Studierendenzahlen
Mehr Erstsemester vor allem ohne Studiengebühren
Das Statistische Bundesamt hat heute die ersten Studierendenzahlen zum laufenden Wintersemester 2007/2008 veröffentlicht. Die Zahl der StudienanfängerInnen ist absolut, aber auch bezogen auf den Anteil am Altersjahrgang gestiegen. Trotzdem ist die Freude der Bundesbildungsministerin Schavan über diese Steigerung übertrieben. Denn mehr StudienanfängerInnen gab es vor allem in gebührenfreien Ländern. Insgesamt ist die Zahl der Studierenden sogar gesunken.Interessant sind die Veränderungen der Studienanfängerzahlen bezogen auf die einzelnen Bundesländer. Im Bundesdurchschnitt gibt es 3,8% mehr StudienanfängerInnen. Unter diesem Schnitt liegen ausschließlich Bundesländer mit Studiengebühren. Das Saarland mit -3,1% liegt dabei am schlechtesten, gefolgt von Baden-Württemberg mit -2,2% und Hessen mit 0,4%. Bayern mit plus 1,7% und Nordrhein-Westfalen mit 2,3% bleiben auch unter dem Bundesdurchschnitt. Nur Hamburg konnte mit 5% mehr StudienanfängerInnen als einziges allgemeine Studiengebühren erhebende Land eines ohne Studiengebühren übertrumpfen (Mecklenburg-Vorpommern wies nur eine Steigerung um 4,7% auf). Verglichen mit den anderen Stadtstaaten Berlin und Bremen ist das Ergebnis von Hamburg trotzdem nicht herausragend. Berlin konnte 11,8% mehr StudienanfängerInnen begrüßen, Bremen sogar 13,5%.
BMBF erwähnt Studiengebühren mit keinem Wort
In der Presseerklärung des BMBFs zu den Studierendenzahlen werden Studiengebühren mit keinem Wort erwähnt, obwohl selbst das an sich neutrale Statistische Bundesamt darauf hingewiesen hat. Bildungsministerin Schavan, seit langem Studiengebühren-Befürworterin, will diesen Zusammenhang wohl weiterhin nicht einsehen.
Der freie zusammenschluss von studentInnenschaften (fzs) sieht im Rückgang der Studierendenzahlen (die Gesamtzahl der Studierenden ist um knapp 30.000 im Vergleich zum Vorjahr gesunken) vor allem die Auswirkungen von Studiengebühren und gestiegenen Zulassungsbeschränkungen.
Die wichtigsten Zahlen der letzten 12 Jahre
| Zeitraum | Studierende | AnfängerInnen | Quote1 |
| 1995 | 1.857.906 | 262.407 | 26,8% |
| 1996 | 1.838.099 | 267.469 | 28,1% |
| 1997 | 1.824.107 | 267.445 | 28,5% |
| 1998 | 1.801.233 | 272.473 | 29,2% |
| 1999 | 1.773.956 | 291.447 | 31,3% |
| 2000 | 1.799.338 | 314.956 | 33,5% |
| 2001 | 1.868.666 | 344.830 | 36,1% |
| 2002 | 1.939.233 | 358.946 | 37,1% |
| 2003 | 2.019.831 | 377.504 | 38,9% |
| 2004 | 1.963.598 | 358.870 | 37,1% |
| 2005 | 1.986.106 | 356.076 | 37,0% |
| 2006 | 1.979.445 | 344.967 | 35,7% |
| 20072 | 1.949.569 | 358.217 | 36,6% |
Hinweis/Fußnote
1 StudienanfängerInnenquote - gemeint ist der Anteil der StudienanfängerInnen an der gleichaltrigen Bevölkerung
2 Vorläufige Ergebnisse
Quellen und weiteres zum Thema
- 4% mehr Studienanfänger im Studienjahr 2007 (Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes) »
- Knapp 4 Prozent mehr Studienanfänger an deutschen Hochschulen (BMBF-Pressemitteilung, 12.12.2007) »
- Studierendenzahlen gesunken (fzs-Pressemitteilung, 12.12.2007) »
- Deutsches Studentenwerk: Viel mehr Erstsemester möglich! (Pressemitteilung des DSW, 12.12.2007) »
- Weniger Erstsemester "dank" Studiengebühren? (Artikel von Studis Online zu den Studienanfängerzahlen 2006) »
Ab WiSe 2011/2012 keine Gebühren mehr
Zum WiSe 2011/2012 wurden die Studiengebühren in NRW nach einigen Jahren wieder abgeschafft. Eine entscheidende Besonderheit in NRW war, dass jede Hochschule selbst bestimmen konnte, ob und in welcher Höhe (höchstens jedoch 500 €/Semester) sie tatsächlich Gebühren erhebt. Unser Artikel hält die Geschichte rund um die Gebührenerhebung und -festsetzung an den Hochschulen in NRW fest.
19. BAföG-Bericht enthüllt
Inzwischen kann man den 19. BAföG-Bericht auch direkt beim BMBF online einsehen. Studis Online hatte schon vorab eine Fassung, die dem Endzustand entsprach und konnte daher frühzeitig berichten. Einige Details im Bericht deuten darauf hin, dass eine Erhöhung des BAföG vom BMBF nicht für sonderlich dringend gehalten wird – obwohl dem keineswegs so ist, wie gezeigt werden kann.
Einführung und Abschaffung der Studiengebühren in Hamburg
In Hamburg gab es – nach einiger Zeit fast von der Öffentlichkeit unbemerkt – über Jahre einen Boykott der Studiengebühren. Studierende der Hochschule für bildende Künste (HfbK) zahlten nicht – trotz aller Drohungen. Studis Online präsentiert die Chronik der Studierenden-Proteste in Hamburg von 2004 bis heute – nicht nur gegen Studiengebühren.
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