06.01.2004

Hochschulpolitik
Gebühren, Elite-Uni(s), marode Hochschulen: Was 2004 zu erwarten ist ...

Wirklich schöne Aussichten bestehen leider nicht - insbesondere, wenn die Proteste aus dem Vorjahr nicht in geeigneter Form (nicht unbedingt als Streik) fortgeführt werden können. Weiter drohen allgemeine Studiengebühren, die SPD denkt über eine Art Elite-Uni nach (oder mehrere), die "anderen" Hochschulen dürften weiter in ihrem Saft schmoren.

Studiengebühren bleiben aktuell

Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass das Thema Studiengebühren in 2004 weiter aktuell bleiben wird. Zum einen werden z.B. in NRW dieses Jahr erstmals konkret Gebühren im Zusammenhang mit den Studienkonten erhoben. Die genaue Ausgestaltung diverser Ausnahmetatbestände wird sicher Studierende(nvertretungen), Hochschulverwaltungen aber auch Gerichte beschäftigen. Und damit auch die Medien.

Viel drastischere Folgen würde es jedoch haben, wenn das Bundesverfassungsgericht das Verbot allgemeiner Studiengebühren im Hochschulrahmengesetz kippen würde. Diverse Bundesländer klagen gegen dieses (sowieso löchrige) Verbot und die Gebührenbefürworter warten nur darauf, bei einem Fall des Verbots loszulegen. Vorreiter von Gebühren ab dem ersten Semester würde wahrscheinlich Baden-Württemberg machen.

Der Chef des Centrum für Hochschulentwicklung schreibt in einem Artikel in der ZEIT - so gesehen in dankenswerter Offenheit - um wieviel Gebühren es geht: "Spitzenuniversitäten könnten dann für ein dreijähriges Bachelor-Studium durchaus 27000 Euro verlangen, für einen einjährigen Master in Business Administration müsste man bis zu 20000 Euro hinlegen."

Bundespräsident Rau dagegen hält offenbar noch die Fahne der Gebührengegner hoch. In einem Interview mit der Welt am Sonntag erklärte er, "Die Pisa-Studie hat gezeigt, dass der Bildungserfolg in Deutschland stärker als in anderen Ländern von der sozialen Herkunft abhängt. Mit Studiengebühren errichten wir zusätzliche soziale Hürden". Eine ganz andere Frage sei dagegen, "warum die Kindergärten so teuer und die Universitäten so preiswert sind".

SPD will deutsches Harvard

Laut einem Bericht in der Berliner Zeitung will die SPD-Parteispitze Leitlinien beschließen, die eine Art deutsche Elite-Uni nach dem Vorbild der amerikanischen Unis in Harvard und Stanford vorsehen. "Die Struktur der Hochschullandschaft [soll] gemeinsam mit den Bundesländern so verändert werden, dass sich mindestens eine Universität in Deutschand als internationale Spitzenhochschule [...] etablieren kann." heißt es im Bericht der Berliner Zeitung.

Bei der aktuellen finanzielle Lage bedeutet das aber: Für die anderen Hochschulen gibt's garantiert nicht mehr Geld. Bzw. die Kürzungen werden durchgezogen und nur die Elite-Uni bekommt mehr Geld. Ob eine Elite-Uni wirklich hilfreich ist oder breite, gute Bildung für viele nicht effektiver, ist da noch eine ganz andere Frage.

Der studentische Dachverband fzs kritisiert die Pläne der SPD. "Unsere Hochschulen sind seit Jahren chronisch unterfinanziert. Leuchtturmprojekte wie Elite-Universitäten helfen nicht weiter.", heißt es in einer fzs-Presseerklärung. Laut fzs lässt sich Innovationsfähigkeit nicht erreichen, indem man das gesamtgesellschaftliche Bildungsniveau senkt und eine Handvoll Elite-Universitäten schafft. Mehr Mittel für Bildung sind ein richtiger Schritt, der jedoch nicht weiter führt, wenn das Geld in wenige, konzeptionell nicht durchdachte Prestigeprojekte fließt.

Selbst in der SPD melden sich aber schon nach kurzer Zeit einige Zweifel am Konzept (wobei es bisher ja nur ein Worthülse ist) an und CDU/CSU, FDP und Grüne äußern sich ebenfalls kritisch - wenn auch aus verschiedenen Gründen. Zu befürchten ist, dass die Debatte sich in Richtung mehr "Wettbewerb" (wie und was auch immer das bei Bildung ist) zwischen den Hochschulen verschiebt - und vielleicht damit auch Studiengebühren verbunden werden.

Studentische Impulse durch eine Bundesbildungstagung?

Der studentische Dachverband ist dabei, eine "Bundesbildungstagung" zu organisieren, die vom 30.1. bis 1.2. in Frankfurt/Main stattfinden soll."Auf der Tagung wollen wir die zentralen Themen aus dem Kontext der Streiks aufgreifen und aus einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive diskutieren. Dazu gehört unter anderen die Frage der Haushaltskürzungen oder die Diskussion um Studiengebühren. Ziel ist zum einen, vorhandenes Wissen zu vertiefen und gemeinsam eine umfassende Bestandsaufnahme der aktuellen Situation vorzunehmen. Zum anderen sollen offene Fragen festgehalten und Gestaltungsmöglichkeiten in einzelnen Bereichen aufgezeigt werden.", so ist auf der Webseite des fzs zu lesen.

Ein Mangel an Alternativkonzepten zu den herrschenden Konzepten in der Bildungspolitik besteht eigentlich nicht - allerdings ein Mangel, diese Ideen in die Öffentlichkeit zu bringen und als nachdenkswerte Alternativen in den Köpfen der PolitikerInnen zu etablieren. Wer dazu also Ideen hat ...



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