Viel Lärm um viel
Stipendien – wie bewerben?

Im Rahmen des Auswahlverfahrens für ein Stipendium muss man in der Regel auch eine Präsentation halten. Wie Ihr Euch dafür vorbereitet, steht im Artikel.
Der überwiegende Teil der Stipendien wird in Deutschland von den 12 Studienförderwerken vergeben. Das Geld dafür erhalten sie von der Bundesregierung. Durch die Stiftungen sollen alle gesellschaftlich wichtigen Gruppen repräsentiert werden. Dazu zählen die im Bundestag vertretenen Parteien, die Religionsgemeinschaften, die Gewerkschaften und Arbeitgeber sowie die Bundesregierung selbst. Als einzige große Gruppe bleiben Moslems bisher unvertreten.
Mehr zu den Stiftungen und Stipendien im Detail erfahrt ihr hier.

Sebastian Horndasch ist Autor der beiden Studienführer Bachelor nach Plan und Master nach Plan, die bei Auswahl, Bewerbung und Finanzierung des Bachelor- beziehungsweise des Masterstudiums helfen. Er betreibt mit www.horndasch.net ein Blog, das sich vor allem mit Fragen der Studienwahl und der Bewerbung auseinander setzt. Sebastian hat in Erfurt Staatswissenschaften studiert und hat einen Master in Economic Development von der Nottingham University. Er promoviert derzeit im Bereich Bildungsökonomie.
Doch nicht nur die politischen Stiftungen zeigen sich offen: Zwar muss man beim katholischen Cusanuswerk zwingend katholisch sein, beim Evangelischen Studienwerk und beim jüdischen Ernst-Ludwig-Ehrlich Studienwerk sind dagegen auch Bewerber aus anderen Konfessionen willkommen, so sie ihre religiöse Nähe überzeugend darlegen können.
Stipendien werden übrigens auch von anderen Stipendiengebern vergeben – zum Beispiel von kleineren Stiftungen, Hochschulen, Städten und Bundesländern. Eine Übersicht über eure Stipendienmöglichkeiten bietet Studis Online hier.
Die schriftliche Bewerbung
Die Stiftungen sagen in der Regel genau, welche Elemente sie in der schriftlichen Bewerbung erwarten. Die folgenden vier müssen fast immer eingereicht werden:
- Ein Motivationsschreiben
- Ein Lebenslauf (tabellarisch oder ausführlich)
- Gutachten von Lehrern oder Professoren
- Abiturzeugnis, akademische Zeugnisse und Notenauszüge
- Der Grund für die Bewerbung für das Stipendium
- Inwiefern ihr zur Stiftung passt
- Inwiefern ihr in der Lage seid, eure Ziele auch umzusetzen
- Euer gesellschaftliches Engagement und inwiefern dieses zur Philosophie zur Stiftung passt
- Eure Zukunftspläne
Auch ein tabellarischer Lebenslauf wird von den Stiftungen verlangt. Wie ihr diesen erstellt, zeigen wir euch in einem separaten Artikel. Einige Stipendiengeber – unter anderem die FES – verlangen zusätzlich einen so genannten "ausführlichen Lebenslauf", den die Bewerber komplett ausformulieren müssen. Er kann bis zu drei Seiten umfassen. Im Unterschied zum "normalen" Lebenslauf müsst ihr im Ausführlichen Lebenslauf auch das "wie" und "warum" einzelner Entscheidungen nennen – außerdem sollte er chronologisch sein. Zum Beispiel könnte im tabellarischen Lebenslauf ein Abschnitt lauten:
| 09/2009– 07/2010 | Mitarbeiterin im Weisenhaus "Corazon", Cochabamba, Bolivien Mitarbeit im Rahmen des Weltwärts Programms Pädagogische Arbeit mit Waisenkindern zwischen 3 und 10 Jahren |
Im ausführlichen Lebenslauf könnte dieser Punkt folgendermaßen beschrieben werden:
- Während meines letzten Schuljahrs reifte in mir die Entscheidung, vor dem Studium ein Jahr in einem sozialen Projekt mitarbeiten zu wollen, da ich etwas tun wollte, das über meinen persönlichen Nutzen hinaus geht. Bei meinen Recherchen stieß ich schnell auf das Weltwärts-Programm, das mich aufgrund seines entwicklungspolitischen Anspruchs und des Alumninetzwerkes überzeugte. Ich bewarb mich auf eine Projektstelle im Weisenhaus "Corazon" im bolivianischen Cochabamba, da mir die Arbeit mit Kindern besonders am Herzen liegt und ich in der Schule Spanisch als zweite Fremdsprache gelernt hatte. Das Weisenhaus ist personell unterbesetzt, weshalb ich neben meiner hauptsächlich pädagogischen Arbeit auch administrativ tätig war. Ich arbeitete vor allem mit Kindern zwischen 3 und 10 Jahren. Dabei organisierte ich einen Kinderchor, wobei mir mein Abiturleistungskurs Musik zu Gute kam. Während meiner Zeit in Bolivien wohnte ich in einer lokalen Familie. Bei der emotional teilweise sehr belastenden Arbeit konnte mich diese oft auffangen. Durch meine Konfrontation mit großem sozialen Elend nahm ich von meinem ursprünglichen Studienwunsch der BWL Abschied und entschied mich zum Psychologiestudium, um später in der Lage zu sein, Menschen und vor allem Kindern konkret helfen zu können.
Das persönliche Auswahlverfahren
Hat man eine überzeugende schriftliche Bewerbung abgeliefert, folgt das persönliche Auswalverfahren. In diesem wird getestet, ob die Bewerber zur Stiftung passen und über die zum erfolgreichen Studium notwendigen Qualifikationen verfügen. Das Verfahren ist allerdings je nach Stiftung verschieden. "Manche Auswahlseminare dauern ein ganzes Wochenende, andere nur einen Tag.", so Jan Bruckmann. Er ist Autor des Buches "Der Weg zum Stipendium", das gerade in der zweiten Auflage erschienen ist. Der ehemalige Stipendiat der FES arbeitet heute bei der RWE Supply & Trading. "Alle Begabtenförderungswerke haben das Format des Einzelgespräches gemeinsam. Weitere Formate sind Gruppendiskussion, Präsentation oder Moderation; bei der Hanns-Seidel-Stiftung auch Klausur. Bei der FES, Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Böckler-Stiftung gibt es gar kein Auswahlseminar. Bei diesen besteht das mündliche Auswahlverfahren allein aus Einzelgesprächen."
Einzelinterviews
In Einzelinterviews sitzen die Bewerber einen oder mehreren Vertretern der Stiftungen gegenüber. Dabei handelt es sich oftmals um Professoren, es können aber auch ehemalige Stipendiaten oder Stiftungsmitarbeiter sein. Die Gutachter arbeiten meist ehrenamtlich und sind in der Regel um eine freundliche und vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre bemüht.
Wolf von Laer, Stipendiat der Naumann-Stiftung, empfand sein Interview als sehr offen und fair: "Ich saß fünf Leuten gegenüber, die Atmosphäre war freundlich und locker. Ich hatte das Gefühl, dass man mich kennen lernen wollte." Ähnlich äußerten sich die meisten seiner Mitbewerber – doch nicht alle: "Ein anderer Teilnehmer, der VWL studierte, wurde gegrillt. Er sollte Kennzahlen nennen und ist dabei ziemlich ins Schwitzen gekommen. Genommen wurde er aber trotzdem." Die FES-Stipendiatin Christine Ante bestätigt diesen Eindruck: "Ich hatte zwei Gespräche. Das erste war sehr entspannt. Im zweiten Gespräch wurde ich deutlich stärker in die Mangel genommen."
Nach Jan Bruckmanns Erfahrung hängt die Härte von den individuellen Prüfern ab – und von der Stiftung: "Insbesondere die Studienstiftung des deutschen Volkes bohrt in den Interviews stark nach. Dort sollen die Bewerber klar verunsichert werden." Dies deckt sich mit der Erfahrung von Sarah Wendt, die als eine der besten Studierenden ihres Jahrgangs für die Studienstiftung vorgeschlagen worden war: "Ich hatte zwei Interviews, eines mit einem Philosophieprofessor, ein zweites mit einem BWLer. Das Interview mit dem Philosophen war gut, der BWL-Professor fragte dagegen nur Kurven und Funktionen aus den ersten Semestern ab und war äußerst unangenehm. Das war mir zu albern, deshalb habe ich einfach den Raum verlassen. Das Stipendium habe ich dann nicht bekommen."
Die Fragen hängen größtenteils von der Bewerbung und vom Gesprächsverlauf ab. Doch es gibt auch einige Konstanten. Holger Bär: "Das Entscheidende ist, dass man sinnvoll folgende Fragen erklären kann: Warum studiere ich, was ich studiere? Was mache ich sozial neben dem Studium? Warum habe ich in der Vergangenheit was gemacht? Warum passe ich in die Stiftung? Was bringe ich mit in die Stiftung?"
Häufig werden Bewerber mit der Aufforderung konfrontiert, die Stiftungsvertreter "durch den Lebenslauf zu führen". Dabei geht es nicht darum, den tabellarischen Lebenslauf eins zu eins nachzuerzählen. Vielmehr zielt diese Frage auf die Beweggründe von verschiedenen Entscheidungen ab sowie auf die Verbindungen zwischen den einzelnen Stationen. Durchs Nacherzählen zeigt man auch, was einem besonders wichtig ist.
In Einzelinterviews wird immer auch die Allgemeinbildung abgefragt. Dies wird auf zweierlei Weise gemacht: Zum einen durch direkte Wissensfragen und zum anderen durch die Diskussion von gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Direkte Wissensfragen werden dabei in der Regel im Zusammenhang mit eurem Lebenslauf gestellt. Beispielsweise könnte nach dem Namensgeber der ehemaligen Schule gefragt werden oder nach der Geschichte des Landes, in dem ihr einen Schulaustausch gemacht habt. Gesellschaftliche Fragen ergeben sich meist aus der aktuellen politischen Diskussion. Einige Beispiele für mögliche Themen:
- War und ist Deutschlands Verhalten in der Eurokrise richtig?
- Reichen die bisherigen Finanzmarktreformen aus?
- Ist der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr gerechtfertigt?
- Ist Google Streetview ein Eingriff in die Privatsphäre und brauchen wir gegenüber von Internetkonzernen mehr Datenschutz?
Zuletzt werdet ihr als Bewerber beweisen müssen, dass ihr euch mit der Stiftung auseinander gesetzt habt. Was ist das Leitbild, wer ist der Namensgeber, welche Arten von Engagement werden besonders geschätzt, was wird von den Stipendiaten erwartet? Bewerber müssen klar begründen können, warum sie sich ausgerechnet bei dieser speziellen Stiftung bewerben.
- "Warum-Fragen" zu jedem Punkt im Lebenslauf
- Verbindungen zwischen den Lebenslaufpunkten
- Die Stiftung und warum man zu ihr passt
- Fragen zu aktuellen politischen Themen
- Soziales Engagement
- Eigene Bewerbung und Lebenslauf
- Persönliche Ziele
Gruppendiskussion
In Gruppendiskussionen wird in der Regel ein aktuelles gesellschaftspolitisches Thema bearbeitet. "Wir sprachen zu sechst über ein mögliches Verbot von Killerspielen", so Holger Bär. "Das Thema war zu der Zeit sehr aktuell." Bei den Diskussionen kommt es weniger darauf an, am meisten zu wissen. Es wird stärker darauf geachtet, ob die Bewerber auf die Sichtweisen anderer eingehen können und wie sie argumentieren. Dabei werden bei manchen Stiftungen den Diskutanten bestimmte Meinungen zugewiesen, in anderen Fällen kann komplett frei diskutiert werden.
Wichtig ist in der Diskussion, nicht eisenhart auf seiner Meinung zu beharren, sondern differenziert auf die Meinungen anderer eingehen zu können. Ist man in der Lage, zumindest in Teilbereichen Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten, wird dies von den Stiftungen als positiv angesehen. Daneben sollte man sein Gegenüber aussprechen lassen und keinesfalls persönlich werden.
Eine klare Gewinnerstrategie gibt es nicht. Jeder Mensch verschieden in Temperament und Rhetorik und man sollte sich nicht verbiegen, um einem wie auch immer gearteten Perfektionsanspruch zu genügen. Einige Dinge sind allerdings immer positiv: Gute Vorbereitung, Höflichkeit, Neugier, Einbeziehen anderer und das Entwickeln intelligenter Lösungen. Jan Bruckmann rät: "In Diskussionen sollte man die anderen nicht als Gegner sehen. Das führt nicht zum Erfolg."
Klausuren und Essays
Während Interviews und Gruppendiskussionen weit verbreitet sind, müssen sich Bewerber nur bei wenigen Stiftungen mit Essays oder Klausuren beschäftigen. Bei der KAS sowie bei der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung ist dies der Fall. Dabei werden vor allem Meinungen, Argumentationsstrukturen und Allgemeinbildung abgefragt. Bewerber müssen ihren Standpunkt zu aktuellen politischen Themen darstellen. Einige Beispiele für Klausur- und Essaythemen: Atomausstieg, Datenschutz, Europäische Integration, Migration sowie die arabische Demokratiebewegung.
Daneben werden Bewerbern dahingehend geprüft, wie sehr sie sich mit der Stiftung und der dahinter stehenden Philosophie auseinander gesetzt haben. Im Falle der Hanns-Seidel-Stiftung könnte nach dem "christlichen Menschenbild" gefragt werden sowie nach der "sozialen Marktwirtschaft".
Präsentationen
Das Format der Präsentationen wird vor allem von der Studienstiftung des Deutschen Volkes genutzt. Hier präsentiert jeder Bewerber ein Thema vor einer Gruppe von anderen Bewerbern sowie den Gutachtern. Jeder Bewerber muss einmal präsentieren und einmal eine Diskussion moderieren. Die Themen werden in der Regel vom Bewerber selbst gewählt, so dass man sich Zuhause vorbereiten und die Präsentationen mit Freunden und Bekannten durchgehen kann.
Vorbereitung
Viele Bewerber haben noch nie ein Bewerbungsgespräch mitgemacht – geschweige denn ein umfangreiches Auswahlseminar. Daher ist es ratsam, sich vorher genau über den Ablauf zu informieren. Im Internet gibt es viele Informationen und Erfahrungsberichte. Jan Bruckmann rät Bewerbern dazu, mit Leuten zu sprechen, die das Verfahren bereits durchlaufen haben. "Gerade wenn man zum ersten Mal zu so einem Gespräch geht, ist einem vieles unbekannt und man hat viele Fragen und Ängste. Es ist gut, wenn man jemanden findet, der einem weiterhelfen kann. Bewerber sollten sich dazu in ihrem Bekanntenkreis und an ihrer Hochschule umhören. Im persönlichen Gespräch können Dinge ganz anders vermittelt werden."
Um mehr Sicherheit bei Interviews und Präsentationen zu erlangen, rät er, vorher zu üben – zum Beispiel im Freundeskreis. Freunde spielen dann die Gutachter und quetschen euch als Bewerber aus. Wolf von Laer rät, aktuelle Stipendiaten zum Sparringpartner zu machen: " Man kann den Vertrauensdozenten fragen, ob er Stipendiaten kennt, die helfen können. Viele sind hilfsbereit und offen dafür, Gespräch zu simulieren. So kann man Fragen besser antizipieren."
Zur Vorbereitung auf Auswahltage empfiehlt Christine Ante, Zeitung zu lesen "und zwar über einen längeren Zeitraum." Holger Bär rät dabei zur Wochenzeitung Die Zeit: "Hier werden alle aktuellen Themen diskutiert. Wer über einen längeren Zeitraum den Politikteil der Zeit liest, wird mit gesellschaftspolitischen Diskussionen kein Problem haben."
In der Vorbereitung besonders hilfreich ist das schon weiter oben erwähnte Buch "Der Weg zum Stipendium" von Max-Alexander Borreck und Jan Bruckmann. Es schildert ausführlich die Bewerbungsverfahren der Stiftungen und enthält eine Reihe an hilfreichen Tipps und Hinweisen.
Den Tag überstehen
Der Dresscode ist bei den Stiftungen stets locker. Wolf von Laer kam in "Jeans, Hemd und Sakko. Damit war ich fast overdressed." Er beschreibt den bei der Naumann-Stiftung bevorzugten Stil als "smart casual". Bei politisch stärker links stehenden Stiftungen würde man mit einem Anzug relativ einsam dastehen. FES-Stipendiatin Christine Ante: "Man sollte weder im Anzug kommen noch völlig schluffig."
Vor Auswahlgesprächen sind Bewerber in der Regel nervös. Verständlicherweise. Gründliche Vorbereitung ist das wichtigste Mittel, um Unsicherheit zu bekämpfen. Daneben empfiehlt Jan Bruckmann vor allem eines: "Man sollte sich sagen, dass man hier ist, um etwas zu lernen. Selbst wenn man es nicht schafft, ist man um eine wichtige Erfahrung reicher. Bewerber sollten sich über einen positiven Blick auf die Herausforderung ihre Ängste nehmen."
Stipendien: Engagement ist gefragt
Stipendien werden von vielen verschiedenen Organisationen, aber auch vom Bund oder einzelnen Ländern angeboten. Vielen Stipendien ist gemein, dass sie von den Geförderten besonders gute Leistungen erwarten – es gibt aber auch Ausnahmen. Von Vorteil ist es, wenn man sich zudem gesellschaftlich engagiert – aber auch das ist nicht überall Voraussetzung. Zunächst ein paar Grundlagen, bevor wir die größeren Stiftungen mit weiteren Details auflisten.
So schreibt man einen englischen CV
Der englische Lebenslauf – auch Curriculum Vitae oder kurz CV genannt – unterscheidet sich in einigen Details vom Deutschen. Dass Fotos tabu sind, wisst ihr sicher. Doch auf was solltet ihr noch achten? Studis Online erklärt es euch.
Duales Studium als Erstausbildung
Mit dem nachfolgenden Artikel wollen wir Euch erste Informationen rund ums duale Studium liefern. Gegenstand ist nur das duale Studium als Erstausbildung. Berufsbegleitende Studiengänge zu Fortbildungszwecken, die eine abgeschlossene erste Ausbildung voraussetzen, werden nicht thematisiert.
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