29.04.2009
Wie wird man eigentlich...
Lektor?
Als Kind wird man oft gefragt, was man später werden möchte. Für manche ist das die Grundlage für die Entscheidung, welches Studium oder welche Ausbildung sie im Anschluss an die Schule aufnehmen - andere entscheiden sich um. Doch was passiert danach? Wie gelangt man mit dieser Basis zu dem für sich passenden Job? In der neuen Interview-Serie bei Studis Online stellt Simone Handlos vor, wie Menschen zu Ihrem Beruf fanden.Nora Nolt*: Neuere deutsche Literatur und Medien, Anglistik-Literaturwissenschaft auf Magister

Simone Handlos arbeitet als Coach und Unternehmensberaterin bei 2coach in Hamburg und leitet dort das Berufsfindungsprogramm come2start.
Nach dem Studium habe ich in einem Antiquariatsbuchhandel gejobbt, dann 4 Monate Praktikum im PR-Bereich in einem renommierten kleinen Verlag gemacht und dann wieder einige Monate in einer Kochbuchhandlung gejobbt. Anschließend habe ich ein Lektorats-Volontariat (18 Monate) bei einem Hamburger Verlag gemacht.
Welche Studienrichtung würden Sie angehenden LektorInnen empfehlen?
Germanistik ist sicherlich sehr hilfreich, aber im Grunde sollte man hier nach inhaltlicher Neigung studieren. Es gibt wissenschaftliche Verlage, bei denen Naturwissenschaften wichtig sind, politische Verlage, bei denen ein Politikstudium Sinn macht, für Kochbücher ist oft ein Ökotrophologie-Studium Voraussetzung.
Sollte/ Muss man studieren?
Ja, nur selten kommt man über eine Ausbildung in diesen Beruf.
Haben Sie Praktika absolviert?
Ja, eines.
Wie sieht der Einstieg in den Beruf aus?
Es wird auf jeden Fall nach dem Hochschulstudium noch ein Volontariat verlangt, zuvor meist schon ein bis zwei einschlägige Praktika im Verlagsbereich oder ähnlichen Bereichen.
Welche Quellen (z.B. Jobbörsen) haben Sie während der Praktikums- bzw. Jobsuche genutzt?
- The Guardian
http://jobs.guardian.co.uk - Das Börsenblatt
http://www.boersenblatt.net - StepStone
http://www.stepstone.de - AStA Uni Hamburg
http://www.asta-uhh.de - Stellenwerk - Jobportal der Hamburger Hochschulen
http://www.stellenwerk-hamburg.de
- Textsicherheit
- Sprachgefühl
- Affinität zum Buch
- Selbständigkeit
- die Fähigkeit sich schnell Kenntnisse anzueignen
- je nachdem auch organisatorische Fähigkeiten
Lernfähigkeit
Wie sieht ein Arbeitstag / Tagesablauf bei Ihnen aus?
Sehr unterschiedlich je nach Verlags-Phase. Es ist vielleicht einfacher meine Aufgaben mal aufzulisten:
- Titelakquise (Lizenzen aus dem Ausland; Titel, die von Literaturagenten angeboten werden; Ideen/Konzepte für Eigenproduktionen bei Sachbuch)
- Programmvorschläge vor Verlagsleitung und Vertrieb machen (Verkaufsargumente haben)
- gemeinsam mit dem Vertrieb und der Verlagsleitung die Auflagenhöhe bestimmen
- Projektmanagement eines jeden Buches; dazu gehört: Teambildung (externe Übersetzer, Setzer, Lektoren, die die Texte redigieren und Korrektoren finden und beauftragen), Timing festlegen und planen, Cover briefen sowie Cover/Klappen- und Vorschautexte verfassen
- Titel kalkulieren (Kostenaufstellung etc.) und durchs Controlling bringen
- Programmpräsentation erst inhouse und dann vor dem externen Vertreterteam halten
- Inhalte ggf. redigieren, Übersetzungen und externes Lektorat überprüfen
- Umbruch-/Plotterkontrolle von Inhalten und Covern
- Aushandeln von Honoraren und Verträgen bzw. Konditionen (Lizenzen, etc.)
- Normale Lektoren-Autorenarbeit, d.h. Text redigieren und mit Autoren absprechen
- Zuarbeiten für die Presse-Infos
- Cover, Kontakte und Bilder liefern
- Pressetexte gegenchecken
Anmerkung zum Beruf Lektor
Inzwischen ist der Lektor immer mehr ein Produktmanager, der alles koordiniert. Selten gibt es noch den reinen klassischen Textlektor der in Ruhe pro Programm nur drei bis vier Titel betreut und hauptsächlich dafür zuständig ist, den Text in Form zu bringen – diese Arbeit übernehmen meist selbstständige Lektoren, die sich darauf spezialisiert haben, Texte zu redigieren. Dessen sollte man sich bei dieser Berufswahl bewusst sein.
Was sind die Schwerpunkte Ihrer Arbeit? Inzwischen ist der Lektor immer mehr ein Produktmanager, der alles koordiniert. Selten gibt es noch den reinen klassischen Textlektor der in Ruhe pro Programm nur drei bis vier Titel betreut und hauptsächlich dafür zuständig ist, den Text in Form zu bringen – diese Arbeit übernehmen meist selbstständige Lektoren, die sich darauf spezialisiert haben, Texte zu redigieren. Dessen sollte man sich bei dieser Berufswahl bewusst sein.
Schwer zu sagen. Im weitesten Sinne wohl das "Produktmanagement" des Buches. Lektorat im Sinne der Textredaktion (Inhalte in Form bringen) wird meistens ausgelagert, da man diese Arbeit bei der Masse an Titeln nur begrenzt selber leisten kann. Ich redigiere beispielsweise maximal ein bis zwei Titel pro Programm (immer halbjährlich) selbst komplett.
Wie ist das mit dem Verdienst?
In meinem Fall völlig in Ordnung (nach Vorbild der öffentlich-rechtlichen). Volontariate werden aber auch nicht selten sehr gering bzw. unterhonoriert (sind mehr Praktikumsgehälter: 400-600 Euro monatlich), was natürlich problematisch ist, da man recht schnell vollwertig arbeitet und ein Volontariat meist mindestens ein Jahr, oft aber 1,5 - 2 Jahre dauert.
Was würden Sie sagen sind die typischen Klischees über den Beruf Lektor?
- Elfenbeinturm
- Eigenbrötler

René Schulte - Fotolia.com
Eher im Hintergrund: LektorInnen kümmern sich primär um die Qualitätssicherung eines Buches
- Tolle Bücher, die sich nicht verkaufen.
- Geringe Anerkennung, da man im Hintergrund agiert und da man sozusagen für die "Qualitätssicherung" verantwortlich ist und einem als Lektorin nicht selten nur die Fehler herangetragen werden.
- Oft recht lange Arbeitszeiten, da es zu viel Arbeit für zu wenig Zeit ist.
- wenn man das fertige Buch zum ersten Mal in der Hand hält
- gute Projekt-Teams
- schöne Ausstattung
- erfolgreiche Titel, Programmplanung/-gestaltung
- Liebe zur Literatur und zum Buch als Gesamtwerk (Ausstattung und Inhalt)
- Talent zum Textredigieren.
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