09.03.2010

Studienwahl
Unirankings - ein Instrument der Hochschulwahl?

Wer schon genauer weiß, welches Fach er/sie studieren will, steht immer noch vor der Frage, wo studiert werden soll. Jedenfalls, wenn keine guten Gründe von vornherein auf einen Hochschulort festlegen. Oft wird daher - auch bei uns im Forum - danach gefragt, welche Uni (oder Fachhochschule) in einem Ranking besonders gut abgeschlossen hat.

Gibt's das wirklich - die beste Hochschule?

Natürlich ist es möglich, sich bestimmte Kriterien und ihre Wertigkeit auszudenken und dann diese Werte für alle Hochschulen zu ermitteln. Am Ende kann man dann behaupten, die Hochschule X sei die beste. Aber eben nur in Bezug auf diese bestimmten Kriterien (über deren Sinnhaftigkeit und korrekte Messung man sich meist nochmal gesondert streiten müsste).

Geht es aber darum, mittels Ranking die richtige Hochschule für ein bestimmtes gewünschtes Studienfach zu finden, dann wird es schon fragwürdiger, ob ein Ranking dabei wirklich abschließend helfen kann.

Relativ einleuchtend dürfte sein, dass Rankings, die Hochschulen als ganzes bewerten, wenig dabei helfen, die Qualität eines bestimmten Studienfaches zu beurteilen. Praktisch jede Hochschule hat ihre Stärken - aber auch ihre Schwächen.

Grundsätzlich nutzt der (sozusagen allgemeine) Ruf einer Hochschule wenig für deren "Exotenfächer", meist bezieht sich der "Ruf" nur auf die "großen" Fächer. Auch bei Rankings, die sich explizit auf bestimmte Studienfächer konzentrieren, solltet Ihr immer im Auge behalten, dass es von Hochschule zu Hochschule unterschiedliche Schwerpunkte in diesem Fach gibt und die Euch auch zusagen sollten.

Schaut man sich ein Ranking noch genauer an, können weitere Punkte dafür sprechen, das Ranking nicht so stark zu werten: Wenn bspw. nur wenige Studierende aus einem Fach befragt werden und diese alle aus fast dem selben Semester kommen, dann kann das Ergebnis nicht allgemeingültig sein. Bedenken sollte man, dass es in Deutschland insgesamt fast 400 Hochschulen gibt - und viele, viele Tausend Studienfächer. Schwierig also, über alle aktuelle und korrekte Daten zu ermitteln.

Durch die Umstellung der bisherigen Diplom- und Magister-Studiengänge auf das Bachelor/Master-Modell ist die Aussagekraft vieler Rankings besonders gering, da die neuen Studiengänge noch wenig AbsolventInnen hervorgebracht haben, die Änderungen dabei aber zum Teil drastisch waren. Will sagen: Ein guter Diplomstudiengang ist nicht zwangsläufig zu einem guten Bachelor/Master-Studiengang geworden. Umgekehrt können aber auch manche Hochschulen ihre Hausaufgaben sehr gut gemacht haben.

Nicht vergessen darf man auch die große Zeitverzögerung: Eine angeblich gute Hochschule kann nach Verlust ihrer guten Profs und Mitarbeiter (warum auch immer) inzwischen gar nicht mehr so gut sein und umgekehrt. Schließlich dauert die Erhebung und Auswertung solcher Rankings seine Zeit ...

Studis Online meint darüberhinaus, dass ein Ranking immer auch die Stimme der Studierenden berücksichtigen sollte. Zwar haben diese oft wenig Vergleichsmöglichkeiten (im Gegensatz zu ProfessorInnen oder Personalverantwortlichen in Unternehmen, die wahrscheinlich mehr Hochschulen bzw. ihre AbsolventInnen kennen). Aber wenn die Studierenden insgesamt ein schlechtes Urteil abgeben (oder ein sehr gutes), sagt das schon etwas über die "Stimmung" an einer Hochschule. Ob diese allerdings wiederum dem einzelnen (potentiellen) Studierenden zusagt, ist immer noch eine Frage, die individuell zu klären ist.

Was also tun?

Die vorhandenen Rankings könnt Ihr - allerdings nur, wenn sie die oben genannten Kriterien ausreichend erfüllen - als einen Anhaltspunkt nehmen. Dabei solltet Ihr genauer hinschauen, wie sich das Ergebnis zusammensetzt und Euch überlegen, welche Schwerpunkte Ihr selbst bei der Bewertung setzen würde.

Beachtet vor allem die unterschiedlichen Bewertungen von Professor/innen und anderen Expert/inen im Vergleich zu Bewertungen von Studierenden der jeweiligen Hochschule. Gerade letztere sollten auch im oberen Bereich sein, sonst ist irgendetwas an der Hochschule bzw. in dem jeweiligen Fach doch nicht so toll - auch wenn die Expert/innen vielleicht anderes meinen.

Das bei informierten Studierenden nicht gerade beliebte CHE hat sich in den letzten Jahren bei Rankings besonders hervorgetan. Die Ergebnisse werden seit 2005 in der ZEIT veröffentlicht (voher in STERN-Sonderheften) und sind auch im Web abrufbar. Was an Rankings allgemein und an dem des CHE im speziellen fragwürdig ist, kann in unserem Interview mit Prof. Clemens Knobloch nachgelesen werden. Er lehrt am Fachbereich 3 der Uni Siegen, der sich dazu entschlossen hat, am CHE-Ranking bewusst nicht mehr teilzunehmen.

Auf keinen Fall solltet Ihr Euch darauf versteifen, unbedingt an der besten Hochschule eines Rankings studieren zu wollen. Wie schon erwähnt, kann ein Ranking nur eine Momentaufnahme sein und auch die jeweiligen Kriterien sind nie endgültig. Am besten schaut Ihr vor Ort vorbei (um selbst mal einen Vergleich zu haben, am besten an mehreren Hochschulen!), insbesondere direkt bei den Fachbereichen, die "Euer" Fach anbieten und entscheidet dann!



Die letzten Berichte zu Rankings (teilweise mit Ausschnitten aus den Bewertungen) bei Studis Online


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