Studienfächer
Politikwissenschaften - Das Studium für Staatsliebhaber

Politisch interessiert – das sollte die/der künftige StudentIn der Politikwissenschaft sein. Wer an den Lippen des Sozialkundelehrers hing und mit Leidenschaft den Politikteil einer Tageszeitung verschlingt, muss nur noch praktisch die Studienwahl vollziehen. Die Themen aus dem Unterricht und der Presse tauchen im Studium wieder auf – natürlich mit ihrer wissenschaftlichen Vertiefung.

Im BundestagIn der Kuppel des Bundestages: Karriere machen eher Politiker als Politikwissenschaftler
Der Gegenstand der Politikwissenschaft lässt sich am besten durch die Beschreibung seiner Fachbereiche skizzieren. Die Politische Ideengeschichte beschäftigt sich mit Theorien der Herrschaftslegitimation (z.B. Demokratietheorien), der politischen Partizipation (z.B. Zivilgesellschaft) und mit Theorien zur Einordnung politischer Systeme (z.B. Faschismustheorien). Der Bereich Das Politische System der Bundesrepublik Deutschland spricht für sich: Die politischen Institutionen, Entscheidungsträger und -strukturen der Bundesrepublik sind hier Forschungsgegenstand. Bei der Vergleichenden Politikwissenschaft wird fast alles miteinander verglichen: politische Systeme, Verfassungen und weitere Gesetzestexte, Bundeskanzler, Parteien, Wähler. Als Student lernt man Analysemethoden, die Grundwerkzeuge zum Vergleich, und die Bewertung der Ergebnisse kennen, zum Beispiel ob das politische System eines Landes als Demokratie, als eine mit Fehlern (defekte Demokratie) oder als Autokratie gewertet werden muss. Der vierte Fachbereich Internationale Beziehungen beschäftigt sich mit der Außenpolitik der Bundesrepublik und auch anderer Staaten und thematisiert internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen (UN) oder die Welthandelsorganisation (WTO). Zugleich werden Theorien vermittelt, die der Einordnung und der Bewertung des internationalen Handelns von nationalen und supranationalen Akteuren dienen.

An einigen Hochschulen heißen die Fachbereiche anders, letztendlich sind die genannten Inhalte bei jedem Studium der Politikwissenschaft gleich. Wer sich nach dem Abitur gefreut hat, Mathe aus seinem aktiven Wortschatz verbannen zu können, da er Geisteswissenschaftler wird, der irrt. Über einige Semester hinweg besucht der Student der Politikwissenschaft – und das gilt auch für den angehenden Soziologen – Methodenseminare und lernt beispielsweise Formeln für die Statistikerhebung.

Wandel durch neue Struktur?

Nach der Umstrukturierung zum Bachelor- und Master-Studiengang hat sich so einiges verändert und doch sind die Fachbereiche erhalten geblieben. Grundsätzlich sollte der Interessierte die Studiengänge rund um die Politik miteinander vergleichen, denn sie haben sich entweder im großen Maße, nur etwas oder gar nicht verändert. Letzteres trifft auf einige Hochschulen zu, die – hier bestätigt sich die gängige Kritik an der Umstrukturierung – einen Diplom- oder Magisterstudiengang nur in Bachelor/Master unbenannt haben. Problematisch dabei ist, dass zum Teil der Zugang zum Master eingeschränkt und Bachelor schon ein abgeschlossenes Studium ist, im Gegensatz zur Zwischenprüfung der alten Abschlüsse. Ein Teil der Hochschulen bieten einen speziellen Master, bei dem der Student nur einen Fachbereich weiter studiert, wie beispielsweise „Politische Theorie“ an der Uni Frankfurt und der Uni Darmstadt. Ist schon der Bachelor-Studiengang auf den Arbeitsmarkt getrimmt, ist das Studium also „praxisnah“, so hat es sich im großen Maße gewandelt: „Politikberatung“ kann ab dem ersten Semester an der Uni Bremen studiert werden.

Was Politikwissenschaften (meist) nicht bietet

Das KapitalKarl Marx kann der Interessierte abends lesen - nicht in der Uni
Wer glaubt, innerhalb der Politikwissenschaften würden Staat und Gesellschaftszustand auch kritisch und grundsätzlicher hinterfragt, der täuscht sich in der Regel. Nur noch in einzelnen Fachbereichen, bei einigen ProfessorInnen oder bei Nischenthemen kommt dies vor. Ein Klassiker wie die »Kritik der politischen Ökonomie« von Karl Marx wird eher noch von Philosophen und Soziologen bearbeiten (bei Interesse sollten die dementsprechenden Vorlesungsverzeichnisse dieser Fachbereiche durchblättert werden – oder man still das Interesse daran im Privaten). Bei den meisten VertreterInnen der Politikwissenschaften ist heutzutage Staatsaffirmation Grundlage ihres Denkens.

Berufsaussichten

Die Perspektiven nach dem Studium lassen so manchen Absolventen verzweifeln. Verbleibstudien zeigen, dass gerade in den ersten drei Jahren der Berufseinstieg nicht problemlos und nicht auf Anhieb gelingt. Politologe ist kein Beruf wie Arzt oder Ingenieur und er ist auch nicht wie jene heiß begehrt und stark nachgefragt. Und doch trifft sich die Mehrzahl der Politologen nur als Fahrgäste am Taxistand wieder (sofern sie sich eine Fahrt leisten können).

Wie die Studien belegen, gibt es eine Vielzahl von Bereichen, in denen Politikwissenschaftler sich verdingen können. Ein Teil bleibt an der Universität und setzt seine Forschungstätigkeit mit einer Promotion oder der Mitarbeit in einem Projekt fort. In Medieneinrichtungen kommt der zweitgrößte Prozentsatz an Politologen unter. Dabei sind sie nicht immer als Journalisten für die Politik- und die Lokalsparte tätig, sondern auch mal für eine Fußballsendung im Fernsehen. Da gerade der Journalistenberuf sich ungebremster Beliebtheit – und das nicht nur bei Hochschulabsolventen – erfreut, sind Praktika und freie Mitarbeit bei Redaktionen für den Berufseinstieg unerlässlich. In der öffentlichen Verwaltung arbeiten Politologen zumeist als Sachbearbeiter oder Referenten. Der Zugang zum höheren Dienst bleibt allerdings, wie Volker Jahr schreibt, eher Wirtschaftswissenschaftlern vorbehalten.

Wer Politikwissenschaft auf Lehramt studiert, setzt auf eine relativ sichere Karte: Im Gegensatz zu befristeten Stellen von Kommilitonen, zum Beispiel in der Erwachsenenbildung oder der Volkshochschule, kann ein studierter Lehrer auf eine sichere Stelle hoffen. Ein weiterer Tätigkeitsbereich sind die privaten Dienstleistungen. Politologen unterstützen Verbände oder Nichtregierungsorganisationen in ihrer Lobbyarbeit (Politikfeldberatung) oder stehen einem Parteikandidaten im Wahlkampf zur Seite (Kommunikative Politikberatung). Der Politikwissenschaftler ist also auf dem Arbeitsmarkt nicht chancenlos, wenn auch nicht so gern gesehen.



Literaturtipps

Volker Jahr: Politikwissenschaft als Beruf?
In: Wolfgang Hecker, Joachim Klein, Hans Karl Rupp (Hg.): Politik und Wissenschaft. 50 Jahre Politikwissenschaft in Marburg. Bd. 1. (ISBN 382585440X) »
Münster (u.a.): Lit Verlag 2001. S. 315-323.

Gerhard Zacharias: Studienführer Sozialwissenschaft. Soziologie, Politikwissenschaften. (ISBN 978-3-89694-452-8) »
7. überarbeitete und aktualisierte Auflage. Würzburg: Lexika 2009

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