Studienfächer
Informatik studieren
Informatik ist eine moderne, sich rasant entwickelnde Wissenschaft mit vielfältigen Berufsaussichten. Das Studium ist allerdings nichts für Computer-Freaks; mathematische Grundlagen sind rigoros und tauchen immer wieder auf.Von Daniel Bruns
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Eine moderne Wissenschaft
Informatik ist die Wissenschaft der Behandlung und Verarbeitung von Informationen. Sie fußt zum Einen auf mathematische Disziplinen wie Modellbildung und Logik, zum Anderen wurde ihre Entstehung auch stark durch die Elektrotechnik, insbesondere die Nachrichtentechnik geprägt. Obwohl weiterhin Schnittmegen existieren, wird die Informatik heute als eigenständige Wissenschaft verstanden. Die Entwicklung als Wissenschaft begann Ende der 1930er Jahre als sowohl theoretische Grundlagen (Berechbarkeitstheorie, Logik-Kalküle) sowie erste Rechenmaschinen (z.B. Zuse Z3) geschaffen wurden. Ein weit verbreiteter Irrglaube – unter Anderem dem englischen Begriff "computer science" geschuldet - ist, dass sich die Informatik zentral mit der Programmierung der Maschinen beschäftige. Der niederländische Informatiker Edsger Dijkstra formulierte es so: "In der Informatik geht es genauso wenig um Computer wie in der Astronomie um Teleskope." Was macht die Informatik dann? Man könnte sie beschreiben als Problemlösen auf einer abstrakten Ebene. Aus der heutigen Welt sind die Informatik und ihre Anwendungen nicht mehr weg zu denken. Auch wenn der Boom der 1990er Jahre nachgelassen hat, ist der Bedarf an qualifizierten InformatikerInnen weiterhin sehr groß.
Wachsende Beliebtheit
Mit rund 23.000 StudienanfängerInnen pro Jahr zählt die Informatik zu den drei beliebtesten Studienfächern. Angeboten wird sie sowohl an Universitäten als auch an Fachhochschulen. Teilweise werden auch Technische Informatik oder Softwaretechnik als eigenständige Fächer angeboten. Nenneswerte weitere Studiengänge mit hohem Informatikanteil sind Wirtschafts-, Medien-, Bio- und Medizinformatik sowie Computerlinguistik. Der gängige Abschluss in Informatik ist das Diplom (Dipl.-Inform.), zunehmend werden aber stattdessen Bachelor- und Masterprogramme (Bachelor/Master of Science, selten: of Engineering) eingeführt. Teilweise wird das Fach Informatik auch im Rahmen von Lehramtsstudiengängen angeboten. Die mittlere Studiendauer liegt (für Diplom) mit 13 Semestern an Unis vergleichsweise hoch, ist momentan jedoch rückläufig.
Harte Grundlagen
Die ersten Semester eines Informatikstudiums sind durch stark strukturierte Grundlagenfächer geprägt. Diese sind meistens weitgehend identisch mit denen eines Mathematikstudiums. Inhalte des ersten Studienjahres umfassen in der Regel Analysis, Lineare Algebra und Stochastik. Daneben werden die grundlegenden Konzepte der Informatik wie Algorithmen, formale Sprachen und Objektorientierung eingeführt. Die technische Informatik wird meist grundlegend von der Schaltungslogik aufwärts bis zum Prozessor erklärt. Diese Grundlagen werden in der Regel durch Vorlesungen mit Übungen vermittelt. Zusätzlich gibt es wöchentliche Übungsaufgaben, deren Abgabe meist obligatorisch ist. Damit soll vor Allem die Fähigkeit der mathematischen Beweisführung geübt werden. "Handwerkszeug" wie Programmiersprachen muss man sich dagegen bei Bedarf oft selbst beibringen.
Großes Studienangebot
Im weiteren Verlauf unterscheiden sich die Studienangebote von Hochschule zu Hochschule erheblich. Als relativ junge Wissenschaft umfasst die Informatik ein weites Feld. Größere Informatikabteilungen besitzen auch ein größeres Studienangebot, während kleinere Einrichtungen meist spezialisiert sind. Zumindest die Wahlmöglichkeiten zwischen den vier typischen Teildisziplinen theoretische, praktische, technische und angewandte Informatik bestehen überall. Das Angebot besteht weitgehend aus Vorlesungen mit oder ohne Übungen, begleitet von Seminaren und (Labor-)Praktika. Hausarbeiten oder Ähnliches sind dagegen nicht üblich. Nebenfächer sind meist aus dem gesamten Spektrum der Natur-, Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften zu wählen, oftmals auch aus Geistes- und Sozialwissenschaften. Aufgrund der weiterhin rasanten Entwicklung der Informatik in Theorie und Praxis ist das Studium in jedem Fall stark forschungsorientiert. Aktuelle Forschungsergebnisse fließen oftmals direkt in die Lehre mit ein. Praktika und Diplomarbeiten können meistens in Industriekooperation angefertigt werden.
Informatik studieren?
Das Informatikstudium weist eine klare mathematische Prägung auf. Wer dagegen auf Programmieren hofft, sollte sich lieber einen anderen Studiengang aussuchen. Nicht zuletzt aufgrund erheblicher Fehlvorstellungen über das Fach hat die Informatik eine hohe Studienabbruchquote von 38%. Wer Informatik studieren möchte, sollte vor Allem Geduld und Konzentrationsfähigkeit mitbringen. Ein großes Interesse an Mathematik sollte vorhanden sein, Vorwissen benötigt man dagegen nicht. Für das vertiefte Studium ist ein sicherer Umgang mit der englischen Sprache hilfreich. Lehrbücher werden zwar meist auf deutsch angeboten, jedoch ist Englisch die Fachsprache, in der alle relevanten Aufsätze und Zeitschriften verfasst sind. Das Publizieren auf deutsch – auch bei Diplomarbeiten – ist dagegen eher selten.
Tipps und Tricks für den Studienalltag
Das Informatikstudium ist hart. Da sollte man nicht verzweifeln. Dass man in der Vorlesung nicht Alles sofort versteht, ist die Regel. Da hilft oftmals schon der Austausch mit den Mitstudierenden. Außerdem werden zu fast allen Vorlesungen auch Übungen angeboten. Das sollte man durchaus auch als Angebot verstehen. Denn mit Auswendiglernen kommt man nicht weit; Informatik muss man selbst betreiben, um sie zu lernen. Die Übungen brauchen Zeit; sie am Abend vor der Abgabe zu bearbeiten, geht schief. Meistens können Übungsaufgaben auch in Kleingruppen abgeben werden; manchmal ist das ausdrücklich erwünscht. Das bedeutet natürlich nicht, dass man sich darauf ausruhen darf. Die Klausuren haben durchweg hohe Durchfallzahlen. Zum Bestehen reichen meist aber schon wenige Punkte. Nur darauf, die Klausur gerade so zu bestehen, sollte man allerdings auch nicht lernen. Grundlagen sind eben Grundlagen und tauchen immer wieder auf. Es beim ersten Mal schon verstanden zu haben, ist besser.
Gesucht: InformatikerInnen
Da die Informatik eine sehr grundlegende Wissenschaft ist, und auf der anderen Seite ihre Anwendungen in der heutigen Welt allgegenwärtig sind, finden InformatikerInnen Anstellung in allen Branchen. Daher gibt es auch im Gegensatz zu den Ingenieurwissenschaften kein klares Berufsbild, vielmehr sind die Beschäftigungsmöglichkeiten durchaus weit gefächert. InformatikerInnen sind typischerweise angestellt oder selbständig im Dienstleistungsektor beschäftigt. Dazu gehören Berufe wie Software-EntwicklerIn oder IT-BeraterIn. Auch in der universitären wie privaten Forschung werden InformatikerInnen beschäftigt. Aufgrund der immer noch hohen Nachfrage findet der überwiegende Teil der AbsolventInnen eine Beschäftigung innerhalb kurzer Zeit. Die Einstiegsgehälter für InformatikerInnen liegen im Schnitt bei knapp 3000 Euro (Uni) bzw. 2700 Euro (FH).
Quellen
- Statistisches Bundesamt »
- Studienabbruchstudie 2005, HIS Kurzinformation A 1/2005 »
- Entwicklung der Fachstudiendauer an Universitäten von 1999 bis 2003, Wissenschaftsrat Drs. 6825/05 »
- Studentenspiegel 2 », erschienen in SPIEGEL 50/2006
- Studienfächer im Bereich Informatik »
www.studis-online.de/StudInfo/fachbereich.php?bereich=4 - Hochschulen, an denen »klassische« Informatik studiert werden kann »
www.studis-online.de/StudInfo/studienfach.php?nr=222&what=Informatik - Video-Studienführer Informatik »
www.studis-online.de/Studienfuehrer/video-fach.php?f=Informatik - Video-Studienführer Computervisualistik »
www.studis-online.de/Studienfuehrer/video-fach.php?f=Computervisualistik - Video-Studienführer Wirtschaftsinformatik »
www.studis-online.de/Studienfuehrer/video-fach.php?f=Wirtschaftsinformatik - Online Studienwahl Assistent Informatik (angeboten von der Uni Freiburg um eine Einschätzung zu bekommen, ob man für Informatik tatsächlich geeignet sein könnte) »
www.osa.uni-freiburg.de/informatik/ - Liste von Informatikfachschaften »
www.fsinf.de/liste-fachschaften.html - Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e.V. »
www.fiff.de - Gesellschaft für Informatik (GI) »
www.gi-ev.de - Studienführer Informatik »
sfinf.fsinf.de
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