28.03.2013

Studienführer
Soziale Arbeit, Sozialarbeit, Sozialpädagogik oder Sozialwesen studieren

Das Feld der Sozialen Arbeit, Sozialarbeit, Sozialpädagogik und des Sozialwesens ist unglaublich vielfältig. Wer gerne mit Menschen arbeitet und wen skurrile Situationen nicht abschrecken, der ist hier an der richtigen Adresse. Das Studium bildet Berufsgeneralisten aus, SpezialistIn wird man erst im Anschluss an das Studium. Somit wird eine ganze Menge mehr gefordert, als nur Enthusiasmus und die Freude am Problemlösen.

Von Elke Oestreicher

Alle, die irgendwann einmal an einer Tür klopfen und souverän Probleme lösen wollen, müssen sich natürlich einer fundierten Ausbildung unterziehen. Aus diesem Grund beginnen unzählige ErstsemestlerInnen anvielen Fachhochschulen und einem Dutzend Universitäten deutschlandweit jedes Jahr Soziale Arbeit, Sozialarbeit, Sozialpädagogik oder Sozialwesen zu studieren. Dabei stellen sich viele dieser noch Ahnungslosen die Frage: Was muss Frau oder Mann studieren, um ein ausgeschlafener Problemlöser zu werden?

All denjenigen unter den Lesern, die mit den höheren Weihen der Begrifflichkeiten noch nicht vertraut sind, können von folgender Einführung profitieren.

Soziale Arbeit, Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Sozialwesen im Überblick

Die Studienrichtungen unterscheiden sich insofern, da es im Sozialwesen verstärkt darum geht, Eigenkräfte zu entwickeln, um in problematische Lebenslagen verantwortlich handeln zu können. Die Tätigkeitsbereiche umfassen vor allem Jugendhilfe, Sozialhilfe und Gesundheitshilfe. Der Unterschied zwischen Sozialarbeit bzw. Sozialer Arbeit und Sozialpädagogik besteht darin, dass sich in der Sozialarbeit eher verwaltungstechnische Inhalte finden.

Sozialpädagogik beschäftigt sich verstärkt mit dem außerschulischen Bildungsbereich und der Erziehungswissenschaft. Die Unterschiede bestehen letztlich in der Geschichte. Die Sozialarbeit/Soziale Arbeit entwickelte sich aus der Armenfürsorge. Die Sozialpädagogik hingegen entwickelte sich aus der Tradition der Jugendfürsorge. Sozialwesen ist die Verquickung von Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Näheres dazu gibt es bereits im ersten Semester unter Geschichte der Sozialen Arbeit.

Um den unter Umständen bereits einsetzenden Gehirnkrämpfen entgegen zu wirken, werden in den nachfolgenden Ausführungen sämtliche Wortschöpfungen (Soziale Arbeit/Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Sozialwesen) der Einfachheit halber als Soziale Arbeit bezeichnen.

Arbeitsfeldbeschreibung

Immer wenn Ahnungslose vor einer Tür stehen und noch nicht wissen mit welchen unglaublichen Fähigkeiten sie im nächsten Augenblick konfrontiert werden, ist eine Vorstellung, um die Situation zu entspannen, genial: "Hallo mein Name ist Mr. Wolf, ich löse Probleme" (aus Pulp Fiction). Wörtlich ist das Zitat in der Sozialen Arbeit nicht zu nehmen, da die Aufgabe darin besteht, Menschen zu unterstützen ihre Probleme möglichst eigenständig zu lösen und sie darin zu bestärken ihre Bedürfnisse und Rechte einzufordern.

Diese Probleme können beispielsweise darin bestehen, dass Schuldner in einer Beratungsstelle nicht zurecht kommen, dass behinderten Menschen bei ihrer Lebensbewältigung Unterstützung brauchen, dass Straffällige während der Resozialisierung Anleitung bedürfen, oder dass psychisch Kranke in einer Langzeitwohngemeinschaft Betreuung benötigen.

Problemlösungen für bedürftige Kinder durch die Vermittlung geeigneter Pflegefamilien zu finden und mit Eltern, Polizei, Gericht und Schule zu verhandeln. Menschen, die durch das soziale Netz gefallen sind, wie beispielsweise Migranten, Arbeitslose und chronisch Kranke zu unterstützen und auf ihrem Weg zu begleiten. Ihnen das nötige Rüstzeug geben, um eigenverantwortlich zu handeln, dass ist der Job.

SozialarbeiterInnen beschäftigen sich folglich mit gesellschaftlichen Barrieren, sozialen Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten und mit Krisen- und Notsituationen. Sie arbeiten mit Individuen, Familien, Gruppen, Gemeinschaften und/oder sozialen Bewegungen in gesellschaftlichen Institutionen, in sozialen Projekten und dabei planen, organisieren und managen sie soziale Unterstützung und führen Forschungen und sozioökonomische Studien durch. Um hierfür die notwendigen Fähigkeiten zu erwerben ist persönliche und inhaltliche Qualifizierung Voraussetzung.

Berufsfelder

Natürlich gibt es viele Problemlöser-HelferInnen da draußen. Sonst wäre es um die Welt wohl schlecht bestellt. Zahlreiche Kolleginnen und Kollegen betätigen sich in den unterschiedlichsten Berufsfeldern. Hier eine kurze Aufstellung der Berufsfelder:
  • Altenarbeit/Altenhilfe
  • Behindertenpädagogik
  • Drogen- und Suchthilfe
  • Familienhilfe
  • Geschlechterforschung
  • Gesundheitsberatung und Gesundheitsforschung
  • Kinder- und Jugendhilfe
  • Krankenhilfe
  • Mirgration/interkulturelle Pädagogik
  • Obdachlosenhilfe
  • Rechtshilfe/Rechtsberatung
  • Sozialpolitik
  • Sozialpsychiatrie und der
  • Strafvollzug/Straffälligenhilfe/Kriminologie.
Kurz: "Soziale Arbeit ist ein Handeln in Organisationen und unter face-to-face-Bedingungen" (so z.B. Heiko Kleve in einem Vortrag zur Sozialen Arbeit an der Fachhochschule in Linz).

Studienorte und Studienwahl

Wenn Mann oder Frau jetzt nicht genau weiß, wo das Studium zum ausgeschlafenen Problemlöser seinen Anfang nehmen soll, so gibt die Datenbank von Studis Online detailliert Auskünfte.

Seit 1980 gibt es an Universitäten den Studiengang Sozialwesen, der einen Abschluss der beiden Fachrichtungen Sozialarbeit und Sozialpädagogik ermöglicht. Parallel dazu existieren auch Angebote, die nur auf eine Fachrichtung ausgerichtet sind.

Schwerpunktmäßig wird der Studiengang Sozialarbeit/Sozialpädagogik und Sozialwesen an Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften angeboten. Es gibt aber auch einige Angebote an Universitäten.

Formale Voraussetzungen

Eine erste Hürde ist der notwendige Notenschnitt (alternativ sind ansonsten ausreichend viele Wartesemester vorzuweisen). Der Durchschnitt lag in der Vergangenheit zwischen 2,0 und 2,5. Bei einigen Fachhochschulen/Universitäten liegt dieser jedoch auch höher. Ein erster Überblick gibt unsere Übersicht NC-Werte für Soziale Arbeit. Die Bewerbung richtet man direkt an die Hochschule. Neben dem NC gibt es häufig weitere Auswahlkriterien, wie kirchliches oder soziales Engagement. Eine Berufsausbildung oder bereits geleistete gesellschaftspolitische Aktivitäten beeinflussen die Aufnahme je nach Zulassungsbedingungen positiv.

Persönliche Voraussetzungen

Natürlich sollten die BewerberInnen mit einwandfreien Charaktervorzügen brillieren. Wer sich hier messen will muss schon ein bisschen mehr mitbringen als lauwarmen Matetee und Birkenstocksandalen.

Grundvoraussetzung ist ein positives Menschenbild, ethisch mit Menschen umgehen, sie akzeptieren und auch wenn sie eine andere Haltung haben, einer anderen Kultur angehören, problembehaftet sind und wir sie nicht verstehen können.

Rückschläge aushalten zu können, einen langen Atem zu haben, und auf Erfolge warten zu können, gehört ebenso zum Alltag wie die permanente Balance zwischen Nähe und Distanz. Wer anderen helfen will um sich selbst zu helfen ist hier fehl am Platz.

Erfolg hat nur, wer Distanz zur professionellen Arbeitshaltung hat. Professionelle Hilfe schließt Mitleid aus, aber Mitgefühl ein. Flexibilität ist zentral, da es kein Studium ist, welches Spezialisten ausbildet, sondern eher Generalisten. Bis zum Ende des Studiums erfolgt keine endgültige Weichenstellung. Ein Interesse für die Gesellschaft ist notwendig, denn nur wer alle Ebenen kennt, wird etwas bewegen können.

Zauderer, die unken, dass es bestimmt eine Ewigkeit dauert sich all diese Fähigkeiten anzueignen, gibt es immer. Aber wem die Ewigkeit zu lang ist, der sollte halt doch lieber auf Fahrradkurier umsatteln, denn ausgelernt hat man auf diesem Gebiet nie. Jetzt mal Spaß beiseite, die Studiendauer umfasst in der Regel drei Jahre. Das Studium beginnt meist zum Wintersemester.

Gliederung des Studiums

Im ersten Studienabschnitt werden fach- und bezugswissenschaftliche Disziplinen schwerpunktmäßig vermittelt. Im zweiten Abschnitt werden die einzelnen Themenfelder studiert. Durch Wahloptionen werden Schwerpunktsetzungen ermöglicht, die mit Blick auf die spätere Berufswahl oder das anschließende Masterprogramm stattfinden. Die Module umfassen Propädeutik, Geschichte, Berufsfelder, Theorien, methodische Grundlagen der Sozialen Arbeit, sozialwissenschaftliche und sozialpolitische Grundlagen, Ethik, ästhetische Bildung, Medienpädagogik, Rechtswissenschaften, Management, Bildung, Erziehung, Kultur, Beratung, Behandlung, Betreuung, interkulturelle und internationale Soziale Arbeit, Theorie und Praxis Projekte, professionelles Handeln, Handlungsfelder der Sozialen Arbeit mit mehreren Wahlmöglichkeiten und Veranstaltungen, die der Allgemeinbildung dienen, wie beispielsweise Sprachkurse.

Praktikum

Damit nicht ein Haufen unerfahrener Heißsporne zum Studienabbrecher wird empfiehlt es sich unbedingt, sich vorher praktisch zu testen. Deshalb wird empfohlen, vor dem Studium des Profiproblemlösens ein Praktikum zu absolvieren.

Ein Praktikum ist fast überall möglich und unterstützt bei der Entscheidungsfindung und bei der eigenen Ab- und Einschätzung. Institutionen der Sozialen Arbeit sind in erster Linie Wohlfahrtsverbände und Träger, dann Sozialforschungsinstitute, das Landesministerium und das Bundesministerium.

Achtung Irrtum!

Sozialarbeit und Politik, Sozialarbeit und Ökonomie, Sozialarbeit und Rechtswissenschaften gehören ebenso zusammen wie Sozialarbeit und Psychologie und Sozialarbeit und Pädagogik. Von vielen StudentInnen wird das unterschätzt und gerade das intensive Studium der 12 Sozialgesetzbücher erfordert häufig ebenso viel Mühe, wie die Auseinandersetzung mit der wirtschaftlichen Seite sozialer Dienstleistungen.

Online- , Fort- und Weiterbildungsangebote

Das gilt natürlich auch bei allen Fort- und Weiterbildungsangeboten. Jede Hochschule hat ihre eigenen Spezialisierungen, wie beispielsweise Intercultural Conflict Management und Comperative European Social Studies der ASH Berlin. Des Weiteren bieten Fachbereiche auch Studienangebote für die Frühförderung von Kindern an, wie es bspw. die FH in Postdam es mit einem speziell dafür ausgerichteten Bachelor tut.

Wer sich lieber online die Qualifikation aneignen möchte kann dies bereits tun. Entsprechende Angebote eines Bachelor-Studiengangs bieten derzeit die FH in Fulda, Koblenz und Münster an. Genauere Infos bei "BASA online".

Da wir ja jetzt wissen, in wie vielen unterschiedlichen Bereichen Problemlöser unverzichtbar sind, wird sicher einleuchten, dass der moderne Sozialstaat ohne SozialarbeiterInnen undenkbar wäre. Vielleicht sitzt also auch Du demnächst hinter einer Tür und gibst den berühmten Satz von Dir: "Hallo mein Name ist… ich kann dich unterstützen deine Probleme zu lösen!"



Weitere Infos Literaturtipps

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