Assessment-Center
Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen
Im Zusammenhang mit Bewerbungen fällt häufig der Begriff Assessment Center. Viele Berufseinsteiger fragen sich, was genau sich dahinter verbirgt. Um einen Eindruck zu erhalten, was den Bewerber bei dieser Veranstaltung erwartet, stellt Caspar Keller das Assessment Center näher vor.Inhalt des Artikels
- Zur Geschichte »
- Was steckt dahinter? »
- Gewünschte Kompetenzen »
- Pro und Contra »
- Bewertungskriterien »
- Möglicher Ablauf »
- Vorbereitung »
- Praktische Übung »
- Literatur »
1. Zur Geschichte
Wenn ich im Assessment-Center-Training in die Runde frage, woher das Assessment-Center (AC) stammt, lassen sich viele der Seminarteilnehmer aufgrund der englischsprachigen Bezeichnung fehlleiten. Denn wie so viele geistreiche Erfindungen, angefangen bei der Aspirin bis hin zur Zahnpasta, wurde das AC in Deutschland entwickelt.
In den 1920er Jahren wurde das erste AC als sogenanntes Offiziersauswahlverfahren von deutschen Reichswehrpsychologen konzipiert. Der Gedanke war, dass nur die Besten zu Offizieren ernannt werden. Rund 30 Jahre später wurde das AC erstmals in den USA in der Wirtschaft verwendet. In den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts wurde es schließlich auch in Deutschland benutzt, um den Wirtschaftsnachwuchs zu befähigen.
2. Was steckt dahinter?
Mit Hilfe des AC möchten Unternehmen berufsnahe Situationen simulieren. So werden zum Beispiel Bewerber für den Vertrieb auf Kundenorientierung, Verhandlungs- und Präsentationstechniken getestet. Das AC ist somit eine erste Arbeitsprobe - sowohl für das Unternehmen als auch für den Bewerber.

Simulierte Arbeitsrealität: Im Assessment Center testen Unternehmen, ob die Arbeitsweise der Bewerber und ihr Charakter zum firmeneigenen Berufsalltag passen
Die Beobachter schließen aus dem Verhalten der Bewerber auf ihre Persönlichkeit und entscheiden, ob ihre Arbeitsweise und ihr Charakter zur Aufgabe und zum Unternehmen passen. Nachdem anhand der Bewerbungsunterlagen und im Bewerbungsgespräch festgestellt wurde, dass die Hard Facts (Studium, Fachrichtung) des Bewerbers passen, werden im AC die sogenannten Soft Skills (weiche Kriterien, wie Teamfähigkeit, Kommunikation) überprüft.
Das AC dient nicht allein zur Bewerberauswahl, sondern kann auch zur Kontrolle der Mitarbeiter-Qualität sowie zur Potentialanalyse von Führungskräften genutzt werden.
3. Gewünschte Kompetenzen
Allgemein bekannt dürfte sein, dass das mühsam angeeignete Fachwissen allein für den Bilderbuch-Berufsstart in einem angesehenen Unternehmen nicht mehr ausreicht. Unternehmen verlangen berufliche Qualitäten ab. Der Bewerber tut gut daran, wenn er durch seine methodischen, sozialen und unternehmerischen Kompetenzen überzeugt.

Als methodische Kompetenz wird die Qualität bezeichnet, eine Aufgabe repräsentativ, z. B. durch Gesprächstechniken, Präsentationstechniken, Moderationstechniken, zu erfüllen.
Die soziale Kompetenz betrifft den zwischenmenschlichen Faktor. An Arbeitsprozessen in Unternehmen sind unter Umständen viele Mitarbeiter beteiligt. Jeder Mitarbeiter trägt seinen Teil dazu bei, aber erst die Gruppenarbeit verhilft dem Ganzen zum Erfolg. Die soziale Kompetenz verlangt also z.B. Teamfähigkeit, Kritikfähigkeit, Kontaktfreudigkeit.
Die unternehmerische Kompetenz hat, wer Aufgaben im Sinne des Unternehmens löst.
4. Pro und Contra
Wer unvorbereitet ins AC geht, hat ganz schlechte Karten. Der unvorbereitete Kandidat wird zu sehr überrascht von den sehr umfangreichen Aufgaben und empfindet die Bearbeitungszeit als viel zu kurz. Zudem honorieren die Beobachter zu wenig, dass der Bewerber, frisch von der Uni, die abgefragten Kompetenzen kaum entwickelt haben kann. Daher gibt es immer wieder Stimmen, die das AC sehr gerne abgeschafft sehen würden.
Ungeachtet der Frustration weniger, ist das AC fester Bestandteil der Personalgewinnung. Das AC glänzt statistisch gesehen als das bislang zuverlässigste Personal-Auswahlinstrument. Es liefert eine repräsentative Stichprobe der späteren Arbeitsrealität. Zu Tage fördert das AC ungeahntes Potential. In nur einem Termin kann ein Dutzend Bewerber geprüft werden. Zu guter Letzt werden alle Kandidaten anhand eines objektiven Beurteilungskatalogs und der demokratischen Jury-Entscheidung fair und gleich behandelt.
Und, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen - trainieren Sie das AC vorab!
5. Bewertungskriterien
Die Beobachter sind in ihrer Bewertung nicht losgelöst von Vorgaben. Diese Vorgaben finden sich im Beurteilungskatalog, der eigens für das AC geschrieben wurde und die Bewertungskriterien enthält. Wie also das Auftreten eines Bewerbers im Ergebnis auszulegen ist, hängt ganz entscheidend mit vom Beurteilungskatalog ab. Die Bewertungskriterien sind:
- Soziale Kompetenz
- Denken, Planen und Organisieren
- Veränderungskompetenz
- Auftreten
- Unternehmerische Kompetenz
Die Agenda für ein eintägiges AC kann wie folgt aussehen:
- Begrüßungsrunde
- Postkorb (45 min. Vorbereitung, 15 min. Interview)
- Gruppendiskussion (30 min. Durchführung)
- Gemeinsames Mittagessen (45 min.)
- Rollenspiel 1: Kollegengespräch (15 min. Vorbereitung, 15 min. Durchführung)
- Fallstudie (40 min. Vorbereitung, 10 min. Präsentation)
- Rollenspiel 2: Kundengespräch (15 min. Vorbereitung, 15 min. Durchführung)
- Abschlussrunde
- Beobachterkonferenz mit anschließenden Feedbackgesprächen
7. Vorbereitung
Das Lesen der Tagespresse fördert die Allgemeinbildung. Und die ist neben den Kenntnissen über das Unternehmen (siehe zum Beispiel dessen Online-Präsenz) für das Bestehen eines AC unabdingbar.
Jedoch ist das Training unter realen Bedingungen ohnegleichen. Daher: Nutzen Sie die Möglichkeit das AC zu trainieren!
Alle Studis Online-Leser haben die Chance zu kostenfreien AC-Trainings. Einfach Termine per E-Mail unter dem Betreff "Studis Online-AC" anfordern: info@karriere-foerderung.de.
Ganz wichtig für Ihr Auftreten im AC: Bleiben Sie authentisch! Angenommen, Sie wissen während einer AC-Übung nicht, welche der vielen Kompetenzen gerade verlangt wird. Während die anderen Teilnehmer die Aufgabe diskutieren, entscheiden Sie sich dazu, die Jury von Ihrem Führungspotential zu überzeugen. Dadurch versteifen Sie sich in die Rolle und diktieren die anderen Teilnehmer zusehend.
Vorbereitet passiert Ihnen das nicht und Sie verbleiben ganz Sie selbst.
8. Praktische Übung
Am Beispiel der Postkorbübung lässt sich ein erster Eindruck vermitteln, was für Aufgabenstellungen im AC auf einen zukommen.
Postkorb "Pure Organics"
Bearbeitungszeit: 30 Minuten
Sachverhalt
Ausgangssituation: Sie sind Herr Stefan Mertens, Abteilungsleiter "Einkauf" bei dem renommierten Bio-Produkte-Hersteller "Pure Organics". Zur Erschließung neuer Märkte und um mit neuen Händlern Kontakte zu knüpfen, sind Sie für die nächsten zwei Wochen auf Geschäftsreise in der Normandie. Dort kann man Sie nicht erreichen, da Sie mit der Arbeit, die Sie dort erwartet, vollauf beschäftigt sein werden. Daher sind Sie heute Morgen um 7:00 Uhr nach einem langen Wochenende in Ihr Büro gefahren, um Ihren Nachrichtenberg abzuarbeiten. In einer halben Stunde wird Sie ein Taxi abholen, das Sie direkt zum Flughafen bringt. Heute ist Dienstag, der 15. Juli. Am Montag, den 28. Juli werden Sie zurück sein.
Bei Ihrer täglichen Arbeit unterstützen Sie Ihr persönlicher Assistent Herr Schmitz und Ihre Sekretärin, Frau Meurer. Personalreferentin ist Frau Wirtz.
Auf Ihrem Schreibtisch finden Sie Notizen, Briefe, Emails, Faxe und Entscheidungsvorlagen. Beziehen Sie zu den einzelnen Mitteilungen Position, falls es aus Ihrer Sicht erforderlich ist. Bei dieser Übung kommt es darauf an, sinnvolle Entscheidungen zu treffen, Arbeiten zu delegieren oder selbst zu erledigen und Termine zu vereinbaren. Nach den Notizen finden Sie ein Organigramm und einen Terminkalender. Halten Sie Ihre Entscheidungen zu den einzelnen Notizen stichwortartig fest und tragen Sie Ihre Termine in Ihren Kalender ein: Sie werden gebeten, beides anschließend den Beobachtern zu präsentieren.
info@karriere-foerderung.de.
Haben Sie die Aufgabe erfüllt, können Sie gern Ihr Ergebnis mit der Lösung (siehe Link weiter unten) vergleichen.
9. Literatur
Püttjer, Christian; Schnierda, Uwe: Assessment-Center-Training für Hochschulabsolventen, 5. Aufl., 2009, Campus Verlag
Beitz, Holger; Loch, Andrea: Assessment Center, Erfolgstipps und Übungen für Bewerber, 2008, Goldmann Verlag
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1. esto_85 kommentierte am 14.05.2009 um 10:23:10 Uhr
Zu empfehlen!
Hallo zusammen,
ich war letzte Woche auf einem Assessment-Center bei einer Unternehmensberatung und kann nur bestätigen, dass eine Vorbereitung auf ein AC absolut notwendig ist. Der Artikel ist sehr gut!
Wer die Übungen vorher nicht mal durchspielt, hat deutliche Nachteile gegenüber den anderen Bewerbern, die das schon mal praktisch erfahren haben. So war zumindest mein Eindruck.
Was mir persönlich sehr geholfen hat war das AC-Training hier: http://www.career-service.uni-tuebingen.de/content/upload_temp/AC-Training.pdf
Vor allem der Persönlichkeitstest INSIGHT, den man da für 10 Euro zusätzlich bekommt, war hilfreich. Lustig war auch, dass der tatsächlich bei der Unternehmensberatung benutzt wurde.
Cheers,
Esto
2. Henrike K kommentierte am 20.02.2010 um 11:33:26 Uhr
Ohne Training gehts kaum
Hallo,
hab leider auch schon meine (negativen) Erfahrungen mit Assessment-Centern sammeln dürfen. Bin relativ unbedarft in mein erstes AC gegangen und hab dort nur Bahnhof verstanden. Danach hab ich mich erstmal intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, mit diversen Büchern und mit einem Vorbereitungskurs bei http://www.intertrainment.de. Beim nächsten Anlauf hats dann wirklich gut geklappt. Kann jedem nur empfehlen sich möglichst praktisch drauf vorzubereiten, die Theorie alleine hilft noch nicht wirklich.
Grüße
Henrike
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