28.11.2013

Studienwahl
Duales Studium als Erstausbildung [Seite 1]

Mit dem nachfolgenden Artikel wollen wir Euch erste Informationen rund ums duale Studium liefern. Gegenstand ist nur das duale Studium als Erstausbildung. Berufsbegleitende Studiengänge zu Fortbildungszwecken, die eine abgeschlossene erste Ausbildung voraussetzen, werden nicht thematisiert.

Von Nicola Pridik


1. Was ist ein duales Studium?

Mit dem nachfolgenden Artikel wollen wir Euch erste Informationen rund ums duale Studium liefern. Gegenstand ist nur das duale Studium als Erstausbildung. Berufsbegleitende Studiengänge zu Fortbildungszwecken, die eine abgeschlossene erste Ausbildung voraussetzen, werden nicht thematisiert.

a) Die Grundidee

Die Idee des dualen Studiums ist, Studierende zweigleisig auszubilden: einerseits an einer Berufsakademie oder Hochschule und andererseits in einem Unternehmen. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Studium bekommt der praktische Anteil der Ausbildung damit ein deutlich größeres Gewicht. Aber nicht nur das. Oft erwerben die Studierenden darüber hinaus den Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf.



b) Vielfältige Umsetzung

In der Praxis verbirgt sich hinter dem Begriff »duales Studium« ein bunter Strauß an Studienkonzepten. Das liegt daran, dass für die Bildung (in erster Linie) die Bundesländer verantwortlich sind. Jedes Land entscheidet also selbst, ob und wie es duale Studiengänge anbieten möchte. Hinzu kommt, dass auch die Regelungen in den jeweiligen Landeshochschulgesetzen oder Berufsakademiegesetzen nur einen Rahmen vorgeben. Die konkrete Umsetzung und Ausgestaltung dualer Studiengänge ist vielmehr Sache der einzelnen Bildungseinrichtungen.

c) Typische Merkmale des dualen Studiums

Trotz der Vielfalt im Detail gibt es Merkmale, die typisch für duale Studiengängen sind. Sie lesen sich attraktiv, haben aber auch eine negative Seite. Von daher sei bereits an dieser Stelle empfohlen, auch einen Blick auf die Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile des dualen Studiums zu werfen.

  • Hoher Praxisanteil während des Studiums

    matthias21 - Fotolia.com

    Eine Variante des dualen Studiums ist tatsächlich die Kombination eines anerkannten Ausbildungsberuf (inkl. IHK-Prüfung o.ä.) mit einem Studium. Aber das ist nicht bei jedem dualen Studium so.
    Der praktische Studienanteil ist in dualen Studiengängen deutlich höher als in sonstigen Studiengängen. Während sich dort die praktische Ausbildung auf Praktika von wenigen Wochen oder maximal ein Praxissemester beschränkt, ist der Praxisanteil in dualen Studiengängen dem des theoretischen Studiums gleichwertig.

    Häufig absolviert Ihr während des Studiums sogar den Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf. Ihr seid also als Studierende zugleich auch Auszubildende in einem Betrieb oder einer sonstigen Einrichtung der Praxis. Meist legt Ihr während des Grundstudiums die Prüfung vor der IHK oder Handwerkskammer ab. Ist das Studium in dieser Weise organisiert, wird auch von einem ausbildungsintegrierenden Studiengang gesprochen.

    Praxisintegrierende Studiengänge dagegen erhöhen den Praxisanteil der Ausbildung, ohne dies mit einem Berufsabschluss zu verbinden. Hier seid Ihr auf der Grundlage eines Praktikanten- oder Volontariatsvertrages in einem Unternehmen tätig.

  • Wechsel von Theorie und Praxis während des Studiums

    Duale Studiengänge sind nicht nur unterschiedlich lang (zw. 6 und 10 Semestern), sie sind auch sehr unterschiedlich organisiert, was den Studienverlauf angeht. Weit verbreitet ist der Wechsel von jeweils 3-monatigen Theorie- und Praxisphasen. Üblich sind aber auch längere Praxisphasen in den ersten Semestern und längere Theoriephasen gegen Ende des Studiums. In jedem Fall werden theoretische und praktische Ausbildung parallel absolviert und nicht nacheinander.

    Die theoretischen Teile der Berufsausbildung werden entweder an einer Berufsschule vermittelt oder sind in das Studium integriert.

  • Kooperationsvertrag zwischen Akademie/Hochschule und Betrieb/Praxiseinrichtung

    Die Verzahnung von theoretischer und praktischer Ausbildung setzt voraus, dass Studien- und Praxiseinrichtung miteinander kooperieren. Diese Kooperation reicht von einer Abstimmung der organisatorischen Abläufe bis hin zu einem Ineinandergreifen der Ausbildungsinhalte. Meist geschieht dies auf der Grundlage eines Kooperationsvertrages (Beispiel: Kooperationsvertrag FH Gießen/Friedberg)

  • Vergütung durch die Unternehmen

    Das Unternehmen, bei dem Ihr beschäftigt seid, zahlt Euch für Eure praktische Tätigkeit monatlich eine Vergütung. Wie lange dies geschieht und wie hoch Euer Einkommen ist, kann stark variieren.

    In der Regel wird die Vergütung während des gesamten Studiums gezahlt, also auch während der Zeiten, die Ihr mit der theoretischen Ausbildung an der Hochschule oder Berufsakademie verbringt. Handelt es sich um eine Ausbildungsvergütung, steigt sie häufig mit den Ausbildungsjahren. Ist die Ausbildung abgeschlossen, wird ein Arbeits- oder Praktikantenvertrag abgeschlossen, der die Fortsetzung der Vergütung regelt. Ohne Ausbildung wird Euer monatliches Einkommen in einem Praktikanten-/Volontariatsvertrag festgelegt.

    Bei der Vergütungshöhe reichen die Varianten von der tarifvertraglichen Festlegung für den jeweiligen Ausbildungsberuf bis hin zu individuellen Vereinbarungen zwischen Betrieb und Auszubildendem. Tendenziell verdient Ihr eher mehr als ein "normaler" Auszubildender. In Thüringen ist eine Mindestvergütung in Höhe des BAföG-Bedarfs für Studierende an Akademien/Hochschulen vorgesehen (§ 1 Abs. 3 Thüringer Berufsakademiegesetz).

  • Sonstige finanzielle Beteiligung der Unternehmen an der Ausbildung

    Die Unternehmen sind meist auch darüber hinaus finanziell an Eurer Ausbildung beteiligt. So übernehmen sie häufig ganz oder teilweise die Studiengebühren, sofern diese von Hochschule oder Berufsakademie erhoben werden.

  • Meist gute Studienbedingungen

    Ob Ihr bei einem dualen Studium generell unter besseren Studienbedingungen studiert als andere Studierende, kann in dieser allgemeinen Form nicht beantwortet werden. Dafür sind die Bildungseinrichtungen und Finanzierungsmodelle der Ausbildung zu unterschiedlich.

    Die Berufsakademien werben allerdings meist mit Rahmenbedingungen, die an Hochschulen nicht selbstverständlich sind: Die Gruppe der Studierenden ist überschaubar, die Ausstattung der Einrichtung gut und die individuelle Betreuung durch das Lehrpersonal gesichert.








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