sind z.B. die Unis Köln, Lüneburg und Vechta, die FernUni Hagen und die Medizin-Fakultäten der Unis Göttingen, Hamburg und Jena.
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