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Die Mathematik des Lebens
Biomathematik studieren

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10.11.2023
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Bio + Mathe = Biomathematik? So einfach geht diese Gleichung nicht auf. Biomathematik muss viel mehr als ein Dolmetscher zwischen beiden Disziplinen verstanden werden. Wie du BiomathematikerIn wirst und welche Berufsfelder dir damit offen stehen, verrät unser Studienführer.

Von Maria Köpf





1. Kurz + knapp

Viele Studierende stellen sich vor, dass es sich um Mathematik mit Nebenfach Biologie handelt. Doch ist Biomathematik eine Art Dolmetschwissenschaft für weitere Wissenschaften. BiomathematikerInnen „übersetzen“ BiologInnen Fragen wie „Wieviele DNA-Sequenzen von Schimpansen, Gorilla, Orang-Utan ähneln dem Menschen?“ Hierzu stellen sie ein mathematisches Modell her. Das Studium besteht aus Teilbereichen der Biologie und der Mathematik.

Das Bachelorstudium Biomathematik dauert 6 Semester (180 Credit Points). Das Masterstudium dauert 4 Semester (120 Credti Points).

Der Bachelor Biomathematik kann an den Unis Greifswald und Ulm sowie an der Hochschule Koblenz (Standort Remagen) studiert werden. Die Uni Lübeck bietet zudem den spezialisierten Studiengang Mathematik in Medizin und Lebenswissenschaften an. Masterstudiengänge gibt es in Bremen, Greifswald, Heidelberg, Lübeck, Ulm und München.

AbsolventInnen, die in Biomathematik oder in Mathematik ihren Master-Abschluss machen, können mit einem Einstiegsgehalt von 34.000 € rechnen (Zahl bezieht sich auf Uni-Abschluss). Fünf Jahre nach Master-Abschluss liegt das Jahresgehalt von BiomathematikerInnen im Durchschnitt bei 67.340 €. Weitere fünf Jahre später, also 10 Jahre nach Abschluss beträgt das Jahresgehalt etwa 76.234 €. Es gilt aber zu berücksichtigen, dass in diese Werte auch die Gehälter klassischer MathematikerInnen miteinberechnet werden.

Deine Berufsmöglichkeiten nach einem Biomathematik-Studium liegen im Bereich der biologischen und medizinischen Forschung, der Lehre und Forschung an Hochschulen und in der biotechnologischen Planung und Entwicklung. Auch im Umweltschutz, bei der Pharmaindustrie und im Consulting kannst du prinzipiell arbeiten. Als BiometrikerIn kannst du zusätzlich auch in Krankenhäusern mit klinischer Forschung oder in Unternehmen für Überwachungssysteme (biometrische Verfahren) beschäftigt werden.


2. Das Studium

Unter BiomathematikerInnen gibt es ein bekanntes Zitat: „Die Biologie ist die neue Physik der Mathematik, nur noch besser.“ Das Sprichwort prägte der Biomathematiker Joel E. Cohen, der 2004 damit ausdrückte, dass die Biologie ungemein von der Mathematik profitiert – und umgekehrt. Und manch einer erinnert sich an die bahnbrechende Entschlüsselung des Humangenoms im Jahr 2001. Die tausenden DNA-Fragmente wurden mittels eines mathematisch gestützten Computermodells zusammengesetzt. Heute ist die Biomathematik auch für den Wirtschaftssektor keine Randwissenschaft mehr.

Evolutionsbiologisch lässt sich anhand äußerlicher Ähnlichkeiten nicht ganz genau aussagen, wie eng verwandt Tiere sind. Dazu brauchen wir die DNA. Eine Auswertung und ein Vergleich von 23.000 Genen des Menschen mit denen von Tieren verlangt wiederum nach einem computerisierten Modell. Das liefert uns die Biomathematik – ein spezialisierter Studiengang aus dem praktischen Anwendungsbereich der Mathematik.

Er ähnelt angewandteren Mathematikstudiengängen wie der Technomathematik oder Wirtschaftsmathematik. An der Schnittstelle zwischen Biologie – Biotechnologie – Molekularbiologie und der Mathematik setzt die Biomathematik an. Sie löst mit Hilfe von mathematischen Methoden biologische und medizinische Fragestellungen. Daraus modelliert sie Analysen, Prognosen und Statistiken für biologische, pharmazeutische und medizinische Zwecke.

Bachelor

Aus dem Diplomstudiengang Biomathematik entwickelte sich im Zuge der Bologna-Entwicklungen der Bachelorstudiengang Biomathematik. Seit 1998 wird dieser Bachelor in Deutschland unterrichtet, mittlerweile an drei bzw. vier Hochschulen: an den Unis Greifswald und Ulm sowie an der Hochschule Koblenz (Standort Remagen). Die Uni Lübeck bietet zudem den spezialisierten Studiengang Mathematik in Medizin und Lebenswissenschaften an.

In Remagen ist das Studium eher angewandt, wohingegen die Universitäten eher spezialisiert auf gewisse Forschungsfelder sind, wie beispielsweise auf die Teilwissenschaft der Biometrie und Biomedizin.

Zum Bachelorstudium noch ein wichtiger Punkt: Auch AbsolventInnen der Mathematik, Biologie, Informatik oder verwandter Fächer steht der Weg zum/zur BiomathematikerIn offen. Sie können im Anschluss an das Bachelorstudium mit einem Master in „Biomathematik“ oder einem verwandten Fach aufrüsten.

Inhalt des Bachelors

Zum Bachelorstudium zählen Vorlesungen und Übungen aus den Biowissenschaften, z.B. Biochemie, Bioinformatik, Zytologie oder Pharmakologie, Mikrobiologie oder Ökologie. Dazu kommen Vorlesungen aus der Mathematik wie Lineare Algebra und analytische Geometrie, Diskrete Mathematik, Analysis und Optimierung, Stochastik oder Statistik. Ebenfalls abgedeckt wird ein Anwendungsbereich aus der Informatik wie Computeralgebrasysteme oder Programmierpraxis.

Vorurteile aufräumen – Was Biomathematik (nicht) ist

Viele Studierende stellen sich vor, dass es sich um Mathematik mit Nebenfach Biologie handelt. Doch ist Biomathematik eine Art Dolmetschwissenschaft für weitere Wissenschaften. Es ähnelt diesbezüglich der Wirtschaftsmathematik. BiomathematikerInnen „übersetzen“ BiologInnen Fragen wie „Wieviele DNA-Sequenzen von Schimpansen, Gorilla, Orang-Utan ähneln dem Menschen?“

Hierzu stellen sie ein mathematisches Modell her. Daraus programmieren BioinformatikerInnen eine Software, die BiologInnen auf Knopfdruck die erwünschten Antworten bietet. Diese Arbeit ist oft sehr theoretisch, aber teilweise auch recht angewandt. Angewandte Projektarbeiten können z.B. Datenanalysen gemeinsam mit BiologInnen, BiotechnologInnen oder MolekulargenetikerInnen sein.

Und was ist eigentlich Biometrik?

Kein Student der Biologie oder eines verwandten Faches kommt an der Biometrik vorbei. Doch was ist das eigentlich? Die Biometrik bzw. auch die Biometrie ist die Wissenschaft von der Anwendung statistischer Messungen an Lebewesen aller Art. Es werden z.B. Messungen der Iris, der DNA, des Fingerabdrucks oder der Ohrform verglichen. Oftmals wird Biometrie auch synonym für Biostatistik verwendet.

Du begegnest den Messungen an Lebewesen im Prinzip in allen Biowissenschaften, d.h. sowohl in der Medizin als auch in Biologie, Biophysik oder Molekularbiologie. Der „biometrische Personalausweis“ ist ein anschauliches Beispiel für Anwendungen, die auf biometrischen Verfahren basieren.

Möglichkeiten im Master

Alle Masterstudiengänge führen in vier Semestern Vollzeitstudium zum Abschluss. An der Universität Heidelberg kannst du den Masterstudiengang „Medical Biometry/Biostatistics“ auch berufsbegleitend studieren. Dies kostet allerdings auch Studiengebühren. Oft haben die Hochschulen eine Kooperation mit bio(technologischen) oder klinischen Instituten sowie mit Unternehmen der Industrie. Dadurch entstehen viele Masterarbeiten auch durch diese Zusammenarbeit.

Allgemeine „biomathematische“ Masterstudiengänge

Die Masterstudiengänge Biomathematik (Uni Greifswald) und Mathematics in Bioscience (TU München) bieten u.a. speziell biomathematische Veranstaltungen. Hier hast du Themen wie Stochastische Modelle der Biologie oder auch Molekulare Evolution. Zusätzlich besuchst du Kurse zur Mathematik, Biologie und Informatik, die jedoch über das Grundwissen des Bachelorstudiums hinaus gehen.

In Lübeck hast du die Möglichkeit, dich in den Lebenswissenschaften, der Bildgebung und -verarbeitung oder der Genetischen Epidemiologie zu spezialisieren. Und an der Hochschule Koblenz kannst du im Master einen Schwerpunkt in Biomathematik belegen.

Biomathematische Teilwissenschaften

Die Masterstudiengänge „Medical Biometry/Biostatistics“ an der Uni Bremen und Heidelberg konzentrieren sich auf Teilgebiete der Biomathematik. Sie behandeln insbesondere mathematische Modelle für klinische Auswertungen. Also erhältst du zusätzlich Kenntnisse zur Medizin, Ethik, Gesetzeskunde oder statistischen Fallstudien. Der Vorteil ist, dass sie auf konkrete Berufe zugeschnitten sind (z.B. als verantwortlicher Biometriker für Zulassungsstudien).


3. Dauer des Biomathematik-Studiums und mögliche Studienabschlüsse

In der Regel dauert das Biomathematik Studium 6 Semester und wird als Bachelor of Science mit einer Bachelorarbeit abgeschlossen. Insgesamt werden dabei 180 ECTS-Punkte (Credit Points) erbracht.

Anschließend kann noch das Master-Studium in Biomathematik oder einem ähnlichen Masterstudiengang absolviert werden. Der Master of Science kann in 4 Semestern abgeschlossen werden, wobei 120 Credits erbracht werden müssen.

Biomathematik: Studiendauer (Regelstudienzeit)
Bachelor6 Semester
Master4 Semester

Studienformen des Biomathematik-Studiums

Die klassische Form des Biomathematik-Studiums ist das Vollzeit-Präsenzstudium. Man studiert Vollzeit an einer Hochschule, an der man praktisch täglich zu Veranstaltungen (Vorlesungen, Übungen, Tutorien etc.) geht und wo auch die Prüfungen stattfinden. Vollzeit bedeutet grob 40 Stunden / Woche, wobei in der Realität meist Phasen mit weniger Zeitaufwand anderen (vor allem vor größeren Prüfungen) gegenüberstehen, in denen evt. auch mehr Zeit pro Woche mit dem Studium verbracht wird.


4. Wo kann Biomathematik studiert werden?

Du kannst Biomathematik an einigen Hochschulen in Deutschland studieren. Das Studienangebot ist eher klein. Insgesamt kann Biomathematik in 6 Städten studiert werden.


5. Was kostet ein Biomathematik-Studium und wie finanziere ich es?

Was das Leben als Student:in kostet

Während eines Biomathematik-Studiums brauchst du eine finanzielle Grundlage für eine Unterkunft am Studienort, für Nahrung, Kleidung, Fahrtkosten, Telefon und Internet sowie Bücher und Arbeitshefte. Je nach Ort und eigener Sparsamkeit liegen die monatlichen Ausgaben – wenn nicht bei den Eltern gewohnt wird – zwischen 748 € und über 1.851 €. Im Durchschnitt geben Studierende inzwischen knapp 950 € im Monat aus.

Der Hauptkostenpunkt ist in der Regel die Miete. Anhaltspunkte zur Höhe im Artikel Mieten für ein WG-Zimmer.

Und wie bezahle ich das alles?

Für alle, die mit knapp 20 ein Studium beginnen, dürfte der gerade angesprochene Studienfinanzierungs-Check gar nicht nötig sein. Für sie sind meist die Eltern die erste Finanzquelle – Details dazu im Artikel Unterhalt von den Eltern.

Haben die Eltern wenig Einkommen, springt das BAföG für Studierende ein. Für einige kann auch ein Stipendium in Frage kommen.

Ansonsten jobbt die große Mehrheit der Studierende noch neben dem Studium.

Weitere Möglichkeiten der Studienfinanzierung findest du in unserer Übersicht Geld für das Studium. Oder nutze den Studienfinanzierungs-Check – dann weißt du schneller, was überhaupt für dich in Frage kommt.


6. Berufsaussichten – noch keine statistischen Werte

Die Berufsaussichten sind gut, wenn es auch keine konkreten Zahlen gibt. Noch fehlen dafür belastbare Aussagen. Professoren von den Universitäten in Greifswald, Bremen und Ulm gaben gegenüber Studis Online an, dass ihre MasterabsolventInnen meist innerhalb weniger Monate in Arbeit waren. Während des Studiums versprechen dir die Universitäten Kontakte zu interdisziplinären Wissenschaften wie Medizin, Pharmazie und Biologie zu vermitteln. Ob dies nur auf die Vorlesungsverzeichnisse reduziert bleibt, musst du genau prüfen.

Berufsaussichten – für Biometriker und Biostatistiker

Interessant können für dich auch die mathematischen Analysen von BiomedizinerInnen sein. In der Praxis verlangen Zulassungsstudien für Medikamente oder klinische Verfahren, dass Ergebnisse grafisch und statistisch ausgewertet werden. Doch konkurrierst du hier mit den studierten BiometrikerInnen. Die studierten BiomathematikerInnen sind dagegen breiter und allgemeiner ausgebildet und können sich in allen Bereichen der Life Sciences Nischen suchen.

Infos zur Autorin

Maria Köpf studierte Germanistik und Judaistik an der Freien Universität Berlin. Sie lebte je ein halbes Jahr in Israel und Spanien. Seit einigen Jahren verbindet sie mit den abgeschlossenen Studien und Ausbildungen Journalismus und Medizin und schreibt heute als freie Journalistin vor allem für medizinische Fachzeitschriften und Magazine.

mariakoepf.com

Mögliche Berufe

Deine Berufsmöglichkeiten liegen im Bereich der biologischen und medizinischen Forschung, der Lehre und Forschung an Hochschulen und in der biotechnologischen Planung und Entwicklung. Auch im Umweltschutz, bei der Pharmaindustrie und im Consulting kannst du prinzipiell arbeiten. Als BiometrikerIn kannst du zusätzlich zur Pharmaindustrie, Hochschulen und Forschungsinsituten auch in Krankenhäusern mit klinischer Forschung oder in Unternehmen für Überwachungssysteme (biometrische Verfahren) beschäftigt werden.

Im Zuge des Bolognia-Prozesses entstanden neue Studiengänge, die ein ganz spezifisches Arbeitsmarktsegment bedienen. Trotzdem zählt diese mathematische Richtung noch zu den jungen Wissenschaften. Die Biomathematik ist im Begriff, die neue angewandte Mathematik der biologischen, pharmazeutischen und medizinischen Firmen zu werden.

Noch fehlen Zahlen und Fakten, wie sie sich von Wirtschaftsmathematik und angewandter Mathematik unterscheidet. Doch spricht ihre Anwendungsorientierung und Verknüpfung mit Biologie, Psychologie, Medizin, Pharmazie und zum Teil auch Ethik für sehr guten Praxisbezug nach dem Studium.


7. Gehalt von Biomathematiker und Biomathematikerinnen

Gehalt in € Master Uni
34.000
Einstieg
67.340
5 Jahre
76.234
10 Jahre
Ø Fachgruppe Naturwissenschaften; Befragung: DZHW.

AbsolventInnen, die in Biomathematik oder in Mathematik ihren Master-Abschluss machen, können mit einem Einstiegsgehalt von 34.000 € rechnen (Zahl bezieht sich auf Uni-Abschluss).

Fünf Jahre nach Master-Abschluss liegt das Jahresgehalt von BiomathematikerInnen bei 67.340 €. Verglichen mit dem Einstiegsgehalt hat sich die Zahl mehr als verdoppelt. Es gilt aber zu berücksichtigen, dass dieses Gehalt auch für klassische MathematikerInnen gilt.

Weitere fünf Jahre später, also 10 Jahre nach Abschluss beträgt das Jahresgehalt etwa 76.234 €

Wie bei allen Gehaltsangaben gilt: Je nach konkreter Position im Unternehmen, Branche, Größe des Unternehmens, Ort der Beschäftigung und noch manchem mehr unterscheiden sich konkrete Gehälter mehr oder weniger stark von Durchschnittszahlen. Da die Zahlen bereits einige Jahre alt sind, sollten die aktuellen Gehälter sogar höher liegen.


Weitere Informationen

Aus der Studis Online-Datenbank

Organisationen

Informationen zum Berufsbild





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