07.05.2012

Was und wer nicht drin steht – und warum
CHE Hochschulranking 2012 [Seite 1]

Das CHE-Ranking ist das umfassendste Hochschulranking im deutschsprachigen Raum. Aber nicht alle beteiligen sich – und tauchen daher u.U. gar nicht im Ranking auf. Oliver Iost erläutert die Hintergründe und hat zusammengestellt, was man im Ranking finden kann – und was nicht. Nicht dabei sind z.B. die Unis Köln, Lüneburg und Vechta, die FernUni Hagen und die Medizin-Fakultäten der Unis Göttingen, Hamburg und Jena.

Scott Maxwell / fotolia.com

Es gibt nicht die beste Hochschule oder die beste Fakultät – Rankings blenden zu viel aus und verzerren eher die Auswahl, als das sie wirklich bei der Studienwahl helfen
Die Vielzahl an Hochschulen und Studienangeboten macht es für Studieninteressierte oft schwer, eine Wahl zu treffen. Rankings scheinen da eine gute Möglichkeit, bei dieser (Aus-)Wahl zu helfen. Was aber gerade Studieninteressierten nicht klar sein dürfte, sind die Interessen, die die Macher von Rankings verfolgen (mehr dazu hier). Ebenso umfassen Rankings keineswegs alle Hochschulen bzw. Studiengänge. Selbst wenn man also die Rankings nur benutzt, um eine Vorauswahl zu treffen und die endgültige Entscheidung dann unabhängig davon trifft, könnte schon die Vorauswahl interessante "Kandidaten" ausgelassen haben, ohne das man es merkt. Denn selbst in der ausführlichen Online-Fassung des CHE Rankings sind Hochschulen nicht enthalten, die sich dem Ranking verweigern. In der Fassung im ZEIT Studienführer fehlen darüberhinaus alle Standorte, für die Daten nur bruchstückhaft vorlagen.

Das CHE-Ranking erfasst die größten 32 Fachrichtungen. Kleinere Fächer bleiben ebenso unberücksichtigt wie durch die gebildeten Fachrichtungen teilweise durchaus unterschiedliche Fächer in einen Topf geworfen werden. Für eine Übersicht der in Betracht kommenden Hochschulen sollte daher nicht das Ranking bemüht werden, sondern eine Studienfachsuche – z.B. die von Studis Online.

Vom Ranking erfasste Fachrichtungen, Stand der Erhebung, weitere Details

Davon abgesehen, dass zwangsläufig nur größere Fachrichtungen untersucht werden, wird eine konkrete Fachrichtung nur alle drei Jahre neu untersucht. "Spezialitäten" wie Lehramtsstudium oder duales Studium sind nur bei einigen Fachrichtungen dabei.

Zum Teil werden auch Hochschulen der Nachbarländer betrachtet. Hier ist der Vergleich mancher Daten aber schwierig und wird daher teilweise auch im Ranking nicht vorgenommen, so dass nur Teile der Daten vorhanden sind. Aus Österreich und der Schweiz gab es vor allem 2008 Kritik am Ranking, zumindest einige Hochschulen und Universitäten weiter bzw. wieder dabei. Bei Medizin und Zahnmedizin sind Schweizer Unis im diesjährigen Ranking aber nicht vertreten.

Wann die Daten erhoben wurden, welche "Spezialitäten" (Lehramt, berufsbegleitendes oder duales Studium) es umfasst, ob auch entsprechende Studiengänge an Fachhochschulen im Ranking vertreten und ob (einzelne) Hochschulen aus den Nachbarländern dabei sind (teilweise nur in der deutlich ausführlicheren Online-Fassung des Rankings!), zeigt die folgende Tabelle. Für alle dieses Jahr mit neuen Daten vertretenen Fachbereiche haben wir hier zusammengestellt, welche Hochschulen nicht vertreten sind und bei welchen Studierenden-Urteile sehr bruchstückhaft oder gar nicht vorhanden sind.

FachStandFH1Extra2Ausland3
Anglistik/Amerikanistik2010-LAA,CH,NL
Architektur2010FH--
Bauingenieurwesen2010FH-A,CH,NL
BWL2011FHdual,begA,CH,I,NL
Biologie2012-LAA,CH,NL,RO
Chemie2012--CH,NL
Elektro- und Informationstechnik2010FH-A,CH
Erziehungswissenschaft2010-A,CH,NL-
Geografie2012-LAA,NL,RO
Geowissenschaften2012--CH,NL
Germanistik2010-LAA,CH
Geschichte2010-LAA,CH,NL
Informatik2012FH-A,CH,I,NL,RO
Jura/Wirtschaftsrecht2011FH--
Maschinenbau2010FHdualA,CH,NL
Mathematik2012--CH,NL
Medien-/Kommunikationswiss./Journalistik2011FH-A,CH,NL
Medizin2012--A,CZ,H,NL
Pflegewissenschaft (FH)2012FH-A
Pharmazie2012--CH,NL
Physik2012--CH,NL,RO
Politikwissenschaften2011--CH, NL
Psychologie2010--A, CH, NL
Romanistik2010--A,CH
Soziale Arbeit2011FH-A
Soziologie/Sozialwissenschaften2011--CH, NL
Sportwissenschaft2012-LAA
Verfahrenstechnik/Chemieingenieurwesen2010FH-A
Wirtschaftsinformatik2011nur FH-A
VWL2011--CH,I,NL
Wirtschaftsingenieurwesen2011FH-A,NL
Wirtschaftswissenschaften2011---
Zahnmedizin2012--A, CZ, NL

1 Falls auch Studiengänge an Fachhochschulen im Ranking aufgeführt sind, steht ein "FH" in der entsprechenden Zeile.
2 Falls eine gesonderte Auswertung für das Lehramtsstudium vorhanden ist, steht ein "LA" in der entsprechenden Zeile. Wurden auch duale Studiengänge untersucht, findet sich ein "dual". Berufsbegleitende Studiengänge werden durch "beg" angedeutet.
3 A=Österreich, CH=Schweiz, CZ=Tschechien, H=Ungarn, I=Italien, NL=Niederlande, RO=Rumänien – wenn diese Kürzel hinter einem Fach aufgeführt sind, enthält das CHE-Ranking zumindest in der Internet-Fassung auch einige Unis und/oder FHs (manchmal auch nur genau eine; FHs nur aus A und CH) aus diesen Ländern. Lehramtsstudiengänge sind grundsätzlich nur aus Deutschland im Ranking.


Übersicht: Die Ranking-"Verweigerer"

Hier eine Liste von offiziellen Verweigerern des Rankings (egal, ob auf dieses Jahr erhobene Fachbereiche oder die der vergangenen) aus Deutschland, die somit nicht im aktuell zugänglichen Ranking mit Daten vorkommen und zu denen uns Gründe bekannt geworden sind. Die einzelnen Angaben sind mit Links auf den jeweiligen Beschluss, Presseberichte oder sonstiger Quelle dazu versehen. Wenn es keine öffentlich einsehbare Online-Quelle gibt, geben wir an, was wir dazu von der Hochschule selbst oder Studierenden erfahren haben.

Die Spannbreite reicht von grundsätzlicher Kritik an Rankings über Detailkritik am Ranking, evt. auch Enttäuschung über die letzten Ergebnisse bis hin dazu, dass bestimmte Studienformen (Fernstudium oder Mehrfach-Bachelor) ihre Fachkultur über das Ranking nicht korrekt abbildbar sehen.

In diesem Jahr gibt es zwar nach wie vor viele (auch neue) Verweigerer – aber im Gegensatz zu den Vorjahren kann man Online praktisch kein Statement zu den Gründen finden. Auch direkte telefonische Anfragen unsererseits verliefen ziemlich zäh, die Antworten waren eher kurz.

Nachtrag: Im Juni 2012 hat die Deutsche Gesellschaft für Soziologie eine Stellungnahme veröffentlicht, die das CHE-Ranking deutlich kritisiert und empfiehlt, dass die soziologischen Institute an den Hochschulen die Datenerhebung der nächsten Bewertungsrunde (Erhebung 2013/2014, Veröffentlichung 2014) zu boykottieren. Siehe Soziologen wollen nicht mehr: CHE-Ranking unter Beschuss (05.07.2012). Die Historiker wollen demnach ihre Ablehnung (siehe auch weiter unten) aufrecht halten und vielleicht werden auch die Mediziner in größerem Umfang nicht mehr dabei sein.
  • FB Sozialwesen FH Bielefeld (15.07.2010) »
  • Fachbereichsrat Soziale Arbeit und Gesundheit der Fachhochschule Emden/Leer (12.11.2009) »
  • FernUni Hagen (2012)
    Laut der Pressesprecherin der FernUni hat sich diese inzwischen zur Nicht-Teilnahme entschlossen, weil das Studiensystem (Fernstudium!) der FernUni sich nicht mit dem der "normalen" Hochschulen vergleichen lässt. Viele Fragen bspw. an die Studierenden lassen sich von Fernstudierenden nicht sinnvoll beantworten.
  • FH Hannover (Fakultät V, Abteilung Soziale Arbeit) [siehe hier]
  • HAWK Hildesheim (Fakultät für Soziale Arbeit und Gesundheit) (05.11.2010; die Hochschule bietet das Fach auch noch am Standort Holzminden an; dort ist eine andere Fakultät, nämlich für Management, Soziale Arbeit, Bauen zuständig, die keinen Beschluss gegen das Ranking getroffen hatte und daher vertreten ist)
  • Uni Jena, Medizin
    Auf Grund kritischer Überlegungen der Studierenden hat der Fachbereich wegen Kritik am CHE-Ranking die Teilnahme verweigert. Übrigens trotz sehr guter Ergebnisse beim letzten Mal!
  • Fachbereich Bildungswissenschaften der Uni Koblenz-Landau (09/2009) »
  • Uni Köln (kompletter Ausstieg seit 2011) »
  • FB Sozial- und Gesundsheitswesen der FH Ludwigshafen (schon 2008, erneuter Beschluss vom 24.03.2010; weitere Begründung hier)
  • Leuphana Universität Lüneburg (seit 2009)
    Die Uni hat sich wegen ihres besonderen Bachelor-Modells vorläufig gegen eine Teilnahme am Ranking ausgesprochen. Zitat aus dem Beschluss: "Das Studienangebot der Leuphana, insbesondere das Bachelor-Modell, ist in der disziplinär ausgerichteten Fächerstruktur der meisten Rankings nicht adäquat abzubilden. Damit fehlt die Grundlage für einen realitätsgerechten Vergleich mit den Studienangeboten anderer Universitäten." Ende dieses Jahres wird die Uni sich möglicherweise erneut damit befassen, wie sie weiter mit dem Ranking umgeht.
  • FB Soziale Arbeit.Medien.Kultur der Hochschule Merseburg, Begründung vom 11.05.2011
  • Fakultät Sozialwissenschaften, Ohm Hochschule Nürnberg »
  • die Fachbereiche 2 (Erziehungswissenschaft und Psychologie), 3 (Sprach-, Literatur und Medienwissenschaften), (07/2009) und 8 der Uni Siegen
  • Uni Vechta (ab aktuellem Ranking)
    Auskunft der Pressestelle:
    Die Formalia der Befragung sind umfangreich, die vorgegebene Struktur sehr eng. Die Studienstruktur unseres polyvalenten Bachelorstudiengangs Combined Studies (mit bzw. ohne Lehramtsoption) kann das Ranking nicht adäquat abbilden. Weiter ist die Befragung innerhalb der einzelnen Fächer teilweise schwierig, da die vorgegebenen Kriterien wie z.B. die Mindestanzahl der Professuren nicht erfüllt sind. Auch die Mindestgröße des Rücklaufs aus der Studierendenbewertung ist schwierig. Daraus resultiert, dass die Umfrageergebnisse nur noch äußerst rudimentär abgebildet werden und in der Print-Version des Rankings gar nicht auftauchen.
    Deshalb hat die Universität Vechta bei der Befragung 2011, die nun veröffentlicht wurde, auf eine Teilnahme am Ranking verzichtet. Dies geschah in Absprache mit den beteiligten Fächern.
  • Berufsverband der deutschen Historiker VHD (07/2009; trotzdem sind einige der Fachbereiche doch im Ranking dabei - Details dazu finden sich in unserem Artikel zum CHE-Ranking 2010).
Weitere Fachbereiche haben sich am Ranking nicht beteiligt (sind dort also mit "Der Fachbereich beteiligte sich 2012 nicht am Ranking" aufgeführt), über die Hintergründe haben wir aber bisher nichts in Erfahrung bringen können (die stichprobenartigen Versuche zeigten, dass es leider nicht einfach ist, an Statements zu kommen). Aufgeführt ist nicht unbedingt der korrekte Fachbereich, sondern das Fach/der Fachbereich, wie er im CHE-Ranking genannt wird und der Name der Hochschule.
  • HU Berlin, Sportwissenschaften
  • EFH Rheinland/Bochum, Pflegewissenschaften
  • TU Dortmund, Sportwissenschaften
  • EFH Dresden, Pflegewissenschaft
  • Uni Duisburg-Essen, Campus Essen, Informatik
  • FH Frankfurt/Main, Informatik
  • Uni Göttingen: Unimedizin, Informatik, Sportwissenschaft
  • Unimedizin Hamburg
  • Uni Hildesheim, Sportwissenschaft (Lehramt)
  • FH Kaiserslautern, Informatik
  • Uni der Bundeswehr München, Sportwissenschaft
  • Hochschule Rosenheim, Informatik
An einigen Fachbereichen wurde zwar kein Beschluss auf Ebene der Fakultät oder Hochschule gefasst, zumindest Studierenden haben sich – über ihre Gremien oder Gruppierungen – gegen die Beteiligung am Ranking gestellt und zum Boykott aufgerufen. Auch deren Begründungen sollen hier zumindest verlinkt werden. Die Uni Bonn ist in den Rankings 2010 und 2011 nicht vertreten gewesen, hat ihre Teilnahme diesmal aber wieder aufgenommen, da die ihr wichtigen Kritikpunkte ausgeräumt seien (vgl. Pressemitteilung der Uni Bonn vom 29.06.2011).

Ergänzungen zu unserer Liste oben (wie auch den Details weiter unten) gerne per Mailformular an uns. Danke!

Schließlich dürfen im Zusammenhang mit Kritik am Ranking (und dem CHE) folgende Hinweise auf weitere Artikel bei Studis Online nicht fehlen:

Kann man mit dem Ranking trotzdem etwas anfangen?

Wie schon erläutert (und im weiteren dann für die einzelnen, dieses Jahr mit neuen Daten versehenen Studiengängen im Detail aufgezählt) fehlen im Ranking einzelne Fachbereiche ganz bzw. mit einzelnen Daten. Man sollte also in keinem Fall die Listen im ZEIT Studienführer zur alleinigen Grundlage der Vorauswahl von in Frage kommenden Hochschulen machen, zu denen man sich weiter informieren will. Auch die Online-Fassung hat ihre Fehlstellen, die vor allem dann zum Tragen kommen, wenn man sich "eigene" Rankings zusammenstellt. Hochschulen, zu denen es für die gewünschten Kriterien keine Daten gibt, können dabei zwangsläufig nicht berücksichtigt werden.

Trotzdem kann das Ranking gewisse Hilfen bieten. Es nennt Kriterien, die man bei der eigenen Wahl der Studienortes beachten kann (aber ja nicht muss). Neben dem eigentlichen Ranking sind im ZEIT Studienführer wie auch in der Online-Variante durchaus nützliche Informationen zu den Hochschulen und Städten zu finden. Auch die "gerankten" Werte kann man in Vergleiche mal einfließen lassen, sollte aber die diversen Schwierigkeiten dabei nie vergessen und ergänzend zumindest unsere Listen im Folgenden zu Rate ziehen, um zu sehen, ob dort noch ein interessanter Standort dabei ist, den man sonst übersehen würde.

Egal wie man schließlich zu einer Auswahl kommt: Optimalerweise sollte man sich die Hochschulen und Städte der Wahl konkret anschauen und mit Studierenden und - wenn es geht - Lehrenden vor Ort sprechen (zur Not eben über Foren, per Mail oder wie auch immer kontaktieren). Nur wenn man dann keine Zweifel hat, kann die Suche aufhören, sonst sollte man weitere Hochschulen und Städte besuchen und sich einen persönlichen Eindruck machen.






Kommentare zu diesem Artikel

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1. Nicki de sa vakke kommentierte am 22.09.2012 um 15:10:22 Uhr

Wichtigtuerei

Ich finde es unmöglich wie sich einige Hochschulen/Unis für wichtig nehmen und ihren Studenten suggerieren wie wichtig und toll sie doch sind und wie elitär es ist an "Ihrer Hochschule/Uni" zu studieren. Große Hochschulen wie z.B. Mannheim, München usw. werden dadurch auch immer bekannter was nicht bedeutet, dass sie in Wirklichkeit auch besser sind als andere. Es entsteht der Eindruck, dass sich unter anderem auch durch diese Rankings einige immer mehr in den Vordergrund drängen und dadurch vielleicht kleinere Unis/Hochschulen, die vielleicht genauso gut oder besser sind übersehen werden. Ich selbst halte diese Rankings für Kinderkram.





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