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Studienkosten

Was kostet ein Studium (im Monat)?

Wenn Ihr ein Studium beginnt, ist damit meist eine umfassende Veränderung der Lebensumstände verbunden. Ihr zieht vielleicht in eine eigene Wohnung, ein Wohnheim oder eine WG und steht - vermutlich erstmals im Leben - auf eigenen Füßen. Das heißt auch, dass Ihr Euch Gedanken darüber machen müsst, wie Ihr Euer Leben eigentlich finanziell organisieren wollt während der Studienzeit. Dass es ohne Geld nicht funktionieren wird, liegt auf der Hand. Aber wie viel davon braucht man als StudentIn?

Wir wollen Euch aufzeigen, für welche Dinge in welchem ungefähren Umfang Kosten anfallen werden. Da reine Durchschnittswerte im Einzelfall wenig helfen, sollen alle relevanten Ausgabeposten detaillierter dargestellt werden. Nach Möglichkeit gehen wir dabei auch auf die Faktoren ein, von denen die Höhe der Kosten abhängt.

Die Daten beruhen größtenteils auf den Ergebnissen der Ende Juni 2013 veröffentlichten 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes und haben den Stand 2012. Bei der Sozialerhebung wird meist ein sog. "Normalstudent" betrachtet. Gemeint ist damit ein Student/eine Studentin, der/die nicht bei den Eltern wohnt und sich im Erststudium an einer staatlichen Hochschule befindet. Die Daten beruhen auf Befragungen Tausender von Studierender.



In Kürze (Klick führt auf die Details)

Wohnungskosten (Miete und Nebenkosten) 211 - 359 €
Ernährung 152 - 167 €
Fahrtkosten
(wenn nur Öffentlicher Nah- und Fernverkehr)
41 €
Fahrtkosten (wenn nur Auto) 120 €
Kleidung 48 - 55 €
Kommunikation (Telefon, Internet, GEZ, Post) 33 €
Lernmittel 18 - 65 €
Krankenversicherung, Arztkosten und Medikamente 0 - 128 €
Freizeit, Kultur und Sport 57 - 77 €
Semesterweise auftretende Kosten
(auf Monat umgelegt, z.B. auch Studiengebühren)
10 - 170 €
Mindestkosten insgesamt
(günstigster vs. ungünstigster Durchschnitts-Fall
im Einzelfall kann es also auch noch teurer oder –
sehr selten – günstiger gehen)
570 - ca. 1100 €



Wohnungskosten (Miete und Nebenkosten): 211 - 359 € (je nach Stadt)

Studierende geben im Monat durchschnittlich 298 € fürs Wohnen aus (+6% im Vergleich zu 2009). Dies sind 34 % ihres Gesamt-Budgets. Für Studierende mit monatlichen Einnahmen von weniger als 640 € sind es sogar 42 %.

Die Höhe der Miete hängt von vielen Faktoren ab. Wichtigste Faktoren sind die Wohnform als solche und die Stadt, in der man wohnt. Hinzu kommt, dass die Miethöhen auch innerhalb einer Stadt stark variieren können, je nachdem, in welches Viertel man zieht.

Wohnform Kosten in € im Durchschnitt
2012 (2009 | 2006 | 2003)
Wohnheim 240 (222 | 201 | 181)
Untermiete 248 (237 | 234 | 212)
Wohngemeinschaft 280 (264 | 246 | 232)
Wohnung mit PartnerIn 319 (302 | 292 | 267)
Wohnung allein 357 (341 | 316 | 300)

Für 54 Städte listet die Sozialerhebung die durschnittlichen Ausgaben für Miete und Nebenkosten auf. Sortiert nach Höhe der Kosten und Stadtnamen findet Ihr diese Infos gesondert im Artikel Mietkosten in Uni-Städten.

Kurz zusammengefasst: Köln ist am teuersten (359 €), es folgen München (358 €), Hamburg (351 €), Düsseldorf (338 €) und Frankfurt/Main (337 €). Am günstigsten sind Städte in den neuen Ländern, am günstigsten wohnt man (bezogen auf die gelisteten Städte - es gibt möglicherweise noch einzelne günstigere) in Chemnitz (211 €).

Beim BAföG werden übrigens pauschal 224 € Mietkosten als Bedarf berücksichtigt. Wer teurer wohnt, muss die Mehrbelastung also auf jeden Fall selbst tragen.



Ernährung: 152 - 167 €

Die Höhe der Ernährungskosten ist davon abhängig, wie und wo man sich als StudentIn die warmen Mahlzeiten organisiert (Mensa oder selbst kochen), ob man alleine wirtschaftet oder mit anderen gemeinsam und natürlich auch von der Art der Ernährung. Darüber hinaus will geübt sein, die Lebensmitteleinkäufe so zu organisieren, dass möglichst wenig verdirbt. Auch das verursacht nämlich zusätzliche Kosten.

Im Rahmen der Sozialerhebung weisen die AutorInnen derselben explizit darauf hin, dass die Gefahr einer Fehleinschätzung durch die befragten Studierenden bei den Ernährungskosten sehr groß ist. Offenbar sind eine größere Zahl von Studierenden nicht so gut in der Lage ihren Verbrauch hier realistisch einzuschätzen. Die Studienautoren nehmen den Bereich von 80 bis 250 € als realistisch an.

Unterschiede gibt es immer noch zwischen alten und neuen Ländern: 167 € werden in den alten Ländern monatlich für Ernährung aufgewendet, 152 € dagegen in den neuen (Berlin wird komplett den alten Ländern zugeordnet).



Fahrtkosten: 41 € (wenn nur öffentlicher Nah- und Fernverkehr) / 120 € (wenn nur Auto)

Nur 80 % der befragten Studierenden hatten Kosten in diesem Bereich. Das zeigt gleichfalls, dass einige Studierende die Kosten möglicherweise unterschätzen oder "vergessen" (z. B. auch den Anteil für das Semesterticket im semesterweise zu zahlenden Sozialbeitrag). Wer nicht bei den Eltern wohnt, hat außerdem vermutlich Kosten für Heimfahrten.

Es gibt signifikante Unterschiede zwischen Studenten und Studentinnen in diesem Kostenbereich. 37 % der Studenten leisten sich ein Auto und geben dafür durchschnittlich 120 € im Monat aus. Bei den Studentinnen dagegen haben nur 30 % Ausgaben für ein Auto, sie sind etwas kostenbewusster und kommen monatlich mit 114 € aus. 66 % der Studentinnen haben dagegen Ausgaben für öffentliche Verkehrsmittel im Umfang von 41 € im Monat. Die 60% der Studenten, die solche Ausgaben haben, kommen hier auf einen vergleichbaren Wert.

Insgesamt haben inzwischen nur noch 34 % der Studierenden Ausgaben für ein Auto, 1991 waren es noch 53 %.

Von der Befragung vollkommen unterschlagen wurden übrigens Kosten für ein Fahrrad (in manchen Hochschulstädten eindeutig das bevorzugte Verkehrsmittel). Sie mögen zwar im Schnitt gering sein (wenn man auf ein gebrauchtes Rad ausweicht), aber ein Rad muss erst mal gekauft werden - z. B. auch dann, wenn das bisherige gestohlen wird.



Kleidung: 48 - 55 €

Hier liegen die Studentinnen mit 55 € im Monat geringfügig über den Studenten mit 48 €. Im Vergleich zu 2009 haben die Studierenden den Posten Kleidung fast stabil gehalten (lediglich +1 €).



Kommunikation (Telefon, Internet, GEZ, Post): 33 €

Ohne Internetzugang ist ein Leben als StudentIn heute nur noch schwer vorstellbar. So gerät man schon in Erklärungsnot, wenn man keine E-Mail-Adresse hat. An den meisten Hochschulen gibt es für die Studierenden PC-/Computer-Pools, die nach Bedarf kostenlos genutzt werden können. Dort kann man sich auch einen E-Mail-Account einrichten lassen. Das Angebot ist notwendig und vielerorts auch sehr gut, aber natürlich ist es noch schöner, wenn man den Internetzugang Zuhause hat, am besten gleich mit einer DSL-Flatrate.

Die Kosten für Telefon (Festnetz oder Handy) und Internet sinken wegen der starken Konkurrenz seit Jahren. Der Posten "Kommunikation" ist daher weiter gesunken, 2009 lag er noch bei 35 €, 2003 übrigens sogar noch bei 49 €!



Lernmittel: 18 - 65 € / ø 30 €

Wie hoch die Kosten für Lernmittel ausfallen, ist sehr vom Studienfach abhängig. Im Vergleich zur Sozialerhebung gaben die Studierenden 2012 aber z.T. deutlich geringere Kosten an – woran das liegt, ist leider nicht nachzuvollziehen (dass die Hochschulen inzwischen mehr Material zur Verfügung stellen würden und daher die Studierenden weniger selbst kaufen müssen, ist eigentlich nicht anzunehmen). Studierende der Zahnmedizin gaben 2012 an, monatlich 65 € (2009 noch 86 €) für Lernmittel ausgeben zu müssen. Ebenfalls recht hohe Ausgaben haben noch Studierende der Bildenden Kunst (52 €) und der (Innen-)Architektur (49 €). Am geringsten waren die Ausgaben bei Studierenden der Ernährungs- und Haushaltswissenschaften (18 €), Physik/Astronomie (20 €) sowie Mathematik, Informatik und Elektrotechnik (je 22 €).

Die Gründe für höhere Kosten können darin liegen, dass man z. B. auch die großen teuren Bücher selbst besitzen sollte und es einfach nicht ausreicht, sie sich auszuleihen. Oder es müssen ständig Neuauflagen gekauft werden, weil sich die Inhalte der Bücher stark verändern. Insbesondere bei angehenden MedizinerInnen und ArchitektInnen können Materialkosten anfallen, auch wenn "theoretisch" vieles die Hochschulen stellen sollte. Darüber hinaus kann man davon ausgehen, dass die Ausgaben steigen, wenn eine Prüfung - insbesondere die Abschlussprüfung - ansteht.



Krankenversicherung, Arztkosten und Medikamente: 0 - 128 €

Als StudierendeR kann man - sofern man gewisse Voraussetzungen erfüllt - bis zum vollendeten 25. Lebensjahr (evtl. länger) über die Eltern krankenversichert sein. In diesem Fall tendieren die Ausgaben gegen Null.

Für ältere Studierende oder solche, die sich aus anderen Gründen selbst versichern müssen, gibt es - jedenfalls bis zum vollendeten 30. Lebensjahr - in der Kranken- und Pflegeversicherung einen Einheitstarif von insgesamt 78 € (Stand 2013). Kann man auch diesen nicht mehr bekommen, steigen die Ausgaben auf mindestens 100 €. Für über 30-Jährige wurden denn auch bei der Sozialerhebung Ausgaben von 128 € für diesen Posten ermittelt.



Freizeit, Kultur und Sport: 57 - 77 €

Rund 7% der studentischen Einnahmen werden für Freizeitaktivitäten verwendet. Signifikante Unterschiede gibt es zwischen Studenten (durchschnittlich 74 €) und Studentinnen (63 €), nochmer aber abhängig vom Wohnort. In Städten unter 50.000 EinwohnerInnen liegen die Ausgaben bei 57 €, in Städten über 500.000 EinwohnerInnen bei 77 €. Das dürfte am größeren Angebot in Großstädten, aber natürlich auch den dort meist höheren Preisen liegen.



Semesterweise auftretende Kosten: 10 - ca. 170 € pro Monat

Zum Zeitpunkt der Datenerhebung der Sozialerhebung gab es noch in zwei Bundesländern Studiengebühren, ab Wintersemester 2013/2014 wird es nur noch eins sein (Niedersachsen), wobei auch dort die Studiengebühren abgeschafft werden sollen. Es bleibt aber bei Langzeit- oder anderen speziellen Studiengebühren (z.B. für Zweit- oder Seniorenstudium) in einigen Ländern. Wer von einer dieser Gebührenarten betroffen ist, muss bei 500 Euro/Semester rechnerisch mit 83,33 Euro allein dafür pro Monat rechnen, sind die Langzeitstudiengebühren höher (wie noch in Niedersachsen mit bis 800 €/Semester), sogar mit mehr. Details über Höhe und Pläne für die Zukunft können unserer Studiengebühren-Länderübersicht entnommen werden.

In jedem Fall gibt es in allen Bundesländern (weitere) semesterweise auftretende Kosten. Die Höhe dieser Kosten variiert stark zwischen den einzelnen Bundesländern und Hochschulen.

In jedem Fall ist ein Sozialbeitrag (auch Semesterbeitrag genannt) zu bezahlen. Dieser fließt - neben den (leider zunehmend sinkenden) Zuschüssen des jeweiligen Bundeslandes - zu einem Teil dem Studentenwerk zu. Euch kommt dies insofern zugute, als das Studentenwerk mit dieser Grundfinanzierung z. B. das Mensaessen, Studentenwohnheime und Beratungen günstiger anbieten kann. Oft wird über den Sozialbeitrag auch ein Semesterticket finanziert (dieser Anteil ist dann aber in den Fahrtkosten oben enthalten). In fast allen Bundesländern bekommt schließlich die Studierendenvertretung (AStA) einen kleinen Anteil für ihre Arbeit. Ohne Semesterticket liegt der Sozialbeitrag je nach Hochschule normalerweise zwischen ca. 60 und 100 €. Im Monat müssen also zwischen 10 und 16,67 € dafür vorgesehen werden.

In einigen Bundesländern fallen sogenannte Verwaltungskostenbeiträge (früher auch als Rückmeldegebühren und Immatrikulationsgebühren bekannt) an. Sie liegen zwischen 40 und 75 € (siehe unsere Studiengebühren-Länderübersicht) - müssen also mit weiteren 8,25 bis 12,50 € monatlich berücksichtigt werden.



Kosten insgesamt: 570 - ca. 1100 €

Im Vergleich zur letzten Sozialerhebung haben sich die Ergebnisse kaum verändert. Unvermeidliche und von den Studierenden schwer beeinflussbare Erhöhungen in einigen Posten wurden durch Einsparungen an anderer Stelle ausgeglichen.

Am unteren Ende der Mindestkosten befindet Ihr Euch, wenn Ihr kein Auto fahrt, über Eure Eltern krankenversichert seid und keine allgemeinen Studiengebühren anfallen oder die Bezahlung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird. Zusätzlich wohnt Ihr in einer günstigen Stadt (z.B. Chemnitz) - was sich nicht nur auf die Miete niederschlägt - und studiert ein Fach aus dem Bereich Naturwissenschaften oder Ingenieurwesen.

Zu den teuersten Varianten gehört dagegen ein Zahnmedizin-Studium in den alten Ländern, z. B. in München oder Köln. Dazu noch ein eigenes Auto, eigene Krankenversicherung und etwas ernährungs- und kleidungsbewusster - schon kann man bei 1100 Euro liegen und das mit den durschnittlichen Werten. Ist man über 30, kostet's durch die teurer Krankenversicherung nochmals ca. 56 Euro mehr.

Entscheidend ist u.a., für was für eine Unterkunft Ihr Euch entscheidet. Ein kleines Zimmer im Studentenwohnheim oder in einer WG dürfte die Wohnkosten allein um 50 bis 100 € gegenüber dem Durchschnitt der jeweiligen Stadt senken. In Berlin, Hamburg und München wohnen überdurchschnittlich viele Studierende in einer eigenen Wohnung - das kostet auch dementsprechend (und zieht die in der Erhebung ausgewiesenen Durchschnittskosten hoch). Die Werte von Chemnitz lassen sich aber auch auf diesem Weg sicher nicht erreichen.

Lässt sich ein Auto nicht vermeiden, muss man die Kranken-/Pflegeversicherung selbst zahlen und bestreitet man Studiengebühren aus dem laufenden Etat, so kommt aber - egal wo - noch einiges dazu und man nähert sich den 1000 € pro Monat an oder überschreitet sie sogar.

Bedenken sollte man auch, dass in all den genannten Punkten noch keine größeren Extra-Ausgaben drin sind. Reisen oder mal eben einen Computer kaufen ist also nur drin, wenn dafür noch extra Geld eingeplant wird.

Studienfinanzierungsrechner »

Nachdem Ihr nun gut informiert seid, könntet Ihr mittels unseres Studienfinanzierungsrechner Eure voraussichtlichen Ausgaben zusammentragen. Wenn Ihr Euch vorher noch über die Einnahmeseite in unserem Artikel zum Thema Studienfinanzierung informiert, könnt Ihr im Rechner gleich Eure Gesamtbilanz aufstellen.

Noch Fragen? »

Schaut in unser Forum Rund ums Geld, vielleicht wurde Eure Fragen schon von anderen gestellt und beantwortet. Bei Bedarf könnt Ihr auch eigene Beiträge verfassen und Euer Problem schildern.

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Sehr empfehlenswert zum Thema ist folgender Ratgeber der Verbraucherzentrale (für aktuelle Ergänzungen sollte man aber immer auch auf Studis Online vorbeischauen):
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