Umstellung auf Bachelor/Master usw.
Bologna-Prozess (k)ein Erfolg?
Wenn man bedenkt, dass der Bologna-Prozess 1999 gestartet wurde, ist es nun aber auch höchste Zeit, dass der Bologna-Prozess an Fahrt gewinnt, wie es Bundesbildungsministerin Schavan in ihrer Pressemitteilung formuliert. Eher scheinen die Zahlen doch zu belegen, dass sich offenbar viele Hochschulen mit der Umstellung schwer getan haben.
Blanke Zahlen sind sowieso wenig wert
Von dieser "Bilanz" abgesehen weist aber bspw. der studentische Dachverband fzs mit Recht darauf hin, dass es mit dem Zählen der umgestellten Studiengängen nicht getan ist. "Es muss vielmehr auf die qualitativen Merkmale und Inhalte der neuen Studiengänge eingegangen werden. Auch müssen kritische und selbständige Lernprozesse im Verlauf des Studiums für alle Lernenden möglich sein", erklärt Sarina Schäfer, Mitglied des fzs-Vorstands.
Kai Gehring, Sprecher für Hochschulpolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/DIE GRÜNEN, merkt an, dass bei der Umstellung der alten Diplom- und Magister-Studiengänge oftmals die gleichen Studieninhalte in die kürzeren Bachelor-Studiengänge gepresst worden seien. Er spricht von einer Strukturumstellung nach dem schlichten Motto "Verschulen, Verdichten, Umbenennen", dies müsse kritisch überprüft werden. Denn Studiengänge müssten studierbar sein, andernfalls würden zentrale Ziele der Reform auch künftig nicht erreicht.
Vor allem an der Betreuung der Studierenden mangelt es weiterhin. Trotz noch einiger Jahre steigender Studierendenzahlen sind die Ausgaben für die Hochschulen nicht merkbar gestiegen, berücksichtigt man, wie viel durch Lohnsteigerungen und Betriebskosten (Strom, Heizung etc.) aufgefressen wird. "Bund und Länder müssen endlich ihre Pläne für einen >Hochschulpakt II< vorlegen. Die Hochschulen brauchen nicht nur mehr Studienplätze, sondern auch ein besseres Betreuungsverhältnis in der Lehre", erklärt Andreas Keller, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Hierfür seien nach Berechnungen der Hochschulrektorenkonferenz und des Wissenschaftsrats zusätzlich 3,7 Milliarden Euro jährlich notwendig.
Mobilitäts-Probleme
Besonders kritisiert wird auch die mangelnde Umsetzung der Lissabon Konvention, die eine vereinfachte Anrechnung von Studienleistungen aus anderen Ländern des Bologna-Raumes erreichen sollte. Florian Keller, ebenfalls Mitglied des fzs-Vorstand erläutert dazu: "(...) Leider ist sie (...) in der Praxis vieler Prüfungsämter noch lange nicht angekommen. Somit ist ein positives Fazit aus studentischer Sicht völlig verfehlt."
Von der Problematik der Anrechnung von Studienleistungen ganz abgesehen scheitert die internationale (aber auch inländische) Mobilität aber oft schon daran, dass die Bachelor-Studiengänge kaum noch Raum für Auslandsaufenthalte geben. Durch die starrer ("verschulte") Struktur der Studiengänge bedeutet ein Auslandsaufenthalt von einem Semester oft eine Verlängerung des Studiums um ein ganzes Jahr.
Soziale Dimension?
Auch die soziale Dimension ist gerade in Deutschland beim Bologna-Prozess wenig beachtet worden. Zwar lobt Bildungsministerin Schavan die Verbesserungen beim BAföG (was allerdings noch nie ihre Herzensangelegenheit war und nicht auf ihr Bemühen hin zustande kam), aber sieht hier doch auch Verbesserungspotential.
Durchaus mit Recht, denn im Prinzip hat die letzte BAföG-Erhöhung 2008 nicht einmal ganz die fehlenden Erhöhungen seit 2002 ausgeglichen. Das Auslands-BAföG ist zwar nun bei einem Studium in der EU vom ersten Semester möglich, die landesspezifischen Auslandszuschläge sind dagegen innerhalb der EU weggefallen.
Insgesamt bleibt also noch viel zu tun. Nur wer wird es anpacken?
Mehr zum Thema bei Studis Online
- Bologna-Prozess (Glossar-Eintrag) »
- Bologna-Reform: Erfolgsmodell oder Sackgasse (Gespräch mit dem Präsidenten des Deutschen Hochschulverbandes, Bernhard Kempen, der Generalsekretärin der Hochschulrektorenkonferenz, Christiane Gaehtgens und der Studierenden Henriette Müller; 22.04.2008) »
- McDonaldisierung: Kritische Wissenschaft fällt Bologna zum Opfer (08.12.2007) »
- Von London nach Leuven: Zwischenbilanz im Bologna-Prozess (19.06.2007) »
Motivationsschreiben für ein Studium
Motivationsschreiben werden immer häufiger bei Bewerbungen für Masterstudiengänge verlangt. Auch für Bachelorabsolventen ist dies gelegentlich Pflicht. Doch wie sieht ein gutes Schreiben aus? Eine Übersicht von Sebastian Horndasch.
Bleibt der Übergang vom Bachelor zum Master ein Nadelöhr?
Wie frei ist der Übergang vom Bachelor- ins Masterstudium? Mit dieser Frage beschäftigte sich am 14. April eine Tagung in Berlin, zu der die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) eingeladen hatte. Neben neuen Erkenntnisse zur momentanen Situation beim Übergang vom Bachelor- zum Master-Studium wurde ein Rechtsgutachten zur Gesetzgebungskompetenz des Bundes bei der Regelung des Zugangs zum Master-Studium vorgestellt.
Müder Bildungsstreik
Zugegeben, ein waschechter Bildungsstreik geht anders. Nicht wie vor zwei Jahren Hunderttausende Schüler, Studierende und Azubis sind am Donnerstag gegen die Misere an Schulen und Hochschulen auf die Straße gegangen. Aber weit über zehntausend waren es schon, die ihrem Unmut über Unterrichtsausfall, volle Hörsäle und Lehrstellenmangel Luft machten.
Diese Seite verlinken »





