Wie sag ich’s nur?
Motivationsschreiben für ein Studium

Etwas Mühe sollte man sich mit einem Motivationsschreiben schon geben – auch wenn das einiges zerknülltes Papier bedeuten sollte.
Bevor ihr zu schreiben beginnt, solltet ihr euch bewusst machen, dass das Motivationsschreiben genau drei Botschaften vermitteln soll:
- Der Grund, aus dem ihr das Studium anstrebt,
- Warum man selbst besonders geeignet und motiviert ist, dieses Studium durchzuführen,
- Inwiefern die Zielhochschule und der Studiengang von euch und eurer Leistung profitieren können.
Das Motivationsschreiben für einen Studiengang sollte länger sein als eine typische Bewerbung für ein Praktikum. Wenn die Hochschule keine genauen Vorgaben macht, sind 500 Wörter ein guter Richtwert. Etwas mehr ist akzeptabel, allerdings sollte man nicht mehr als 750 Worte nutzen. Macht euch bewusst, dass die Prüfer oft hunderte von Bewerbungen lesen – wer übertrieben viel schreibt, fällt da negativ auf.
Von der Aufmachung her ist es nicht nötig, Adresse oder Geburtsdatum zu nennen - das Motivationsschreiben ist ja Teil einer umfangreichen Bewerbung. Insgesamt sollte man auf eine saubere Aufmachung und eine leserliche Schriftgröße achten, alles andere deutet auf Nachlässigkeit hin. Mehr als zwei Seiten sollte das Schreiben nicht umfassen.
Daneben solltet ihr euer Schreiben dringend auf Rechtschreibfehler prüfen. Das klingt offensichtlich, ist es aber nicht: Etwa jede vierte Masterbewerbung enthält so viele Rechtschreibfehler, dass sie von Prüfungskommissionen gleich aussortiert wird. Gerade im akademischen Bereich werden Rechtschreib- und Kommafehler als Zeichen von Respektlosigkeit und mangelnden intellektuellen Fähigkeiten gesehen. Daher: Lasst das Schreiben von jemandem gegenlesen, der Fehler zuverlässig erkennt. Folgender Satz zum Beispiel minimiert trotz guter Wortwahl die eigenen Chancen auf Aufnahme:
- "Ich bin überzeugt das ich ihre hohen Standards im International Master erfüllen und mich bei ihnen weiterentwickeln kann."
Viele Motivationsschreiben beginnen in etwa so:
- "Meine Bewerbung für den Studiengang Master of Science in International Studies begründe ich wie folgt: Schon seit frühester Kindheit interessiere ich mich für internationale Studien. Während meiner Recherchen bin ich auf Ihr Programm gestoßen. Die besondere Struktur Ihres Masterprogramms hat mich dazu bewogen, mich bei Ihnen zu bewerben."
Wie sieht ein guter Einstieg aus? Ihr solltet eure ein, zwei besten Argumente voranstellen. So macht ihr sofort klar, was ihr wollt und wer ihr seid. Stellt euch folgende Fragen: Was qualifiziert euch für den Master? Warum passt ihr in der Programm? Was motiviert euch? Das zu formulieren, ist gar nicht einfach. Die beste Strategie ist es, den Einstieg erst am Ende zu schreiben, denn dann ist mal sich in seinen Argumenten mehr im Klaren. Ein gutes Beispiel für einen Einstieg:
- "Mein berufliches Ziel ist es, eine Führungsposition in Wirtschaft oder Gesellschaft zu übernehmen. Um diese Aufgabe akademisch fundiert, reflektiert und erfolgreich ausüben zu können, möchte ich eine bestmögliche wissenschaftliche Qualifikation erwerben. Ihr renommiertes Masterprogramm in International Studies mit seinen Schwerpunkten in den Bereichen Internationalism und Globalism sehe ich – auch eingedenk meines Bachelorarbeitsthemas "Internalisierte Internationalität im nationalen Kontext" – als idealen Ausgangspunkt für meinen weiteren Lebensweg."
Es muss sich im Übrigen keineswegs um einen derart karriereorientierten Einstieg handeln. Wer eher wissenschaftliche oder an persönlichem Interesse ausgerichtete Ziele hat, sollte mit diesen argumentieren.
Hauptteil
Der Hauptteil nimmt den größten Teil des Textes ein. Hier beschreibt ihr in der Regel folgende Dinge:
- Der Grund für die Wahl des Bachelors (oder im Fall von Abiturienten der Schwerpunktfächer)
- Die akademischen Schwerpunkte während des Bachelors sowie das Bachelorarbeitsthemas
- Eine gute Begründung, warum ihr den Studiengang studieren möchtet
- Eure beruflichen Ziele
- "In meinem Praktikum bei der Firma International PR konnte ich zahlreiche Erfahrungen im Bereich der öffentlichen Kommunikation machen. Dies hat meinen Wunsch, nach meinem Bachelorabschluss mein Wissen in diesem Fachbereich zu vertiefen, gefestigt. Die optimale Möglichkeit für dieses Vorhaben bietet ihr Masterprogramm in Öffentlichem Marketing mit seinen Schwerpunkten X und Y."
Vermeiden solltet ihr platte Motivationsaussagen wie folgende:
- "Ich bin von Ihrem einmaligen Programm und Ihrer Universität begeistert und wäre stolz und motiviert, bei Ihnen studieren zu dürfen."
- "Ihr Programm überzeugt mich aufgrund der in dieser Form einmaligen Verzahnung der Felder Verwaltungswissenschaften und Management. Dass die Universität daneben von der Exzellenzinitiative ausgezeichnet wurde, spricht für Ihre hohe Qualität und motiviert mich, als Masterstudentin Teil Ihrer Hochschule werden zu wollen."

Sebastian Horndasch ist Autor der beiden Studienführer Bachelor nach Plan und Master nach Plan, die bei Auswahl, Bewerbung und Finanzierung des Bachelor- beziehungsweise des Masterstudiums helfen. Er betreibt mit www.horndasch.net ein Blog, das sich vor allem mit Fragen der Studienwahl und der Bewerbung auseinander setzt. Sebastian hat in Erfurt Staatswissenschaften studiert und hat einen Master in Economic Development von der Nottingham University. Er promoviert derzeit im Bereich Bildungsökonomie.
Idealerweise sollte ein Motivationsschreiben daneben keinerlei Phrasen und inhaltsleere Aussagen enthalten. Das ist nicht immer leicht umzusetzen. Ein Trick ist es, das Schreiben einige Tage ruhen zu lassen und es sich dann noch einmal anzuschauen. Ohne Tunnelblick solltet ihr jeden einzelnen Satz prüfen und euch kritisch fragen: Ist das so sinnvoll? Ist das wirklich relevant?
Einige weitere Beispiele für inhaltslose oder nicht relevante Dinge: "Die Vorlesungen meines Bachelors waren durchweg sehr interessant", "Ich möchte ein Erasmussemester machen, da internationale Erfahrungen wichtig sind" oder "Gelsenkirchen ist eine abwechslungsreiche Stadt mit zahlreichen Freizeitangeboten."
Schluss
Anders als der Beginn geht der Abschluss leichter von der Hand. Im letzten Absatz kann man noch einmal seine Motivation hervorheben. Am Ende bleibt eine Grußformel. Ein Beispiel:
- "Mir ist bewusst, dass Ihre Fakultät den Bewerbern nur eine begrenzte Anzahl von Studienplätzen anbietet. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass mich meine akademische Vorbildung dazu befähigt, Ihren hohen akademischen Standards mehr als zu genügen und einen engagierten Beitrag zum Leben und Arbeiten an der Universität Gelsenkirchen zu leisten.
Über eine positive Entscheidung zu meiner Bewerbung würde ich mich daher sehr freuen."
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