Studienfächer
Biologie: Krimi im Genom
Stille im Labor. Alle halten den Atem an. Wenn jetzt auch nur eine Hand zittert, wenn die Nadel jetzt auch nur um einen Millimeter verrutscht, ist der ganze Versuch gescheitert. Doch alles läuft wie geplant – die BiologiestudentInnen sind schließlich theoretisch und praktisch bestens auf diese Versuche vorbereitet. Und viele Handgriffe ohnehin längst Routine. Labor und Fachwissen – das sind die beiden Beine, auf denen ausgebildete Biologen später stehen. Und im Übrigen besser stehen, als es das Vorurteil will.Von Thomas Delecat

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Zoologie im KleinenInhalt des Studiums
Grob gesagt unterteilt sich das Studium in vier große Teilgebiete, die vom Namen her auch jedem Laien noch geläufig sind. Dabei handelt es sich erstens um die Botanik, die Lehre vom Pflanzenreich. Zweitens um die Zoologie, also die Lehre vom Tierreich. Als »Sonderfall« davon betrachtet in der Anthropologie den Menschen, wobei heutzutage zusätzlich darunter auch die Forschung und der Vergleich zu den Primaten (Affen) verstanden wird. Last but not least ist die Mikrobiologie der vierte große Teilbereich, der sich vornehmlich mit der Lehre von den Mikroorganismen beschäftigt.
Neben diesen vier großen »Hemisphären« der Biologie hat sich in den letzten Jahrzehnten eine ganze Reihe von sehr speziellen Teildisziplinen (Biowissenschaften) entwickelt. Die wohl bekanntesten davon sind die Zellbiologie, die Gentechnik, die Ökologie, die Bioinformatik oder die Meeresbiologie. Sofern man als angehende Studentin bzw. angehender Student hier schon ein sehr spezifisches Interesse besitzt, sollte man bei der Wahl der Uni genau schauen, wo diese ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte setzt. Zwar werden in jedem Bachelor-Studiengang ungefähr die gleichen Grundlagen vermittelt, aber Dozenten die »nah« an der Materie sind, legen dann doch oft andere Schwerpunkte. Zudem wird das Angebot im Wahlpflichtbereich davon beeinflusst und man kann, so man später seinen Master machen möchte, bereits Kontakte zu anderen Studierenden oder den Dozenten knüpfen.
Diese Ausdifferenzierung der Biologie führte in den letzten Jahrzehnten auch zu einer wachsenden Anzahl von Studiengängen, die mit Biologie verwand sind, aber gesondert studiert werden können. Dazu zählt beispielsweise die schon erwähnten Fächer Bioinformatik oder Ökologie, aber auch die Biotechnologie. Diese Studiengänge liegen allesamt interdisziplinär zwischen der Biologie und anderen, meist eher technisch orientierten Wissenschaften. Oft können sie auch als Master im Anschluss an ein Bachelor-Biologie Studium studiert werden. Aber auch in Psychologie und natürlich der Medizin wird man nicht umhin kommen, sich profunde, biologische Kenntnisse anzueignen. Sogar in eher untypischen Fächern wie der Philosophie, der Soziologie und den Rechtswissenschaften gibt es Debatten, die für einen stärkeren Einfluss biowissenschaftlicher Erkenntnisse in die eigenen Theorien plädieren.

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Arbeiten im Labor gehört dazuDie Bewerbung: Bachelor? Diplom? ZVS?
An einigen Universitäten wird noch der Diplomstudiengang Biologie angeboten. Im Zuge der Europäisierung der Hochschullandschaft wird man aber spätestens ab 2010 nur noch mit einem Bachelor-Studium anfangen können. Damit einher zeichnet sich auch ein Paradigmenwechsel ab, was die Bewerbung an einer Hochschule betrifft. Momentan (2008) sind die Zustände leider noch etwas chaotisch.
Grundsätzlich gilt: Wenn man noch einen »alten« Diplomstudiengang anstrebt, dessen Abschluss in etwa auf der Höhe eines Masters liegt, muss man sich über die ZVS zentral bewerben. Um sofort einen Studienplatz zu bekommen, war für Biologie in den letzten Jahren immer ein Notenschnitt von etwa 2,3 bis 2,5 erforderlich. Über das Nachrückverfahren haben aber auch die meisten anderen Bewerber einen Studienplatz bekommen.
Künftige Bachelor-Studierende müssen sich hingegen direkt an der jeweiligen Hochschule bewerben. Dahinter steckt der Gedanke, dass die Universitäten sich ihre StudentInnen aussuchen können und umgekehrt. Dies führt in der Praxis allerdings zu erheblichen Organisationsschwierigkeiten. Viele Studierende bewerben sich an dutzenden Hochschulen, bekommen fast zeitgleich mehrere Zusagen und sagen den Unis, zu denen sie nicht wollen, viel zu spät ab. Ein Bewerber belegt für kurze Zeit sozusagen mehrere Plätze. Daher ist die Debatte, künftig beliebte Studiengänge wie Biologie wieder zentral verteilen zu lassen, momentan im vollen Gange.
Momentan (2008) kann man aber nur jedem empfehlen, sich möglichst früh an möglichst vielen Hochschulen zu bewerben. Hat man dann den Traumstudienplatz gefunden, sollte man alle anderen Hochschulen kurz über seine Entscheidung informieren. Das öffnet die Studienplätze wieder für die anderen Bewerber.
Was genau die jeweiligen Hochschulen in der Bewerbung sehen wollen, ist unterschiedlich. Eine entsprechende Hochschulreife (Abi, Fachabi o.ä.) sollte man natürlich besitzen und es ist hilfreich, wenn man Biologie und/oder Chemie als Leistungskurs an der Schule hatte. Auch praktische Kenntnisse sind hilfreich. All das ist aber kein Muss. Im Studium fängt man bei Null an.
Studienalltag

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Eine Spezialisierung der Biologie: Biotechnologie / GentechnikInhaltlich unterscheidet sich das Biologie-Studium dann doch sehr von anderen Studiengängen. Neben den üblichen Vorlesungen und Seminaren wird man als StudentIn auch viel Zeit im Labor verbringen. Mitunter muss man sogar in den Semesterferien entsprechende Praktika absolvieren. Leider ist an den meisten Universitäten bis heute auch nicht das »herumschneiden« an lebenden Tieren vom Stundenplan genommen. Fast jeder Biologie-Student wird im Laufe seines Studiums eine lebende Ratte oder einen lebenden Frosch unter das Seziermesser zu bekommen. Es findet zwar eine Diskussion statt, warum beispielsweise auch ein Botaniker das machen muss, diese hat bislang aber nicht zu einem Umdenken geführt. Letztlich muss das jedeR StudentIn mit seinem eigenen Gewissen ausmachen und sollte im Zweifel bei der Hochschule seiner Wahl nachfragen, ob er sich von solchen »Praktika« befreien lassen kann. Studiert man an einer Hochschule, an der Tierversuche im Rahmen der Forschung stattfinden, muss man zudem damit rechnen, auf diese von seinen Freunden, Mitbewohnern und Bekannten angesprochen zu werden.
Neben den rein biologischen Fächern stehen Chemie, Mathe und an einigen Hochschulen auch Informatik auf dem Stundenplan. Es empfiehlt sich generell, im Wahlpflichtbereich Grundlagen in anderen Naturwissenschaften zu erwerben.
Viele Hochschulen bieten Biologie als »1 Fach« oder »2 Fach« Bachelor-Studium an. Letzteres bezieht sich meist auf Lehramtsstudierende, die neben der Biologie noch Didaktik und ein anderes Schulfach lernen. Es gibt an einigen Universitäten aber auch duale Studiengänge, bei denen man statt Biologie eine Biowissenschaft wie z.B. die Bioinformatik studiert.
Berufschancen
Grundsätzlich gilt: Man sollte das studieren, was einem Spaß macht. Wenn man mit Herzblut dabei ist, findet man später einen Job. Wer hingegen rein aus Karrieregründen Biologie studieren möchte, dem sei davon eher abgeraten. Die Berufsaussichten sind seit Jahren eher durchwachsen, aber durchaus besser, als manche glauben. Die wenigsten Biologen enden im ehrbaren Gewerbe der Personenbeförderung.
In jedem Fall ist es ratsam, nach dem Bachelor einen Master anzustreben und sich seinen Interessen, aber auch der Marktlage entsprechend zu spezialisieren. Dabei gilt zu beachten, dass Biologen hauptsächlich in der Forschung selbst gesucht werden. Diese kann an den Universitäten stattfinden, aber auch in privaten Forschungseinrichtungen der Wirtschaft, beispielsweise in der Pharmaindustrie, der Medizin oder den Agrarwissenschaften. Eine Spezialisierung auf ein molekulares Fach (Genetik, Mikrobiologie, Biochemie) wird ausdrücklich als Hilfreich von »fertigen« Biologen empfohlen.
Etwas schlechter, aber auch nicht unmöglich sieht es mit »beratenden Jobs« aus, wo der Biologe quasi als Experte gebraucht wird. Gerade die oft als »Industrie von Morgen« bezeichnete Biotechnologie, braucht Biologen. Aber studierte Biologen können auch für Fachzeitschriften, öffentlichen Einrichtungen, Umweltschutzorganisationen oder gar für Firmen, die Ernährungsberatung anbieten, arbeiten.
Kurzum: Das Spektrum ist groß und man kann vorsichtig die Prognose wagen, das die Nachfrage nach Biologen in den nächsten Jahren eher noch steigen wird. Gerade unter dem Gesichtspunkt, dass »Biotechnologien« als Zukunftstechnologie gehandelt werden. Wichtig ist: Man muss sich konsequent spezialisieren und durch Eigeninitiative sein Berufsprofil schärfen.
Literaturtipps
Studienführer Biologie (ISBN 3-8274-1529-2) »
Der Verband deutscher Biologen (vdbiol) bringt einmal im Jahr diesen Band heraus, der sehr aktuell und detailliert über das Studium und die einzelnen Hochschulen informiert. Mit 25,50 Euro ist das Buch leider nicht sehr günstig, ist aber oftmals über Nachfrage bei der Studienberatung der Arbeitsagentur einsehbar.
Weitere Informationen
- Studienfächer im Bereich Biologie »
www.studis-online.de/StudInfo/fachbereich.php?bereich=2 - Hochschulen, an denen »klassische« Biologie studiert werden kann »
www.studis-online.de/StudInfo/studienfach.php?nr=60&what=Biologie - Verband deutscher Biologen »
www.vdbiol.de - Im Bio/Chemie-Forum unserer Webseite finden sich viele »erfahrene« StudentInnen, die meist immer eine gute Antwort auf sehr spezielle Fragen haben. »
www.studis-online.de/Fragen-Brett/list.php?104 - Informationssystem Studienwahl und Arbeitsmarkt (ISA) zu Biologie »
www.uni-essen.de/isa/fg_naturwiss/biologie/biologie_hs_frm.htm -
Das vielleicht größte, deutschsprachige Biologen-Forum im Internet. Auch hier findet man auf viele Fragen antworten. »
www.bioboard.de/index.php
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