02.10.2014

Studienführer
Lehramt studieren [Seite 1]

Das Interesse am Beruf "Lehrer/in" ist ungebrochen. Der Bedarf an ausgebildeten LehrerInnen ist dagegen äußerst unterschiedlich. Auch sonst unterscheidet sich in Sachen Lehramtsstudium, Referendariat, Einstellung und Bezahlung vieles von Bundesland zu Bundesland. Die drängendsten Fragen zum Thema Lehramtsstudium sollen im Folgenden beantwortet werden.

Von Adeline Duvivier

Adeline Duvivier

So manche Entscheidung muss getroffen werden ...
Inhaltsübersicht (anklickbar)
  1. LehrerInnenausbildung in jedem Bundesland ein wenig anders
  2. Bachelor/Master beim Lehramtsstudium
  3. Wo studieren? Welche Kombinationen möglich?
    Zugangsbeschränkungen?
  4. Und wie ist es mit der Praxis?
  5. Ohne Referendariat ist man fast nichts
  6. Mögliche Zusatzqualifikationen für angehende LehrerInnen
  7. Lehramt Grundschule
  8. Lehramt Berufsschule
  9. Lehramt Sonderschule / Förderschule
  10. Wechsel zwischen den Bundesländern
  11. Auslandaufenthalt im Studium / Referendariat
  12. LehrerInnen mit Migrationshintergrund
  13. Einstellungschancen, Verdienst, Vertretungen, Verbeamtung?
  14. Lehramt mit Fachhochschulreife
  15. Weitere Artikel rund ums Lehramtsstudium, Quellen und weiterführende Links


1. LehrerInnenausbildung in jedem Bundesland ein wenig anders

Sinan Yaman

Die Autorin dieses Artikels, Adeline Duvivier, studierte in Dijon (Frankreich) und Mainz die Fächer Deutsch, Französisch und Sozialkunde auf Lehramt an Gymnasien, sowie das Unterrichtsfach Pädagogik und Deutsch als Zweitsprache / Interkulturelle Pädagogik in Münster. Sie engagierte sich während ihres Studiums hochschulpolitisch im AStA und in Gremien der akademischen Selbstverwaltung, insbesondere im Bereich der LehrerInnenbildung.
Bildung ist Ländersache, hier hat der Bund relativ wenig zu sagen. Damit dies nicht in einem totalen Chaos endet, gibt es trotzdem bundesweit einheitliche Regelungen, wie zum Beispiel die deutschlandweite Anerkennung des in jedem Bundesland anders aussehenden Abiturs. Dafür einigen sich die Bundesländer in der Kultusministerkonferenz (KMK). Dort werden die Fehden zwischen den Ländern ausgefochten - oft zäh, aber immer wieder mit Ergebnissen. Für die LehrerInnenausbildung (sowohl für das Studium als auch das anschließende Referendariat) gilt jedoch, dass von Bundesland zu Bundesland einige Unterschiede bestehen. Der Abschluss ist gleichwertig, der Weg dahin ganz anders.

Die Bundesländer im Süden der Republik modularisieren zwar, bieten aber weiter das "alte traditionelle" Studium mit Staatsexamen an. In anderen Ländern im Norden (Niedersachsen, NRW) und Osten (Thüringen, Sachsen) schließt man mit Bachelor und Master ab, wieder andere wie z.B. Rheinland-Pfalz bieten beides (Master und 1. Staatsexamen) nacheinander. Ob man einen Bachelor of Arts mit Lehramtsoption, einen Bachelor of Education, einen Master of Education oder ein 1. Staatsexamen auf dem Weg sammelt, ist irrelevant, Hauptsache, man hat am Ende einen Master of Education und/oder ein 1. Staatsexamen. Diese werden in den unterschiedlichen Bundesländern gegenseitig anerkannt.

Was allerdings ein Problem sein kann, sind die unterschiedlichen Vorgaben der Bundesländer. Wer in einem Bundesland studiert, später aber "zurück in die Heimat" oder in ein anderes Bundesland will, sollte sich im Vorfeld gut informieren. Einige Bundesländer bieten Fächer an, die es in anderen Bundesländern nicht gibt (z.B. das Unterrichtsfach Pädagogik in NRW), oder nur in viel geringerem Umfang (Sprachen aus Nachbarländern wie Niederländisch, Polnisch oder Dänisch) haben verpflichtende Fächerkombinationen (z.B. in Bayern), haben unterschiedliche Fächerbestimmungen (insbesondere im Grundschullehramt, hier ist besondere Vorsicht geboten!) oder Schulstufenschwerpunkte (Grundschullehramt separat oder in Kombination mit Haupt- und Realschullehramt). Zum Wechsel nach dem Studium oder nach dem Referendariat siehe auch Wechsel zwischen den Bundesländern (immerhin gibt es da in jüngster Vergangenheit Fortschritte!).



2. Bachelor/Master beim Lehramtsstudium

Mittlerweile sind die Bachelor-/Master-Studiengänge vorherrschend und die meisten "alten" Studiengänge ausgelaufen oder auslaufend. Im Lehramt sieht es in einigen Bundesländern allerdings anders aus. In Baden-Württemberg oder beispielsweise Bayern studiert man noch mit dem Ziel "Erstes Staatsexamen", das Studium ist allerdings auch modularisiert, das heißt, dass sich die Struktur von einem Bachelor/Master-Studiengang nur insofern unterscheidet, dass man keinen Bachelor-Abschluss macht.

Der Bachelor wird meist in Form eines "2-Fach-Bachelors" studiert. Man muss also die Fächer wählen, die man später unterrichten möchte und bekommt dort erst einmal einen fachlichen Überblick. Mit dem Bachelor könnte man theoretisch direkt die Hochschule verlassen und z.B. für einen Schulbuchverlag arbeiten. Die entsprechenden Job-Angebote sind allerdings bisher eher begrenzt. Man kann aber auch einen Master aufsetzen, ohne am Ziel LehrerIn festzuhalten. Allerdings ist die Auswahl hier u.U. begrenzt, da viele Master-Studiengänge auf einen "1-Fach-Bachelor" aufbauen.

Ist man sich zu Beginn des Studiums seiner Wahl nicht sicher, sollte man also genauer schauen, ob der Bachelor tatsächlich polyvalent ist. Nach einem Bachelor of Education (RLP) lässt sich kein Master of Arts belegen (umgekehrt aber auch nicht), oder nur mit längeren Umwegen. Ein Blick auf die Anzahl an erworbenen Kreditpunkten in den jeweiligen Fächern zeigt die Möglichkeiten auf, die man im Master haben kann.

Will man weiterhin LehrerIn werden, muss man in jedem Fall auch den dazugehörigen Master absolvieren, meist als "Master of Education" angeboten. Die gegebenenfalls bisher nicht vorhandene oder dürftig gehaltene fachpädagogische /fachdidaktische Ausbildung gerät hier verstärkt in den Vordergrund. Die durch die Verkürzung des Vorbereitungsdienstes ins Studium vorgelagerten Praxisanteile erlauben eine höhere Reflektion des Schulgeschehens im theoretischen Kontext.



3. Wo studieren? Welche Kombinationen möglich? Zugangsbeschränkungen?

Mit unserer Studienfach-Datenbank könnt Ihr Euch informieren, wo Ihr auf Lehramt studieren könnt.

Wenn Ihr mittels Eingabe eines Studienfaches nach Hochschulen sucht, dürft Ihr jedoch nicht nach dem Studienfach "Lehramt" suchen, sondern nach einem konkreten Fach wie z.B. Mathematik, Deutsch, Englisch. Ihr solltet dabei gleich den Abschluss auf "Lehramt" einschränken (bei obigem Link schon der Fall), damit nur Hochschulen aufgelistet werden, die wirklich ein Lehramtsstudium anbieten. Ihr könnt auch genauer nach Studienfächern für Lehrämter bestimmter Schularten suchen: Beachtet immer, dass nicht alle Hochschulen jede denkbare Kombination an Fächern anbieten und es Einschränkungen geben kann, welche Kombinationen erlaubt sind. Dazu informiert Euch besten direkt bei den Hochschulen, die in die nähere Auswahl kommen.

An vielen Hochschulen gibt es lokale Zugangsbeschränkungen für bestimmte Lehramts-Fächer bzw. Fach-Kombinationen, manchmal auch für bestimmte Schularten pauschal. Es kann also passieren, dass Ihr nur "halb" studieren könnt, weil ihr zwar in einem nicht beschränkten Fach einen Platz bekommt, aber im zweiten Fach (und zwei sind immer notwendig für ein Lehramtsstudium!) nicht. Man sollte sich gut überlegen, ob man so beginnt – BAföG gibt's dann z.B. nicht.

Grundsätzlich ist für das Lehramtsstudium das Abitur notwendig. Zu Ausnahmen siehe weiter unten.



4. Und wie ist es mit der Praxis?

Adeline Duvivier

Neben dem Unterricht – wie hier auf dem Bild – gehören zur Arbeit als LehrerIn u.a. Konferenzen, Aufsichten, Freistunden, Elterngespräche und Schulveranstaltungen. Das unterschätzt man leicht.
Die größte Kritik am Lehramtsstudium, die in den letzten Jahren laut wurde, ist der fehlende Praxisbezug. AbsolventInnen bekämen nach dem Studium einen Praxisschock und seien einfach zu schlecht auf die Praxis vorbereitet. Das hat sich inzwischen geändert – wenn auch nicht überall und nicht immer in gelungener Weise.

Da, wo es noch vor ein paar Jahren meistens nur zwei kurze Praktika gab und Studierende höchstens ein paar Stunden halten sollten, gibt es heutzutage in den meisten Studiengängen eine komplette Reihe von Praktika mit unterschiedlichen Bezeichnungen, unterschiedlichen Zielen und unterschiedlichen Aufgaben.

Das erste Praktikum, egal ob noch möglichst vor dem Studium als Studienzulassungsvoraussetzung (wie zum Beispiel in NRW oder Bayern) oder direkt nach dem ersten Studiensemester, dient der Orientierung und dem Kennenlernen der Schulart des angestrebten Lehramts. Es ist fraglich, ob ein solch frühes Praktikum (oft kurz nach dem Abitur abgeleistet) sehr dienlich ist, die gestellten Aufgaben sollen aber dem / der PraktikantIn helfen, aus der SchülerInnenrolle heraus in die LehrerInnenrolle zu schlüpfen. Zentrum dieses Praktikums bilden Beobachtungsaufgaben.

In einigen Bundesländern muss man je nach Lehramt auch schulartfremde Praktika ableisten, um die Arbeit an einer anderen Schulart kennenzulernen. So kann z.B. ein(e) GrundschullehrerIn sehen, wo seine/ihre zukünftige(n) SchülerInnen nach der 4. Klasse (oder 6. Klasse in Berlin und Brandenburg) hingehen, oder LehrerInnen der Sekundarstufe lernen die Basisarbeit an der Grundschule oder in einer anderen Schulform kennen.

Ganz wichtig sind heutzutage die eigenen Unterrichtsversuche geworden. Studierende werden im Studium (in den fachdidaktischen oder allgemeinpädagogischen Veranstaltungen) und im Laufe der Praktika dazu angeleitet, zunächst kurze Unterrichtssequenzen zu planen. Im späteren Verlauf werden sie ganze Unterrichtstunden und schließlich Unterrichtsreihen vorbereiten. Das Üben der Unterrichtsplanung wird an der Universität wissenschaftlich reflektiert und die Einbettung in der Praxis – egal ob in Praktika in den Sommerferien oder wie in Baden-Württemberg und NRW im Praxissemester - ermöglicht einen größeren Erfolg und einen geringeren Praxisschock im Anschluss. Wenn man bedenkt, dass das Referendariat in fast allen Ländern nach und nach gekürzt wird und die frühere Eingewöhnungsphase wegfällt, wird die Bedeutung von Praktika und/oder Praxissemester besonders deutlich.

Ebenfalls wichtig bei den Praxisphasen ist, dass der/ die PraktikantIn am Schulleben teilnimmt. LehrerInnen arbeiten nicht nur in den Unterrichtsstunden und das sollte den PraktikantInnen klar sein. Zusätzlich zu den Vorbereitungen und Korrekturen kommen Konferenzen, Fachschaftssitzungen, Aufsichten, Freistunden, Elterngespräche, Schulveranstaltungen hinzu. Dass der Stundenplan dadurch nicht dem Klischee von "vormittags recht und nachmittags frei" enstpricht, ist ja jedem / jeder LehramtsanwärterIn klar. Wieviele Verpflichtungen wirklich dazu kommen, wird aber in der Regel unterschätzt.



5. Ohne Referendariat ist man fast nichts

Mit dem Abschluss des Masters of Education oder des ersten Staatsexamens ist man noch nicht LehrerIn - vorher schließt sich noch das Referendariat an. Während des Referendariats wird man bereits vom jeweiligen Bundesland bezahlt, im Prinzip in Höhe eines besser bezahlten Lehrlings. Je nach studiertem Lehramt verdient man so von knapp unter 1000 Euro (Anwärtergehalt A 12 - Grundschullehramt) bis etwas über 1000 Euro (Anwärtergehalt A 13+Z- Gymnasiallehramt).

Das Geld, das letztendlich zur Verfügung steht, hängt dabei auch stark von der Krankenversicherung ab, die bei einem Beamtenstatus in der Regel eine Private Krankenversicherung ist. Als BeamteR auf Widerruf hat man Anspruch auf sog. Beihilfe, die 50% der Krankenversicherung abdeckt. Wenn man sich allerdings aufgrund von Vorerkrankungen oder hohem Alter nicht (günstig) privat versichern kann, bleibt nur der Weg in die Gesetzliche Krankenversicherung. Dort muss man sowohl den ArbeitnehmerInnen- als auch den ArbeitgeberInnenanteil tragen, was ein großes Loch in der Haushaltskasse bedeutet. Mit Familie kann es aber trotzdem günstiger sein und was die Politik in Sachen Privater bzw. Gesetzlicher Krankenversicherung sich noch einfallen lässt, bleibt offen. Das Referendariat wird im Regelfall (Ausnahme ist beispielsweise eine Nicht-EU-Staatsbürgerschaft) im Beamtenverhältnis abgeleistet, d.h. man ist während dieser Zeit BeamteR auf Widerruf bis zum Ende des Vorbereitungsdienstes.

Die Zeit des Referendariats wird von vielen als sehr stressig empfunden, da neben der Arbeit an der Schule noch weitere Termine wahrzunehmen sind, insbesondere im begleitenden Studienseminar.
Im Zuge der Verkürzung des Referendariats (nach Erhöhung der Praxisanteile im Studium) fällt die Eingewöhnungsphase weg, in der man erst einmal nur als ZuschauerIn bei KollegInnen den Unterricht beobachtet hat. In vielen Bundesländern fängt man direkt mit dem eigenen eigenverantwortlichen Unterricht an, hospitiert zusätzlich bei KollegInnen und hält regelmäßig Stunden, die dann in sogenannten "Unterrichtsbesuchen" oder "Lehrproben" von FachleiterInnen beurteilt werden.

Begleitend gibt es die Seminare am Studienseminar / an der Seminarschule / am Zentrum für schulpraktische Studien (je nach Bundesland), bei denen sowohl fachdidaktisch auf die besonderen Anforderungen der jeweiligen Fächer eingegangen wird als auch allgemeinpädagogisch oder schulrechtlich gearbeitet wird. Diese Seminare finden parallel zum Unterricht statt und werden gerade deshalb oft als besondere Belastung wahrgenommen. Eine häufige Kritik an der Referendariatszeit ist ebenfalls die fehlende Transparenz in der Notengebung und die Abhängigkeit von AusbilderInnen. Anzumerken ist allerdings, dass jedes Ausbildungsverhältnis eine besondere Zeit darstellt und auch das Referendariat irgendwann vorbei ist. Diese sehr intensive und arbeitsreiche Zeit ist eine gute Möglichkeit, nach und nach "im Beruf anzukommen", bei fertigen LehrerInnen abzuschauen und seinen eigenen Unterrichtsstil zu entwickeln.








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