Richtig schreiben und Zeichen setzen im Studium

Folge 13: Sehr geehrter Herr Professor oder
Anrede und Gruß in Briefen und E-Mails richtig schreiben

Von Nicola Pridik


(Foto von Nicola Pridik)
'ne E-Mail schreiben an den Prof? Kein Problem! Oder doch? Sehr geehrter … ist schon gut, doch dann geht's los: Professor ausschreiben oder nicht? Ob er drauf achtet? Man weiß es nicht. Und zwei Doktortitel hat er außerdem. Ach herrje, wie macht man's ihm in dieser Sache nur genehm? Weglassen oder lieber nicht? Er selbst weiß das ganz sicherlich. Und wir wissen's auch und deshalb gibt's hier und jetzt, kurz und knapp die wichtigsten Regeln zu Anrede und Gruß im Doppelpack.

Anrede

Wie also redet man im Brief einen Menschen an, der sich nicht damit begnügt, einfach Herr Rede zu heißen, sondern zudem ein Prof. Dr. Dr. vor sich her trägt? Unabhängig davon, ob er darauf Wert legt, dass man seine wissenschaftliche Karriere zur Kenntnis nimmt, muss es doch irgendwelche Regeln geben, an denen man sich in derartigen Fällen orientieren kann und die einen vor größeren und kleineren Fettnäpfchen bewahren?! Bei unseren Nachforschungen haben wir tatsächlich welche gefunden. Drei sind's für Herrn Rede, vier für den Fall, dass Prof. Dr. Dr. Rede eine Frau ist. Darüber hinaus konnten wir Dr. Meyer als Beispielskandidaten für einen reinen Doktortitel-Träger gewinnen. Auch diese Menschen müssen schließlich irgendwie angesprochen werden.

Der erste Merksatz erleichtert uns die Sache bei Multi-Titelträgern wie Prof. Dr. Dr. Rede bereits erheblich:

Hat eine Person mehrere Titel, wird nur der höchste in der Anrede genannt.

Die Doktortitel (sog. akademische Titel) von Prof. Rede entfallen also in der Anrede (nicht dagegen in der Anschrift!).

Der (verbleibende) Titel wird in der Anrede ausgeschrieben, sofern es sich nicht um den Doktortitel handelt. Dieser wird abgekürzt.

Also:

Sehr geehrter Herr Professor Rede
Aber:
Sehr geehrter Herr Dr. Meyer

In unseren Beispielen folgen beiden Titeln die Namen der Herren. Bei Dr. Meyer hängt dies mit dem abgekürzten Doktortitel zusammen. Hinzu kommt der Umstand, dass es allenfalls unserer Oma erlaubt ist, Dr. Meyer mit Herr Doktor anzusprechen und das auch nur, wenn es sich um ihren Hausarzt handelt.

Bei Prof. Rede ist es dagegen keinesfalls selbstverständlich, dass er in der Anrede auch mit Namen angesprochen wird. Es ergibt sich vielmehr aus folgender Regel:

Anders als bei anderen Amts- und Berufsbezeichnungen kann hinter der Bezeichnung Professor noch der Name folgen.

Da der Name folgen kann, aber nicht muss, könnt Ihr unseren Beispielskandidaten auch mit

Sehr geehrter Herr Professor

anreden. Allerdings würden wir Euch dies nicht unbedingt empfehlen.

Schreibt Ihr dagegen dem Dekan der Fakultät (und wollt ihn auch als solchen anreden), bleibt nur die Variante ohne Namen, also:

Sehr geehrter Herr Dekan

Ist Prof. Rede eine Frau, kommt Regel vier zur Anwendung:

Führt eine Frau den Titel oder hat eine Frau das Amt inne, so wird in der Regel die weibliche Form des Titels oder der Amtsbezeichnung gewählt. Eine Ausnahme bildet der Doktortitel, bei dem lediglich die männliche Variante üblich ist.

Frau Prof. Dr. Dr. Rede solltet Ihr also so anreden:

Sehr geehrte Frau Professorin Rede

Die männliche Form des Titels, also:

Sehr geehrte Frau Professor Rede

ist zwar nicht falsch, kommt aber zunehmend aus der Mode.

Ist Dr. Meyer eine Frau, ändert sich am (abgekürzten) Titel nichts. Man schreibt also:

Sehr geehrte Frau Dr. Meyer

und bleibt bei der männlichen Form Doktor.



Wär das mit den Titeln also schon mal geschafft. Jetzt nur noch die richtigen Zeichen setzen nach der Anrede. Hier gilt:

Nach der Anrede steht ein Komma. Dann wird - nach einer Leerzeile - klein weitergeschrieben, sofern das erste Wort in der neuen Zeile kein groß zu schreibendes Pronomen oder ein Substantiv ist.

Sehr geehrter Herr Professor Rede,

haben Sie vielen Dank …


aber:

Sehr geehrter Herr Professor Rede,

Ihre Nachricht vom … habe ich erhalten.

Es ist nicht falsch, ein Ausrufezeichen nach der Anrede zu setzen und nach einer Leerzeile groß anzufangen. Diese Schreibweise gilt jedoch als veraltet und sollte deshalb besser nicht mehr verwendet werden.



Schreibt Ihr mehreren Personen, solltet Ihr jede Person einzeln ansprechen. Geht es - wie bei Eurem Schriftwechsel mit Hochschulangehörigen - um offizielle Post, so steht der ranghöhere an erster Stelle. Haben beide den gleichen Rang, wird bei unterschiedlichem Geschlecht zuerst die Frau angesprochen.

Beispiele:

Sehr geehrter Herr Professor Rede,
sehr geehrte Frau Dr. Meyer,

in der Anlage finden Sie …

Sehr geehrte Frau Professorin Rede,
sehr geehrter Herr Professor Stelle,

in der Anlage finden Sie …



Grußformel

Seid Ihr am Ende Eurer Zeilen angelangt, so heißt es, souverän und fehlerfrei das Feld zu räumen, und zwar mit einer Grußformel. Welche Ihr auswählt, ist eine Frage des Stils. Meist liegt man bei offizieller Post mit den freundlichen Grüßen ganz richtig. Wichtig für uns aber an dieser Stelle: Welche formellen Fehler sollte man vermeiden? Einen vor allen Dingen: das Komma hinter der Grußformel. Denn:

Nach der Grußformel steht kein Satzzeichen!

Beispiel:

Mit freundlichen Grüßen

Günther Formel

Und beginnen sollte man die Grußformel auch richtig:

Die Grußformel beginnt groß, es sei denn, sie ist Bestandteil des letzten Satzes.

Eine großgeschriebene Grußformel hatten wir eben schon, deshalb hier nur ein Beispiel für eine integrierte Grußformel:

… Ich bedanke mich schon jetzt und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Günther Formel

Mit den genannten Grundregeln kommt Ihr auch bei Briefen und E-Mails an sonstige Personen sehr weit. Schwierig wird's eigentlich nur dann, wenn Euer Adressat irgendwelche wichtigen Ämter bekleidet oder der Dienstgrad eine Rolle spielt. Dann macht regelmäßig die korrekte Anrede Probleme. Schlaue Bücher zum richtigen Briefeschreiben bieten aber auch hierfür eine Lösung. Übrigens findet Ihr in manchen dieser Bücher auch einen gesonderten Abschnitt für englischsprachige Briefe.

Buchtipp:

Duden: Briefe gut und richtig schreiben


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