19.03.2009

Umstellung auf Bachelor/Master usw.
Bologna-Prozess (k)ein Erfolg?

Das Bundeskabinett hat gestern einen Bericht zum Bologna-Prozess verabschiedet. Bis 2010 soll der "gemeinsame europäische Hochschulraum" geschaffen sein, zu dem u.a. auch vergleichbare Studienabschlüsse (Bachelor/Master) gehören. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sieht mal wieder alles ganz rosig, obwohl es an einigen Stellen ziemlich knirscht. So sind aktuell erst 30% der Studierenden in Bachelor/Master-Studiengängen eingeschrieben und mit der Mobilität (Auslandsstudium) hapert es auch.

Davon abgesehen, ob die Umstellung überhaupt so nötig war und ob sie in vernünftiger Weise geschehen ist, sind schon die blanken Zahlen nicht sonderlich positiv. Nächstes Jahr sollen alle Studiengänge (nur die Staatsexamen in Jura und Medizin werden wohl bleiben) umgestellt sein. Wirklich in Bachelor/Master-Studiengängen sind aber erst 30% der Studierenden eingeschrieben. Wer ein Studium aufnehmen will, hat immer noch bei 30% der Studiengängen die Möglichkeit, Bachelor bzw. Master zu umgehen.

Wenn man bedenkt, dass der Bologna-Prozess 1999 gestartet wurde, ist es nun aber auch höchste Zeit, dass der Bologna-Prozess an Fahrt gewinnt, wie es Bundesbildungsministerin Schavan in ihrer Pressemitteilung formuliert. Eher scheinen die Zahlen doch zu belegen, dass sich offenbar viele Hochschulen mit der Umstellung schwer getan haben.

Blanke Zahlen sind sowieso wenig wert

Von dieser "Bilanz" abgesehen weist aber bspw. der studentische Dachverband fzs mit Recht darauf hin, dass es mit dem Zählen der umgestellten Studiengängen nicht getan ist. "Es muss vielmehr auf die qualitativen Merkmale und Inhalte der neuen Studiengänge eingegangen werden. Auch müssen kritische und selbständige Lernprozesse im Verlauf des Studiums für alle Lernenden möglich sein", erklärt Sarina Schäfer, Mitglied des fzs-Vorstands.

Kai Gehring, Sprecher für Hochschulpolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/DIE GRÜNEN, merkt an, dass bei der Umstellung der alten Diplom- und Magister-Studiengänge oftmals die gleichen Studieninhalte in die kürzeren Bachelor-Studiengänge gepresst worden seien. Er spricht von einer Strukturumstellung nach dem schlichten Motto "Verschulen, Verdichten, Umbenennen", dies müsse kritisch überprüft werden. Denn Studiengänge müssten studierbar sein, andernfalls würden zentrale Ziele der Reform auch künftig nicht erreicht.

Vor allem an der Betreuung der Studierenden mangelt es weiterhin. Trotz noch einiger Jahre steigender Studierendenzahlen sind die Ausgaben für die Hochschulen nicht merkbar gestiegen, berücksichtigt man, wie viel durch Lohnsteigerungen und Betriebskosten (Strom, Heizung etc.) aufgefressen wird. "Bund und Länder müssen endlich ihre Pläne für einen >Hochschulpakt II< vorlegen. Die Hochschulen brauchen nicht nur mehr Studienplätze, sondern auch ein besseres Betreuungsverhältnis in der Lehre", erklärt Andreas Keller, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Hierfür seien nach Berechnungen der Hochschulrektorenkonferenz und des Wissenschaftsrats zusätzlich 3,7 Milliarden Euro jährlich notwendig.

Mobilitäts-Probleme

Besonders kritisiert wird auch die mangelnde Umsetzung der Lissabon Konvention, die eine vereinfachte Anrechnung von Studienleistungen aus anderen Ländern des Bologna-Raumes erreichen sollte. Florian Keller, ebenfalls Mitglied des fzs-Vorstand erläutert dazu: "(...) Leider ist sie (...) in der Praxis vieler Prüfungsämter noch lange nicht angekommen. Somit ist ein positives Fazit aus studentischer Sicht völlig verfehlt."

Von der Problematik der Anrechnung von Studienleistungen ganz abgesehen scheitert die internationale (aber auch inländische) Mobilität aber oft schon daran, dass die Bachelor-Studiengänge kaum noch Raum für Auslandsaufenthalte geben. Durch die starrer ("verschulte") Struktur der Studiengänge bedeutet ein Auslandsaufenthalt von einem Semester oft eine Verlängerung des Studiums um ein ganzes Jahr.

Soziale Dimension?

Auch die soziale Dimension ist gerade in Deutschland beim Bologna-Prozess wenig beachtet worden. Zwar lobt Bildungsministerin Schavan die Verbesserungen beim BAföG (was allerdings noch nie ihre Herzensangelegenheit war und nicht auf ihr Bemühen hin zustande kam), aber sieht hier doch auch Verbesserungspotential.

Durchaus mit Recht, denn im Prinzip hat die letzte BAföG-Erhöhung 2008 nicht einmal ganz die fehlenden Erhöhungen seit 2002 ausgeglichen. Das Auslands-BAföG ist zwar nun bei einem Studium in der EU vom ersten Semester möglich, die landesspezifischen Auslandszuschläge sind dagegen innerhalb der EU weggefallen.

Insgesamt bleibt also noch viel zu tun. Nur wer wird es anpacken?

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