Die schlauen Seiten rund ums Studium
Menü
1 b

Inhalte, Voraussetzungen, Gehalt, Berufschancen
Neurowissenschaften studieren

16.06.2022
Mail-Icon
twitter-Icon
VG Wort Zählpixel

Wie entsteht Demenz? Wieso beeinflussen emotionale Werbebotschaften unsere Kaufentscheidungen? Und was passiert eigentlich im Kopf, wenn wir träumen? Du möchtest das Gehirn in und auswendig kennen lernen und in die Fußstapfen von Amy Farrah Fowler 👩🏻‍🔬 aus Big Bang Theory treten? Wer sich brennend für das Gehirn, seine Nervenzellen und deren Funktionen interessiert, dem sei ein Blick auf die Neurowissenschaften ans Herz (oder besser Hirn 😜) gelegt.

- Anzeige -
Nervenzelle
peterschreiber.media - stock.adobe.com

Faszination Gedächtnis und Nerven: Das Interesse an der Erforschung geistiger Fähigkeiten nimmt stetig zu

1. Oft gestellte Fragen

In einem Neurowissenschaften-Studium studierst du eine Mischung aus verschiedenen Fachbereichen, wie Biologie, Medizin, Psychologie und Technik.

Die Regelstudienzeit der meisten Master-Studiengänge der Neurowissenschaften werden 4-semestrig (120 Credit Points) angeboten.

Neurowissenschaften kann in über 20 Städten studiert werden, u.a. in Berlin, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt / Main, Saarbrücken, Köln, München und Würzburg.

Master-AbsolventInnen verdienen zum Einstieg ca. 34.000 €, die Zahl bezieht sich dabei allgemein auf AbsolventInnen aus den Naturwissenschaften und Mathematik. Fünf Jahre nach Abschluss legt das Jahresgehalt auf 47.240 € (Zahlen für die Fachrichtung Biologie). 10 Jahre nach Abschluss liegt es bei 60.740.


2. Was erwartet dich in einem Studium der Neurowissenschaften?

Die Neurowissenschaften sind als eigenständige Studienfachrichtung noch eine recht junge Disziplin. Seine Popularität erlangte das Fach durch verschiedene Faktoren:

  • Immer mehr Menschen interessieren sich für die geistigen Fähigkeiten (bzw. deren Analyse)

  • Moderne bildgebende Verfahren ermöglichten es, die Hirnfunktion zu verstehen

  • Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson nehmen – bedingt durch den demographischen Wandel – zu, weshalb Erkenntnisse der Hirnforschung von immenser Bedeutung sind.

Die Neurowissenschaften vereinen Biologie, Medizin, Psychologie, sowie Technik und gliedern sich in vier Bereiche:

  • Neurobiologie: Hier geht es um die molekularen und zellbiologischen Grundlagen der Neurowissenschaften. Du beschäftigst dich detailiert mit dem Aufbau von Nervenzellen und dem Nervensystem.

  • Neurophysiologie: In der Neurophysiologie wird die Funktionsweise bzw. der physische Aufbau des zentralen und peripheren Nervensystems untersucht.

  • Neuropsychologie/Kognitive Neurowissenschaft/Neuropsychoanalyse: In der Neuropsychologie und kognitiven Neurowissenschaft werden vor allem die psychischen Leistungen des Gehirns untersucht: Z.B das Denkvermögen, die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis, die motorischen Fähigkeiten oder das Sprachvermögen. Insbesondere Defizite stehen dabei im Fokus. Die Neuropsychoanalyse vereint psychoanalytische Erkenntnisse mit der Neurowissenschaft. Zentrale Fragen sind: Wie fühlen Menschen? Wie handeln sie? Wieso handeln sie so, wie sie handeln?

  • Klinisch-medizinische Fächer: Innerhalb dieser Fächer beschäftigst du dich vor Allem mit Erkrankungen des Gehirns (z.B Alzheimer) sowie deren Diagnosen und Therapie.

Was du mitbringen solltest:

Ein Grundinteresse für die Hirnforschung setzen wir mal voraus, des Weiteren solltest du keine Scheu haben vor Physik, Biologie und Chemie.

Leider wird in der Neurowissenschaft immer noch viel am Modell Tier geforscht – das solltest du wissen, bevor du mit dem Studieren anfängst.

Da das Fach noch so jung und sehr forschungsorientiert ist, wird es fast ausschließlich als Master angeboten. Dieser findet oft komplett oder zumindest teilweise auf englisch statt.


3. Dauer des Neurowissenschaften-Studiums und mögliche Studienabschlüsse

Neurowissenschaften wird als Masterstudiengang angeboten. Der Master of Science kann in 4 Semestern abgeschlossen werden, wobei 120 Credits erbracht werden müssen.

Um später einen solchen Master studieren zu können, muss in der Regel im Bachelor ein verwandter Studiengang studiert werden. Die genauen Bedingungen, welche Voraussetzungen für die Aufnahme bestehen, können von Hochschule zu Hochschule variieren. Erkundige dich frühzeitig, falls ein solcher Master dein Ziel ist!

Neurowissenschaften: Studiendauer (Regelstudienzeit)
Master3 - 4 Semester

Studienformen des Neurowissenschaften-Studiums

Die klassische Form des Neurowissenschaften-Studiums ist das Vollzeit-Präsenzstudium. Man studiert Vollzeit an einer Hochschule, an der man praktisch täglich zu Veranstaltungen (Vorlesungen, Übungen, Tutorien, je nach Studienfach auch Projekte, Labor etc.) geht und wo auch die Prüfungen stattfinden. Vollzeit bedeutet grob 40 Stunden / Woche, wobei in der Realität meist Phasen mit weniger Zeitaufwand anderen (vor allem vor größeren Prüfungen) gegenüberstehen, in denen evt. auch mehr Zeit pro Woche mit dem Studium verbracht wird.

Neurowissenschaften kann berufsbegleitend studiert werden. Das kann sinnvoll sein, wenn du eine Ausbildung schon hinter dir hast und – vielleicht sogar mit Unterstützung des Arbeitgebers – deine Kenntnisse ausbauen willst.


4. Zugangsvoraussetzungen für einen Neurowissenschaften-Master

Um einen Neurowissenschaften-Master zu beginnen, muss man nicht zwangsläufig einen Neurowissenschaften-Bachelor in der Tasche haben. Da es deutschlandweit nur zwei Bachelorstudiengänge gibt und die Anzahl der Studienplätze dadurch sehr begrenzt ist wäre das auch kaum möglich.

Häufiger geht einem Master in den Neurowissenschaften ein Bachelor in einem anderen Studiengang voraus – meist in einer der Naturwissenschaften Biologie, Chemie oder Physik. Je nach Ausrichtung des Studiengangs, für den man sich bewerben möchte, ist eine Zulassung aber auch mit Abschlüssen aus folgenden Bereichen möglich, solange sie für den gewünschten Masterstudiengang relevant sind:

Zusätzlich ist oft ein Nachweis erforderlich, dass eine bestimmte Anzahl an Leistungspunkten in einem weiteren für den Masterstudiengang relevanten Bereich erbracht wurde, z.B. Biochemie, Biophysik oder molekulare Biologie.


5. Was kostet Studieren 2022?

Lebenshaltungskosten insgesamt

Während eines Neurowissenschaften-Studiums brauchst du eine finanzielle Grundlage für eine Unterkunft am Studienort, für Nahrung, Kleidung, Fahrtkosten, Telefon und Internet sowie Bücher und Arbeitshefte. Je nach Ort und eigener Sparsamkeit liegen die monatlichen Ausgaben zwischen 672 € und über 1.600 €. Im Durchschnitt geben Studierende inzwischen knapp 900 € im Monat für Studienkosten aus.

München ist Spitzenreiter, was die Mieten und die Lebenshaltungskosten an sich angeht, aber auch Frankfurt/Main, Hamburg, Köln und Berlin liegen deutlich über dem Durchschnitt. Günstiger lebt es sich in kleineren Städten abseits der Metropolen, insbesondere in den neuen Bundesländern.

Macht am meisten aus: Miete

Die Mieten für ein WG-Zimmer liegen je nach Stadt zwischen 294 Euro und 641 Euro (Werte von 2018 plus 15 Prozent).

Kosten je nach Ort und persönlicher Situation

Für das Studium ist halbjährlich noch ein Semesterbeitrag zu zahlen. Damit werden bspw. günstigere Mensapreise ermöglicht. In einigen Studienstädten ist ein Semesterticket für den öffentlichen Nahverkehr eingeschlossen, was zwar den Semesterbeitrag erhöht, aber deutlich günstiger als andere Dauerkarten für den jeweiligen Verkehrsverbund ist. An einigen größeren Unis gibt es auch studentische Fahrradwerkstätten.

Kosten für eine Krankenversicherung sind zu berücksichtigen, wenn eine Familienversicherung über die Eltern nicht mehr möglich ist.

Muss ich für ein Neurowissenschaften-Studium Studiengebühren zahlen?

Praktisch alle Bachelor und konsekutiven Master können an staatlichen Hochschulen ohne Studiengebühren begonnen werden. Konsekutive Master schließen meist an ein fachgleiches (oder zumindest fachlich passendes) Bachelorstudium an und setzen keine Berufserfahrung voraus. Ein langes Studium oder ein Zweitstudium sind allerdings in einigen Bundesländern kostenpflichtig. Gleiches gilt für die bisher an staatlichen Hochschulen seltenen berufsbegleitenden Bachelor.


6. Wie kann ich mein Neurowissenschaften-Studium finanzieren?

Elterliche Unterstützung

Eine Aufgabe deiner Eltern ist es, dir eine angemessene Berufsausbildung zu ermöglichen. Dazu zählt auch, dir im Studium finanziell oder mit Kost und Logis unter die Arme zu greifen. Die Entscheidung, ob es ein Studium sein soll und welche Fachrichtung, liegt primär in deiner Hand, so dein Schulabschluss dir diesen Weg ermöglicht. Der Staat unterstützt deine Eltern u.a. mit Kindergeld, das im Ausnahmefall auch direkt an dich ausgezahlt werden kann.

BAföG beantragen: Staatliche Förderung, zur Hälfte geschenkt!

BAföG für Student:innen soll einspringen, wenn deine Eltern – aus Sicht des Gesetzes – zu wenig Einkommen haben, um ausreichend Unterhalt für das Studium zu leisten. Wenn du noch unter 30 Jahre alt bist und keine berufsqualifizierende Ausbildung angefangen hast, ist BAföG für das Studium in der Regel zugänglich – sonst prüfe deinen BAföG-Anspruch. Mit unserem BAföG-Rechner kannst du die Höhe deines BAföGs berechnen. Und zwar als Vorschau auch schon das BAföG ab Wintersemester 2022/2023!

Die BAföG-Rückzahlung ist auf 10.010 € begrenzt, beginnt erst Jahre später und nur, wenn ausreichend verdient wird. Wenn du schon länger berufstätig warst, könnte es sogar elternunabhängiges BAföG für dich geben.

Stipendien für das Neurowissenschaften-Studium

Stipendien stehen einer viel kleineren Gruppe zur Verfügung als BAföG. Größter Vorteil eines Stipendiums: Die erhaltene Förderung ist geschenkt. Daneben gibt es oft eine ideelle Förderung. Die großen Studienförderwerke vergeben Stipendien nach den BAföG-Regeln (also abhängig vom Einkommen der Eltern). Hinzu kommen noch 300 Euro „Büchergeld“ im Monat für alle. Das Bewerbungsverfahren beginnt mindestens ein halbes Jahr zuvor.

Für Auslandsaufenthalte im Studium kann es Förderung in Form von ERASMUS-Stipendien geben oder über den DAAD.

Jobben als Werkstudent / Minijob / Selbständig sein

Die meisten Studierenden jobben zumindest zeitweise während des Studiums, oft als Mini-Jobber oder als Werkstudent. Während der Vorlesungszeit darf die Arbeitszeit 20 Wochenstunden nicht überschreiten.

Eine Verrechnung mit BAföG erfolgt, wenn dein durchschnittlicher Verdienst über 450 Euro im Monat liegt. Entscheidend ist im Unterschied zur Steuer nicht das Kalenderjahr, sondern der Bewilligungszeitraum des BAföG.

Staatlicher Bildungskredit und weitere Möglichkeiten

Für Studierende in höheren Semestern oder im Master gibt es den staatlichen Bildungskredit mit günstigen Zinsen und einer Auszahlung von bis zu 300 Euro / Monat für höchstens zwei Jahre.

Ein Studienkredit (oder ein Bildungsfonds) ist dagegen nur als letzte Möglichkeit in Betracht zu ziehen, wenn die günstigeren Möglichkeiten nicht reichen oder bspw. am Studienende eine Konzentration auf das Studium ohne Jobben möglich sein soll.

Wenn du schon in den letzten Semestern des Studiums angelangt bist, kann u.U. – gerade in sozialen Notlagen – auch ein Studienabschlussdarlehen oder Überbrückungsdarlehen in Frage kommen. Scheue dich nicht, dich zu erkundigen und – wenn für dich möglich – ein solches in Anspruch zu nehmen. Die Konditionen sind deutlich besser als bei Bildungskredit oder gar Studienkrediten!

7. Gehalt von Neurowissenschaften-AbsolventInnen

Gehalt in € Master/Diplom FH
34.000
Einstieg
47.240
5 Jahre
60.740
10 Jahre
Ø Fachgruppe Naturwissenschaften und Mathematik; Befragung: DZHW.

Als Annäherung geben wir Gehaltswerte für NeurowissenschaftlerInnen mit Masterabschluss bzw. Diplom an. Das Einstiegsgehalt liegt bei über 34.000 €, die Zahl bezieht sich auf AbsolventInnen aus den Bereichen Naturwissenschaften und Mathematik.

Fünf Jahre nach Abschluss legt das Jahresgehalt auf 47.240 € zu (Zahlen für Fachrichtung Biologie). 10 Jahre nach Abschluss liegt es bei 60.740 €.

Wie bei vielen interdisziplinären Studiengängen sind auch bei Neurowissenschaften-AbsolventInnen die möglichen Beschäftigungsmöglichkeiten vielfältig – aber dadurch auch die möglichen Gehaltsunterschiede. Es gilt wie praktisch bei allen Gehaltsangaben: Je nach konkreter Position im Unternehmen, Branche, Größe des Unternehmens, Ort der Beschäftigung und noch manchem mehr unterscheiden sich konkrete Gehälter mehr oder weniger stark von Durchschnittszahlen.

Quelle: Absolventenbefragungen des DZHW. Alle Gehälter für Vollzeitbeschäftigte inkl. Zuschläge, auf Hunderter gerundet. Einstiegsgehalt Stand 2013. Gehalt nach 5 Jahren Stand 2014. Gehalt nach 10 Jahren Stand 2015. Zuschläge für 5/10-Jahre selbst geschätzt.

8. Berufsaussichten

Als Absolvent*in der Neurowissenschaften ist es sehr wahrscheinlich, dass du später in der Forschung tätig wirst. Dafür ist i.d.R allerdings eine Promotion erforderlich. Aber natürlich stehen dir auch andere Bereiche offen. Hier eine Übersicht über mögliche Arbeitsfelder:

  • Wissenschaft

  • Pharmaindustrie

  • Medizintechnik

  • Klinische Forschung

  • wissenschaftliches Verlagswesen

Frühzeitiges hineinschnuppern in mögliche Arbeitsfelder – bspw. per Praktikum – ist sehr zu empfehlen. Auch in der Wissenschaft sind Kontakte wichtig – und ein langer Atem!


Weiterführende Informationen

Studienfach-Datenbank von Studis Online


Weiterführende Links





©2022 Studis Online / Oliver+Katrin Iost GbR, Hamburg
URL dieser Seite: https://www.studis-online.dehttps://www.studis-online.de/studium/neurowissenschaften/