Richtig schreiben und Zeichen setzen im Studium
Folge 14: „Gänsefüßchen“ ums Zitat, so lautet unser guter Rat oder
Wissenswertes rund um Anführungszeichen
Von Nicola Pridik![]() Sackgassenfrei (Anführungs-) Zeichen setzen ... (Foto von Nicola Pridik) |
Wann werden Anführungszeichen gesetzt?
In der wissenschaftlichen Arbeit, aber natürlich auch in anderen Texten, geschieht dies in Form des Zitats von schriftlichen Äußerungen eines anderen.
Beispiel:
Weiterer klassischer Fall ist die direkte Rede, also die schriftliche Wiedergabe dessen, was eine Person mündlich kundgetan hat oder gerade kundtut.
Beispiel:
Eine wenig konkrete Regel, aus der wir zwei typische Anwendungsfälle mit ihren klassischen Schwierigkeiten herausgreifen möchten.
Erstens: Überschriften und Werktitel
Wer schreibt, in welchem Film er gestern war oder welches Buch er gelesen hat, soll den Titel in Anführungsstriche setzen. Also:
Das Buch trägt den Titel „Aller Anfang ist schwer“.
Beginnt der Werktitel mit einem bestimmten oder unbestimmten Artikel, taucht gerne das Problem auf, dass er sich nicht nahtlos in einen Satz einfügen lässt, ohne dass der Artikel verändert oder weggelassen werden muss. Hier gilt:
Beispiele:
(Der Artikel bleibt unverändert und darf deshalb mit innerhalb der Anführungszeichen stehen.)
Er nahm Bezug auf eine Szene aus dem „Leben der Anderen“.
(Der Artikel verändert sich durch Deklination und steht deshalb außerhalb der Anführungszeichen.)
Zweitens: Hervorhebung einzelner Wörter oder Wortgruppen
Typischer Fall sind z. B. markante Begriffe, die man zunächst umschrieben hat und nun als Begriff einführen möchte.
Beispiel:
Hier ist zu beachten, dass die Anführungszeichen weggelassen werden sollten, wenn die Hervorhebung bereits mit sprachlichen Mitteln erfolgt:
Beispiele:
Ihre angebliche Migräne entpuppte sich im Nachhinein als Übermüdungserscheinung.
Und da wir ja alle immer und überall auf der Suche nach passenden Worten sind, gibt's an dieser Stelle außerdem folgenden Rat: Vermeidet unbedingt den inflationären Gebrauch von Anführungszeichen! Wörter, welche die gemeinte Sache nicht hundertprozentig treffen, aber immerhin ungefähr verdeutlichen, was Ihr sagen möchtet, sollten weder gebraucht noch in Anführungszeichen gesetzt werden. Die Existenz von Anführungszeichen ist kein Freibrief für unpassende und schlechte Formulierungen, welche die Sache nicht auf den Punkt bringen!
So weit zu den Hervorhebungen durch Anführungszeichen.
Die Frage, ob Anführungszeichen gesetzt werden müssen, stellt sich auch dann, wenn eine Textstelle zitiert werden soll, in der wiederum Anführungsstriche zu finden sind. Hier gilt:
Beispiel:
(In dem Text von Meyer steht der Begriff „Globalisierung“ in Anführungszeichen.)
Wie wird ein angeführter Satz in einen sog. Begleitsatz eingefügt?
Werden ganze Sätze zitiert oder in wörtlicher Rede wiedergegeben, müssen sie geschickt mit selbst formulierten sog. Begleitsätzen verbunden werden, um sie in einen Text zu integrieren. Der Begleitsatz kann dem angeführten Satz vorangehen, ihm nachgestellt sein, ihn umschließen oder ihn unterbrechen.
Da zwei Sätze durch die Verbindung zu einem Satz verschmelzen, trotzdem aber ihre Eigenständigkeit behalten, kommt es unweigerlich zu Fragen hinsichtlich der richtigen Satzzeichen. Wie diese zu beantworten sind, zeigen wir Euch nachfolgend für die einzelnen Kombinationsvarianten von Begleitsatz und angeführtem Satz. Zunächst jedoch eine Grundregel:
Also:
(Das erste Fragezeichen gehört zum wörtlich Wiedergegebenen und gehört deshalb in die Anführungsstriche. Das zweite Fragezeichen gehört zum Begleitsatz und steht deshalb außerhalb der Anführungsstriche.)
Beispiele:
(Der Schlusspunkt des Begleitsatzes entfällt, weil der Gesamtsatz nach dem angeführten Satz endet.)
„Das ist halt so“, sagte er.
(Der Schlusspunkt am Ende des angeführten Satzes entfällt, weil der Begleitsatz dem angeführten Satz folgt.)
Nun zur Lösung des Satzzeichen-Problems in den einzelnen Konstellationen von Begleitsatz und angeführtem Satz:
Erste Variante: Der Begleitsatz geht dem angeführten Satz voran
Beispiele:
(Der Schlusspunkt des Begleitsatzes entfällt.)
Hast du gefragt: „Ist dies ein Problem?“?
(Das Fragezeichen des Begleitsatzes wird dagegen geschrieben.)
Zweite Variante: Der Begleitsatz ist dem angeführten Satz nachgestellt oder wird nach ihm weitergeführt
Beispiele:
„Das ist halt so“, sagte er.
(Der Schlusspunkt des angeführten Satzes entfällt.)
Dritte Variante: Der Begleitsatz unterbricht den angeführten Satz
Beispiele:
(Der Begleitsatz wird durch Kommas abgetrennt. Der Gesamtsatz endet mit den Schlussstrichen des angeführten Satzes, vgl. oben erste Variante.)
„Es ist mir egal“, rief sie, „wie das Ergebnis lautet!“, und verließ den Raum.
(Der Begleitsatz wird durch Kommas abgetrennt. Da der Begleitsatz nach dem angeführten Satz weitergeführt wird, steht nach diesem ein Komma, vgl. oben zweite Variante.)
Wie sehen Anführungszeichen aus?
Wie beim Apostroph ist es auch bei den Anführungsstrichen keineswegs gleichgültig oder eine Geschmacksfrage, wie sie aussehen.
Wer in der Textverarbeitung am eigenen Rechner Zuhause alles richtig machen will, sollte unbedingt dem angegebenen Link folgen. Übrigens keineswegs nur ein Tipp für Hobby-Typografen!
www.typografie.info/typowiki/index.php?title=Anf%C3%BChrungszeichen
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