14.12.2009

Hintergrundtexte zum Thema Bildungsstreik und -reform
Bildung und Humankapital (Seite 1)

Das Konzept des Humankapitals spielt derzeit bei der Begründung bildungspolitischer Entscheidungen eine wichtige Rolle – sowohl bei der Einführung von Studiengebühren, die als Investition in das "individuelle Humankapital" beschrieben werden, als auch bei der allgemeinen Transformation des Bildungssystems im Zuge des Bologna-Prozesses. Ulf Banscherus gibt einen Überblick über das dahinter stehende theoretische Modell und skizziert den Verlauf der bildungspolitischen und bildungsökonomischen Debatte seit den 1960er Jahren.

Über den Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi)

Seit seiner Gründung 1968 engagiert sich der BdWi für eine Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung. Er bezieht auf Kongressen, in wissenschaftlichen Publikationen und politischen Stellungnahmen öffentlich Position zu Fragen von Wissenschaft, Forschung und Hochschulentwicklung. Im BdWi haben sich über tausend Natur-, Geistes- und SozialwissenschaftlerInnen zusammengeschlossen. Sie alle verbindet ihr gemeinsames Interesse an einer emanzipatorischen Wissenschafts- und Bildungspolitik.

Der BdWi lebt dabei von seinen Mitgliedern: Sie finanzieren die Arbeit und engagieren sich ehrenamtlich. Ob ProfessorIn, WissenschaftlerIn oder Studierende – gemeinsam versuchen die Mitglieder des BdWi, die bildungs- und wissenschaftspolitische Debatte zu beeinflussen.

Weitere Informationen auch zur Mitgliedschaft finden sich unter www.bdwi.de.
Vorbemerkung zum Text

Der Begriff ›Humankapital‹ wurde 2004 von einem sechsköpfigen Gremium aus Sprachwissenschaftlern zum "Unwort des Jahres" gewählt. Sie begründeten ihre Wahl wie folgt: "Der Gebrauch dieses Wortes aus der Wirtschaftsfachsprache breitet sich zunehmend auch in nichtfachlichen Bereichen aus und fördert damit die primär ökonomische Bewertung aller denkbaren Lebensbezüge, wovon auch die aktuelle Politik immer mehr beeinflusst wird. Humankapital degradiert nicht nur Arbeitskräfte in Betrieben, sondern Menschen überhaupt zu nur noch ökonomisch interessanten Größen."

Unter vielen Mainstream-Wirtschaftswissenschaftlern stieß diese Wahl auf Unverständnis, sei doch "der Produktionsfaktor Humankapital die entscheidende Wachstumsdeterminante in einer Wirtschaft überhaupt" (Jürgen Donges, Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik, Universität Köln) und die Juroren "geistige Totengräber unserer Volkswirtschaft" (Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin) (www.dradio.de).

Als der Begriff in den 1960er Jahren Einzug in die Wirtschaftswissenschaft erhielt, stand noch ein anderes Motiv im Vordergrund, "nämlich der Versuch, die Bedeutung des ›menschlichen Faktors‹ in ökonomische Modelle auf eine angemessene Weise zu berücksichtigen", so Ulf Banscherus in seinem Beitrag "Die Humankapitaltheorie: Entstehung und Funktionswandel". Banscherus geht in dem Text einerseits auf die Bedeutung des Begriffs, andererseits aber auch auf seine Verwendung als "politisches Instrument" ein und bietet so einen Einstieg in die Beschäftigung mit dem Thema. Ergänzt werden seine Ausführungen durch eine kommentierte Literaturliste mit weiterführenden Artikeln.










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Diese Reihe ist eine Kooperation vom Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi) und Studis Online aus Anlass des Bildungsstreiks 2009/2010. Sie soll Hintergründe beleuchten und Theorie bereitstellen.

 
 

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