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Nutzung von Enzymen, Zellen und Organismen
Biotechnologie studieren

16.06.2022
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Die Biotechnologie umgibt uns in fast allen Lebensbereichen – von genmanipulierten Pflanzen in der Landwirtschaft, über die Produktion von Waschmitteln bis hin zur Aufbereitung von Trinkwasser. Wenn du dich dafür interessiert, wie biologische Prozesse technisch nutzbar gemacht werden, dann könnte ein Biotechnologie-Studium das Richtige für dich sein.

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Frau mit Mundschutz und Klemmbrett in der Hand betrachtet Anzeige an Kessel.
Ivan Traimak - stock.adobe.com

Mehr Technik als Biologie: BiotechnologInnen arbeiten später oft in großtechnischen Anlagen

1. Inhalte

Die Biotechnologie wird oft als eine der „Schlüsseltechnologien unserer Zeit“ beschrieben. Wobei Biotechnologien eigentlich schon seit Jahrhunderten genutzt werden. Schon lange werden z.B Mikroorganismen für die Herstellung von Bier, Wein oder Brot verwendet. Die moderne Biotechnologie basiert allerdings hauptsächlich auf der Molekularbiologie. In Deutschland gibt es einige Hundert Biotech-Unternehmen. Die meisten sind im medizinischen Bereich angesiedelt.

Zentrale Frage der Biotechnologie ist: Wie kann man biologische Systeme nutzen, um technische Verfahren zur industriellen Produktion zu entwickeln?
Diese Frage stellt man sich in sehr vielen verschiedenen Bereichen. Im großen Feld der Biotechnologie unterscheidet man daher zwischen:

  • grüner Biotechnologie: auch Agro-Biotechnologie genannt, Pflanzen stehen hier im Fokus.

  • roter Biotechnologie: beschäftigt sich mit der Entwicklung neuer medizinischer Verfahren.

  • weißer Biotechnologie: hier geht es um die Nutzung von Mikroorganismen in der Industrie.

  • grauer Biotechnologie: wird auch Umweltbiotechnologie genannt. Hier dreht sich allles um die Abfallwirtschaft, z.B Behandlung von Abfällen, Aufbereitung von Trinkwasser oder Abwasserreinigung. Innerhalb der Umweltbiotechnologie gibt es noch die braune Biotechnologie, in der es hauptsächlich um die Bereinigung kontaminierter Böden geht.

  • blauer Biotechnologie: beschäftigt sich mit der Frage nach der Nutzung von Meeresressourcen.

Teilweise überschneiden sich diese „Disziplinen“ aber auch.

Doch was lernt man in einem Studium der Biotechnologie? Erst einmal: Basics! In den ersten Semestern wirst du mit den naturwissenschaftlich-technischen Grundlagen der Biotechnologie vertraut gemacht. Mathematik, Physik, Biologie und Chemie (anorganische, organische, physikalische) stehen auf dem Stundenplan. Auch ingenieurwissenschaftliche Kenntnisse werden vermittelt. Darüber hinaus beschäftigst du dich mit:

  • Verfahrenstechnik

  • Mikrobiologie

  • Genetik

  • Molekulare Zellbiologie & Biotechnologie

  • Statistik

  • Bioinformatik

  • Elektrotechnik

  • Biochemie

  • Zellkulturtechnik

Je nach Hochschule kannst du unterschiedliche Schwerpunkte in deinem Studium setzen, wenn du dich z.B insbesondere für die rote Biotechnologie interessierst, ist es ratsam, sich eine Hochschule auszusuchen, an der du diesen Schwerpunkt studieren kannst. Überhaupt: sich vorher genau über die angebotenen Module zu informieren, ist in diesem vielseitigen Studiengang dringend zu empfehlen.

Nicht selten haben Biotechnologie-Studiengänge auch eine internationale Ausrichtung oder integrierte Auslandssemester.

Für wen ist das Biotechnologie-Studium geeignet?

Wer in Erwägung zieht, Biotechnologie zu studieren, sollte sich gern mit Naturwissenschaften beschäftigen. Grundlagenwissen in Biologie, Chemie und Physik solltest du für das Studium mitbringen. Auch Mathematik ist gefragt. Wenn du zudem über analytische Versiertheit und Abstraktionsvermögen verfügst, dann ist Biotechnologie wohl genau dein Ding!

Ähnliche Studiengänge

Um später in der Biotech-Branche zu arbeiten, musst du nicht zwangsläufig Biotechnologie studieren. Je nachdem für welche Schwerpunkte du dich interessierst, kommen vielleicht auch folgende Studiengänge in Frage:


2. Dauer des Biotechnologie-Studiums und mögliche Studienabschlüsse

In der Regel dauert das Biotechnologie Studium 7 Semester und wird als Bachelor of Science mit einer Bachelorarbeit abgeschlossen. Insgesamt werden dabei 210 ECTS-Punkte (Credit Points) erbracht. Recht häufig werden auch 6-semestrige Studiengänge angeboten, diese mit 180 Credits.

Anschließend kann noch das Master-Studium in Biotechnologie oder einem ähnlichen Masterstudiengang absolviert werden. Der Master of Science kann in 4 Semestern abgeschlossen werden, wobei 120 Credits erbracht werden müssen.

In Deutschland sollten Bachelor und Master zusammen 300 ECTS auf 10 Semester Regelstudienzeit verteilt umfassen. Nach einem sechs-semestrigen Bachelor mit 180 ECTS kann also nicht direkt ein drei- oder gar zwei-semestriger Master mit jeweils weniger als 120 ECTS angeschlossen werden. Je nach Hochschule können die fehlenden Credits aber oft in einem Brückensemester nachgeholt werden.

Neben den konsekutiven Masterstudiengängen, die direkt im Anschluss an den Bachelor studiert werden können, werden auch einige weiterbildende Master angeboten. Weiterbildende Master setzen neben einem Hochschulabschluss meist noch mind. ein Jahr Berufstätigkeit nach diesem Abschluss voraus.

Biotechnologie: Studiendauer (Regelstudienzeit)
Bachelor6 - 8 Semester
Master3 - 4 Semester
Bachelor (Teilzeit)10 Semester
Master (Teilzeit)5 Semester

Studienformen des Biotechnologie-Studiums

Die klassische Form des Biotechnologie-Studiums ist das Vollzeit-Präsenzstudium. Man studiert Vollzeit an einer Hochschule, an der man praktisch täglich zu Veranstaltungen (Vorlesungen, Übungen, Tutorien, je nach Studienfach auch Projekte, Labor etc.) geht und wo auch die Prüfungen stattfinden. Vollzeit bedeutet grob 40 Stunden / Woche, wobei in der Realität meist Phasen mit weniger Zeitaufwand anderen (vor allem vor größeren Prüfungen) gegenüberstehen, in denen evt. auch mehr Zeit pro Woche mit dem Studium verbracht wird.

Daneben gibt es Studienangebote in Teilzeit, d.h. das Studium ist dabei so organisiert, dass man mit geringerem Zeitaufwand pro Woche, aber entsprechend längerer Studienzeit zum Studienabschluss kommen kann.

Schließlich kann Biotechnologie im Fernstudium absolviert werden. Das macht ein – bis auf die Prüfungszeiträume – orts- und zeitunabhängiges Studium möglich, erfordert daher aber auch ausreichend Selbstdisziplin. Für praktische Übungen gibt es dann manchmal doch Präsenztermine.

Eine Verbindung von Ausbildung und Studium stellt ein duales Studium dar, Biotechnologie kann auch so studiert werden.


3. Was kostet Studieren 2022?

Lebenshaltungskosten insgesamt

Während eines Biotechnologie-Studiums brauchst du eine finanzielle Grundlage für eine Unterkunft am Studienort, für Nahrung, Kleidung, Fahrtkosten, Telefon und Internet sowie Bücher und Arbeitshefte. Je nach Ort und eigener Sparsamkeit liegen die monatlichen Ausgaben zwischen 672 € und über 1.600 €. Im Durchschnitt geben Studierende inzwischen knapp 900 € im Monat für Studienkosten aus.

München ist Spitzenreiter, was die Mieten und die Lebenshaltungskosten an sich angeht, aber auch Frankfurt/Main, Hamburg, Köln und Berlin liegen deutlich über dem Durchschnitt. Günstiger lebt es sich in kleineren Städten abseits der Metropolen, insbesondere in den neuen Bundesländern.

Hauptkostenpunkt: Miete

Die Mieten für ein WG-Zimmer liegen je nach Stadt zwischen 294 Euro und 641 Euro (Werte von 2018 plus 15 Prozent).

Kosten je nach Ort und persönlicher Situation

Für das Studium ist halbjährlich noch ein Semesterbeitrag zu zahlen. Damit werden bspw. günstigere Mensapreise ermöglicht. In einigen Studienstädten ist ein Semesterticket für den öffentlichen Nahverkehr eingeschlossen, was zwar den Semesterbeitrag erhöht, aber deutlich günstiger als andere Dauerkarten für den jeweiligen Verkehrsverbund ist. An einigen größeren Unis gibt es auch studentische Fahrradwerkstätten.

Kosten für eine Krankenversicherung sind zu berücksichtigen, wenn eine Familienversicherung über die Eltern nicht mehr möglich ist.

Muss ich für ein Biotechnologie-Studium Studiengebühren zahlen?

Praktisch alle Bachelor und konsekutiven Master können an staatlichen Hochschulen ohne Studiengebühren begonnen werden. Konsekutive Master schließen meist an ein fachgleiches (oder zumindest fachlich passendes) Bachelorstudium an und setzen keine Berufserfahrung voraus. Ein langes Studium oder ein Zweitstudium sind allerdings in einigen Bundesländern kostenpflichtig.

An privaten Hochschulen werden Studiengebühren erhoben. Die Höhe variiert je nach Studienangebot und Hochschule.


4. Wie kann ich mein Biotechnologie-Studium bezahlen?

Unterhalt der Eltern

Eine Aufgabe deiner Eltern ist es, dir eine angemessene Berufsausbildung zu ermöglichen. Dazu zählt auch, dir im Studium finanziell oder mit Kost und Logis unter die Arme zu greifen. Die Entscheidung, ob es ein Studium sein soll und welche Fachrichtung, liegt primär in deiner Hand, so dein Schulabschluss dir diesen Weg ermöglicht. Der Staat unterstützt deine Eltern u.a. mit Kindergeld, das im Ausnahmefall auch direkt an dich ausgezahlt werden kann.

BAföG beantragen: Staatliche Förderung, zur Hälfte geschenkt!

BAföG für Studierende soll einspringen, wenn deine Eltern – aus Sicht des Gesetzes – zu wenig Einkommen haben, um ausreichend Unterhalt für ein Studium zu leisten. Wenn du noch unter 30 Jahre alt bist und keine berufsqualifizierende Ausbildung angefangen hast, ist BAföG für das Studium in der Regel zugänglich – sonst prüfe deinen BAföG-Anspruch. Mit unserem BAföG-Rechner kannst du die Höhe deines BAföGs berechnen. Und zwar als Vorschau auch schon das BAföG ab Wintersemester 2022/2023!

Die BAföG-Rückzahlung ist auf 10.010 € begrenzt, beginnt erst Jahre später und nur, wenn ausreichend verdient wird. Hast du bereits eine Ausbildung gemacht und danach mehrere Jahre gearbeitet sowie in wenigen anderen Ausnahmefällen könnte es sogar elternunabhängiges BAföG für dich geben.

Stipendien für das Biotechnologie-Studium

Stipendien stehen einer viel kleineren Gruppe zur Verfügung als BAföG. Größter Vorteil: Durch Stipendien erhaltene Förderung ist geschenkt. Daneben gibt es oft eine ideelle Förderung. Die großen Studienförderwerke vergeben Stipendien nach den BAföG-Regeln (also abhängig vom Einkommen der Eltern). Hinzu kommen 300 Euro „Büchergeld“ im Monat für alle. Das Bewerbungsverfahren beginnt in der Regel ein halbes Jahr zuvor.

Für Auslandsaufenthalte im Studium kann es Förderung in Form von ERASMUS-Stipendien geben oder über den DAAD.

Jobben als Werkstudent / Minijob / Selbständig sein

Die meisten Studierenden jobben zumindest zeitweise während des Studiums, oft als Mini-Jobber oder als WerkstudentIn. Während der Vorlesungszeit darf die Arbeitszeit 20 Wochenstunden nicht überschreiten.

Eine Verrechnung mit BAföG erfolgt, wenn dein durchschnittlicher Verdienst über 450 Euro im Monat liegt. Entscheidend ist im Unterschied zur Steuer nicht das Kalenderjahr, sondern der Bewilligungszeitraum des BAföG.

Staatlicher Bildungskredit und weitere Möglichkeiten

Für Studierende in höheren Semestern oder im Master gibt es den staatlichen Bildungskredit mit günstigen Zinsen und einer Auszahlung von bis zu 300 Euro / Monat für höchstens zwei Jahre.

Ein Studienkredit (oder ein Bildungsfonds) ist dagegen nur als letzte Möglichkeit in Betracht zu ziehen, wenn die günstigeren Möglichkeiten nicht reichen oder bspw. am Studienende eine Konzentration auf das Studium ohne Jobben möglich sein soll.

Wenn du schon in den letzten Semestern des Studiums angelangt bist, kann u.U. – gerade in sozialen Notlagen – auch ein Studienabschlussdarlehen oder Überbrückungsdarlehen in Frage kommen. Scheue dich nicht, dich zu erkundigen und – wenn für dich möglich – ein solches in Anspruch zu nehmen. Die Konditionen sind deutlich besser als bei Bildungskredit oder gar Studienkrediten!

5. Berufsaussichten

Wie du bereits gesehen hast, ist das Feld der Biotechnologie sehr groß. Dementsprechend hast du auch viele verschiedene Möglichkeiten, beruflich unterzukommen. Sei es z.B in der Pharmazeutik, der Lebensmittelbranche oder der Abfallwirtschaft. Allerdings: Trotz der Vielfalt an Biotech-Unternehmen, ist die Kapazität an Arbeitsstellen in der kommerziellen Branche nicht riesig. Andererseits befindet sich der Markt im Wachstum und insbesondere in der Pharmaindustrie werden gut qualifizierte Kräfte gesucht. Du kannst natürlich auch in der akademischen Forschung tätig werden, hierfür sind sehr gute Noten gefragt.

Örtlich solltest du allerdings flexibel sein, wenn du nach einer passenden Stelle suchst. Wer hier ungebunden ist, kann sich auch nach Stellen im Ausland umgucken.

Hier ein kleiner Überblick, in welchen Feldern du später tätig werden könntest:

  • Chemische oder pharmazeutische Unternehmen

  • Nahrungsmittelindustrie

  • Kosmetik- und Textilbranche

  • Maschinen- und Anlagebau

  • Forschung

  • Abfallwirtschaft

  • Landwirtschaft

  • Meereswissenschaften


6. Gehalt von Biotechnologie-Absolventen und -Absolventinnen

Das Gehalt von Biotechnolog*innen ist sehr abhängig von der Position und dem Grad der Verantwortung. Mit einem Master liegt das Einstiegsgehalt durchschnittlich bei 42.000 Euro (brutto) pro Jahr. Bei kleineren Unternehmen liegt das Gehalt in der Regel darunter, ebenso ist mit einem Bachelor-Abschluss deutlich weniger zu erwarten.

Mit steigender Berufserfahrung steigt das Gehalt auf etwa 5.000 Euro brutto an. Generell gilt, dass du bei staatlichen Unternehmen etwas weniger bekommen wirst als in der freien Wirtschaft.

Laut dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit liegt das Gehalt von Ingenieur*innen der Biotechnologie bei 4.477 Euro brutto (diese Zahl gilt für „Berufe im biologisch-technischen Laboratorium - hoch komplexe Tätigkeiten“).*

Wie bei allen Gehaltsangaben gilt: Je nach konkreter Position im Unternehmen, Branche, Größe des Unternehmens, Ort der Beschäftigung und noch manchem mehr unterscheiden sich konkrete Gehälter mehr oder weniger stark von Durchschnittszahlen.

Quelle: Entgeltatlas Arbeitsagentur


Weiterführende Informationen

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