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Politik- und Verwaltungswissenschaft

Hält nicht, was er (scheinbar) verspricht

Erfahrungsbericht von Stefan, 22.08.2016
Alter (bei Studienbeginn): 18 bis 20 Jahre
Zum Zeitpunkt des Berichts 9 Fachsemester studiert
Beginn des Studiums: Schon lange her (2005 oder früher), Studium abgeschlossen

Bitte immer daran denken: Erfahrungsberichte sind subjektive Schilderungen – ob die Aussagen für Euch in gleicher Weise zutreffen, solltet Ihr gut prüfen und die Situation berücksichtigen, in der die/der SchreiberIn war. Achtet auch darauf, ob und wann das Studium abgeschlossen wurde – vielleicht hat sich in der Zwischenzeit schon etwas geändert.

Studieninhalt

Betrachtet man den Studiengang aus der Perspektive eines Abiturienten, dessen Berufsziel die öffentliche Verwaltung ist, dann muss man das Programm ganz eindeutig als "Mogelpackung" bezeichnen. Im Grunde ist schon die Bezeichnung als "Politik- und Verwaltungswissenschaft" irreführend: korrekterweise müsste der Studiengang nämlich "Kritisch-rationalistische, quantitativ-empirische Politologie und politologische Verwaltungswissenschaft" heißen, denn die politikwissenschaftliche Dimension der Studieninhalte steht ganz klar im Fokus der Ausbildung und setzt dadurch einen gänzlich anderen Schwerpunkt als die DUV Speyer, die einen viel stärker auf Interdisziplinarität gerichteten Ansatz unter Einbezug von Recht, Wirtschaft, Finanzen und Management gewählt hat. Ziel des Studiums ist es nicht etwa, Referenten oder Führungskräfte für die öffentliche Verwaltung auszubilden, sondern statistisch orientierte Politikwissenschaftler für die sozialwissenschaftliche Forschung, in der es jedoch kaum gute Arbeitsplätze gibt. Dennoch dominieren Methoden, Statistik und Politologie das Studienprogramm; die verwaltungswissenschaftlichen Vorlesungen sind nicht viel mehr als ein Theoriemuseum ohne Praxisbezug und das interdisziplinäre Modul ist nurmehr ein Feigenblatt, in dem lediglich die allernötigsten Grundlagen in Wirtschaft, Finanzen und Recht (wenn überhaupt) gelehrt werden. Auf Seiten der Lehre fehlen grundlegendste Veranstaltungen zum Staats-, Verwaltungs-, Satzungs- und Vertragsrecht sowie Vorlesungen zu öffentlicher Betriebswirtschaftslehre, Public Management, Rechnungswesen und Verwaltungsinformatik; auf Seiten der Forschung fehlen verwaltungsbezogene, praxisrelevante Projekte, infolgedessen auch kein neues verwaltungswissenschaftliches Wissen generiert und gelehrt werden kann. Wolfgang Seibel und Nathalie Behnke sind im Grunde die letzten, die die Verwaltungsfahne noch oben halten, aber der Rest begnügt sich mit verwaltungsirrelevanter Politikfeldforschung und internationalen Beziehungen, was in einem eher national geprägten Berufsfeld wie der öffentlichen Verwaltung nicht zu einer zielführenden Ausbildung beiträgt. Wer die empirische Sozialforschung schätzt und einen eher spezialisierten Studienabschluss anstrebt (die vonseiten des Fachbereichs vorgebrachte Behauptung, es handele sich um einen interdisziplinären Studiengang, ist falsch), für den ist das Bachelor-Programm sicher empfehlenswert. Wer jedoch in der öffentlichen Verwaltung arbeiten möchte, sollte an eine der beiden Fachhochschulen in Ludwigsburg oder Kehl gehen, die -anders als Konstanz- auch mit absoluter Sicherheit die Laufbahnbefähigung für den gehobenen Dienst beurkunden können. Wer in den höheren Dienst möchte, der fährt auch heute noch besser mit einem Jura-Studium oder sollte als Sozialwissenschaftler den Mastergrad an der DUV Speyer erwerben. Der Fachbereich Politik- und Verwaltungswissenschaft der Universität Konstanz ist jedoch leider dabei, die Verwaltung aus der Hand zu geben und die nicht-juristische deutsche verwaltungswissenschaftliche Forschung damit insgesamt erheblich zu schwächen.

Betreuung und Lehre

Selbst innerhalb der Politik- und politologischen Verwaltungswissenschaft ist das Lehrangebot eher eng geschnitten. Proseminare besprechen oft nicht mehr als ein bestimmtes Theorienset, das keinerlei Aktualität oder Praxisrelevanz mitbringt und im Hauptstudium fehlen Forschungspraktika, um das wissenschaftliche Arbeiten auf der Basis eigener Fragestellungen einzuüben. Stattdessen werden bestimmte Methoden vorgegeben, für die Fragen gefunden und dann bearbeitet werden sollen, wodurch der Forschungsprozess, der grundsätzlich immer mit einer Frage beginnt, die dann zur Methode lenkt, im Grunde ad absurdum geführt wird. Diese -gerade bei jüngeren wissenschaftlichen Mitarbeitern und Doktoranden- teilweise erschreckend ausgeprägte Orthodoxie soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die meisten Dozenten engagiert, aufgeschlossen und durchaus problembewusst sind. Die Betreuung war oft gut, lediglich das Anerkennungsverfahren für das Praxissemester unnötig bürokratisch aufgebläht und dadurch problemanfällig.

Ausstattung

Die Bibliothek ist sehr gut ausgestattet, die Räume verfügen über das nötige technische Gerät (Beamer sind z.B. in jedem Raum vorhanden). Die Universität selbst ist erst knapp 50 Jahre alt, in älteren Gebäudeteilen wäre eine Modernisierung wünschenswert.






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