Übersicht+Geschichte
Studiengebühren in Berlin
Kurz und Knapp
Keine allgemeinen StudiengebührenKeine Studiengebühren für Diplom, Magister, Bachelor, Staatsexamen und konsekutive Master.
Rückmeldegebühren/Verwaltungsgebühren: 50 €/Semester
seit WiSe 1996/97 (damals 100 DM)
Aussichten
Auch die künftige SPD-CDU-Koalition wird daran festhalten, auf Studiengebühren zu verzichten.
Stand der Dinge und Geschichte
Nachdem Verhandlungen zwischen SPD und Grünen scheiterten, kommt es offenbar zu einer Koalition von SPD und CDU. Am 16.11.2011 präsentierten SPD und CDU ihre Koalitionsvereinbarung. Sie muss noch von den Parteien bestätigt werden, was aber wohl nicht scheitern wird. In der Vereinbarung ist ausdrücklich festgehalten: "In Berlin wird es auch künftig keine Studiengebühren geben." (auf Seite 55 in dieser Fassung via SPD Berlin).Auch nach den Wahlen zum Abgeordnetenhaus am 18.09.2011 (siehe auch Wahlprüfsteine Hochschulpolitik: Was die Parteien in Berlin vertreten) dürfte in Sachen Gebühren keine Änderung geben, jedenfalls keine allgemeinen Studiengebühren kommen. Eine Abschaffung der Rückmeldegebühren ist eher unwahrscheinlich. Aber noch muss man abwarten – auch, zu welcher Koalition es denn genau kommt (SPD/Grüne oder SPD/CDU).
Es herrscht ziemlich Ruhe in Sachen Studiengebühren. Weder SPD noch LINKE wollen allgemeine Studiengebühren, auch Langzeitgebühren bspw. in Form von Studienkonten sind zur Zeit (Stand Anfang 2010) nicht in der Debatte. Die seit 2001 gestaffelten Sozialbeiträge ("Langzeitstudierende" wurden dabei mit höheren Beiträgen belegt) werden ab WiSe 2010/2011 wieder vereinheitlicht - siehe die Sozialbeitragsverordnung vom 02.03.2010.
Die SPD/Linkspartei.PDS-Koalition wird auch in der neuen Legislaturperiode fortgeführt. Insbesondere bei der PDS.Linkspartei erstaunt das fast ein wenig - auch in Sachen Studiengebühren bleibt der Koalitionsvertrag nämlich wachsweich. Um die Frage Studienkonten könnte es daher erneut Debatten geben. Insbesondere da nun der bisher in Rheinland-Pfalz tätige Wissenschaftsminister Zöllner nach Berlin geholt wird, wie am 21.11.2006 gemeldet wurde.
Eine Einschätzung der Positionen der zur Wahl stehenden größeren Parteien gibt der Artikel Berlin wählt im September: Werden dann Studiengebühren eingeführt? vom 23.06.2006.
Weil im Herbst Landtagswahlen sind und danach die Karten neu gemischt werden könnten - will sagen, Langzeitstudiengebühren oder allgemeine Studiengebühren drohen könnten, beteiligen sich auch Berliner Studierende am bundesweiten Protesttag am 31.05.2006 und besetzen symbolisch die Hamburger Vertretung beim Bund (da in Hamburg am selben Tag die Bürgerschaft in erster Lesung über Studiengebühren beschließen soll).
10 Jahre nach Einführung der Rückmeldegebühren (und so lange laufen schon die Klagen) kommt das OVG Berlin am 15.02.2006 zum Schluss, dass die Gebühren vielleicht doch verfassungswidrig sein könnten (1998 sah es das noch anders und musste erst vom Bundesverwaltungsgericht dazu gebracht werden, das Verfahren nochmals aufzurollen). Das Verfahren wird daher an das Bundesverfassungsgericht weitergereicht - und die Chancen sind für die KlägerInnen gar nicht schlecht. Allerdings betrifft das ganze Verfahren vermutlich nur die Gebühren, die bis Ende 2004 erhoben wurden - danach gab es eine Gesetzesänderung.
Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts am 26.01.2005, dass der Bund den Ländern Studiengebühren nicht verbieten darf, ist die Diskussion um Studienkonten oder gar allgemeine Studiengebühren auch in Berlin wieder aufgeflammt. Insbesondere der Finanzsenator brachte Gebühren wieder ins Spiel und war sogar so offen (oder so doof), einen Teil des Geldes für die Sanierung des Haushaltes und nicht etwa die Hochschulen vorzusehen. Letztlich wäre das zwar auch anderswo zumindest mittelfristig zu erwarten, Sarrazin war aber der erste, der das offen aussprach.
Die PDS bleibt Anfang 2005 bei ihrer Ablehnung von Studienkonten, auch wenn sich einige BefürworterInnen von Langzeitstudiengebühren und Studienkonten wieder aus der Deckung wagten. Teilweise (u.a. auch von Wissenschaftssenator Flierl, PDS) werden auch Ideen in Richtung "Landeskinder"-Regelungen publik bzw. Staatsverträge mit gebührenfreien Ländern, deren "Landeskinder" dann ausgenommen werden.
Am 24. Februar 2004 hat sich Wissenschaftssenator Thomas Flierl (PDS) und Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) "übergangsweise" auf die Erhebung von Langzeitstudiengebühren geeinigt - bis zur späteren Einführung von Studienkonten. Die eigene Partei hat dem Wissenschaftssenator jedoch am 4. April 2004 einen Strich durch die Rechnung gemacht und diesen Plan mit fast 3/4-Mehrheit abgelehnt. Die SPD besteht dann doch nicht mehr auf die Einführung der Gebühren, da sonst die Koalition zerbrochen wäre. SPD-Bürgermeister Wowereit lässt trotzdem kaum eine Gelegenheit aus, für "Offenheit" in diesem Bereich zu werben und auch über allgemeine Studiengebühren zu spekulieren.
Zwar ist die Entscheidung schon vom Dezember 2003, trotzdem ist sie sehr interessant und uns erst jetzt bekannt geworden: Das Bundesverwaltungsgericht hat eine Klage (die erste Instanz fand 1996 statt ...) gegen die Rückmeldegebühren mit durchaus positivem Unterton an das Berliner Oberverwaltungsgericht zurückverwiesen. Mehr dazu in unserem Beitrag Rückmeldegebühren in Berlin vielleicht doch nicht verfassungskonform? vom 19.3.2004.
Im Laufe des Jahres 2003 wurde bekannt, dass in der Finanzplanung für 2004/2005 bereits Einnahmen aus nicht näher definierten Gebühren für Studierenden vorgesehen sind. Wie sich nach und nach herausstellt, soll es sich um Langzeitstudiengebühren oder Studienkonten handeln - ein Grund für den Streik der Studierenden der TU Berlin (und später auch HU und FU) ab Anfang November 2003.
Laut Koalitionsvertrag des SPD-PDS-Senat sollen "eigentlich" über die bestehenden Gebühren keine weiteren erhoben werden. Berereits im April 2003 - nach Sparplänen des Finanzsenators, die besonders die Hochschulen stark treffen würden - ist die Debatte wieder aufgeflammt.
Berlin war übrigens nach unseren Informationen das einzige Bundesland, dass nach Semesterzahl gestaffelte Beiträge zum Studentenwerk erhoben hatte (von 2001 bis 2010). Beginnend mit 30,68 Euro (Stand 2003), zahlt mensch bei drei bis sechs Semestern Überschreitung der "Förderungshöchstdauer" 46,02 Euro, und ab einer Überschreitung von sieben Semestern 76,69 Euro.
Artikel (auch) zu Studiengebühren in Berlin
- Berlin wählt im September: Werden dann Studiengebühren eingeführt? (23.06.2006) »
- Bundesweite Proteste gegen Studiengebühren (mit Berliner Beteiligung; 31.05.2006) »
- Berlin: Rückmeldegebühr vermutlich verfassungswidrig (16.02.2006) »
- Berlin: Studium ohne Gebühren nur für Kinder aus gebührenfreien Ländern? (08.02.2005, letzter Abschnitt im Artikel) »
- Berliner PDS spricht sich mit großer Mehrheit gegen Studienkonten aus (04.04.2004) »
- Studienkonten als Fortschritt? / Merkel (CDU) für allgemeine Studiengebühren (06.12.2003) »
- Besetzungen gegen (Langzeit-)Studiengebühren in Berlin (27.11.2003) »
- Langzeitstudiengebühren ab 2005? (05.11.2003) »
- Ja! Nein! - SPD streitet um Studiengebühren (12.05.2003) »
- Allgemeine Studiengebühren retten Berliner Hochschulen? (27.04.2003) »
- Studiengebühren: Berlin will sie doch nicht (16.01.2003) »
Hinweis
Die Angaben hier beruhen auf eigenen Recherchen, eine Gewähr dafür kann nicht übernommen werden. Wer von neuen Plänen oder wirklichen Änderungen der hier geschilderten Lage gehört: Bitte informiert uns per Mailformular, damit wir die Information einbauen können. Vielen Dank!
Exzellenz und Filz an der Berliner Humboldt-Universität
Die Humboldt-Universität befindet sich in der Endrunde für die 3. Förderlinie der "Exzellenzinitiative". Den Siegern winkt das – von den Medien verliehene – Prädikat "Eliteuniversität" - und natürlich viel Geld. Vermutlich deshalb werden einige Dinge unter dem Deckel gehalten, welche diesen Imageaufbau gefährden könnten.
Papiertiger Zivilklausel
Ist die "Zivilklausel" der Universität Bremen nur Etikettenschwindel? Möglicherweise hat die Hochschule gleich mehrfach gegen die Selbstverpflichtung verstoßen, nicht für militärische Zwecke zu forschen. Das Rektorat will prüfen lassen, ob in der Vergangenheit über Umwege an einem Projekt für das deutsche Verteidigungsministerium gearbeitet wurde. Für Studierendenvertreter liegt die Sache auf der Hand, für sie ist es an der Zeit für eine gesetzliche Regelung.
Sind Studiengebühren abschreckend – oder etwa doch nicht?
"Studiengebühren schrecken Studienwillige (insbesondere aus sozialschwachen Familien) ab" ist seit Jahren eines der Argumente gegen Studiengebühren. Eine Studie des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung behauptet nun – bezogen auf die aktuelle Höhe der Gebühren von 500 Euro pro Semester – das sei gar nicht der Fall. Aber ganz so einfach ist der Zusammenhang vielleicht doch nicht ...
Diese Seite verlinken »





