09.08.2013

Wie sag ich’s nur?
Motivationsschreiben für ein Studium

Motivationsschreiben werden immer häufiger bei Bewerbungen für Masterstudiengänge verlangt. Auch für Bachelorabsolventen ist dies gelegentlich Pflicht. Doch wie sieht ein gutes Schreiben aus? Eine Übersicht von Sebastian Horndasch.

ACHTUNG: Dieser Artikel wird von sehr vielen Bewerbern gelesen. Von so vielen, dass inzwischen ausnahmslos alle Bewerbungskommissionen in Deutschland die Beispielformulierungen kennen. Wenn Ihr abschreibt, kann es gut sein, dass Euer Motivationsschreiben als Plagiat abgelehnt wird - wie an der HTW Berlin geschehen. Tut Euch also selbst einen Gefallen und schreibt nicht ab.

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Etwas Mühe sollte man sich mit einem Motivationsschreiben schon geben – auch wenn das einiges zerknülltes Papier bedeuten sollte.
Das Motivationsschreiben bildet zusammen mit dem Zeugnis das Herz der Bewerbung um einen Studienplatz. Hier könnt ihr eure Stärken hervorheben, eure Motivation deutlich machen und mögliche Defizite erklären. Durch ein fehlerbehaftetes Schreiben kann man sich allerdings auch um seine Chance auf einen Studienplatz bringen – insbesondere Rechtschreibfehler können ein Ausschlusskriterium sein. Doch mit der richtigen Struktur ist das Motivationsschreiben nur halb so schwer.

Bevor ihr zu schreiben beginnt, solltet ihr euch bewusst machen, dass das Motivationsschreiben genau drei Botschaften vermitteln soll:
  1. Der Grund, aus dem ihr das Studium anstrebt,
  2. Warum man selbst besonders geeignet und motiviert ist, dieses Studium durchzuführen,
  3. Inwiefern die Zielhochschule und der Studiengang von euch und eurer Leistung profitieren können.

Formalitäten

Hochschulen machen sehr häufig detaillierte Angaben zu Länge und Inhalt des Motivationsschreibens. Daran solltet ihr auch in jedem Fall halten. Alle weiteren Formalitäten und Angaben gelten nur, wenn die Hochschulen selbst nichts Konkretes zu den Themen sagen.

Das Motivationsschreiben für einen Studiengang sollte länger sein als eine typische Bewerbung für ein Praktikum. Wenn die Hochschule keine genauen Vorgaben macht, sind 500 Wörter ein guter Richtwert. Etwas mehr ist akzeptabel, allerdings sollte man nicht mehr als 750 Wörter nutzen. Macht euch bewusst, dass die Prüfer oft hunderte von Bewerbungen lesen – wer übertrieben viel schreibt, fällt da negativ auf.

Von der Aufmachung her ist es nicht nötig, Adresse oder Geburtsdatum zu nennen - das Motivationsschreiben ist ja Teil einer umfangreichen Bewerbung. Insgesamt sollte man auf eine saubere Aufmachung und eine leserliche Schriftgröße achten, alles andere deutet auf Nachlässigkeit hin. Mehr als zwei Seiten sollte das Schreiben nicht umfassen.

Daneben solltet ihr euer Schreiben dringend auf Rechtschreibfehler prüfen. Das klingt offensichtlich, ist es aber nicht: Etwa jede vierte Masterbewerbung enthält so viele Rechtschreibfehler, dass sie von Prüfungskommissionen gleich aussortiert wird. Gerade im akademischen Bereich werden Rechtschreib- und Kommafehler als Zeichen von Respektlosigkeit und mangelnden intellektuellen Fähigkeiten gesehen. Daher: Lasst das Schreiben von jemandem gegenlesen, der Fehler zuverlässig erkennt. Folgender Satz zum Beispiel minimiert trotz guter Wortwahl die eigenen Chancen auf Aufnahme:
    NICHT KOPIEREN
    "Ich bin überzeugt das ich ihre hohen Standards im International Master erfüllen und mich bei ihnen weiterentwickeln kann."

Der Einstieg

Viele Motivationsschreiben beginnen in etwa so:
    NICHT KOPIEREN
    "Meine Bewerbung für den Studiengang Master of Science in International Studies begründe ich wie folgt: Schon seit frühester Kindheit interessiere ich mich für internationale Studien. Während meiner Recherchen bin ich auf Ihr Programm gestoßen. Die besondere Struktur Ihres Masterprogramms hat mich dazu bewogen, mich bei Ihnen zu bewerben."
Klingt erst einmal gut, was ist also an diesem Einstieg falsch? Fast alles. Ganze zwei von vier Sätzen sagen nur das Offensichtliche: Man bewirbt sich. Dass man sich daneben grundsätzlich für das Thema interessiert, sollte klar sein. Und dass man während der Recherchen auf das Programm gestoßen ist, lässt den Leser fragen: Wo denn sonst? Genau betrachtet hatte dieser Einstieg keinerlei Inhalt. Wer so beginnt, hat die Aufmerksamkeit des Lesers schon verloren.

Wie sieht ein guter Einstieg aus? Ihr solltet eure ein, zwei besten Argumente voranstellen. So macht ihr sofort klar, was ihr wollt und wer ihr seid. Stellt euch folgende Fragen: Was qualifiziert euch für den Master? Warum passt ihr in das Programm? Was motiviert euch? Das zu formulieren, ist gar nicht einfach. Die beste Strategie ist es, den Einstieg erst am Ende zu schreiben, denn dann ist man sich in seinen Argumenten mehr im Klaren. Ein gutes Beispiel für einen Einstieg:
    NICHT KOPIEREN
    "Mein berufliches Ziel ist es, eine Führungsposition in Wirtschaft oder Gesellschaft zu übernehmen. Um diese Aufgabe akademisch fundiert, reflektiert und erfolgreich ausüben zu können, möchte ich eine bestmögliche wissenschaftliche Qualifikation erwerben. Ihr renommiertes Masterprogramm in International Studies mit seinen Schwerpunkten in den Bereichen Internationalism und Globalism sehe ich – auch eingedenk meines Bachelorarbeitsthemas "Internalisierte Internationalität im nationalen Kontext" – als idealen Ausgangspunkt für meinen weiteren Lebensweg."
Mit diesem Einstieg macht ihr sofort klar, worum es euch geht, was die Ziele sind und warum das Masterprogramm auf euch passt. In der weiteren Bewerbung folgen dann die Details sowie weitere, sekundäre Argumente.

Es muss sich im Übrigen keineswegs um einen derart karriereorientierten Einstieg handeln. Wer eher wissenschaftliche oder an persönlichem Interesse ausgerichtete Ziele hat, sollte mit diesen argumentieren.

Hauptteil

Der Hauptteil nimmt den größten Teil des Textes ein. Hier beschreibt ihr in der Regel folgende Dinge:
  • Der Grund für die Wahl des Bachelors (oder im Fall von Abiturienten der Schwerpunktfächer)
  • Die akademischen Schwerpunkte während des Bachelors sowie das Bachelorarbeitsthemas
  • Eine gute Begründung, warum ihr den Studiengang studieren möchtet
  • Eure beruflichen Ziele
Wichtig ist es dabei, stets das Zielstudium im Auge zu behalten. Also nur relevante Fakten nennen und mit dem Master in Verbindung bringen. Ein Beispiel, wie man ein Praktikum elegant mit dem Studienwunsch verknüpfen kann:
    NICHT KOPIEREN
    "In meinem Praktikum bei der Firma International PR konnte ich zahlreiche Erfahrungen im Bereich der öffentlichen Kommunikation machen. Dies hat meinen Wunsch, nach meinem Bachelorabschluss mein Wissen in diesem Fachbereich zu vertiefen, gefestigt. Die optimale Möglichkeit für dieses Vorhaben bietet ihr Masterprogramm in Öffentlichem Marketing mit seinen Schwerpunkten X und Y."
Gerade bei Bewerbungen für Hochschulen kommt es auf den Inhalt an - denn es werden keine Verkäufer gesucht. Hochschulen möchten Studierende, die motiviert sind und intelligent argumentieren können. In eurem Motivationsschreiben müsst ihr daher zeigen, dass ihr euch mit dem angestrebten Studium auseinander gesetzt habt. Informiert euch über die Studienschwerpunkte, die Professoren, die Zusammensetzung der Studierenden, die internationalen Kooperationen, das Standing in den wichtigen Rankings. Aus all diesen Dingen können sich gute Argumente ergeben. Meist muss man gar nicht lange suchen: Universitäten heben ihre Vorteile in den eigenen Broschüren hervor.

Vermeiden solltet ihr platte Motivationsaussagen wie folgende:
    NICHT KOPIEREN
    "Ich bin von Ihrem einmaligen Programm und Ihrer Universität begeistert und wäre stolz und motiviert, bei Ihnen studieren zu dürfen."
Inhaltlich ist das nicht überzeugend. Trotzdem sollte man seine Begeisterung zum Ausdruck bringen. Ein wenig mit Argumenten gefüttert, klingt es schon viel besser:
    NICHT KOPIEREN
    "Ihr Programm überzeugt mich aufgrund der in dieser Form einmaligen Verzahnung der Felder Verwaltungswissenschaften und Management. Dass die Universität daneben von der Exzellenzinitiative ausgezeichnet wurde, spricht für Ihre hohe Qualität und motiviert mich, als Masterstudentin Teil Ihrer Hochschule werden zu wollen."
Sebastian Horndasch
Der Autor dieses Artikels
Sebastian Horndasch studierte VWL und Politik in Erfurt, Madrid, Nottingham und Paris. Er schrieb die beiden Studienführer Bachelor nach Plan und Master nach Plan. Nach vielen Jahren als freier Journalist und Studienberater arbeitet Sebastian heute als Projektmanager bei Wikimedia Deutschland. In seinem Blog www.horndasch.net schreibt er über Bildungsthemen.
All diese Dinge sollten natürlich in eine vernünftige Struktur gegossen werden. Dafür gibt es keine Schablone, denn jeder Lebenslauf und jedes Studienprogramm ist verschieden. Dennoch sollte man die Absätze trennen. In einem Absatz könnte man sein bisheriges Studium und die Entscheidungsgründe dafür schildern, danach die relevanten Praktika, danach die Zukunftswünsche sowie der Grund, warum man sich genau für das bestimmte Studium bewirbt. Wichtig ist, dass das Motivationsschreiben beim Lesen eine rote Linie bildet. Wer thematisch ständig springt, lässt den Leser verwirrt zurück.

Idealerweise sollte ein Motivationsschreiben daneben keinerlei Phrasen und inhaltsleere Aussagen enthalten. Das ist nicht immer leicht umzusetzen. Ein Trick ist es, das Schreiben einige Tage ruhen zu lassen und es sich dann noch einmal anzuschauen. Ohne Tunnelblick solltet ihr jeden einzelnen Satz prüfen und euch kritisch fragen: Ist das so sinnvoll? Ist das wirklich relevant?

Einige weitere Beispiele für inhaltslose oder nicht relevante Dinge: "Die Vorlesungen meines Bachelors waren durchweg sehr interessant", "Ich möchte ein Erasmussemester machen, da internationale Erfahrungen wichtig sind" oder "Gelsenkirchen ist eine abwechslungsreiche Stadt mit zahlreichen Freizeitangeboten."

Schluss

Anders als der Beginn geht der Abschluss leichter von der Hand. Im letzten Absatz kann man noch einmal seine Motivation hervorheben. Am Ende bleibt eine Grußformel. Hier ein Beispiel, das ihr allerdings keinesfalls kopieren solltet: Die folgende Formel wird sehr häufig von Bewerbern kopiert und sorgt in Bewerbungskommissionen inzwischen für genervtes Augenrollen.
    NICHT KOPIEREN
    "Mir ist bewusst, dass Ihre Fakultät den Bewerbern nur eine begrenzte Anzahl von Studienplätzen anbietet. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass mich meine akademische Vorbildung dazu befähigt, Ihren hohen akademischen Standards mehr als zu genügen und einen engagierten Beitrag zum Leben und Arbeiten an der Universität Gelsenkirchen zu leisten.
    Über eine positive Entscheidung zu meiner Bewerbung würde ich mich daher sehr freuen."
Ein gutes Schreiben braucht Zeit und Muße. Nehmt sie euch.









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