Studienwahl
Studienabschlüsse / Akademische Grade
Bei einigen Studiengängen hat man keine Wahl: Medizin z.B. kann zur Zeit nur mit dem Abschluss Staatsexamen studiert werden. Meist jedoch hat man eine Auswahl, welcher Abschluss es sein soll. Was hinter den einzelnen Abschlüssen steckt, wird in diesem Artikel erläutert.Hinweis: Wir gehen hier nur auf staatlich anerkannte Hochschulabschlüsse ein.
Inhalt dieser Seite
- Bachelor (mit weiterführenden Links zum Thema und Buchtipp)
- Master
- Staatsexamen / Staatsprüfung
- Diplom
- Magister
1. Bachelor
Früher vor allem im englischsprachigem Ausland, wird der Bachelor seit Ende der 1990er-Jahre auch in Deutschland eingeführt. Bis 2010 sollen alle Diplom- und Magister-Studiengänge durch solche mit Bachelor/Master-Abschluss ersetzt werden (sogenannter Bologna-Prozess).
Der Bachelor soll - so jedenfalls die Idee - in einem Kurzstudiengang insbesondere für einen Beruf außerhalb der Hochschule qualifizieren, also "praxisnah" sein. In der Realität ist das aber nicht immer so. Vorteil ist auf jeden Fall, dass man bereits nach kürzerer Zeit Berufserfahrung sammeln kann und dann nochmal mit einem Master speziell vertiefen könnte. Zwangsweise kann aber ein Bachelor nicht so viel Wissen vermitteln wie ein Diplom - und an vielen Stellen wird der Bachelor eher als Sparmaßnahme gesehen (Bachelor für alle, Master nur noch für eine wie auch immer geartete / definierte Elite - also mit harten Zugangsbeschränkungen).
Bachelor, die frühere Diplomstudiengänge ersetzt haben, sind meist 1-Fach-Bachelor (wird nicht überall so bezeichnet), d.h. in der Hauptsache studiert man ein klar abgegrenztes Fach. Daneben gibt es aber auch Bachelor-Studiengänge, die frühere Magister-Studiengänge ersetzen sollen. Hier studiert man dann i.a. zwei gleichwertige Fächer (2-Fach-Bachelor, manchmal auch "fächerübergreifender Bachelor" oder "Joint-Bachelor") oder teilweise ein Bachelor-Hauptfach und ein oder (sehr selten) zwei Bachelor-Nebenfächer.
Problematisch an einem "2-Fach-Bachelor" (oder Bachelor mit Haupt/Nebenfach) kann sein, dass man darauf aufbauend eingeschränkter bei der Wahl eines Masters ist bzw. nur die Master studieren kann, die die jeweilige Hochschule dazu passend anbietet. Diverse Master gehen eher von einem 1-Fach-Bachelor aus.
Andererseits hat man bei einem 1-Fach-Bachelor nur genau ein Fach, das man vertiefen kann, bei einem 2-Fach-Bachelor kann man sich erst später entscheiden, welches Fach man vertieft (oder evt. auch beide; es gibt auch 2-Fach-Master, meist allerdings nur mit dem Ziel Lehramt). Auch wenn man eben nicht jeden Master machen kann, der zu einem der Fächer sich passend anhört.
Man sollte sich also genau informieren, welche Voraussetzungen die Master der Wahl haben, wenn man das schon vor dem Bachelor absehen kann und den Bachelor entsprechend wählen.
Manche Hochschulen vergeben - gegen den englisch-sprachigen Trend ;-) - auch einen "Baccalaureus Artium" oder einfach ein "Bakkalaureus".
Als akademischer Grad wird dem Bachelor i.a. noch die fachliche Ausrichtung angefügt. Man macht somit einen Bachelor of Arts (BA - meist geistes- und sozialwissenschaftliche Studiengänge), einen Bachelor of Science (BSc, BS in den USA - meist naturwissenschaftliche Studiengänge) oder einen Bachelor of Engineering (BEng - in den Ingenieurwissenschaften).
Die Anerkennung (und Bekanntheit) des Bachelor-Abschlusses in der Wirtschaft war Anfang des Jahrzehnts zwangsweise gering. Dies ändert sich nun langsam und sollte bis 2010 kein Problem mehr darstellen. Gerade im Bereich der technischen Studiengänge könnte es aber noch länger dauern, bis der Bachelor voll anerkannt wird. Hier dürfte ein Diplom-Studiengang noch vorteilhafter sein. Oder man plant gleich den Master mit ein.
Regelstudienzeit: 6 Semester, gelegentlich auch 7, sehr selten 8
Keine Promotionsmöglichkeit, dazu muss erst noch ein passendes Master-Studium angeschlossen und bestanden werden. Vorsicht: Man sollte sich immer schon vor Beginn des Bachelor-Studiums informieren, welche Master angeschlossen werden können. Leider werden gerade an Universitäten Bachelor von Fachhochschulen oder Berufsakademien nicht unbedingt als ausreichend für ein Master-Studiengang angesehen.
Artikel zum Thema Bachelor / Master bei Studis Online
Buchtipp (für Fachleute und engagierte Studierende in Fachschaften/ASten)
Denkanstöße zum Bologna-Prozess (Jahrbuch Hochschule gestalten), herausgegeben von Frauke Gützkow und Gunter Quaißer, ISBN 3-937026-41-X.
In den letzten Jahren hat die Hochschulpolitik angestoßen durch den Bologna-Prozess eine ungeahnte Dynamik entwickelt. Das Buch liefert handfeste Informationen zum Stand der Umsetzung, aber auch eine kritische Reflexion des Prozesses im internationalen Vergleich.
- Bologna-Reform: Erfolgsmodell oder Sackgasse (22.04.2008)
- Umstellungsschwierigkeiten? Zahl der Studienabbrüche sinkt leicht – außer beim Bachelor (26.02.2008)
- Bachelor + Master: Eine Zwischenbilanz (01.05.2006, ausführlicher Fachartikel)
- Deutschland bei Umstellung auf Bachelor/Master weiter auf Kurs - trotzdem bleiben Fragen offen (14.02.2005)
- Anerkennung des Bachelors im Ausland bleibt umstritten (21.10.2004)
- Was ist der Bachelor wert? (07.07.2004)
- Die Irrungen und Wirrungen von Bachelor und Master (02.04.2004)
- Bachelor ist nicht gleich Bachelor ... (02.02.2003)
Buchtipp (für Fachleute und engagierte Studierende in Fachschaften/ASten)
Denkanstöße zum Bologna-Prozess (Jahrbuch Hochschule gestalten), herausgegeben von Frauke Gützkow und Gunter Quaißer, ISBN 3-937026-41-X.
In den letzten Jahren hat die Hochschulpolitik angestoßen durch den Bologna-Prozess eine ungeahnte Dynamik entwickelt. Das Buch liefert handfeste Informationen zum Stand der Umsetzung, aber auch eine kritische Reflexion des Prozesses im internationalen Vergleich.
2. Master
Allen Masterstudiengängen ist gemeinsam, dass sie einen ersten Hochschulabschluss voraussetzen. Dies ist regelmäßig ein Bachelor (vereinzelt werden auch andere Abschlüsse zugelassen; ein entsprechendes Diplom ist ebenso ausreichend). Der Master ist also niemals der erste, sondern immer ein weiterer berufsqualifizierender Hochschulabschluss.
Drei Typen von Masterstudiengängen sind zu unterscheiden:
- Konsekutive Studiengänge
Hier baut der Masterstudiengang inhaltlich auf einem Bachelorstudiengang auf, führt diesen fachlich fort und vertieft ihn oder erweitert ihn fachübergreifend, wobei der fachliche Zusammenhang gewahrt bleibt. Bachelor und Master können an unterschiedlichen Hochschulen bzw. Hochschultypen erworben werden. Auch müssen sie nicht unmittelbar zeitlich aufeinander folgen. Die maximale Studienzeit darf insgesamt fünf Jahre nicht übersteigen (an Kunst- und Musikhochschulen sechs Jahre). - Nicht-konsekutive Studiengänge
So bezeichnete Studiengänge sind nicht direkt auf einen bestimmten Bachelor-Studiengang ausgerichtet. Es hängt von der Hochschule ab, ob und wann genau sie diesen Ausdruck verwendet. In der Studis Online-Datenbank haben wir inzwischen auf diesen Ausdruck verzichtet, da er nicht überall gleich verwendet wird. - Weiterbildende Studiengänge
Der Masterstudiengang setzt neben einem Bachelorabschluss qualifizierte berufspraktische Erfahrung von mindestens einem Jahr voraus. Es gibt keine Begrenzung der Gesamtstudiendauer.
Bei Bachelor- und Masterstudiengängen im Bereich staatlich geregelter Studiengänge (insbes. Medizin, Rechtswissenschaft und Lehramt) sowie bei den Studiengängen mit kirchlichem Abschluss gelten Besonderheiten.
Regelstudienzeit: 2-4 Semester (bei konsekutiven Bachelor-Master-Studiengängen max. 5 Jahre Gesamtstudiendauer; an Kunst- und Musikhochschulen max. 6 Jahre) bei Vollzeitstudium
Promotionsmöglichkeit (Bei Masterabschlüssen an Kunst- und Musikhochschulen nur eingeschränkt).
Vorsicht: Die Bedeutung von Bachelor und Master wie hier definiert gilt nur für Deutschland.
3. Staatsexamen (auch: Staatsprüfung)
Ein Staatsexamen ist eine Abschlussprüfung, die vom Staat abgenommen wird. Im Gegensatz dazu werden Diplom-, Magister-, Bachelor- oder Master-Prüfungen an der besuchten Hochschule abgelegt. Der Grund für die besondere staatliche Kontrolle ist das öffentliche Interesse an der Qualität bestimmter Ausbildungen. Staatsprüfungen gibt es beispielsweise im Fach Medizin und beim Lehramt.
Auch im Fach Rechtswissenschaft war das erste Examen lange Zeit ein reines Staatsexamen. Dies hat sich allerdings mit der Studienreform von 2003 geändert. Studierende, die ihr Studium zum WS 03/04 oder später aufgenommen haben, legen einen Teil der Abschlussprüfung nunmehr regulär an der Hochschule ab. Man spricht deshalb nicht mehr vom ersten Staatsexamen, sondern von der »ersten juristischen Prüfung« oder auch einfach nur vom »ersten Examen«.
Alle Studiengänge, die mit einem Staatsexamen abschließen, haben gemeinsam, dass zwischen erstem und zweitem Staatsexamen eine praxisnahe Phase stattfindet, i.a. ein Referendariat (bei Lehrern und Juristen – mit der o.g. Einschränkung). Obwohl das erste Staatsexamen ein regulärer Hochschulabschluss ist, sind die Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt allein mit diesem Abschluss gering. Erst das Bestehen des zweiten Staatsexamens ist der wirklich berufsqualifizierende Abschluss. So kann beispielsweise eine typische juristische Tätigkeit (Anwalt, Richter, Staatsanwalt, Verwaltungsdienst) nur von sog. Volljuristen (mit zweitem Staatsexamen) wahrgenommen werden.
Regelstudienzeit (bis zum ersten Staatsexamen): Lehramt 6-9 Semester, Medizin 10-12 Semester, Jura 9 Semester
Promotionsmöglichkeit.
4. Diplom
Dieser Abschluss war in Deutschland bis Ende der 1990er der Standard in fast allen Fächern. Nur bei Geisteswissenschaften an den Universitäten wurde in der Regel ein Magister vergeben. Inzwischen wird das Diplom mehr und mehr durch Bachelor/Master-Studiengänge verdrängt. Die Umstellung soll bis 2010 abgeschlossen sein. Insbesondere die technischen Universitäten taten sich etwas schwer mit der Umstellung, da sie ihren Dipl.Ing als Markenzeichen betrachten, das sie nur ungern gegen die "Massenware" Bachelor/Master eintauschen wollen.
Ein Diplom ohne Zusatz der Hochschulart bezeichnet ein Diplom an einer Universität, Pädagogischen Hochschule (PH) oder Kunst/Musikhochschule. Fachhochschulen müssen ihr Diplom mit (FH) kennzeichnen, Berufsakademien mit (BA).
Regelstudienzeit: 6 Semester (Berufsakademie), 8 Semester (FH), 9 Semester (Uni, PH, Kunst/Musikhochschule), gelegentlich auch 10 Semester
Mit einem Diplom einer Universität, PH oder Kunst/Musikhochschule kann in der Regel eine Promotion angeschlossen werden, nicht jedoch (oder nur erschwert) mit einem Diplom der FH oder Berufsakademie.
Wichtig: Wir reden hier ausschliesslich vom Diplom von staatlich anerkannten Hochschulen (bei Unis ohne Zusatz, bei Fachhochschulen mit (FH), bei Berufsakademien mit (BA) in Klammern). Es gibt einige private Einrichtungen, die ein Diplom mit anderen Zusätzen vergeben. Diese Abschlüssen sind unter Umständen nicht allgemein anerkannt.
5. Magister
Bei Geisteswissenschaften war der Magister (oft "Magister Artrium") der übliche Abschluss. Meist werden dazu ein Hauptfach und zwei Nebenfächer studiert (z.B. Politikwissenschaften, Philosophie und Geschichte). Inzwischen wird auch der Magister mehr und mehr durch Bachelor/Master ersetzt. Meist wird dann nur noch ein Fach schwerpunktmäßig studiert, an manchen Hochschulen wird aber auch mit Bachelor-Haupt- und -Nebenfächern gearbeitet.
Im Unterschied zum Diplomstudium zeichnet sich das Magisterstudium durch eine breite wissenschaftliche Orientierung aus. Hierbei können die Studierenden die Zusammenstellung der Fächer aus dem Angebot einer Universität weitgehend selbst bestimmen. Das Magisterstudium eröffnet die Möglichkeit der Kombination künstlerischer Fächer z.B. mit Sprachen und geschichtswissenschaftlichen Fächern sowie auch Fächern anderer Fakultäten als Nebenfach. Das Magisterstudium bereitet auf keinen bestimmten Beruf vor. Die Studierenden haben jedoch durch die Wahl der Fächer die Möglichkeit, auf ein angestrebtes Einsatzgebiet hinzuarbeiten. Neben einer Tätigkeit im Hochschulwesen sowie in der Kultur ist ein Einsatz im Verlags- und Bibliothekswesen, im Freizeit- und Medienbereich sowie der Erwachsenen- und Weiterbildung möglich. Auch die Wirtschaft bietet im wachsendem Ma§e Einstiegschancen. Den Absolventinnen und Absolventen eröffnen sich somit verschiedene berufliche Perspektiven, nicht zuletzt dank der möglichen breiten Fächerung und der eventuell im Studium erworbenen Sprachkenntnisse.
Als akademischer Grad muss man genaugenommen vom "Magister Artium (M.A.)" sprechen, umgangssprachlich wird aber fast nur vom Magister gesprochen.
Regelstudienzeit: 9 Semester
Mit einem Magister kann eine Promotion in einem der gewählten Fächer angeschlossen werden.
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