Dein Wille geschehe nicht?
Uni Hohenheim will Haushaltsloch mit Studiengebühren stopfen
Dass Einnahmen aus Studiengebühren keineswegs zu Verbesserungen führen müssen, ist spätestens dann klar, wenn an anderer Stelle Einnahmen sinken (oder Ausgaben steigen – z.B. für Energiekosten) und daher die Hochschulen anfangen, mit Umschichtungen zu beginnen. Das kann eher versteckt geschehen, indem die Studiengebühren weiter für Dinge ausgegeben werden, die zwar eindeutig der Lehre dienen, die aber früher aus anderen Töpfen bezahlt wurden. Oder man nimmt die Gebühren ganz offen für die Bezahlung von Dingen, die mit Lehre nichts oder nur sehr entfernt zu tun haben (Heizkosten ...). Hier wird dann argumentiert, dass man andernfalls Ausgaben für die Lehre kürzen müsse, man letztlich also doch etwas für die Lehre tut. So oder so: Im Ergebnis gibt es keine Verbesserung der Lehre, sondern es wird höchstens der Status Quo erhalten.
So gesehen ist der Rektor der Hohenheim wenigstens ehrlich und sagt offen, dass die Studiengebühren-Gelder zukünftig jedenfalls zum Teil nicht mehr für Verbesserungen genutzt werden können, sondern im allgemeinen Haushalt verschwinden werden. Nach aktuellem Stand werden 2009 ca. 3,2 Millionen Euro im Vergleich zu 2008 fehlen, die Hälfte dieses Haushaltsloches soll durch Einsparungen der Fakultäten und der Zentralbereiche, die andere Hälfte durch Studiengebühren aufgefangen werden.
Gerade die Uni Hohenheim ...
Die Uni Hohenheim ist nicht die erste Uni, die solche Massnahmen ergreift. Trotzdem ist es für sie besonders peinlich. So führt der dortige Lehrstuhl für Marketing seit einigen Jahren eine bundesweite Umfrage zum Thema Studiengebühren durch. In diesem Zusammenhang betonte der Lehrstuhl-Inhaber, Prof. Markus Voeth, die Ablehnung von Studiengebühren könne nur dann sinken, wenn »Verbesserungen wahrgenommen werden«.

Das Bild zum Wettbewerb »Dein Wille geschehe«
... blamiert sich
Wenn man nun hört, dass 1,6 Millionen der Studiengebühren für das Stopfen von Haushaltslöchern ausgegeben werden sollen, verpufft das Ganze zum reinen Marketing-Gag.
Einmal mehr zeigt sich, dass es offenbar unmöglich ist, Gelder aus Studiengebühren nur zur Verbesserung einzusetzen. Denn die Uni Hohenheim ist keineswegs die erste, die sich gezwungen sieht, Studiengebührengelder für andere Haushaltsposten als eigentlich geplant auszugeben. Wobei nochmals betont sei: Immerhin ist das offener, als das Geld zwar weiterhin nur für Lehre auszugeben, aber die Ausgaben für die Lehre anderswo einzuschränken. Das Ergebnis ist dasselbe: Für die Lehre steht nicht mehr Geld als vor Einführung der Studiengebühren zur Verfügung. Oder jedenfalls nicht so viel mehr, wie die Summe der Studiengebühren eigentlich suggeriert, da Teile abgezweigt werden (müssen).
Eine gute staatliche Finanzierung bleibt die einzige sichere Grundlage für eine gut ausgestattete Lehre. Von anderen Argumenten gegen Studiengebühren ganz abgesehen ...
Quellen und Hintergründe
- AStA der Uni Hohenheim zur geplanten Verwendung der Studiengebühren (Veranstaltung am 28.01.2009 zum Thema) »
- Ablehnung von Studiengebühren gestiegen (Artikel bei Studis Online zum Gebührenkompass, der vom Lehrstuhl für Marketing an der Uni Hohenheim erstellt wird) »
Sind Studiengebühren abschreckend – oder etwa doch nicht?
"Studiengebühren schrecken Studienwillige (insbesondere aus sozialschwachen Familien) ab" ist seit Jahren eines der Argumente gegen Studiengebühren. Eine Studie des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung behauptet nun – bezogen auf die aktuelle Höhe der Gebühren von 500 Euro pro Semester – das sei gar nicht der Fall. Aber ganz so einfach ist der Zusammenhang vielleicht doch nicht ...
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