Auslandsstudium

Studieren in Finnland (Seite 1)

Von Jens Wernicke

Inhalt im Einzelnen
  1. Warum Finnland?
  2. Das finnische Bildungssystem
  3. Leben und Studieren in Finnland (viele Tipps!)
  4. Mehr Infos zum Studium in Finnland
  5. Links zu weitergehenden Informationen

1. Warum Finnland?

Das finnische Bildungssystem gilt als eines der besten der Welt. Dies ist nicht erst seit den PISA-Studien bekannt, durch diese jedoch in das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit gelangt. Die momentan noch unentgeltlich angebotene Möglichkeit, als ausländischer Studierender hier auch englischsprachige Hochschulkurse und -veranstaltungen zu besuchen, sowie die Schönheit des Landes tragen ihr Übriges dazu bei, dass Finnland auch und insbesondere für deutsche Studierende eine feste Größe bei der Entscheidung für ein Auslandssemester bildet.


Am Hauptbahnhof Helsinki
Foto von Jens Wernicke
So ist der vom Zentrum für Internationale Mobilität CIMO veröffentlichten Liste der „20 Top-Länder“ für die Mobilität Universitätsstudierender denn auch zweierlei zu entnehmen: 1. Deutschland ist das beliebteste Zielland finnischer Studierender. Sowie: 2. Deutsche Austauschstudenten stellen an finnischen Universitäten den größten Anteil der „Ausländer“ dar.

An finnischen Universitäten studieren gegenwärtig allein etwa 4.000 ausländische Studierende auf einen Abschluss hin, von denen 60 Prozent aus Europa stammen. Das finnische Unterrichtsministerium plant jedoch, die Zahl der ausländischen examensorientierten Studierenden bis zum Jahr 2008 auf ca. 12.000 zu erhöhen.



2. Das finnische Bildungssystem

Nach der Veröffentlichung der PISA-Studie Ende 2001 ist Finnland stark in den Mittelpunkt des Interesses getreten. Alles begann damit, dass PISA ergab, dass finnische Kinder bei der Lesefähigkeit, in naturwissenschaftlichen Fächern und in Mathematik Spitzenklasse seien – im Gegensatz zu Deutschland übrigens. In der Presse wurde Finnland unter anderem als Klassenbester, Musterschüler, PISA-Sieger, Spitzenland und Weltmeister bei der Schulbildung bezeichnet.

Schematische Darstellung des finnischen Bildungssystems vom Kindergarten bis zur Universität
Schematische Darstellung des Bildungssystems
Quelle: http://www.oph.fi/english/SubPage.asp?path=447;490;4699;9615


Die Hauptmerkmale des finnischen Bildungssystems sind die integrativen Gesamtschulen bis zur 9. Klasse. Die darauf aufbauende Sekundarstufe II ermöglicht jederzeit einen Wechsel zwischen dem allgemeinbildenden und dem berufsbezogenen, praxisorientierten Zweig. Diese Stufe schließt man dann entweder mit dem Abitur oder einer Berufsausbildung ab. Dieses modulare System gilt in ähnlicher Weise auch für die universitäre Laufbahn. Dort stehen neben den konventionellen Universitäten auch Fachhochschulen für höhere Ausbildungen zur Verfügung.

Der Bildungsstand in Finnland ist weltweit einer der höchsten. Die Analphabetenquote liegt bei 0 Prozent. Dies lässt sich unter anderem an der überdurchschnittlich hohen Lesebereitschaft ausmachen. Traditionell gibt es ein gutes Angebot an Bibliotheken. Dem Erlernen von Fremdsprachen wird eine große Bedeutung beigemessen. In den Gesamtschulen muss der finnische Schüler mindestens zwei Fremdsprachen lernen, in der Regel sind das Schwedisch und Englisch.

Beim Unterricht in finnischen Schulen bemüht man sich um Praxisnähe und Schülerbezogenheit; hierbei hat die Förderung der Selbständigkeit der Schüler großen Einfluss auf die Konzipierung einer Unterrichtsstunde. Der Lehrer ist nicht Hauptdarsteller, sondern begleitender Berater.

In Finnland wird stark in die Ausbildung investiert: 7,8% des Bruttoinlandsprodukts werden für Bildung aufgewandt, in Deutschland sind es 4,8%. Die Ausstattung der Schulen und Hochschulen sowie die Ausbildung der Lehrer sind erstklassig. Die Lehrerausbildung findet in Finnland an Universitäten statt, die eine landesweit festgelegte einheitliche Linie für die berufliche Qualifikation der Lehrer verfolgen. In Finnland erwerben 60% aller Schüler eines Jahrganges das Abitur, in Deutschland nur 28%. 40,6% der Finninnen und Finnen besaßen im Jahr 2000 ihren Realschulabschluss, 26,1% das Abitur und 23,3% einen Hochschulabschluss.

Hochschulen in Finnland

Im Jahr 2000 studierten an finnischen Universitäten gut 150.000 Studenten mit dem Ziel, hier auch einen Abschluss zu machen. Das finnische Universitätsnetz umfasst das ganze Land bis ins nördlichste Lappland. Von den Universitäten sind 10 multidisziplinäre Universitäten, 3 Technische Universitäten, 3 Wirtschaftsuniversitäten und 4 Kunstuniversitäten. Darüber hinaus gibt es noch eine Militärhochschule, deren Aufgabe die Ausbildung des Militärsektors auf höchster Ebene ist und die nicht der Verwaltung durch das Unterrichtsministerium untersteht.

Ein nationales Anliegen hoher Priorität war in den letzten Jahren die Förderung von Forschung und Entwicklung, mit besonderem Gewicht auf Informationstechnologien. Der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung am BIP ist ständig gestiegen, 2000 betrug der Anteil 3,3%.



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