14.02.2012

Deutscher Qualifikationsrahmen (DQR)
Meister = Bachelor?

DQR steht für Deutscher Qualifikationsrahmen. Das klingt sperrig, spröde und nach staubtrockener Bürokratie. Aber die Sache hat es durchaus in sich. Das dahinter stehende System wird nämlich schon bald künftige Berufs- und Erwerbsbiografien beeinflussen – auch die von Studierenden. Es wird vielleicht auch manchen von den Hochschulen fernhalten, weil sich ein Studium am Ende nicht mehr auszahlen könnte.

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Der Deutsche Qualifikationrahmen ist eine zweischneidige Sache ...
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) war voll der Freude: "Nach meiner persönlichen Einschätzung wird die Entscheidung, Meister dem gleichen Niveau zuzuordnen wie den Bachelor, die größte bildungspolitische Wirkung haben." Was will sie damit sagen? Soll man glücklich darüber sein, dass ein besserer Handwerker demnächst auf einer Stufe steht mit einem Akademiker. Oder doch traurig darüber, dass "höhere Bildung" künftig nicht mehr wert sein soll als eine bessere Berufsausbildung. Für Schavan gibt es den Zwiespalt nicht, sie findet alles bestens, denn so habe in Deutschland "jeder die Chance zum Aufstieg, über den akademischen Weg genauso wie über den Weg der beruflichen Bildung".

Hochschulabschlüsse

Früher gab es im wesentlichen nur Diplom, Magister und Staatsexamen. Die ersten beiden wurden inzwischen bis auf wenige Ausnahmen durch Bachelor+Master ersetzt, wobei diese im Gegensatz zu den früheren Abschlüssen gestuft sind und der Bachelor als erster Abschluss schon nach 6 Semester erreicht werden kann.

Für den Frohsinn der Ministerin sorgte der vor zwei Wochen erzielte Kompromiss zwischen Spitzenvertretern von Bund, Ländern und Sozialpartnern im monatelangen Streit um den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR). Am 31. Januar hatten sich die Bundesregierung, die Kultus- und Wirtschaftsminister der Bundesländer, Unternehmerverbände und Gewerkschaften darauf verständigt, welchen Stellenwert die deutschen Bildungsabschlüsse im europäischen Wirtschaftsraum in Zukunft haben sollen. Als Ergebnis steht jetzt eine Rangliste, in der die diversen Abschlüsse auf einer achtstufigen Skala eingeordnet sind. Das klingt nach Schulnoten und läuft im Endeffekt genau darauf hinaus, nur dass bei wenig Performance wenig Punkte und für Topleistungen viele Punkte vergeben werden. So bringt man es mit einem Praktikum nur auf Stufe Eins oder Zwei. Für eine zweijährige Berufsausbildung gibt es eine 3, wer drei Jahre in die Lehre gegangen ist, verdient eine 4. Ein von der Handelskammer kommender Fachwirt erhält eine 6. Eine 7 verheißt ein abgeschlossenes Master-Studium. Und wer den Doktorgrad vorweisen kann, überragt alle mit einer 8.

Transparenz, Vergleichbarkeit und Mobilität

Aber wozu das alles? Der DQR hat einen großen Bruder, den EQR oder Europäischen Qualifikationsrahmen. Dieser geht auf eine Initiative der Europäischen Kommission im Jahr 2006 zurück, trat im April 2008 in Kraft und wartet nun darauf, dass die einzelnen EU-Mitgliedsstaaten ihre Qualifikationen entsprechend ihrer vermeintlichen Wertigkeit in dem Schema einpassen. Wie schon die Bologna-Hochschulstrukturreform ist auch dieses Konzept Teil einer Gesamtstrategie, die Europäische Union zum "wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt" auszubauen. Im Bildungsbereich zeigt sich dies vor allem im Bestreben, nationale Unterschiede bei Erwerb und Bewertung von Qualifikationen zu nivellieren, um so Transparenz und Vergleichbarkeit herzustellen und auf diesem Wege die grenzüberscheitende Mobilität von Beschäftigten zu erleichtern.

Da macht es ohne Frage Sinn, für "Ordnung" zu sorgen. Ein Beispiel: Eine duale Berufsausbildung wie in Deutschland gibt es andernorts praktisch nicht. Der Chef einer spanischen Autowerksatt kann kaum einschätzen, was ein deutscher KFZ-Mechaniker an Know-how, technischen und sonstigen Fähigkeiten mitbringt. Und dem deutschen Berufsanwärter wird es schwer fallen, überzeugend darzulegen, warum er mehr Geld für seine Arbeit verlangt, als einem gewöhnlichen spanischen Autoschlosser zusteht.

Rangliste in acht Stufen

Der EQR verspricht hier Abhilfe. Er beschreibt ein System von acht Stufen, denen jeweils bestimmte Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen zugeteilt sind. Level 1 hört sich so wie die Stellenbeschreibung für einen Hilfsarbeiter an. Der Betroffene muss "grundlegendes Allgemeinwissen" und "grundlegende Fertigkeiten" mitbringen, die zur "Ausführung einfacher Aufgaben erforderlich sind". Außerdem sollte er "unter direkter Anleitung in einem vorstrukturierten Kontext" arbeiten und lernen können. Die Anforderungen steigern sich mit jedem höheren Rang. Im Bereich der Kenntnisse geht das von "grundlegendem Faktenwissen" (Stufe 2), über "breites Spektrum an Theorie- und Faktenwissen" (Stufe 4) und "hoch spezialisiertes Wissen" (Stufe 7) bis hinauf zu "Spitzenkenntnissen" (Stufe 8). Die Einteilung im Bereich "Kompetenzen" unterscheidet zwischen "einem gewissen Maß an Selbständigkeit" (Stufe 2), "Verantwortung zur Erledigung von Arbeits- und Lernaufgaben" (Stufe 3), der "Übernahme von Entscheidungsverantwortung" (Stufe 6) und "fachlicher Autorität und Innovationsfähigkeit" (Stufe 8).

Der "Deutsche Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen" knüpft im Kern an diese Vorgaben an, präzisiert diese in einer sogenannten DQR-Matrix aber noch weiter. Differenziert wird hier anhand von vier Kategorien: "Wissen", "Fertigkeiten", "Soziale Kompetenz", "Selbständigkeit". Über das den einzelnen Stufen zugeschriebene Anforderungsprofil besteht bei den beteiligten Akteuren schon seit längerem Einigkeit. Was noch fehlte und worum bis zuletzt heftig gerungen wurde, war die Aufnahme der einzelnen deutschen Bildungsabschlüsse in die Rangliste. Die jetzt erreichte Vereinbarung sieht nach Angaben von Schavans Ministerium wie folgt aus: Den DQR-Niveaus 1 und 2 entspricht die "Berufsausbildungsvorbereitung", auf den Stufen 3 und 4 folgen eine zwei- bzw. dreijährige "berufliche Erstausbildung", auf Level 5 landen Fortbildungen, "die vergleichbar sind mit dem IT-Spezialisten", die 6 erreichen der "Bachelor, der Meister, der Fachwirt und die Fachschulabschlüsse wie Techniker", auf die 7 schaffen es der "Master und der Strategische Professional (IT)", und die 8 gibt es nach erfolgreicher Promotion.

Zankapfel Abitur bleibt außen vor

Erledigt hat sich das Thema mit dieser Lösung allerdings nicht. Der Streit wurde mit dem Beschluss von Ende Januar nur vorläufig beigelegt, indem man den Zankapfel kurzerhand aus dem Ring nahm. Allen voran die Kultusministerkonferenz (KMK) hatte im Vorfeld darauf gedrungen, das Abitur in dem Raster aufzunehmen und in der Wertigkeit auf Stufe fünf und damit höher anzusiedeln als eine drei- oder dreieinhalbjährige Berufsausbildung. Das rief insbesondere bei den Gewerkschaften, aber auch bei Wirtschaftsvertretern, erheblichen Widerstand hervor. Sie sahen darin eine Geringschätzung der dualen Berufsausbildung und wollten das Abitur auf einer Ebene mit einer abgeschlossenen Lehre sehen (Stufe 4). Um des lieben Friedens willen hat man allgemeinbildende Schulabschlüsse im DQR einfach nicht mitberücksichtigt und will das heiße Eisen erst wieder nach einem fünfjährigen Praxistest anfassen. Der Anstoß dazu kam vom Nachbarland Frankreich. Für dessen Weg, Schulabschlüsse schlicht wegzulassen, hatte Schavan vor dem entscheidenden Treffen in einem Schreiben an alle Beteiligten eindringlich geworben – mit Erfolg. Nach der Einigung verkündete sie: "Wir konzentrieren uns jetzt auf das, womit man sich um einen Arbeitsplatz bewerben kann."

Bachelor und Meister auf Augenhöhe

Dazu zählt bekanntlich auch ein Studium. Aber zählt es im Zeichen von DQR und EQR noch so viel wie bisher? Einige Aufregung erregt vor allem der Beschluss, den Bachelor-Abschluss in der Wertigkeit mit dem Meistertitel gleichzustellen (Stufe 6). Manch einer wird sich fragen, ob er dann überhaupt noch studieren soll, wenn er als Handwerker irgendwann genauso viel verdienen kann? Andererseits: Ein Handwerksmeister verfügt über jahrelange Berufserfahrung und sein Titel schlägt mit hohen Kosten zu Buche. Da ist es doch nur gerecht, das zu honorieren. Und was ist daran falsch, wenn die Grenzen zwischen Bildungsgängen, Berufen und Gehaltsgruppen fließender werden? Es ist doch gerade ein schlechtes Markenzeichen des deutschen Bildungssystems, dass die große Mehrheit der Kinder aus ärmeren Schichten den Sprung an die Hochschulen nicht schafft und damit ein sozialer Aufstieg erschwert, wenn nicht unmöglich wird.

Mit dem DQR soll sich das ändern, und die Beschäftigtenvertreter sind nach dem Beschluss auch davon überzeugt. "Wir stärken damit das System der beruflichen Bildung", meinte am Tag der Entscheidung die Vizechefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Ingrid Sehrbock. Fertige Azubis, so ihre Einschätzung, könnten sich künftig leichter in der akademischen Welt wie den Universitäten weiterbilden. Dazu passt im übrigen auch eine neuere Entwicklung: Immer mehr Berufszweige, für die man früher (nur) eine Lehre benötigte, werden heute akademisiert. So z.B. im Gesundheitswesen: Neuerdings kann man selbst als Hebamme, Physiotherapeut, Logopäde oder Ergotherapeutin einen Bachelor machen (und damit in Folge auch einen Master). Das alles klingt doch schön und könnte einen zu der Annahme verleiten, die Macher von EQR und DQR führten nur Gutes im Schilde, als da wären: Mehr Mobilität, mehr Durchlässigkeit, mehr Gerechtigkeit.

Trend zur Entakademisierung

Die Sache hat aber auch ihre Kehrseiten. Dazu zählt der Trend, die Hochschulen nachhaltig zu entakademisieren. Der Bachelor steht im Ruf, viel Praxis und kaum Theorie zu vermitteln. Mit ihm verdient man schlechter und hat weniger gute Aufstiegschancen als Absolventen mit Diplom, Magister oder Staatsexamen. Dazu ist der Weg zum Master immer mehr jungen Menschen durch rigide Zugangshürden verbaut. Die Elitisierung geht also nicht zurück, sondern spitzt sich weiter zu. Faktisch hat nicht der Handwerksmeister zum Hochschulabsolventen aufgeschlossen, durch die Einführung des Bachelors ist vielmehr ein Hochschulabschluss "light" eingeführt worden, der vom Master (oder dem früheren für alle Hochschulabsolventen zugänglichen Diplom bzw. Magister) abgehängt wird und dessen Absolventen nur als "besserer Facharbeiter" gebraucht werden. In dem der DQR das schwarz auf weiß in die Werdegänge der Menschen schreibt, verfestigt sich die neue "Zweiklassengesellschaft " an den Hochschulen alsbald zum status quo.

In diese Richtung zielen auch die Einwände des Deutschen Hochschulverbands (DHV), der als hierzulande führende Berufsvertretung von Wissenschaftlern als schärfster Kritiker des DQR in Erscheinung tritt. Dahinter stehe das Ansinnen, "den Unterschied von beruflicher und akademischer Bildung durch pauschale Gleichsetzungen einzuebnen, statt zwischen beiden Wegen Brücken zu bauen", heißt es in einer Stellungnahme. Diese stammt noch aus dem Jahr 2010, habe aber ihre "Aussagekraft voll und ganz beibehalten", wie Pressesprecher Matthias Jaroch auf Anfrage von Studis online bemerkte. Das ganze Vorhaben habe "keinerlei Nutzen und Sinn", sei ein "bürokratisches Monster" und ein "Beschäftigungsprogramm für Technokraten", das Genauigkeit vorspiegele, aber weder Transparenz noch Mobilität fördere.

Bildung zu Verwertungszwecken

Vor allem stößt sich der Verband an einem "verkürzten Bildungsbegriff", der einseitig auf "ökonomische Verwertbarkeit" abheben würde. Demgegenüber plädiert der DHV für eine "umfassende Persönlichkeitsbildung", die sich nicht nur in der Ausbildung zur Berufsfähigkeit und in der Vermittlung von Schlüsselqualifikationen erschöpfe. Alles in allem, so gipfelt die DHV-Kritik, sei es "dirigistisch und menschenachtend", 380 Millionen Menschen eines Erdteils mit reicher Kultur, Differenzierung und Geschichte in acht Kompetenzstufen aufgliedern. Damit wären "notwendigerweise hierarchisierende und diskriminierende Wirkungen und Wertungen verbunden". Letztlich gehe es um einen Scheitern verurteilten Versuch, kulturelle Vielfalt in ein "Einheitsschema zu pressen".

Die Sorgen muss man nicht teilen, sie erscheinen aber gerade angesichts der wirtschaftsliberalen Ausrichtung des Projekts Europa nicht unbegründet. Zwar sind der DQR und der EQR rechtlich nicht bindend, die EU-Richtlinien für die gegenseitige Anerkennung von Berufsausbildungen und Schulabschlüssen bleiben von ihnen unberührt. Es ist allerdings davon auszugehen, dass das System eine große Symbolkraft entfaltet. Nach den EU-Vorgaben sollen künftig alle Zeugnisse und sonstigen Zertifikate über Aus- und Fortbildungen mit der erreichten Rangzahl versehen sein. Das freut jeden Personalchef, weil es Geld und Arbeit spart. Warum sollte man bei der Stellenbesetzung einen Bewerber mit "Note" 4 in die Auswahl nehmen, wenn man einen 5er Kandidaten haben kann. Dazu kommt: Mit der größeren Freizügigkeit und Internationalisierung auf dem Arbeitsmarkt treten auch immer mehr Headhunter auf den Plan, die im Auftrag von Firmen und Konzernen Jobs besetzen. Ihnen liefert das EQR/DQR-System eine optimale Arbeitsgrundlage.

Einfalt statt Vielfalt

Bedenklich ist in diesem Zusammenhang, dass sich der EQR trefflich als Wegbereiter für den wachsenden Markt mit privaten Bildungsdienstleistungen eignet. Sobald sich unter dem Label "lebenslanges Lernen" jede einzelne Teilqualifikation zertifizieren, dokumentieren und künftig quasi benoten lässt, wächst der Druck auf jeden einzelnen, seinen Lebenslauf häppchenweise und gegen viel Geld anzureichern. Weil aber Geld knapp ist und dazu noch ungerecht verteilt, werden auch Aufstiegschancen das begrenzte Gut derjenigen bleiben, die es sich leisten können. Läuft alles nach diesem neokonservativen Plan, könnte am Ende des Prozesses weniger statt mehr Durchlässigkeit stehen und statt Vielfalt mehr Einfalt. Es muss nicht so kommen, aber die Gefahr besteht. (rw)


Kommentare zu diesem Artikel

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1. Nicolas Bourbaki kommentierte am 15.02.2012 um 10:10:32 Uhr

Viel Lärm um nichts!

Zunächst muss man sich einmal klarmachen, dass schulische und berufliche Abschlüsse sich mit der Entwicklung der Gesellschaft ändern. Schließlich verläßt man heute mit der 10. Klasse die Schule und nicht mehr mit der 8. Klasse wie noch vor 45ig Jahren.

Die heutigen Bachelors entsprechen formal übrigens den früheren graduierten Ingenieuren, welche erst ab 1980 nachdiplomiert wurden; es gab demnach mal graduierte Ingenieure, diplomierte Ingenieure und promovierte Ingenieure (ähnlich auch bei Betriebswirten). Erst ab den 1980ern erhielten FH-Absolventen ein Diplom anstelle der Graduierung.

Wer bei der Argumentation bezüglich des Einstufungsrahmens den Handwerksmeister anführt, um damit eine scheinbare Absurdität zu beweisen, hängt noch einem sehr alten Bild der beruflichen Qualifikation nach.

Die heutige berufliche Ausbildung im Handwerk oder der Industrie ist eben auch nicht mehr dieselbe wie die von vor 45ig Jahren. Wer nach einem guten mittleren Bildungsabschluss eine Ausbildung absolviert, kann während der Berufsschule durch Zusatzunterricht die Fachhochschulreife erwerben.

Ein im Handwerk oder insbesondere in der Industrie ausgebildeter junger Mensch weist eine hohe Qualifikation nach, denn er wurde im Betrieb, in Lehrwerkstätten und in überbetrieblichen Einrichtungen ausgebildet und geschult und durchlief gleichzeitig auch noch die Berufsschule. Nach einer zweijährigen Berufstätigkeit schließt sich dann eine vollzeitige oder teilzeitige Techniker- oder Meisterausbildung an.

Die Tarifverträge in der Industrie tragen übrigens der Durchlässigkeit und Gleichwertigkeit der beruflichen Qualifikationen und Fortbildungen gegenüber der einfachen akademischen Qualifikation bereits seit 30ig Jahren Rechnung. Die Bachelors finden sich heute dort wieder, wo noch vor 1980 die graduierten Absolventen waren. Geändert haben sich also die Bezeichnungen, verändert haben sich die Inhalte bei allen.




2. bachelor3745 kommentierte am 15.02.2012 um 12:54:44 Uhr

Hier kommt die Meister-Lobby

Das ist doch ein Verbrechen am menschlichen Verstand, der hier betrieben wird.

Der Meister ist eine de facto erkaufte Qualifikation die in Vollzeit binnen 3 - 6 Monaten erworben werden kann (da fällt kein Mensch durch, da der Schüler oder sein Chef viel Geld auf den Tisch gelegt hat). Ein reguläres Studium dauer minimal 3 Jahre. Wer diese Qualifikationen vergleicht und zu dem Entschluss kommt der Meister wäre einem Hochschulabschluss geich, kann nicht ganz bei Verstand sein! Oder wollen Sie (überspitzt gesagt) statt vom Chirurgen am Ende vom Metzgermeister operiert werden?

Auch das Anführen der jahrelangen Berufserfahrung von Meistern/Technikern/staatlich geprüften Betriebswirten ist schlicht lächerlich. Für den Meister reichen 4 Jahre Berufserfahrung. Der Witz daran ist, dass die Ausbildungszeit von 3 bis 3 1/2 Jahren angerechnet wird...

Außerdem haben mittlerweile sehr viele Studenten bereits zuvor eine Ausbildung abgeschlossen und gehen nebenbei Arbeiten. Das wird aber komischerweise nirgendwo erwähnt. Deren Qualifikation ist dann trotzdem nur einem Meister gleichgesetzt?!

Wer immernoch glaubt der Meister sei eine ernsthafte Weiterbildung, soll sich einmal deren Lehrpläne ansehen. Da stehen dann Fächer wie "Dekorieren des Schaufensters". Mathe und Physik bewegen sich im Bereich der 10. Klasse. Wie soll der Meister denn bitte beispielsweise statische Berechnungen durchführen? Wenn er einem Ingeneur gleichgestellt wird sollte er dies doch aber können?!




3. Psychlas kommentierte am 15.02.2012 um 16:57:12 Uhr

Wier ist das denn nun?

Wenn ein Master eine 7, der Dr. eine 8 ist, wie ist das denn dan z.B. bei Medizinern (ohne Dr. med.)? Ist dann ein Assistenzarzt auf der Stufe eines Fachwirtes, der Facharzt auf der Stufe eines Masters und nur der Facharzt mit Doktorhut auf einer 8? Und wie ist das bei z.B. den Psychologen? Ist einer mit Diplom / M.Sc. auf einer 7 und mit Dr. auf einer 8? D.h. also, ein promovierter Kloinischer Psychologe hat ein höheres Fachwissen, als ein Klinischer Psychologe der, statt zu promovieren, ein mehrjähriges postgraduales Studium / Weiterbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten gemacht hat? Hm, klingt für mich alles nicht wirklich schlüssig ...




4. Oli (Studis Online) kommentierte am 16.02.2012 um 16:44:10 Uhr

@Psychlas

Derartige "Probleme" kann man beliebig viele konstruieren und sind bei einem solchen Raster auch zwangsläufig, denn natürlich gibt es nicht nur 8 Stufen der Kompetenz.

Davon abgesehen stehen die 8 Stufen auch für 8 Stufen von Kompetenzen in bestimmten Bereichen. Und da kann man sich erst recht fragen, ob denn jeder Doktor bspw. im Bereich soziale Kompetenzen wirklich auf der höchsten Stufe steht ;) Denn am Ende wird ja einfach ein Abschluss auf eine die komplette Stufe gestellt und nicht noch mal differenziert. Ist also so oder so sehr pauschal und sicher nicht der Weisheit letzter Schluss.




5. Nicolas Bourbaki kommentierte am 17.02.2012 um 14:22:19 Uhr

Äpfel nicht mit Birnen vergleichen!

Zunächst einmal sollte man wohl unterscheiden, ob man von einer gesamten Qualifikation oder nur von einem ganz bestimmten Können in bestimmten Bereichen spricht. Niemand wird ernsthaft z.B. von einem Maurermeister verlangen, dass er genauso statische Berechnungen durchführen kann, wie ein voll ausgebildeter Bauingenieur. Das spricht dem Mauermeister aber nicht seine Qualifikation ab, sie liegt eben in anderen Bereichen, für die der Bauingenieur nicht ausgebildet wurde.

Bei Mechatronikern, Elektronikern und Chemielaboranten mit anschließender Fortbildung zum Industriemeister oder Techiker ist der Abstand gegenüber den Bachelors aber eben nicht mehr feststellbar, sowohl von der Tätigkeit als auch von der Qualifikation nicht. Das wird auch in den Tarifverträgen deutlich, wo die Industriemeister, Techniker und Bachelors sich auf ähnlichen Stufen wiederfinden.

Andererseits muss man das alles nicht so hoch kochen, denn über die von der Industrie eingerichteten, bestimmten und favorisierten dualen Studiengänge (Ausbildung mit integriertem Studium) schafft man sich das eigene Fachpersonal. Meister und Techniker werden in der Industrie immer weniger ausgebildet, ähnlich sieht das im Handwerk aus. Insofern ist die Einstufung nur eine zeitliche Brücke, bis die Meister- und Techikerausbildung sich ganz überlebt hat.

Wer studieren will, sollte dies auch direkt tun, denn der Umweg über eine zuvor abgeschlossene Berufsausbildung ist vergeudete Zeit und bringt dem künftigen Bachelor nichts. Da sind Praktika während des Bachelorstudiums angebrachter, schließlich will man ja die Praxis der Bachelors erlernen und nicht die des Facharbeiters.

Aus dem Artikel wird deshalb u.a. deutlich, dass es den Machern des Qualifikationsrahmens um die berufliche Verwertbarkeit der Ausbildung und die europäische Mobilität der Ausgebildeten geht.




6. Nick kommentierte am 19.02.2012 um 11:44:40 Uhr

Verwässerung des Systems

Meiner Meinung nach ist das eine Verwässerung des Systems. Es geht doch eigentlich nur darum, mehr Akademiker am Ende rauszubringen. Das die Qualität daran leiden wird liegt auf der Hand. Wenn man die Zugangsbarrieren lockert werden vermehrt "nicht geeignete" studieren was im Rückschluss zu einer schlechteren Lehre führt. Am Ende verlassen zwar mehr die Unis aber die Noten werden sich angleichen und es wird weniger Spitzenleute und nur noch einen "Einheitsbrei" geben! Sehr bedenklich wo wir doch "Spitzenkräfte" in Deutschland dringend benötigen!

Meiner Meinung nach ist es nicht gut, zwei Systeme zu vermischen. Auf der einen Seite gibt es die praktischen Ausbildungen wie Lehre, Meister, Techniker, Fachwirt. Auf der anderen Seite die theoretischen Disziplinen (Bachelor, Master, Dr., habil., Juniorprof.) Beide haben ihre Berechtigung.






7. ottosmops kommentierte am 19.02.2012 um 18:38:38 Uhr

Nochmal Äpfel und Birnen

Im Artikel wir ja schon darauf hingewiesen, dass berufliche und akademische Bildung auf Niveau 6 gleichwertig, aber nicht gleichartig seien, d.h. dass die akademische Bildung wie bisher nur über die Hochschulen erfolgt. Insofern kommen durch diese Gleichwertigkeit eben nicht mehr Akademiker raus, im Gegenteil: Wenn die Kammern es schaffen, alle 8 Niveaustufen über die (privatisierte) berufliche Bildung durch die Kammern abzudecken, wer wird sich von den Berufspraktikern noch ein langes, theoriedurchtränktes Hochschulstudium aufhalsen? Ist bisher der sog. "Meisterzugang" ohne Hochschulreife schon ein Misserfolgsmodell, so wird diese Regelung noch weniger Berufliche animieren, sich wissenschaftlich zu qualifizieren. Es bleibt also alles beim Alten. Der Staat spart sich weitere Ausgaben für die Bildung, nur die privaten Bildungsanbieter für die kurzen 3 bis 4monatigen Weiterbildungen zum Fachwirt/Fachkaufmann usw. auf Niveaustufe 6 oder 7 werden einen beachtichen Teilnehmerzuwachs verzeichnen.




8. Viktor Guz kommentierte am 19.02.2012 um 20:26:17 Uhr

Meister=Bachelor ???

Ich bin Elektromeister, der jetzt im 2 Semester Elektrotechnik studiert und kann nur sagen das die Meisterausbildung doch nicht so leicht ist wie manch einer sich vieleicht vorstellt, Studium ist jedoch erheblich schwieriger und anspruchsvoller. Nur meine Meinung.




9. ottosmops kommentierte am 20.02.2012 um 15:06:36 Uhr

Meister=Bachelor???

Das finde ich super, dass du noch weiterstudierst! Die Technikmeister sind sowieso etwas anders gepolt als die Kaufleute, die meistens die höchsten Titel möglichst kurz und schnell haben wollen.




10. wulay85 kommentierte am 08.03.2012 um 14:12:29 Uhr

Degradierung des Bachelor-Abschlusses

Hallo zusammen, natürlich sollte versucht werden, im europäischen Wirtschaftsraum eine Vergleichbarkeit der Abschlüsse herzustellen. Aber wie kann sich denn ein Land wie Deutschland, dessen Kernkompetenz im Export von Wirtschaftsgütern liegt, mit Länder wie Italien, Griechenland oder Spanien vergleichen. Letztlich dient diese "Eingruppierung" doch nur der Degradierung des Bachelor Abschlusses, um den jungen Akademikern ein schlechteres Einstiegsgehalt bezahlen zu müssen.

Ich habe selbst eine Ausbildung gemacht, mich anschließend zum Fachwirt weiter gebildet und im Februar mein Studium als B.Eng. abgeschlossen. Ein Vergleich des Abschlusses Fachwirt und Bachelor ist schlichtweg lächerlich. Natürlich ist die Weiterbildung zum Fachwirt/Meister/Techniker nicht zu unterschätzen. Insbesondere wenn diese nebenberuflich absolviert wird. Es ist mit enormem Aufwand verbunden, sowohl den Beruf als auch die Weiterbildung unter einen Hut zu bekommen. Zudem entstehen durchaus horente Kosten. Nichts desto Trotz ist das Bildungsniveau meiner Meinung nach nicht vergleichbar. Selbst der Vergleich zwischen einem Meister und einem Techniker hinkt. Das hängt alleine schon mit der Dauer dieser Weiterbildungen zusammen.

Um mein Studium aufnehmen zu können, war der Meister/Fachwirt die Zugangsvorraussetzung zum Studium. Und jetzt ist der Fachwirt und der Bachelor niveautechnisch gleich? Ich lach mich tot...

Um sich dann noch weiter abzuheben ist das Masterstudium ja quasi schon Pflicht (vorausgesetzt man bekommt einen Studienplatz). Ich für meinen Teil halte diese Entwicklung für sehr bedenklich. Bildung ist in unserem Land das höchste Gut, das wir nicht sukzessive herabstufen sollten.




11. Oli (Studis Online) kommentierte am 02.04.2012 um 10:48:24 Uhr

Eine andere Sichtweise ...

... auf die (bisher nicht genutzten) Chancen des DQR bietet folgender Artikel:

Keine Einigung beim Deutschen Qualifikationsrahmen: Fauler Kompromiss




12. Stufe6 kommentierte am 04.10.2012 um 17:08:25 Uhr

Gleichmacher auch unterhalb des Studiums

Hallo!

Dieses "wer ist besser geheule" kenne ich nach fast 20 Berufsjahren nun zur genüge. Ich habe nach der mittleren Reife (so hieß das mal) eine 3,5jährige Ausbildung in der Industrie gemacht. Der ein oder andere Student an einer Hochschule "vergisst" schnell, dass diese Zeit auch mit Wissensinhalten und dem Erlangenvon Erfahrungen in jeglicher Form einher geht. Nach weiteren zwei Jahren Berufserfahrung, auch in dieser Zeit lernt man, habe ich mich zum staatlich geprüften Techniker gebildet. Das war an einer Technik-Akademie 4 Semester. Diese 4 Semester, im übrigen ohne 4 Monate Semesterferien pro Jahr, haben ebenfalls zu einer höheren Qualifizierung beigetragen. Dort wurde Projektmanagement, Buchführung, BWL, aber eben auch technisches Englisch, Physik und die Fachrichtung selbst geschult. Das alles zusammen lässt mich zu der Meinung erlangen, dass die reine Ausbildungszeit bis dato mich schon auf eine Stufe zu einem Bachelor Abschluss stellen sollte. Ein Vergleich mit einem Fachwirt oder Meister könnte mich jetzt auch aufregen, da diese ja deutlich schneller durchlaufen werden können als der Techniker. Aber ich weiß eben aus meiner Berufserfahrung heraus, dass es Menschen gibt, die einfach dadurch dass Sie etwas Cleverer sind als manch andere, mit genau diesen Abschlüssen (Meister, Techniker, Fachwirt) es bis zur Führungsriege geschafft haben. Ich habe z.Zt. eine "Ingenieurstelle". Meine Kollegen sind Dipl. Ingenierue oder Wirtschaftingenieure. Ich mache meinen Job genauso gut oder schlecht wie meine Kollegen. Ich bekomme auch die gleiche Kohle. Etwa zu unrecht? Zudem sollte auch niemand denken, die Personalchefs oder Führungskräfte die Personal einstellen wären blöd. Hier schaut keiner auf eine Liste und sagt: "Ach der Fachwirt ist Stufe 6 und der BA-Ingeniuer von vorhin auch. Nehm ich doch den Fachwirt, der will 300€ weniger verdienen". Es wird danach eingestellt, was im Berufsleben gemacht wurde. Lebenslauf ist das Stichwort - Titel zählen nur zu Berufsbeginn. Wobei Klein Anfangen noch niemandem geschadet hat.




13. bscgerd kommentierte am 17.10.2012 um 09:30:47 Uhr

Was soll diese Abwertung der Bachelor

Also wieso sollten es denn bitte die unteren Schichten schwer haben??

Ich finde das nicht in Ordnung, dass man den Anstrengungen Derer die studieren, nicht extra honoriert. Ich selber habe, wie man so schön sagt den zweiten Bildungsweg eingeschlagen.

Dh.: Ich habe mit der mittleren Reife die Schule verlassen, dann eine Berufsausbildung gemacht, dann ein Fachabitur in Abendschule durchgestanden und dann auch noch berufsintegriert studiert.

Jetzt sag mir doch mal bitte jemand warum ich mit einem Meister oder Techniker gleichgesetzt werden soll denn dann hätte ich mir das Fachabi sparen können und hätte statt 6 Jahre nur 2,5 Jahre einen Meistertitel machen können um auf den gleichen Stellenwert zu kommen. Ganz zu schweigen wenn einer nur einen Hauptschulabschluss gemacht hat und somit nochmal seinen Bildungsweg im Gegensatz zu mir um 2 Jahre verkürzt. HIER DANN NOCHMAL DIE FRAGE IST DAS GERECHT; DASS ICH DANN & JAHRE MEHR FÜR DAS GLEICHE ACKERN MUSSTE???? Ausserdem ist ein Techniker oder Meister leistungstechnisch ja wohl kaum mit einem Studium zu vergleichen. Es gibt hier ja völlig unterschiedliche Ansprüche allein schon was Klausur und Abschlussarbeit angeht. Wo ist denn hier die gerchtigkeit für die Bachelor???? Wenn ich wie die Techniker hätte vor jeder Klausur nur eine halbe Stunde lernen müssen um eine sehr gute Note zu bekommen und mir nicht hätte alles selbst erarbeiten müssen, dann würde ich das vielleicht verstehen ABER SO WAR ES EBEN BEI WEITEM NICHT!!!!!!!!!!!!!!!!!!




14. Meister Petzi kommentierte am 20.10.2012 um 12:10:21 Uhr

Bachlor = Meister

Ich finde es Schade wie manche Menschen über den Meister denken. Ich bin selber Handwerksmeister und BWLer (Bachelor). Es ist wohl richtig das ein Studium 3 bis 3,5 Jahre dauert und das dies auch sehr anspruchsvoll ist, speziell Ingenieurswissenschaften, nichts desto trotz sollte der Meister nicht abgewertet werden. Auch dieser ist anspruchsvoll, auch wenn die Absolvierung "nur" ein Jahr dauert. Ich finde den direkten Vergleich kann man auch nicht machen. So ist das Studium eher theoretisch ausgerichtet und der Meister eher praktisch und anwendungsbezogen. Ein Metzgermeister kann natürlich nicht die Arbeit eines Chirugen machen, genauso wenig kann der Chirurg aber die Arbeit eines Metzgermeisters machen. Genauso verhält es sich auch beim Maurermeister und Architekten. Der Architekt weiß zwar wie man ein Haus baut und plant, allerdings bezweifle ich das der Löwenanteil auch praktisch in der Lage dazu wäre ein Haus tatsächlich zu bauen. Und nochmal zur Dauer der Absolvierung. Ein Meister dauert ein Jahr Vollzeit. Voraussetzung dafür ist eine abgeschlossene Lehre (3 bis 3,5 Jahre) und bis vor ein paar Jahren musste man auch noch mindestens 3 Jahre Berusferfahrung vorweisen, was allerdings abgeschafft wurde. Leider! Ich finde es gut und richtig das der Meister als das bewertet wird was es ist. Nämlich eine anspruchsvolle Ausbildung, die einen großen Teil dazu beiträgt das der Qualitätsstandard in Deutschland auf einem so hohen Niveau ist, und deshalb absolut auf der selben Stufe wie der Bachlor einzugliedern ist.




15. XO kommentierte am 22.10.2012 um 12:18:01 Uhr

Fachwirt ist mehr wert

Ich finde der Fachwirt ist sogar etwas höher zu bewerten, als ein Bachelor. 3 Jahre Berufsausbildung, 3 Jahre Berufserfahrung und dann noch ca. 2 Jahre Abendschule sind doch wertvoller als nach der Oberschule einfach nur 3 Jahre weiter zu Schule zu gehen und danch keine Ahnung von der Praxis zu haben (Fachidioten)




16. Hugo Gnulst kommentierte am 23.11.2012 um 09:15:08 Uhr

Meister und Fachwirt zu Recht auf Bachelor-Niveau

Da können sich hier ja weltfremde Studis beschweren, wie sie wollen, - erstens ist heute nur ein Master ein akademisches Abschluss. Der Bachelor wird als berufsqualifizierender Abschluss definiert. Und einen Meisterbrief erhält man nach 3-jähriger Lehre plus 3-5 Jahre Berufspraxis plus 4-9 monatiger Meisterschule mit erfolgreicher theoretischer und berufspraktischer Abschlussprüfung. Das ist locker einem 3-jährigen Theoriestudium gleichwertig. Außerdem halte ich es schon für frech, wenn hier hochnäsige Studis, die ihr Studium auf dem Rücken der Steuerzahler finanziert bekommen, über die Handwerker lästern, die ihren Meisterbrief aus eigener Tascher zahlen müssen. Was wollt Ihr denen sagen? Wir sind die Elite und haben ein Recht auf kostenloses Studium und Ihr seid doof und müsst deshalb Euren Meisterbrief selbst bezahlen? Bleibt mal ganz ruhig und verplappert Euch nicht weiter.




17. Bachelorette of Arts kommentierte am 24.11.2012 um 18:49:57 Uhr

hinkender Vergleich

Ich finde die Ansichtsweise meiner Vorredner etwas unvollständig und vor allem sehr vorurteilsbehaftet.

Mir stellt sich die Frage: Warum absolvieren Fachwirte/Meister/Techniker im Anschluss ein Studium, aber niemand im Anschluss an ein Studium einen Fachwirt/Meister/Techniker im gleichen Fachgebiet? Lediglich eine rhetorische Frage...

Ich selbst habe meinen Bachelor dual erworben, habe also genauso Berufserfahrung gesammelt wie mein Freund, der eine kaufmännische Ausbildung absolviert hat & jetzt einen Fachwirt (4,5 Monate VZ) macht. Natürlich brauchte ich keine Studiengebühren zahlen (wobei leider einige auch damit gestraft sind) - aber zahlt man als Azubi Gebühren für die Berufsschule? Nein, im Gegenteil, hier besteht sogar der Vorteil, dass man bereits in die Rentenversicherung aufgenommen wird. Der Rentenanspruch von Studenten ist gleich Null. Das nur mal als Vergleich.

Eine Kommilitonin hat vor dem Studium die passende Ausbildung absolviert. Beides dauert je drei Jahre & sie ist tatsächlich der Meinung, dass sie im Studium mehr gelernt hat, abgesehen vom Schwierigkeitsgrad, da hier jede Note zählt. Gleiches bezeugt eine Freundin von mir, die jetzt nach der Ausbildung Elektrotechnik studiert. Der Fachwirt hingegen kann dieses Wissen nicht ausgleichen, da hier nur die Anwendung und Kombination des Wissens vermittelt wird, nichts Neues. Der Vergleich mit der höheren Mathematik ist also völlig korrekt. Mein Freund versteht trotz Fachwirt nicht, was ich wie berechne.

Mit dem DQR wurde wieder einmal versucht etwas vom Volumen eines Hauses in eine Tupperdose zu quetschen. Richtiger wäre es, wenn schon der DQR nötig ist, ein zweispuriges Stufensystem anzulegen, wo die akademischen Abschlüsse und beruflichen Weiterbildungen getrennt betrachtet werden. Problematisch wird dann nur die Einordnung von Fachwirten, die zusätzlich noch studiert haben.




19. Zwoter kommentierte am 06.02.2013 um 15:22:11 Uhr

Studium jetzt als Zeitverschwendung

"Hurraa ich habe zwei Bachelortitel." Den Bachelor of Proffessional, da ich seit 2003 einen Meistertitel besitze und den Bachelor of Engineering, da ich vor einem Jahr mein Maschinenbaustudium erfolgreich absolverte. Letztendlich aber war ich vom Studium enttäuscht. Nicht, was die Möglichkeit der Weiterbildung anbelangt, sondern wegen der Tatsache, welche Mitbürger sich demnächst als Akademiker bezeichnen dürfen. Dass die Qualitätsmerkmale der heutigen Abiturienten so bescheiden ist, habe ich nämlich vorerst nicht erwartet. Damit meine ich nicht, dass alle Abiturienten schlecht ausgebildet sind. Viel mehr war ich erschrocken, dass auch zweit- und drittklassige Schulabgänger durch das Studium geschleust werden. Nähkästchen-Beispiele erbringe ich jetzt mal keine. Mich ärgert nun jedoch, dass ich anscheinend dreieinhalb Jahre fast umsonst studiert habe. Als Bachelor-Absolvent, denn die Hochschulen weigern sich mit Masse, weiterhin den Diplomanten auszubilden, stehe ich nun mit fast 40 Jahren vor der Situation, dass sich meine Einkommenssituation enorm verschlechtert hat. Verdiente ich vorher das Gehalt eines erfahrenen Meisters, der neben Führungs-, Material- und Ausbildungsverantwortung auch diverse Zusatzqualifikationen erwerben musste, so darf ich mich nun einreihen in die Rige der frischen Absolventen diverser Hochschulen. Man wirft mir vor, ich hätte als Bachelor keine Berufserfahrung. Dementsprechend werde ich auch in die dafür vorgesehende Tarifgruppe in die niedrigste Stufe eingeordnet. Na wie denn nun? Wenn nun mein Meistertitel den Qualifikationen eines Bachelors gleich kommt, warum muss ich mich dann von meinen jahrelangen Berufserfahrungen verabschieden? Anders kann ich mir die unzureichende Entlohnung nicht erklären. Letztendlich braucht man mir keine Softskills mehr vermitteln oder mir erklären, was Verantwortung und diverse andere Tugenden bedeuten. Betrachte ich mein derzeitiges "Akademiker"-Einkommen mit dem des erfahrenen Meisters, der ich vorher einmal war, dann war das Maschinenbaustudium rational betrachtet doch völlige Zeitverschwendung.




20. Leser2 kommentierte am 08.03.2013 um 12:00:32 Uhr

DQR/EQR nur als Infosystem für EU-Arbeitsmarkt

Es ist mal wieder erstaunlich wie schnell sich Bachelors (Übersetzt = Gesellen) hier aufregen ohne mal die Intention von DQR und EQR zu hinterfragen bzw. sich einfach mal durchzulesen, was der Hintergrund ist! "Einzelpersonen und Arbeitgeber werden den EQR nutzen können, um die Qualifikationsniveaus verschiedener Länder sowie unterschiedliche Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung besser verstehen und miteinander vergleichen zu können." (Website Europäische Kommission) Kaum ein anderes Land in Europa hat die duale Ausbildung zzgl. Meister - in fast allen europäischen Ländern wird eine Berufsausbildung schulisch erlangt und erfährt einen sogenannten "Bachelor oder ein sog. "Diplom" als Abschluss! Viele LÄnder wollen aber versuchen auf duale Ausbildung umzuschwenken! Der DQR ist nur dafür da, sich den Kompetenzstufen im EQR einzureihen und da geht es nicht darum Äpfel mit Birnen zu vergleichen, sondern die Karrierewege und deren Bedeutung aufzulisten (innerhalb der einzelnen Lern - oder Arbeitsfelder, d.h. die berufliche Bildung wird NEBEN der akademischen geführt und nicht verglichen!)! Z.B. beim KfZ\\\'ler; 2 Jahre Ausbildung zum Servicemechaniker = Stufe 3, Gesellenausbildung KFZ = Stufe 4, KFZ-Servicetechniker (Fortbildung) = Stufe 5, KfZ-Meister = Stufe 6! Die Akademische Laufbahn beginnt bei Stufe 6! (Bachelor = 6, Master =7, PhD = 8). Lest euch doch mal die Beschreibung der einzelnen Stufen durch : Stufe 6 (ecvet.de) - Leitung komplexer fachlicher oder beruflicher Tätigkeiten oder Projekte und Übernahme von Entscheidungsverantwortung in nicht vorhersagbaren Arbeits- oder Lernkontexten - Übernahme der Verantwortung für die berufliche Entwicklung von Einzelpersonen und Gruppen - Fortgeschrittene Fertigkeiten, die die Beherrschung des Faches sowie Innovationsfähigkeit erkennen lassen und zur Lösung komplexer und nicht vorhersehbarer Probleme in einem spezialisierten Arbeits- und Lernbereich nötig sind

(Mit dem Meister erlangt man all dies in SEINEM Arbeitsgebiet (4 Teile in der Meisterausbildung) - also warum sollte er unter dem Bachelor stehen...? ....nur mal so am Rande!)) Es geht beim DQR/EQR nicht darum nen Bachelor oder Meister auf- oder abzuwerten! Es geht darum, dass sich z.B. ein Portugiesischer Arbeitgeber ein Bild davon machen kann, was der Bewerber aus Deutschland in seiner Laufbahn ungefähr für Kompetenzen in seinem "Lern- oder Arbeitsfeld" erlangt hat! Für Deutschland und deutsche Arbeitgeber wird dieser Informationsrahmen keinerlei Auwirkung haben (jeder kennt die Abschlüsse)- das ganze soll NUR als Informationsinstrument für den Europäischen Arbeitsmarkt dienen! Es werden ja auch schliesslich nicht die einzelnen Studieninhalte verglichen (da gibts auch große Abweichungen) oder die einzelnen Meisterabschlüsse. Aus DQR und EQR ergeben sich auch keinerlei Rechtsansprüche, da es sich hier nur um ein Informationsinstrument handelt, welches die EU von ALLEN EU-LÄNDERN erbeten hat - nicht mal als Zwang für die Länder! P.S: es werden auch nur Abschlüsse eingegliedert - nicht die Berufserfahrung, und die zeigt sich ja meist in der Probezeit!!




21. Diplom-Ing. (FH) kommentierte am 23.07.2013 um 20:49:44 Uhr

Ganz klar ein Witz.

O Tempora, O Mores!

Ich habe nach meinem Abitur eine Lehre als Werkzeugmacher abgeschlossen, anschließend Maschinenbau an einer FH studiert und damit mein Ingenieurs-Diplom erworben. Vor kurzem haben ich den Ausbildereigungsschein erworben (halbes Jahr Abendschule inkl. prakt. + theoret. Prüfung). Seit 20 Jahren arbeite ich nun als Produktionsleiter eines mittelständischen Unternehmens. Seit dem Abschluss der Ausbildereignungsprüfung unterrichte ich am Wochenende angehende Industriemeister.

Da ich offensichtlich alles von der Lehre über das Diplom (bzw. Bachelor) bis zum "Meisterlehrer" erlebe/erlebt habe, kann ich diese ganze Meister-Bachelor-Diskussion in zwei Worten beschreiben: Völliger Käse!

Die Lehre ist vor allem in der Industrie elementar, wenn nicht unverzichtbar, um auch Ahnung vom praktischen Arbeiten zu haben. Während des Studiums habe ich mich mehrere Semester lang durch die höhere Mathematik und Physik gequält; diese Kenntnisse sind in diesem Beruf allerdings auch unbedingt notwendig.

Nun unterrichte ich diese angehenden Meister, de teilweise frisch aus der Lehre kommen und kaum bzw. gar keine praktische Erfahrung haben und stelle fest: Selbst mein Sohn (10.Klasse Gymnasium) hat nach einigen Übungen keine Probleme mehr, die mathemat/physikal Kenntnisse des Industriemeisters zu erfüllen. Der Industriemeister hat vielleicht ein wenig mehr Grundverständnis in seinem Gebiet als die ausgebildeten Handwerker, kann an Fachwissen jedoch schon nicht mehr mit einem Studenten im zweiten Semester mithalten...

Diese Gleichsetzung wird mit der billigen Phrase von der Aufhebung von Unterschieden zwischen den gesellschaftl. Schichten entschuldigt. Wer hat diesen Idioten eigentlich Gelder bewilligt?... Heutzutage ist die Berechtigung zum Studium doch fast geschenkt! Nach der Lehre macht man das 1-jährige "Fachabitur", welches nun wirklich ein Scherz ist, und beginnt ein Studium. Wo liegt denn da bitte die imaginäre Hürde für die Unterschicht?

Das Einstigsgehalt eines Ingenieurs ist heute schon lächerlich. Ich warte schon auf die ersten Ingenieure, die weniger verdienen als ein Geselle. (und nur weil bachelor mit Geselle übersetzt werden kann, ist der Abschluss doch nicht gleichrangig)..

Man ist schon den Tränen nahe angesichts dieser DvD's (DeppenvomDienst)




22. SkTechMa kommentierte am 14.09.2013 um 00:25:11 Uhr

Meister=Bachelor?!

Ich persönlich finde den Vergleich lächerlich. Beide Abschlüsse lassen sich nicht vergleichen und sollten nicht! miteinander verglichen werden. Theorie ist eben Theorie und Praxis ist eben Praxis.

Das was der Bachelor an Wissen aus höherer Mathematik, tiefer Physik hat, hat der Meister nicht und was der Meister an praktischen Wissen und Arbeit vorweisen kann, kann der Bachelor nicht.

Man kann beide auf die gleiche Stufe stellen, aber nicht von Gleichwertigkeit sprechen, da diese Abschlüsse nicht unterschiedlicher sein könnten. Und falls ein Bachelor sich doch beleidigt fühlt, kann diese Person den Akademischen-Titel einfach genießen (Bachelor: Akad. Meister/Techniker/Wirt: Staatlich; auch die von Akademien) und mit einem Meister oder, später, mit einem Doktor sich seinen Stolz zurück erobern. Denn der verletzte Stolz, scheint hier die größte Rolle zu spielen.





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