17.06.2008

Im zweiten Anlauf
Studiengebühren in Hessen nun wirklich abgeschafft

Nachdem die Mehrheit aus SPD, Grünen und Linken am 3. Juni schon einmal vermeintlich die Studiengebühren abgeschafft hatten, hat es nun wohl geklappt. Der entscheidende Satz, der seinerzeit vergessen wurde, konnte in der Sondersitzung heute ergänzt werden. Wenn dem geschäftsführenden Ministerpräsident Koch nicht doch noch etwas einfällt, sollten die Gebühren damit wirklich gefallen sein.

Der ursprüngliche Gesetzentwurf von SPD und Grünen von Anfang April war noch im entscheidenden Punkt korrekt gewesen. Im Laufe der Beratungen wurden diverse Änderungen im Detail vorgenommen und dabei war durch einen "Kopierfehler" der entscheidende Passus verloren gegangen. Nämlich die Stelle, die den Zeitpunkt der Abschaffung der Studiengebühren regelt (und damit auch die Abschaffung überhaupt).

Obwohl die geschäftsführende Regierung unter Koch davon offenbar schon früher Kenntnis hatte, äußerte Koch erst zwei Tage nach dem Beschluss dieses fehlerhaften Gesetzes, dass es so nicht von ihm unterschrieben werden kann. Um den Fehler zu beheben, wurde so die Sondersitzung des Landtages am heutigen Tage notwendig. Hätte Koch früher Einspruch erhoben und so die Korrektur rechtzeitig ermöglicht (oder noch besser: wäre der Fehler gar nicht passiert), wäre Geld gespart worden. Denn eigentlich wäre der Landtag sonst schon in "Ferien" gewesen.

Studiengebühren dürften in Hessen weiter Thema bleiben

Die Mehrheit von SPD, Grünen und Linken steht zwar bei einigen Themen. Trotzdem konnten sie sich bisher aus verschiedenen Gründen nicht zu einer formellen Koalition einigen oder zumindest eine Ministerpräsidentin und Regierung wählen. Es bleibt offen, wie lange so weiter gemacht werden kann. Möglich ist das (außerhalb Deutschlands auch gar nicht ungewöhnlich), es könnte irgendwann aber doch zu Neuwahlen vor dem planmäßigen Termin in knapp fünf Jahren kommen.

Zumindest die FDP hat angekündigt, bei einem möglichen Wahlsieg (also einer Koalition mit der CDU) die Studiengebühren wieder einführen zu wollen. Da der Staatsgerichtshof vor einigen Tagen die Studiengebühren nicht als verfassungswidrig angesehen hat, bliebe das möglich. Die Mehrheit der Gerichts war die denkbar knappste: sechs Richter hatten nichts gegen Gebühren, die anderen fünf dagegen sehr.

Die Minderheit der Richter erläuterte, dass "Der Unterricht ist unentgeltlich" in der hessischen Verfassung aus ihrer Sicht "Es kostet nichts" und nicht "Du kannst es später abzahlen" bedeute. Sie führten weiter an, dass das Ziel alle BAföG-berechtigten Studierenden von der Verpflichtung zur Zinszahlung freizustellen, nicht erreicht werde. Denn eine Befreiung gebe es nur, wenn tatsächlich BAföG bezogen wird, nicht aber, wenn auf den Bezug verzichtet wird, um Schulden zu vermeiden.

Inzwischen gibt es wohl den Versuch, gegen die Entscheidung des hessischen Staatsgerichtshofes vor dem Bundesverfassungsgericht vorzugehen. Ob dieses sich allerdings in die Interpretation einer Landesverfassung einmischen wird, ist noch offen. Grundsätzlich hat das Bundesverfassungsgericht keine Einwände gegen Studiengebühren (jedenfalls, solange es ein Darlehensangebot gibt und die Gebühr an sich nicht zu hoch ist).

Das Thema bleibt also umkämpft – nicht nur in Hessen.

Quellen und weitere Materialien zum Thema


Kommentare zu diesem Artikel

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1. Bob Morane kommentierte am 26.06.2008 um 12:16:02 Uhr

Öhm

Entfallen die Gebühren schon zum Wintersemester 08 oder erst zum Sommersemester 09 ???




2. Oli (Studis Online) kommentierte am 26.06.2008 um 12:39:19 Uhr

Wintersemester 2008/2009 gebührenfrei

s.o. ;)




3. Hönig kommentierte am 30.06.2008 um 15:27:10 Uhr

ist es 100%???

ich hoffe dass es zum win sem wirklich abgeschaft wird. Aber gibt es noch viele fragen ... Sind die langfristig abgeschaft?




4. Oli (Studis Online) kommentierte am 30.06.2008 um 16:20:42 Uhr

@Hönig

Langfristig könnten Studiengebühren nur abgeschafft werden, wenn dies im Grundgesetz verankert würde (oder eben in der Landesverfassung). Dafür braucht es eine 2/3 Mehrheit, die aber zur Zeit wohl kaum zu erreichen ist.

Also hängt es immer von den jeweiligen Mehrheitsverhältnissen in den Landtagen ab. Wechselt diese, können Gebühren (wieder) abgeschafft bzw. eingeführt werden.




5. Oli (Studis Online) kommentierte am 03.07.2008 um 15:30:33 Uhr

Koch hat Gesetz unterschrieben

Ministerpräsident Koch hat das korrigierte Gesetz heute unterschrieben. Damit wird es im WiSe 2008/2009 in Hessen tatsächlich keine Gebühren mehr geben.




6. tinks kommentierte am 06.07.2008 um 14:06:32 Uhr

jedes semester-neue entscheidung?

fest steht also est mal, dass in diesem WiSe keine studiengebühren anfallen, aber da es ja nicht sicher ist wie es weite geht, kann man davon ausgehen, dass jedes semester eine neue entscheidung getroffen weden muss? also das jedes semester die gefahr besteht, dass die gebühren wieder eingeführt werden?




7. Oli (Studis Online) kommentierte am 06.07.2008 um 19:21:10 Uhr

@tinks:

Ständige Änderungen in Sachen Studiengebühren kann es auf Dauer nicht geben. Denn Wahlen gibt es ja normalerweise nur alle 5 Jahre und solange die Mehrheitsverhältnisse erhalten bleiben, wird an der jeweiligen Regelung festgehalten.

Es ist lediglich so, dass die aktuelle Mehrheit in Hessen zwar in einigen Sachfragen steht, aber sich bisher nicht zur gemeinsamen Wahl einer Ministerpräsidentin nutzen lies, weswegen ja auch Koch von der CDU immer noch geschäftsführend im Amt ist. Es könnte daher sein, dass irgendwann doch – auch von Seiten der SPD – frühere Neuwahlen angesetzt werden. Und wenn danach wieder CDU und FDP eine Mehrheit haben, könnten die wieder Gebühren einführen.

Kurz: Jedes Semester ist nicht mit einer Änderung zu rechnen. Nur aktuell ist die Lage etwas wacklig ;)




8. RoXx kommentierte am 05.11.2008 um 17:21:19 Uhr

Neuwahlen in Hessen

Denkt ihr das durch die Neuwahlen die Koch anstrebt, die Studiengebühren wieder kommen?




9. Oli (Studis Online) kommentierte am 05.11.2008 um 17:33:21 Uhr

@RoXx

Nach eigenen Angaben will Koch nicht gleich wieder Gebühren einführen, siehe Artikel Koch "verspricht", auf Studiengebühren zu verzichten





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