Studienkredite
KfW-Studienkredit der KfW Bankengruppe
- Seit 01.03.2012 kann man optional anstelle des normalerweise geltenden variablen Zinssatzes einen festen Zins vereinbaren. Dies bezieht sich aber nur auf die Rückzahlungszeit und ist daher nur möglich, wenn die Tilgungszeit schon begonnen hat bzw. demnächst beginnt. Die konkreten Konditionen siehe weiter unten.
- Zum Wintersemester 2011/12 wurde das Höchstalter bei Studienbeginn erhöht: solange man bei Beginn des Studiums noch nicht 35 war, kann man prinzipiell den KfW-Kredit bekommen (Hinweise dazu).
- Geplant (konkreter Beginn noch nicht bekannt) ist die Ausweitung auf Zweit- und Aufbaustudiengänge. Vgl. Pressemitteilung der KfW vom 27.06.2011.
| Konditionen im Überblick (Stand 02.04.2012, ohne Gewähr!) | |
|---|---|
| Das Darlehen | |
| Monatliche Höchstrate | 650 € (Mindestrate: 100 €) Mit der ersten Rate fallen Zinsen an, die von der monatlichen Rate gleich abgezogen werden. Man bekommt also etwas weniger ausgezahlt. |
| Dauer | 5 Jahre, auf begründetem Antrag Verlängerung um bis zu 2 Jahre |
| Kosten und Gebühren | Es fällt eine einmalige Aufwandsentschädigung für den Vertiebspartner in Höhe von 238 Euro an. Der Vertriebspartner ist die Bank, bei der man Antrag und in Folge Studienbescheinigung und einmal den Leistungsnachweis vorlegt. Die Aufwandsentschädigung wird von der KfW vofinanziert, ist aber mit den eigentlichen Schulden aus dem Kredit zurückzuzahlen. |
| Einschränkungen | Kredit grundsätzlich erhältlich für Vollzeit-Studierende im Erststudium an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule in Deutschland, jedoch allerhöchstens bis zum 14. Fachsemester möglich (Urlaubssemester zählen dabei nicht als Hochschulsemester). Bei Fachrichtungswechsel während Bezug des Kredits werden bereits geförderte Semester von dieser Semesterzahl abgezogen, wg. des erforderlichen Leistungsnachweises nach fünf (nur bei nicht-Bachelor/Master-Uni-Studiengängen sechs) Fördersemestern ist ein Wechsel schwierig, wenn man von Anfang an einen Kredit bekommen hat (siehe ausführlicher hier). Solange man noch keine KfW-Studienkredit erhalten hat, müsste es aber möglich sein, auch nach Fachrichtungswechsel das gesamte Studium den Kredit zu erhalten. Aufbaustudiengänge werden nicht gefördert (Ausnahme: direkt auf einem Bachelor aufbauende Master können gefördert werden). Weitere Voraussetzungen: Deutsche und EU-Staatsangehörige mit Mindestaufenthaltsdauer 3 Jahre im Bundesgebiet; Höchstalter bei Studienbeginn < 35 Jahre (gilt seit Oktober 2011); nach dem 5. (FH oder Bachelor) bzw. 6. (Uni, nur wenn KEIN Bachelor/Master) Fördersemester ist ein Leistungsnachweis vorzulegen (siehe ausführlicher hier). Ein Rechtsanspruch auf Gewährung des Kredites besteht NICHT. |
| Die Rückzahlung | |
| Beginn | 6 bis 18, u.U. bis 23 Monate Tilgungsfreiheit nach Ende des Studiums |
| Zinssatz | variabel z.Zt. (bis zur nächsten Zinsänderung am 01.10.2012) 3,69% nominal (siehe für Details und den Zinsverlauf der letzten Jahre hier, Höchststand bisher 6,5%!, bei Vertragsbeginn wird eine Zinsbegrenzung nach oben angegeben, die für 15 Jahre garantiert wird; aktuell 8,61%) Seit 01.03.2012 kann alternativ die Festzins-Option gewählt werden, allerdings erst zum Beginn des Rückzahlungszeitraums. Zukünftig kann diese Option immer zwischen 15.02. und 15.03 bzw. 15.08. und 15.09. fest für die restliche Laufzeit (höchstens 10 Jahre) ausgewählt werden. Die Höhe des Zinses hängt von der Restlaufzeit ab und liegt aktuell zwischen 4,02% (1 Jahr) und 4,93% (10 Jahre), eine genaue Übersicht hier. |
| Ratenhöhe/Dauer | i.d.R. auf 10 Jahre Rückzahlung kalkuliert, bis 25 Jahre möglich, Änderungen des Tilgungsplans und außerplanmäßige Tilgungen durch KreditnehmerIn sind möglich |
| Beantragung | |
| Zunächst ist zu prüfen, ob an einer förderfähigen Hochschule studiert wird. Nur dann ist der Kredit zugänglich, ein Antrag kann über das Online-Portal gestellt werden und muss schließlich einem Vertriebspartner der KfW vorgelegt werden. Vertriebspartner sind u.a. einige (nicht alle!) Sparkassen, Volksbanken und Studentenwerke. Die KfW listet ihre Vertriebspartner hier auf. Bundesweite Anbieter sind die apoBank, Commerzbank, HVB-HypoVereinsbank, MLP Finanzdienstleistungen, Santander und Targobank. | |
Einschätzung von Studis Online (Stand 02.04.2012)
Besser als keine Finanzierung ist ein Studienkredit auf jeden Fall. Bis auf die wenigen anderen Beispiele geben "normale" Banken Studierenden nur schwer einen Kredit. Diejenigen, die das in Form eines Studienkredites tun, wollen mehr Zinsen (z.B. Deutsche Bank, vor allem während der Rückzahlungsphase!) und/oder bieten nur eine Teilfinanzierung (Sparkassen, Volks+Raiffeisenbanken in Bayern, Deutsche Bank in den ersten beiden Semestern). Allerdings sind fast alle diese Kredite potentiell mit variablen Zinsen ausgestattet. Die Deutsche Bank hat die Zinsen zwar seit Jahren nicht verändert – dafür aber auch einen eher hohen Zins festgelegt. Die KfW orientiert sich normalerweise wirklich variabel am EURIBOR und hatte schon einen Höchstzins von 6,5% (ursprünglich sollte es sogar noch mehr sein, erst auf politischen Druck wurde der Zinssatz so festgelegt). Trotzdem ist über die letzten Jahre der KfW-Kredit in den meisten Fällen günstiger als fast alle anderen Angebote gewesen.
Allerdings muss man bei der KfW 232 Euro Gebühr zahlen (nicht sofort, aber bei der Rückzahlung muss diese mit abgezahlt werden). Will man z.B. insgesamt nur 2400 Euro, so machen allein schon die Gebühren fast 10% aus.
Wer nur eine kleine Zusatz- oder - z.B. am Ende des Studiums für begrenzte Zeit - eine Vollfinanzierung braucht, der kann evt. bei der Deutschen Bank besser wegkommen. Sonst sollte man am ehesten bei der KfW zugreifen, wenn z.B. Jobben keine Alternative ist. Die Bedingungen sind nach heutigem Stand verglichen mit anderen Studienkrediten am günstigsten, sofern es um viele Tausend Euro geht.
Im Vergleich zum BAföG bleiben Studienkredite immer die schlechtere Lösung. Das BAföG selbst müsste allerdings erst deutlich verbessert werden, bevor man auf Angebote wie das der KfW ganz verzichten könnte. Nur will dafür niemand ausreichend Geld in die Hand nehmen und grundlegende Veränderungen vornehmen. Dabei wäre es eine bessere und sozial gerechtere Maßnahme, als auf Studiendarlehen zu verweisen, deren Schuldenlast im Gegensatz zum BAföG nicht gedeckelt ist und von der Zinsentwicklung abhängt. Vor allem: Studienkredite müssen in jedem Fall zurückgezahlt werden, es gibt auch bei späterem geringem Einkommen die Möglichkeit zur Stundung (beim BAföG ist das dagegen der Fall!).
Dass die KfW inzwischen den Kredit auch als hilfreich für Schulabgänger aus Nicht-Akademikerhaushalten anpreist (vgl. Pressemitteilung der KfW vom 27.06.2011), ist eher ein Armutszeugnis für das BAföG und das Unterhaltsrecht. Denn eigentlich sollten diese beide Quellen ausreichen. Aber gerade Kinder aus Nicht-Akademikerhaushalten scheuen sich vermutlich, von den Eltern länger finanzielle Unterstützung für ein Studium zu fordern und nutzen lieber einen Kredit, als die Eltern auf Unterhalt zu verklagen. Oder studieren eben gar nicht. Nur der Ausbau des BAföG in Richtung elternunabhängigkeit könnte da wirklich helfen. Leider ist damit in näherer Zukunft nicht zu rechnen.
Nachdem beim BAföG die Altersgrenze für Master-Studiengänge auf 35 erhöht wurde, geht die KfW seit Wintersemester 2011/12 sogar noch weiter und gewährt ihren Studienkredit auch bei Bachelor-Studium für Menschen unter 35 (bezogen auf den Studienbeginn). So ist der KfW-Studienkredit für bestimmte Menschen die einzige Möglichkeit der Studienfinanzierung (von Jobben und eigenen Ersparnissen abgesehen), denn bei anderen Studienkrediten liegt die Altersgrenze in der Regel bei 30. Beim BAföG auch, allerdings gibt es diverse Ausnahmen (Details siehe hier).
Wer zumindest während der Rückzahlungszeit mehr Planungssicherheit haben will, kann seit März 2012 zum Beginn der Rückzahlungszeit die Festzinsoption wählen. Diese ermöglicht einen garantierten Zeit für die restliche Rückzahlungszeit, höchstens allerdings 10 Jahre. Wer länger abstottern will/muss, muss weiter das Risiko eingehen, dass nach den 10 Jahren die Zinssituation ungünstig ist. Aktuell (Stand 02.04.2012) ist der Zins günstig, liegt aber über dem aktuellen variablen Zins (denn auf lange Sicht muss die KfW davon ausgehen, dass der Zins auch wieder steigt). Da – gerade wegen der aktuellen Entwicklungen im Finanzsektor – niemand sicher voraussagen kann, wie sich die Zinsen in den nächsten 10 Jahren entwickeln werden, kann man schwer eine Empfehlung aussprechen. Vor den aktuellen Verwerfungen wäre man wohl davon ausgegangen, dass sich in einer Niedrigzinsphase wie jetzt eine Festlegung eher lohnen dürfte.
Politischer Hintergrund: Einführung von Studiengebühren – Bildung als Ware
Traurig ist übrigens, dass das Studiendarlehen-Modell erst im Zusammenhang mit der geplanten Einführung von allgemeinen Studiengebühren von der KfW präsentiert wurde (teilweise in Kooperation mit bekennenden Studiengebührenbefürwortern wie dem CHE - siehe hier). Es besteht die Gefahr, dass gewisse PolitikerInnen - zumindest langfristig (aktuell sind Studiengebühren ja wieder im Rückzug) - damit vor allem auch höhere Studiengebühren "sozialverträglich" abfedern wollen (von der Extremvariante, das BAföG ganz abschaffen zu wollen, scheinen inzwischen so gut wie alle Parteien abgekommen zu sein). Dabei sind die sozialverträglichste Art von Studiengebühren immer noch keine Studiengebühren. Ein verzinster Kredit ist immer schlechter als das BAföG und wird Menschen aus finanzschwachen Familien eher vom Studium abschrecken oder später vor Probleme stellen, die Menschen aus finanzstarken Familien gar nicht kennen.
Die Sache mit dem Leistungsnachweis (auch nach Fachrichtungswechsel!) - inzwischen unproblematisch(er)
Wer sein Studium von Anfang an mit dem KfW-Studienkredit finanziert, hat ein großes Problem, wenn er sein Studienfach wechselt. Denn beim KfW-Studienkredit gibt es keinen Aufschub des Leistungsnachweises wie beim BAföG. Er wird grundsätzlich nach dem 5. Fördersemester (nur bei nicht-Bachelor/Master-Uni-Studiengängen nach dem 6. Fördersemester) fällig und erwartet normalerweise die Leistungen von 4 vollen Semestern.
Seit SoSe 2010 ist die KfW deutlich großzügiger (zunächst wurde diese Regelung nur informell angewendet, inzwischen geht das auch ganz offiziell aus dem Leistungsnachweis-Formular der KfW hervor). Wer mind. 90 CP als Leistungsnachweis vorlegt (was in der Regel der Leistung von 3 Semestern entspricht), kann weiter den Kredit erhalten.
Wer zunächst ohne Kredit studiert (wie auch immer finanziert und egal wie lange) und erst nach einem Fachwechsel den KfW-Studienkredit nutzt, hat kein besonderes Problem. Hier hat er dann mind. fünf Semester Zeit für den Leistungsnachweis. In dem Fall also eine günstigere Regelung als beim BAföG (wobei es beim BAföG ja bei guten Gründen auch die Möglichkeit eines Aufschubs gibt).
Unser Artikel Plötzlich gibt es nichts mehr: Probleme mit dem Leistungsnachweis beim KfW-Studienkredit ist mit der neuen (internen) Regelung bezüglich der Leistungspunkte also nicht mehr Stand der Dinge, aber bleibt zur Dokumentation natürlich erhalten. Vielleicht hat ja auch das Nachfragen von uns und anderen Studis Online-NutzerInnen dazu beigetragen, dass die KfW ihre Regelung inzwischen deutlich freundlicher gestaltet hat.
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Der Einfluss des BAföGs auf andere Sozialleistungen
Studierende, die in einer Bedarfsgemeinschaft mit Hartz-IV-Empfängern zusammenleben, müssen ihr Einkommen (einschl. BAföG) grundsätzlich auch für deren Lebensunterhalt einsetzen. Dabei bleiben 20% des BAföG-Bedarfs als zweckbestimmte Einnahme anrechnungsfrei. Wohngeld gibt es in Bedarfsgemeinschaften mit Studierenden nur in besonderen Fällen.
Mit BAföG ins Studium?
Neue Studiengänge im Gesundheitswesen, aber auch steigende Anforderungen im Beruf lassen immer mehr Erwerbstätige in Gesundheitsfachberufen über ein Studium nachdenken. Doch wie sieht es mit dessen Finanzierung aus? Besteht auch in fortgeschrittenem Alter mit abgeschlossener Berufsausbildung noch eine Chance auf (elternunabhängiges) BAföG? Nicola Pridik geht der Frage nach und gibt zugleich Hinweise zu weiteren Finanzierungsmöglichkeiten.
Stipendien abseits der Eliteförderung
Neben der Förderung von Begabten, die sich an der Leistung der Studierenden orientiert, gibt es auch Stipendien bei denen dieses Kriterium keine oder nur eine geringfügige Rolle spielt. Der Wunsch nach finanzieller Unterstützung kann auch für weniger leistungsstarke Studierende ohne den Geist aus der Lampe Realität werden.
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