16.10.2009

Schöne Worte der KMK
Weiterentwicklung des Bologna-Prozesses

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat mal wieder getagt und einen Beschluss zum Thema Bologna und damit die Einführung von Bachelor und Master gefasst. Hinter vielen schönen Worten, vor allem auch an die Studierenden gerichtet und Forderungen an andere (Bund, Hochschulen, Akkreditierungsrat) versteckt sich wenig konkretes. Jedenfalls in dem Sinne, dass die KMK-Mitglieder selbst dies umsetzen könnten. Dabei hätten auch sie Möglichkeiten – um die sie sich offenbar drücken wollen.

© Torbz - Fotolia

"Bologna" ist zwar bei Weitem mehr als nur Bachelor und Master. Aber die Umstellung auf diese Abschlüsse ist eben der bekannteste Teil.
Der Beschluss der KMK beginnt mit einem kurzen Überblick dessen, was "Bologna" sein soll. Wobei schon die Fomulierung "Einführung eines zweistufigen Systems leicht verständlicher und vergleichbarer Studienabschlüsse (BA/MA)" manchen wohl eher zum Lachen bringen wird. Denn so vergleichbar und leicht verständlich sind die Abschlüsse in der Realität bisher nur selten.

Zur Kenntnisnahme

Immerhin nimmt die KMK einige Kritik zur Kenntnis (ohne sie im Einzelnen als berechtigt anzusehen, sie spiegelten jedoch "eine nicht unerhebliche Skepsis in Teilen der akademischen Öffentlichkeit hinsichtlich des Bologna-Prozesses wider"):
  • stoffliche Überfrachtung, zu hohe Anwesenheitspflicht und Prüfungsdichte im Gefolge zunehmender Strukturierung und "Verschulung" des Studiums
  • zu geringe Ausnutzung der Bandbreite der Regelstudienzeiten für Bachelor- und Master-Studiengänge
  • Zugang zum Master-Studium (Leistungsvoraussetzungen, Kapazitäten, "Quotierung")
  • restriktive Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen, unzureichende Äquivalenzregelungen in den Studien- und Prüfungsordnungen
  • Verschlechterung der nationalen und internationalen Mobilität
  • Akzeptanz des Bachelors als ersten, berufsqualifizierenden Abschluss
  • aufwändige Akkreditierungsverfahren
  • Studienbeiträge in mehreren Bundesländern
Und was sind die Konsequenzen?

Den letzten Punkt ("Studienbeiträge", also Studiengebühren) ignoriert die KMK im weiteren völlig. Dagegen gibt es immerhin einen kurzen Punkt zur "sozialen Dimension" (der weiter oben gar nicht als Kritik genannt wurde, obwohl er durchaus Thema war). Wobei er sich darauf beschränkt, einen weiteren Ausbau des BAföG zu fordern und die Stärkung der Studentenwerke für sinnvoll zu halten. Gerade bei letzteren stünde es jedem Bundesland frei, durch mehr Mittelzuweisungen günstigere Mensa- und Wohnheimspreise und mehr Beratung zu ermöglichen. Aber das wäre ja schon zu konkret ...

Die meisten Punkte beinhalten Forderungen an die Hochschulen, die bei der Gestaltung der Studiengänge z.B. auf Mobilitätsfenster achten sollten, bei der Anerkennung von Studienleistungen flexibler sein sollen und nicht zu viele Prüfungen in die Studiengänge einbauen sollen. Ebenso werden die Akkrediterungsagenturen (und der -rat) aufgefordert, stärker auf die "Studierbarkeit" zu achten.

Die Länder selbst (und nur für die kann die KMK begrenzt sprechen; letztlich kann ja jedes Land sein eigene Suppe kochen) legen sich nur relativ weniges auf. So soll "auch" (und das nur "gegebenenfalls") im Rahmen der Hochschulgesetzgebung darauf hingewirkt werden, "dass nicht ein kleinteiliges Prüfungswesen zu Lasten der Studierenden, aber auch der Lehrenden aufgebaut wird".

In Bezug auf die Akzeptanz des Bachelorabschlusses als ersten Berufsabschluss "werden [die Länder] Maßnahmen entwickeln, die die Akzeptanz des Bachelorabschlusses steigern können, um den Hochschulabsolventinnen und -absolventen bessere Chancen für ihren Berufsstart zu ermöglichen."

Ansonsten soll alles noch mit der HRK diskutiert werden und eine Fachtagung im Frühjahr 2010 stattfinden. Also noch mehr Diskussionen, aber wenig konkrete Handlungen. Von denen eine wäre, den Zugang zum Master nicht an mehr als nur einen (einigermaßen passenden) Bachelor-Abschluss zu knüpfen (siehe auch im Folgenden).

Was sagen andere?

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßt zwar, dass die KMK sich überhaupt mit der Kritik insbesondere der Studierenden an der Umsetzung der Bologna-Reformen auseinandergesetzt hat. Aber offenbar wolle die KMK keine Konsequenzen für die eigene Politik ziehen. Komkret schlägt Andreas Keller (Vorstandsmitglied der GEW) vor, die "Ländergemeinsamen Strukturvorgaben" für Bachelor- und Masterstudiengänge zu überarbeiten. Diese verlangten, dass für die Zulassung zu einem Masterstudium über den Bachelor-Abschluss hinaus "besondere Zulassungsvoraussetzungen", z. B. eine besonders gute Note im Bachelor-Zeugnis, erfüllt werden müssen. Genau das widerspricht aber der auch von einem KMK-Vertreter im Juli 2009 gemachten Zusage, dass die Studierenden selbst entscheiden können sollen, ob sie nach dem Bachelor noch einen Master machen.

Übrigens hatte die KMK vor einigen Jahren noch weit restriktivere Ideen, als sie schließlich realisiert wurden (und immer noch eine Hürde darstellen). Vgl. den Artikel "Bachelor für alle, Master nur noch für wenige?" aus dem Jahr 2003.

Vom hochschulpolitischen Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen kommt eine harte Reaktion: "Kultusminister fahren Bologna-Reform vor die Wand" überschreibt er seine Presseerklärung dazu. In ihr heißt es weiter u.a. "Mit ihren halbherzigen Beschlüssen wollen die Kultusminister die Defizite aussitzen und leiten eine neue Runde von Schuldzuweisungen ein. Leidtragende sind die Studierenden, die erneut vergeblich auf eine Qualitätsoffensive für die Lehre gewartet haben. Im zehn Bologna-Jahr müssen Bund und Länder endlich für eine angemessene Gegenfinanzierung der Reform sorgen. Es ist fast schon zynisch, von den Hochschulen einen flexibleren Umgang mit der Studiendauer zu verlangen, ohne ihnen die Mittel für die dadurch entstehenden Kosten zuzusagen."

Der studentische Dachverband fzs nennt die Ergebnisse und Lösungsvorschläge der KMK "ernüchternd". In einer ausführlichen Pressemitteilung nennt der fzs diverse Punkte, die aus Sicht der Studierenden anzugehen wären. In Stichworten gefasst: Öffnung des Hochschulzugangs und Erhöhung der Bildungsbeteiligung, [Verbesserung der] Anrechnungsmöglichkeiten, [einfachere Möglichkeit zu] Teilzeitstudium, Mobilität, Partizipation der SozialpartnerInnen, [Ausreichende] Finanzierung, Studierendenzentrierung und Kompetenzorientierung.

Hintergründe und Quellen


Kommentare zu diesem Artikel

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1. Dr. Kawasaki kommentierte am 19.10.2009 um 16:10:12 Uhr

Was für eine Inkompetenz

Na toll. Jetzt hab ich mein Studium GERADE in der Zeit begonnen, als Bachelor eingeführt wurde und werde es wohl GERADE dann beenden, wenn das System eventuell überarbeitet wird. Gehöre als zu den wenigen Vollidioten der Zukunft, von denen jeder weiß, dass man ja eigentlich nur eine Art "Schüler" an der Uni war (Verschulung !!!). Nur weil ein Haufen inkompetenter Leute hektisch diese ganze Bologna-Kacke erfunden haben ohne einen Funken Ahnung, was eine Uni überhaupt ist (nur so kann ich mir das erklären).

Die Leute, die sich Bologna ausgedacht haben, sollte man fristlos entlassen (was wohl leider nicht geht, weil die alle Beziehungen haben und hohe Tiere sind) und ohne Abfindung, ohne Hartz V unter der Brücke wohnen lassen !!!! Das wäre nur gerecht.




2. Dr. Kawasaki kommentierte am 19.10.2009 um 16:20:32 Uhr

Hartz IV

Korrektur: ohne Hartz I bis IV ! Vorsorglich aber auch schon ohne Hartz V bis C.




3. Oli (Studis Online) kommentierte am 19.10.2009 um 16:23:16 Uhr

@"Dr. Kawasaki"

"Bologna" hat ja nicht vorgeschrieben, was in Deutschland dann konkret gekommen ist. Was alle europäischen Bildungsminister vorgesehen hatte, war teilweise vage (und wurde in Deutschland leider so interpretiert, dass das ein Grund für die heutigen Probleme ist), teilweise auch durchaus positiv (letzteres wurde in Deutschland aber gerne ignoriert - "soziale Dimension", "Mobilität" - aber wirklich)







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