14.02.2012

Deutscher Qualifikationsrahmen (DQR)
Meister = Bachelor?

DQR steht für Deutscher Qualifikationsrahmen. Das klingt sperrig, spröde und nach staubtrockener Bürokratie. Aber die Sache hat es durchaus in sich. Das dahinter stehende System wird nämlich schon bald künftige Berufs- und Erwerbsbiografien beeinflussen – auch die von Studierenden. Es wird vielleicht auch manchen von den Hochschulen fernhalten, weil sich ein Studium am Ende nicht mehr auszahlen könnte.

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Der Deutsche Qualifikationrahmen ist eine zweischneidige Sache ...
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) war voll der Freude: "Nach meiner persönlichen Einschätzung wird die Entscheidung, Meister dem gleichen Niveau zuzuordnen wie den Bachelor, die größte bildungspolitische Wirkung haben." Was will sie damit sagen? Soll man glücklich darüber sein, dass ein besserer Handwerker demnächst auf einer Stufe steht mit einem Akademiker. Oder doch traurig darüber, dass "höhere Bildung" künftig nicht mehr wert sein soll als eine bessere Berufsausbildung. Für Schavan gibt es den Zwiespalt nicht, sie findet alles bestens, denn so habe in Deutschland "jeder die Chance zum Aufstieg, über den akademischen Weg genauso wie über den Weg der beruflichen Bildung".

Hochschulabschlüsse

Früher gab es im wesentlichen nur Diplom, Magister und Staatsexamen. Die ersten beiden wurden inzwischen bis auf wenige Ausnahmen durch Bachelor+Master ersetzt, wobei diese im Gegensatz zu den früheren Abschlüssen gestuft sind und der Bachelor als erster Abschluss schon nach 6 Semester erreicht werden kann.

Für den Frohsinn der Ministerin sorgte der vor zwei Wochen erzielte Kompromiss zwischen Spitzenvertretern von Bund, Ländern und Sozialpartnern im monatelangen Streit um den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR). Am 31. Januar hatten sich die Bundesregierung, die Kultus- und Wirtschaftsminister der Bundesländer, Unternehmerverbände und Gewerkschaften darauf verständigt, welchen Stellenwert die deutschen Bildungsabschlüsse im europäischen Wirtschaftsraum in Zukunft haben sollen. Als Ergebnis steht jetzt eine Rangliste, in der die diversen Abschlüsse auf einer achtstufigen Skala eingeordnet sind. Das klingt nach Schulnoten und läuft im Endeffekt genau darauf hinaus, nur dass bei wenig Performance wenig Punkte und für Topleistungen viele Punkte vergeben werden. So bringt man es mit einem Praktikum nur auf Stufe Eins oder Zwei. Für eine zweijährige Berufsausbildung gibt es eine 3, wer drei Jahre in die Lehre gegangen ist, verdient eine 4. Ein von der Handelskammer kommender Fachwirt erhält eine 6. Eine 7 verheißt ein abgeschlossenes Master-Studium. Und wer den Doktorgrad vorweisen kann, überragt alle mit einer 8.

Transparenz, Vergleichbarkeit und Mobilität

Aber wozu das alles? Der DQR hat einen großen Bruder, den EQR oder Europäischen Qualifikationsrahmen. Dieser geht auf eine Initiative der Europäischen Kommission im Jahr 2006 zurück, trat im April 2008 in Kraft und wartet nun darauf, dass die einzelnen EU-Mitgliedsstaaten ihre Qualifikationen entsprechend ihrer vermeintlichen Wertigkeit in dem Schema einpassen. Wie schon die Bologna-Hochschulstrukturreform ist auch dieses Konzept Teil einer Gesamtstrategie, die Europäische Union zum "wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt" auszubauen. Im Bildungsbereich zeigt sich dies vor allem im Bestreben, nationale Unterschiede bei Erwerb und Bewertung von Qualifikationen zu nivellieren, um so Transparenz und Vergleichbarkeit herzustellen und auf diesem Wege die grenzüberscheitende Mobilität von Beschäftigten zu erleichtern.

Da macht es ohne Frage Sinn, für "Ordnung" zu sorgen. Ein Beispiel: Eine duale Berufsausbildung wie in Deutschland gibt es andernorts praktisch nicht. Der Chef einer spanischen Autowerksatt kann kaum einschätzen, was ein deutscher KFZ-Mechaniker an Know-how, technischen und sonstigen Fähigkeiten mitbringt. Und dem deutschen Berufsanwärter wird es schwer fallen, überzeugend darzulegen, warum er mehr Geld für seine Arbeit verlangt, als einem gewöhnlichen spanischen Autoschlosser zusteht.

Rangliste in acht Stufen

Der EQR verspricht hier Abhilfe. Er beschreibt ein System von acht Stufen, denen jeweils bestimmte Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen zugeteilt sind. Level 1 hört sich so wie die Stellenbeschreibung für einen Hilfsarbeiter an. Der Betroffene muss "grundlegendes Allgemeinwissen" und "grundlegende Fertigkeiten" mitbringen, die zur "Ausführung einfacher Aufgaben erforderlich sind". Außerdem sollte er "unter direkter Anleitung in einem vorstrukturierten Kontext" arbeiten und lernen können. Die Anforderungen steigern sich mit jedem höheren Rang. Im Bereich der Kenntnisse geht das von "grundlegendem Faktenwissen" (Stufe 2), über "breites Spektrum an Theorie- und Faktenwissen" (Stufe 4) und "hoch spezialisiertes Wissen" (Stufe 7) bis hinauf zu "Spitzenkenntnissen" (Stufe 8). Die Einteilung im Bereich "Kompetenzen" unterscheidet zwischen "einem gewissen Maß an Selbständigkeit" (Stufe 2), "Verantwortung zur Erledigung von Arbeits- und Lernaufgaben" (Stufe 3), der "Übernahme von Entscheidungsverantwortung" (Stufe 6) und "fachlicher Autorität und Innovationsfähigkeit" (Stufe 8).

Der "Deutsche Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen" knüpft im Kern an diese Vorgaben an, präzisiert diese in einer sogenannten DQR-Matrix aber noch weiter. Differenziert wird hier anhand von vier Kategorien: "Wissen", "Fertigkeiten", "Soziale Kompetenz", "Selbständigkeit". Über das den einzelnen Stufen zugeschriebene Anforderungsprofil besteht bei den beteiligten Akteuren schon seit längerem Einigkeit. Was noch fehlte und worum bis zuletzt heftig gerungen wurde, war die Aufnahme der einzelnen deutschen Bildungsabschlüsse in die Rangliste. Die jetzt erreichte Vereinbarung sieht nach Angaben von Schavans Ministerium wie folgt aus: Den DQR-Niveaus 1 und 2 entspricht die "Berufsausbildungsvorbereitung", auf den Stufen 3 und 4 folgen eine zwei- bzw. dreijährige "berufliche Erstausbildung", auf Level 5 landen Fortbildungen, "die vergleichbar sind mit dem IT-Spezialisten", die 6 erreichen der "Bachelor, der Meister, der Fachwirt und die Fachschulabschlüsse wie Techniker", auf die 7 schaffen es der "Master und der Strategische Professional (IT)", und die 8 gibt es nach erfolgreicher Promotion.

Zankapfel Abitur bleibt außen vor

Erledigt hat sich das Thema mit dieser Lösung allerdings nicht. Der Streit wurde mit dem Beschluss von Ende Januar nur vorläufig beigelegt, indem man den Zankapfel kurzerhand aus dem Ring nahm. Allen voran die Kultusministerkonferenz (KMK) hatte im Vorfeld darauf gedrungen, das Abitur in dem Raster aufzunehmen und in der Wertigkeit auf Stufe fünf und damit höher anzusiedeln als eine drei- oder dreieinhalbjährige Berufsausbildung. Das rief insbesondere bei den Gewerkschaften, aber auch bei Wirtschaftsvertretern, erheblichen Widerstand hervor. Sie sahen darin eine Geringschätzung der dualen Berufsausbildung und wollten das Abitur auf einer Ebene mit einer abgeschlossenen Lehre sehen (Stufe 4). Um des lieben Friedens willen hat man allgemeinbildende Schulabschlüsse im DQR einfach nicht mitberücksichtigt und will das heiße Eisen erst wieder nach einem fünfjährigen Praxistest anfassen. Der Anstoß dazu kam vom Nachbarland Frankreich. Für dessen Weg, Schulabschlüsse schlicht wegzulassen, hatte Schavan vor dem entscheidenden Treffen in einem Schreiben an alle Beteiligten eindringlich geworben – mit Erfolg. Nach der Einigung verkündete sie: "Wir konzentrieren uns jetzt auf das, womit man sich um einen Arbeitsplatz bewerben kann."

Bachelor und Meister auf Augenhöhe

Dazu zählt bekanntlich auch ein Studium. Aber zählt es im Zeichen von DQR und EQR noch so viel wie bisher? Einige Aufregung erregt vor allem der Beschluss, den Bachelor-Abschluss in der Wertigkeit mit dem Meistertitel gleichzustellen (Stufe 6). Manch einer wird sich fragen, ob er dann überhaupt noch studieren soll, wenn er als Handwerker irgendwann genauso viel verdienen kann? Andererseits: Ein Handwerksmeister verfügt über jahrelange Berufserfahrung und sein Titel schlägt mit hohen Kosten zu Buche. Da ist es doch nur gerecht, das zu honorieren. Und was ist daran falsch, wenn die Grenzen zwischen Bildungsgängen, Berufen und Gehaltsgruppen fließender werden? Es ist doch gerade ein schlechtes Markenzeichen des deutschen Bildungssystems, dass die große Mehrheit der Kinder aus ärmeren Schichten den Sprung an die Hochschulen nicht schafft und damit ein sozialer Aufstieg erschwert, wenn nicht unmöglich wird.

Mit dem DQR soll sich das ändern, und die Beschäftigtenvertreter sind nach dem Beschluss auch davon überzeugt. "Wir stärken damit das System der beruflichen Bildung", meinte am Tag der Entscheidung die Vizechefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Ingrid Sehrbock. Fertige Azubis, so ihre Einschätzung, könnten sich künftig leichter in der akademischen Welt wie den Universitäten weiterbilden. Dazu passt im übrigen auch eine neuere Entwicklung: Immer mehr Berufszweige, für die man früher (nur) eine Lehre benötigte, werden heute akademisiert. So z.B. im Gesundheitswesen: Neuerdings kann man selbst als Hebamme, Physiotherapeut, Logopäde oder Ergotherapeutin einen Bachelor machen (und damit in Folge auch einen Master). Das alles klingt doch schön und könnte einen zu der Annahme verleiten, die Macher von EQR und DQR führten nur Gutes im Schilde, als da wären: Mehr Mobilität, mehr Durchlässigkeit, mehr Gerechtigkeit.

Trend zur Entakademisierung

Die Sache hat aber auch ihre Kehrseiten. Dazu zählt der Trend, die Hochschulen nachhaltig zu entakademisieren. Der Bachelor steht im Ruf, viel Praxis und kaum Theorie zu vermitteln. Mit ihm verdient man schlechter und hat weniger gute Aufstiegschancen als Absolventen mit Diplom, Magister oder Staatsexamen. Dazu ist der Weg zum Master immer mehr jungen Menschen durch rigide Zugangshürden verbaut. Die Elitisierung geht also nicht zurück, sondern spitzt sich weiter zu. Faktisch hat nicht der Handwerksmeister zum Hochschulabsolventen aufgeschlossen, durch die Einführung des Bachelors ist vielmehr ein Hochschulabschluss "light" eingeführt worden, der vom Master (oder dem früheren für alle Hochschulabsolventen zugänglichen Diplom bzw. Magister) abgehängt wird und dessen Absolventen nur als "besserer Facharbeiter" gebraucht werden. In dem der DQR das schwarz auf weiß in die Werdegänge der Menschen schreibt, verfestigt sich die neue "Zweiklassengesellschaft " an den Hochschulen alsbald zum status quo.

In diese Richtung zielen auch die Einwände des Deutschen Hochschulverbands (DHV), der als hierzulande führende Berufsvertretung von Wissenschaftlern als schärfster Kritiker des DQR in Erscheinung tritt. Dahinter stehe das Ansinnen, "den Unterschied von beruflicher und akademischer Bildung durch pauschale Gleichsetzungen einzuebnen, statt zwischen beiden Wegen Brücken zu bauen", heißt es in einer Stellungnahme. Diese stammt noch aus dem Jahr 2010, habe aber ihre "Aussagekraft voll und ganz beibehalten", wie Pressesprecher Matthias Jaroch auf Anfrage von Studis online bemerkte. Das ganze Vorhaben habe "keinerlei Nutzen und Sinn", sei ein "bürokratisches Monster" und ein "Beschäftigungsprogramm für Technokraten", das Genauigkeit vorspiegele, aber weder Transparenz noch Mobilität fördere.

Bildung zu Verwertungszwecken

Vor allem stößt sich der Verband an einem "verkürzten Bildungsbegriff", der einseitig auf "ökonomische Verwertbarkeit" abheben würde. Demgegenüber plädiert der DHV für eine "umfassende Persönlichkeitsbildung", die sich nicht nur in der Ausbildung zur Berufsfähigkeit und in der Vermittlung von Schlüsselqualifikationen erschöpfe. Alles in allem, so gipfelt die DHV-Kritik, sei es "dirigistisch und menschenachtend", 380 Millionen Menschen eines Erdteils mit reicher Kultur, Differenzierung und Geschichte in acht Kompetenzstufen aufgliedern. Damit wären "notwendigerweise hierarchisierende und diskriminierende Wirkungen und Wertungen verbunden". Letztlich gehe es um einen Scheitern verurteilten Versuch, kulturelle Vielfalt in ein "Einheitsschema zu pressen".

Die Sorgen muss man nicht teilen, sie erscheinen aber gerade angesichts der wirtschaftsliberalen Ausrichtung des Projekts Europa nicht unbegründet. Zwar sind der DQR und der EQR rechtlich nicht bindend, die EU-Richtlinien für die gegenseitige Anerkennung von Berufsausbildungen und Schulabschlüssen bleiben von ihnen unberührt. Es ist allerdings davon auszugehen, dass das System eine große Symbolkraft entfaltet. Nach den EU-Vorgaben sollen künftig alle Zeugnisse und sonstigen Zertifikate über Aus- und Fortbildungen mit der erreichten Rangzahl versehen sein. Das freut jeden Personalchef, weil es Geld und Arbeit spart. Warum sollte man bei der Stellenbesetzung einen Bewerber mit "Note" 4 in die Auswahl nehmen, wenn man einen 5er Kandidaten haben kann. Dazu kommt: Mit der größeren Freizügigkeit und Internationalisierung auf dem Arbeitsmarkt treten auch immer mehr Headhunter auf den Plan, die im Auftrag von Firmen und Konzernen Jobs besetzen. Ihnen liefert das EQR/DQR-System eine optimale Arbeitsgrundlage.

Einfalt statt Vielfalt

Bedenklich ist in diesem Zusammenhang, dass sich der EQR trefflich als Wegbereiter für den wachsenden Markt mit privaten Bildungsdienstleistungen eignet. Sobald sich unter dem Label "lebenslanges Lernen" jede einzelne Teilqualifikation zertifizieren, dokumentieren und künftig quasi benoten lässt, wächst der Druck auf jeden einzelnen, seinen Lebenslauf häppchenweise und gegen viel Geld anzureichern. Weil aber Geld knapp ist und dazu noch ungerecht verteilt, werden auch Aufstiegschancen das begrenzte Gut derjenigen bleiben, die es sich leisten können. Läuft alles nach diesem neokonservativen Plan, könnte am Ende des Prozesses weniger statt mehr Durchlässigkeit stehen und statt Vielfalt mehr Einfalt. Es muss nicht so kommen, aber die Gefahr besteht. (rw)


Kommentare zu diesem Artikel

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1. Nicolas Bourbaki kommentierte am 15.02.2012 um 10:10:32 Uhr

Viel Lärm um nichts!

Zunächst muss man sich einmal klarmachen, dass schulische und berufliche Abschlüsse sich mit der Entwicklung der Gesellschaft ändern. Schließlich verläßt man heute mit der 10. Klasse die Schule und nicht mehr mit der 8. Klasse wie noch vor 45ig Jahren.

Die heutigen Bachelors entsprechen formal übrigens den früheren graduierten Ingenieuren, welche erst ab 1980 nachdiplomiert wurden; es gab demnach mal graduierte Ingenieure, diplomierte Ingenieure und promovierte Ingenieure (ähnlich auch bei Betriebswirten). Erst ab den 1980ern erhielten FH-Absolventen ein Diplom anstelle der Graduierung.

Wer bei der Argumentation bezüglich des Einstufungsrahmens den Handwerksmeister anführt, um damit eine scheinbare Absurdität zu beweisen, hängt noch einem sehr alten Bild der beruflichen Qualifikation nach.

Die heutige berufliche Ausbildung im Handwerk oder der Industrie ist eben auch nicht mehr dieselbe wie die von vor 45ig Jahren. Wer nach einem guten mittleren Bildungsabschluss eine Ausbildung absolviert, kann während der Berufsschule durch Zusatzunterricht die Fachhochschulreife erwerben.

Ein im Handwerk oder insbesondere in der Industrie ausgebildeter junger Mensch weist eine hohe Qualifikation nach, denn er wurde im Betrieb, in Lehrwerkstätten und in überbetrieblichen Einrichtungen ausgebildet und geschult und durchlief gleichzeitig auch noch die Berufsschule. Nach einer zweijährigen Berufstätigkeit schließt sich dann eine vollzeitige oder teilzeitige Techniker- oder Meisterausbildung an.

Die Tarifverträge in der Industrie tragen übrigens der Durchlässigkeit und Gleichwertigkeit der beruflichen Qualifikationen und Fortbildungen gegenüber der einfachen akademischen Qualifikation bereits seit 30ig Jahren Rechnung. Die Bachelors finden sich heute dort wieder, wo noch vor 1980 die graduierten Absolventen waren. Geändert haben sich also die Bezeichnungen, verändert haben sich die Inhalte bei allen.




2. bachelor3745 kommentierte am 15.02.2012 um 12:54:44 Uhr

Hier kommt die Meister-Lobby

Das ist doch ein Verbrechen am menschlichen Verstand, der hier betrieben wird.

Der Meister ist eine de facto erkaufte Qualifikation die in Vollzeit binnen 3 - 6 Monaten erworben werden kann (da fällt kein Mensch durch, da der Schüler oder sein Chef viel Geld auf den Tisch gelegt hat). Ein reguläres Studium dauer minimal 3 Jahre. Wer diese Qualifikationen vergleicht und zu dem Entschluss kommt der Meister wäre einem Hochschulabschluss geich, kann nicht ganz bei Verstand sein! Oder wollen Sie (überspitzt gesagt) statt vom Chirurgen am Ende vom Metzgermeister operiert werden?

Auch das Anführen der jahrelangen Berufserfahrung von Meistern/Technikern/staatlich geprüften Betriebswirten ist schlicht lächerlich. Für den Meister reichen 4 Jahre Berufserfahrung. Der Witz daran ist, dass die Ausbildungszeit von 3 bis 3 1/2 Jahren angerechnet wird...

Außerdem haben mittlerweile sehr viele Studenten bereits zuvor eine Ausbildung abgeschlossen und gehen nebenbei Arbeiten. Das wird aber komischerweise nirgendwo erwähnt. Deren Qualifikation ist dann trotzdem nur einem Meister gleichgesetzt?!

Wer immernoch glaubt der Meister sei eine ernsthafte Weiterbildung, soll sich einmal deren Lehrpläne ansehen. Da stehen dann Fächer wie "Dekorieren des Schaufensters". Mathe und Physik bewegen sich im Bereich der 10. Klasse. Wie soll der Meister denn bitte beispielsweise statische Berechnungen durchführen? Wenn er einem Ingeneur gleichgestellt wird sollte er dies doch aber können?!




3. Psychlas kommentierte am 15.02.2012 um 16:57:12 Uhr

Wier ist das denn nun?

Wenn ein Master eine 7, der Dr. eine 8 ist, wie ist das denn dan z.B. bei Medizinern (ohne Dr. med.)? Ist dann ein Assistenzarzt auf der Stufe eines Fachwirtes, der Facharzt auf der Stufe eines Masters und nur der Facharzt mit Doktorhut auf einer 8? Und wie ist das bei z.B. den Psychologen? Ist einer mit Diplom / M.Sc. auf einer 7 und mit Dr. auf einer 8? D.h. also, ein promovierter Kloinischer Psychologe hat ein höheres Fachwissen, als ein Klinischer Psychologe der, statt zu promovieren, ein mehrjähriges postgraduales Studium / Weiterbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten gemacht hat? Hm, klingt für mich alles nicht wirklich schlüssig ...




4. Oli (Studis Online) kommentierte am 16.02.2012 um 16:44:10 Uhr

@Psychlas

Derartige "Probleme" kann man beliebig viele konstruieren und sind bei einem solchen Raster auch zwangsläufig, denn natürlich gibt es nicht nur 8 Stufen der Kompetenz.

Davon abgesehen stehen die 8 Stufen auch für 8 Stufen von Kompetenzen in bestimmten Bereichen. Und da kann man sich erst recht fragen, ob denn jeder Doktor bspw. im Bereich soziale Kompetenzen wirklich auf der höchsten Stufe steht ;) Denn am Ende wird ja einfach ein Abschluss auf eine die komplette Stufe gestellt und nicht noch mal differenziert. Ist also so oder so sehr pauschal und sicher nicht der Weisheit letzter Schluss.




5. Nicolas Bourbaki kommentierte am 17.02.2012 um 14:22:19 Uhr

Äpfel nicht mit Birnen vergleichen!

Zunächst einmal sollte man wohl unterscheiden, ob man von einer gesamten Qualifikation oder nur von einem ganz bestimmten Können in bestimmten Bereichen spricht. Niemand wird ernsthaft z.B. von einem Maurermeister verlangen, dass er genauso statische Berechnungen durchführen kann, wie ein voll ausgebildeter Bauingenieur. Das spricht dem Mauermeister aber nicht seine Qualifikation ab, sie liegt eben in anderen Bereichen, für die der Bauingenieur nicht ausgebildet wurde.

Bei Mechatronikern, Elektronikern und Chemielaboranten mit anschließender Fortbildung zum Industriemeister oder Techiker ist der Abstand gegenüber den Bachelors aber eben nicht mehr feststellbar, sowohl von der Tätigkeit als auch von der Qualifikation nicht. Das wird auch in den Tarifverträgen deutlich, wo die Industriemeister, Techniker und Bachelors sich auf ähnlichen Stufen wiederfinden.

Andererseits muss man das alles nicht so hoch kochen, denn über die von der Industrie eingerichteten, bestimmten und favorisierten dualen Studiengänge (Ausbildung mit integriertem Studium) schafft man sich das eigene Fachpersonal. Meister und Techniker werden in der Industrie immer weniger ausgebildet, ähnlich sieht das im Handwerk aus. Insofern ist die Einstufung nur eine zeitliche Brücke, bis die Meister- und Techikerausbildung sich ganz überlebt hat.

Wer studieren will, sollte dies auch direkt tun, denn der Umweg über eine zuvor abgeschlossene Berufsausbildung ist vergeudete Zeit und bringt dem künftigen Bachelor nichts. Da sind Praktika während des Bachelorstudiums angebrachter, schließlich will man ja die Praxis der Bachelors erlernen und nicht die des Facharbeiters.

Aus dem Artikel wird deshalb u.a. deutlich, dass es den Machern des Qualifikationsrahmens um die berufliche Verwertbarkeit der Ausbildung und die europäische Mobilität der Ausgebildeten geht.




6. Nick kommentierte am 19.02.2012 um 11:44:40 Uhr

Verwässerung des Systems

Meiner Meinung nach ist das eine Verwässerung des Systems. Es geht doch eigentlich nur darum, mehr Akademiker am Ende rauszubringen. Das die Qualität daran leiden wird liegt auf der Hand. Wenn man die Zugangsbarrieren lockert werden vermehrt "nicht geeignete" studieren was im Rückschluss zu einer schlechteren Lehre führt. Am Ende verlassen zwar mehr die Unis aber die Noten werden sich angleichen und es wird weniger Spitzenleute und nur noch einen "Einheitsbrei" geben! Sehr bedenklich wo wir doch "Spitzenkräfte" in Deutschland dringend benötigen!

Meiner Meinung nach ist es nicht gut, zwei Systeme zu vermischen. Auf der einen Seite gibt es die praktischen Ausbildungen wie Lehre, Meister, Techniker, Fachwirt. Auf der anderen Seite die theoretischen Disziplinen (Bachelor, Master, Dr., habil., Juniorprof.) Beide haben ihre Berechtigung.






7. ottosmops kommentierte am 19.02.2012 um 18:38:38 Uhr

Nochmal Äpfel und Birnen

Im Artikel wir ja schon darauf hingewiesen, dass berufliche und akademische Bildung auf Niveau 6 gleichwertig, aber nicht gleichartig seien, d.h. dass die akademische Bildung wie bisher nur über die Hochschulen erfolgt. Insofern kommen durch diese Gleichwertigkeit eben nicht mehr Akademiker raus, im Gegenteil: Wenn die Kammern es schaffen, alle 8 Niveaustufen über die (privatisierte) berufliche Bildung durch die Kammern abzudecken, wer wird sich von den Berufspraktikern noch ein langes, theoriedurchtränktes Hochschulstudium aufhalsen? Ist bisher der sog. "Meisterzugang" ohne Hochschulreife schon ein Misserfolgsmodell, so wird diese Regelung noch weniger Berufliche animieren, sich wissenschaftlich zu qualifizieren. Es bleibt also alles beim Alten. Der Staat spart sich weitere Ausgaben für die Bildung, nur die privaten Bildungsanbieter für die kurzen 3 bis 4monatigen Weiterbildungen zum Fachwirt/Fachkaufmann usw. auf Niveaustufe 6 oder 7 werden einen beachtichen Teilnehmerzuwachs verzeichnen.




8. Viktor Guz kommentierte am 19.02.2012 um 20:26:17 Uhr

Meister=Bachelor ???

Ich bin Elektromeister, der jetzt im 2 Semester Elektrotechnik studiert und kann nur sagen das die Meisterausbildung doch nicht so leicht ist wie manch einer sich vieleicht vorstellt, Studium ist jedoch erheblich schwieriger und anspruchsvoller. Nur meine Meinung.




9. ottosmops kommentierte am 20.02.2012 um 15:06:36 Uhr

Meister=Bachelor???

Das finde ich super, dass du noch weiterstudierst! Die Technikmeister sind sowieso etwas anders gepolt als die Kaufleute, die meistens die höchsten Titel möglichst kurz und schnell haben wollen.




10. wulay85 kommentierte am 08.03.2012 um 14:12:29 Uhr

Degradierung des Bachelor-Abschlusses

Hallo zusammen, natürlich sollte versucht werden, im europäischen Wirtschaftsraum eine Vergleichbarkeit der Abschlüsse herzustellen. Aber wie kann sich denn ein Land wie Deutschland, dessen Kernkompetenz im Export von Wirtschaftsgütern liegt, mit Länder wie Italien, Griechenland oder Spanien vergleichen. Letztlich dient diese "Eingruppierung" doch nur der Degradierung des Bachelor Abschlusses, um den jungen Akademikern ein schlechteres Einstiegsgehalt bezahlen zu müssen.

Ich habe selbst eine Ausbildung gemacht, mich anschließend zum Fachwirt weiter gebildet und im Februar mein Studium als B.Eng. abgeschlossen. Ein Vergleich des Abschlusses Fachwirt und Bachelor ist schlichtweg lächerlich. Natürlich ist die Weiterbildung zum Fachwirt/Meister/Techniker nicht zu unterschätzen. Insbesondere wenn diese nebenberuflich absolviert wird. Es ist mit enormem Aufwand verbunden, sowohl den Beruf als auch die Weiterbildung unter einen Hut zu bekommen. Zudem entstehen durchaus horente Kosten. Nichts desto Trotz ist das Bildungsniveau meiner Meinung nach nicht vergleichbar. Selbst der Vergleich zwischen einem Meister und einem Techniker hinkt. Das hängt alleine schon mit der Dauer dieser Weiterbildungen zusammen.

Um mein Studium aufnehmen zu können, war der Meister/Fachwirt die Zugangsvorraussetzung zum Studium. Und jetzt ist der Fachwirt und der Bachelor niveautechnisch gleich? Ich lach mich tot...

Um sich dann noch weiter abzuheben ist das Masterstudium ja quasi schon Pflicht (vorausgesetzt man bekommt einen Studienplatz). Ich für meinen Teil halte diese Entwicklung für sehr bedenklich. Bildung ist in unserem Land das höchste Gut, das wir nicht sukzessive herabstufen sollten.




11. Oli (Studis Online) kommentierte am 02.04.2012 um 10:48:24 Uhr

Eine andere Sichtweise ...

... auf die (bisher nicht genutzten) Chancen des DQR bietet folgender Artikel:

Keine Einigung beim Deutschen Qualifikationsrahmen: Fauler Kompromiss





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