07.12.2009
Hintergrundtexte zum Thema Bildungsstreik und -reform
Hochschulen und Studium in der Dauer-Reform (Seite 1)
Seit Monaten protestieren SchülerInnen und Studierende gegen die Bildungssituation an Schulen und Hochschulen. Und gerade die studentische Kritik an den Studienbedingungen in den reformierten Bachelor- und Masterstudiengängen fand erstaunlich viel politischen Beifall. Fast könnte man meinen, die Reformen wären von niemandem gewollt worden. Die Umstrukturierung von Studium und Hochschule ist jedoch ein langer und in sich konsistenter Reformvorgang, dessen Elemente und Logik hier nachzulesen sind.Über den Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi)
Seit seiner Gründung 1968 engagiert sich der BdWi für eine Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung. Er bezieht auf Kongressen, in wissenschaftlichen Publikationen und politischen Stellungnahmen öffentlich Position zu Fragen von Wissenschaft, Forschung und Hochschulentwicklung. Im BdWi haben sich über tausend Natur-, Geistes- und SozialwissenschaftlerInnen zusammengeschlossen. Sie alle verbindet ihr gemeinsames Interesse an einer emanzipatorischen Wissenschafts- und Bildungspolitik.
Der BdWi lebt dabei von seinen Mitgliedern: Sie finanzieren die Arbeit und engagieren sich ehrenamtlich. Ob ProfessorIn, WissenschaftlerIn oder Studierende – gemeinsam versuchen die Mitglieder des BdWi, die bildungs- und wissenschaftspolitische Debatte zu beeinflussen.
Weitere Informationen auch zur Mitgliedschaft finden sich unter www.bdwi.de.
Vorbemerkung zum TextSeit seiner Gründung 1968 engagiert sich der BdWi für eine Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung. Er bezieht auf Kongressen, in wissenschaftlichen Publikationen und politischen Stellungnahmen öffentlich Position zu Fragen von Wissenschaft, Forschung und Hochschulentwicklung. Im BdWi haben sich über tausend Natur-, Geistes- und SozialwissenschaftlerInnen zusammengeschlossen. Sie alle verbindet ihr gemeinsames Interesse an einer emanzipatorischen Wissenschafts- und Bildungspolitik.
Der BdWi lebt dabei von seinen Mitgliedern: Sie finanzieren die Arbeit und engagieren sich ehrenamtlich. Ob ProfessorIn, WissenschaftlerIn oder Studierende – gemeinsam versuchen die Mitglieder des BdWi, die bildungs- und wissenschaftspolitische Debatte zu beeinflussen.
Weitere Informationen auch zur Mitgliedschaft finden sich unter www.bdwi.de.
Sowohl von konservativer wie von linker Seite werden die Hochschulreformen seit Jahren mit dem Hinweis auf den Verlust des ›Humboldt‹schen Bildungsideals' abgelehnt. Alex Demirovic hat bereits 2004 darauf hingewiesen, dass diese Kritik wesentliche Elemente der Reformimpulse verkennt – diente die Hochschulbildung doch schon seit Zeiten Humboldts immer (auch) der beruflichen Ausbildung. Letztlich müsse es daher bei der Bewertung von Reformen immer darum gehen, ob sie die Qualität des Studiums verbessern. Dafür nennt er vier wesentliche Parameter: Qualität in einem "akademischen Sinn, mit Blick auf die zukünftige Berufspraxis und in Hinsicht auf die Kompetenzen und habituellen Eigenschaften der Individuen als TeilhaberInnen in einer demokratischen Gesellschaft." Er plädiert dafür, dass eine kritisch-wissenschaftliche Haltung, die selbstkritisch und ergebnisoffen sein müsse, nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für jede andere Berufspraxis benötigt und daher durch die Hochschulen vermittelt werden müsse. Eine Halbbildung, welche instrumentalistisch und ausschließlich arbeitsmarktorientiert erworben werde, befähige den und die Einzelne hingegen nicht zu ausreichender Autonomie. Wissenschaft und soziale Erfahrungen sind dabei getrennt, eine Entwicklung die durch die Umstrukturierung der Studiengänge aber gefördert werde.
Die Wettbewerbsidee verzerre im Endeffekt den Blick auf die Qualität, Fördermöglichkeiten und –bedarf einzelner Hochschulen, indem AbsolventInnen und ProfessorInnen bspw. durch das Label der Ivy-League als besonders qualifiziert angesehen werden, was wiederum auf die Hochschule zurückstrahle. Gleichzeitig würden Studienfächer auch danach gewählt, was angesichts des Abiturschnitts jeweils als ›angemessen‹ erscheint: Ein 1,0-Abitur scheine per se mehr für ein Medizin- als ein Lehramtsstudium zu sprechen.
Demirovic setzt sich ausführlich mit der Frage der ›Elitenkonstruktion‹ sowie der Qualitätsmessung durch ›Evaluierungen‹ auseinander und plädiert für einen neuen Anlauf zur Demokratisierung der Hochschulen, um auf diesem Wege ein besseres Arbeits- und Lernumfeld zu schaffen, in welchem Kreativität und vernetztes Denken wieder Platz finden. Demirovic' umfassende Analyse des Wettbewerbsgedanken macht diesen Text noch immer zu einem Grundlagentext der Hochschulreformpolitik.
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