Wie wird man eigentlich ...
Lehrer?
Nach wie vor ist Lehramt ein beliebtes Berufsziel. An einem Studium führt kein Weg vorbei. In der Interviewserie zu Menschen und ihrer Berufsfindung sprach Simone Gölz mit einer Lehrerin für Grund- Haupt- und Realschule zu ihren Erfahrungen rund ums Lehrerdasein.
Simone Gölz: Was haben Sie studiert?
Andrea Becker*: Sport, Technik mit Schwerpunkt Hauswirtschaftslehre, Erziehungswissenschaft und Grundschulpädagogik
Wie war Ihr bisheriger Berufsweg?
Abitur, Studium und Referendariat in Hamburg, Studienrätin an verschiedenen Schulen.
Welche Studienrichtung würden Sie angehenden Lehrern empfehlen?
Interessenschwerpunkt studieren als Stufenlehrer oder im Höheren Lehramt (Gymnasium), je nach Fähigkeit im Umgang mit kleineren bzw. größeren Schülern. Bei vorangegangener Berufsausbildung auch gern Berufsschullehramt.
Muss man studieren?
Wenn man Lehrer werden will, selbstverständlich. Um erfolgreich und glücklich zu sein, nicht unbedingt.
Haben Sie Praktika absolviert?
Ja, ein Sozialpraktikum; ein Schulpraktikum und ein Betriebspraktikum.

Heute besser als damals.
Heute werden die Einsteiger mit Begleitseminaren und speziellen Einsteigerinfos unterstützt, damals musste man sich alles selbst erfragen oder hat es eben verpasst.
Welche Quellen haben Sie während der Praktikums- bzw. Jobsuche genutzt?
Keine, ich bin zur Uni gegangen und habe mich eingeschrieben. Ein Besuch beim Arbeitsamt zur Ideenfindung war nutzlos. Nach dem Studium gab es nur einen Arbeitgeber, die Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB). Dort gibt es inzwischen ein zentrales Onlinebewerbungsportal.
Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen?
Offenheit, Teamfähigkeit, Flexibilität, Belastbarkeit, Lust auf Neues.
Welche Persönlichkeitsmerkmale halten Sie für wichtig?
Offener Umgang mit Menschen, Kritikfähigkeit, Konsequenz, durch die Arbeitsverdichtung: eine schnelle Auffassungsgabe.
Wie sieht ein Arbeitstag / Tagesablauf bei Ihnen aus?
Organisation ist das Wichtigste. Wenn ich gut vorbereitet bin, läuft der Unterricht störungsfrei.
Je nach Stundenplan hat man bis zu 8 Unterrichtsstunden pro Tag. Dann noch Nachbereitung (Korrekturen, Elterngespräche, Konferenzen,...) und Vorbereitung (Wochenpläne, Arbeitsblätter, Klausuren, Materialbeschaffung, Terminabsprachen,...).
Das Privatleben bleibt, bei voller Stundenzahl (30 Unterrichtsstunden pro Woche), auch am Wochenende manchmal auf der Strecke. Die reguläre Arbeitszeit beträgt 46,57 Stunden pro Woche. Damit kommt niemand aus. Berufseinsteiger besonders nicht!
Was sind die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?
Eigentlich Lehrtätigkeit, inzwischen jedoch Sozialarbeit und Verwaltung. Die Behörde will viel Statistik haben, die selten irgendwo wieder auftaucht. Die Familien schieben Erziehungsarbeit immer häufiger auf die Schule ab. Ich fühle mich oft als überbezahlte Sozialarbeiterin. Wer damit klarkommt und wem die Leistungen der Schüler somit nicht so wichtig sind, denn beides geht nicht, lebt gut damit.
Wo kann man arbeiten?
An allen staatlichen, allgemeinbildenden Schulen, Berufsschulen und Privatschulen.
An der Universität und in Nachhilfeinstituten. Die BSB beschäftigt auch Lehrer für Verwaltungstätigkeiten und in der Lehrerausbildung.
Auslandsaufenthalte sind nach vorheriger Bewerbung für zunächst drei Jahre weltweit möglich.
Wie ist das mit dem Verdienst?
Neueinsteiger erhalten einen ¾ Vertrag mit der Tarifgruppe A 12. Aufstockung auf eine volle Stelle ist erst nach einem Jahr möglich. Beförderungen auf A13 und höher sind mit zusätzlichen Aufgaben verbunden, z.B. Abteilungsleitung, (stellvertretende) Schulleitung, didaktische Leitung, ...
Was sind die typischen Klischees über Lehrer? Stimmen Sie?
Halbtagsjob (teilweise)
Besserwisser (unbedingt)
Querulant (manchmal)
Mit welchen Vorurteilen haben Lehrer zu kämpfen?
Mit vielen, teilweise selbst verschuldet. Z.B. viel Freizeit, der Eindruck kann passieren, da die Zeit teilweise selbst eingeteilt werden kann. Da jede/r selbst durch mindestens eine Schule gegangen ist, glauben viele alles über den Beruf zu wissen, dass können manche Kollegen nicht ab.
Gibt es etwas, was Sie an Ihrem Beruf nicht mögen?
Nein.
Was mögen Sie besonders an Ihrem Beruf?
Die Abwechslung, jeder Tag ist neu und anders. Wer nicht nachtragend ist, begegnet den Schüler vorurteilsfrei und bekommt viel zurück. Die Kollegen sind meist in der gleichen Lage und der Austausch ist fruchtbar.
* Lehrerin für Grund- Haupt- und Realschule an einer Stadtteilschule in Hamburg; Name von der Redaktion geändert
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1. DaDe kommentierte am 22.05.2011 um 08:12:58 Uhr
selbstverständlich...
... wäre ein Sozialarbeiter, der soviel verdient wie ein Lehrer überbezahlt.
Natürlich kommt man in diesem Land nicht auf die Idee, dass auch Sozialarbeiter einen wertvollen Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten. Wenigstens sagt sie offen, was sie denkt.
2. _Misa_ kommentierte am 25.10.2011 um 17:10:15 Uhr
Fachoberschule
Es gib ja verschiedene Zweige auf der FOS aber auf welchen Zweig muss ich gehen um Grundschullehrerin zu werden? Ich denke mal Soziales oder ist es egal da ich ja die 13.Klasse auch besuchen muss?
3. Oli (Studis Online) kommentierte am 25.10.2011 um 22:12:06 Uhr
@_Misa_
Um Lehramt zu studieren, musst Du die allgemeine Hochschulreife erreicht haben (Abitur). Welchen Schwerpunkt das Gymnasium – oder auch die FOS - dabei hatte, spielt keine Rolle. Wobei es natürlich wenig sinnvoll ist, einen Schwerpunkt zu legen, der mit dem späteren Studium bzw. hier konkret den Fächern, die später in der Schule unterrichtet werden sollen, wenig oder nichts zu tun hat.
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