Studierendenzahlen im WiSe 2008/2009
Geburtenstarke Jahrgänge führen zu hohen Erstsemesterzahlen
Dass die Studierendenzahl in diesem Jahr gestiegen ist, verwundert nicht. Denn 1990 war ein vergleichsweise geburtenstarker Jahrgang. Wie schon in den letzten Jahren fällt die Steigerung jedoch je nach Bundesland sehr unterschiedlich aus. Einen wirklich einheitlichen Trend kann man noch nicht erkennen, auch die Ursachenforschung stochert eher im Nebel. Immerhin ist die StudienanfängerInnenquote auf fast 40% gestiegen.Die absoluten Zahlen sehen noch etwas beeindruckender aus, weil nicht der Anteil des aktuellen Altersjahrgangs, der ein Studium aufnimmt gestigen ist, sondern es sich gleichzeitig um einen verhältnismäßig geburtenstarken Jahrgang gehandelt hat. So gab es dieses Jahr 24.000 Erstsemester mehr als im vergangenen.
Ursachen umstritten: Unterschiedliche Tendenz in den einzelnen Bundesländern
Das Bundesbildungsministerium feiert die Zahlen und behauptet pauschal, "Das Studium ist noch attraktiver geworden". Ob das wirklich so ist, wird wohl die Zeit noch zeigen müssen. Dass die diesjährige BAföG-Erhöhung hilfreich war, dürfte allerdings Konsens sein.
Im letzten Jahr hatte selbst das Statistische Bundesamt (das ja möglichst neutral sein muss) einen Zusammenhang zwischen Studiengebühren und den Steigerungen bzw. auch Minderung bei den StudienanfängerInnenzahlen gesehen. In diesem Jahr hält sich das Amt mit einer derartigen Interpretation zurück, nur für Hessen wird das so gesehen: Die Steigerung dort könne durchaus mit der Abschaffung der Studiengebühren zusammenhängen.
Die höchste Steigerung der StudienanfängerInnenzahlen gab es jedenfalls im Saarland (+15%), einem Land mit Studiengebühren. Allerdings war das Saarland im vergangenen Jahr Schlusslicht mit -3%. Dieses Jahr gab es doppelte Abiturjahrgänge wegen der verkürzten Gymnasialzeit ("G8" statt "G9"), so dass die Steigerung eigentlich sogar eher enttäuschend ist.
Hohe Steigerungen gab es mit +14% in Brandenburg (ohne allgemeine Studiengebühren) und Hessen (Studiengebühren wurden gerade wieder abgeschafft). Auch Hamburg hat mit +12% eine gute Bilanz (dort wurden die Studiengebühren zwar nicht abgeschafft, aber vermindert und auf Zahlung nach dem Studium mit zinsfreier Stundung bis dahin umgestellt). Weniger StudienanfängerInnen gab es nur in Sachsen (-2%) und Bremen (-0,2%). Beide Länder lagen im Vorjahr unter den ersten fünf Bundesländern bezogen auf die Steigerung bei den StudienanfängerInnen, haben sich also offenbar (sozusagen das Gegenteil des Saarlandes) nach einem erfolgreichen Jahr sehr zurück gehalten.
Ein Aspekt könnten übrigens auch die schlechten Wirtschaftsaussichten sein. Erfahrungsgemäß tendieren in solchen Zeiten etwas mehr Studienberechtigte dazu, wirklich zu studieren. Sozusagen um die Flaute zu "überbrücken", da ein Studium ja nach wie vor in der Regel länger dauert als eine Ausbildung.
Insgesamt lässt sich also noch kein wirklicher Trend ausmachen. Vor allem hängt es auch von der Zahl der zur Verfügung stehenden Studienplätze ab, ob überhaupt alle Studierwilligen in einem Bundesland einen Platz bekommen. Und zwar in den Studienfächern, die sehr beliebt sind. Hier gibt es durchaus noch einigen Mangel.
MINT-Fächer extra ausgewiesen
Mit besonderer Sorge wird von vielen immer wieder die Entwicklung der StudienanfängerInnenzahlen im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technikfächern ("MINT") betrachtet. Manchmal hat man fast den Eindruck, als wenn das auf Kosten anderer Fächer ginge. Aber egal: Tatsache ist, dass die Zahl der StudienanfängerInnen in diesem Jahr bei den MINT-Fächern gestiegen ist.
Aber auch hier Licht UND Schatten. Während bei Maschinenbau/Verfahrenstechnik und Bauingenieurwesen jeweils eine Steigerung von 11% ausgewiesen wird, sind es bei Informatik und Elektrotechnik nur je 4%. Was unterhalb der Gesamtsteigerung der Erstimmatrikulierten liegt, die um 7% gestiegen ist.
Fachhochschulen profitieren stärker
Passend zum Trend nach mehr "Berufsorientierung" (die leider auch zu weniger Flexibilität später führen kann) und (vor allem von der Politik gewünschten) kostengünstigeren Studienplätzen steigen die Zahlen bei den Fachhochschulen deutlich stärker: Dort gab es knapp 13% mehr StudienanfängerInnen. An Universitäten betrug die Steigerung nur 3%.
Wie geht es weiter?
Dass die Studierendenzahlen gestiegen sind, ist Anlass zur Freude. Mit Recht macht aber beispielsweise der studentische Dachverband fzs darauf aufmerksam, dass diese Freude schnell wieder vorbei sein kann. Es komme darauf an, im Hinblick auf die kommenden geburtenstarken Jahrgänge sowie die doppelten Abiturjahrgänge zusätzliche Kapazitäten auszubauen. "Hierfür müssen zusätzliche Gelder in die Hochschulen fliessen - sowohl für Personal als auch entsprechende Räumlichkeiten. Der Hochschulpakt allein ist hier völlig unzureichend.", sagt Bianka Hilfrich, Mitglied des fzs-Vorstands.
Auch in Sachen Studienfinanzierung liegt noch einiges im Argen. So gibt es in der Regel kein BAföG, wenn ein Masterstudium im Alter von 30 oder später angetreten wird. Deutschland ist das Land mit den wenigsten Studierenden über 30 Jahre. Auch beim Übergang zwischen Bachelor und Master könnte einiges verbessert werden, sowohl was die Studienorganisation als auch die BAföG-Regelungen betrifft.
Die wichtigsten Zahlen für die Jahre ab 1995
| Studienjahr | Studierende | AnfängerInnen | Quote1 |
| 1995 | 1.857.906 | 262.407 | 26,8% |
| 1996 | 1.838.099 | 267.469 | 28,1% |
| 1997 | 1.824.107 | 267.445 | 28,5% |
| 1998 | 1.801.233 | 272.473 | 29,2% |
| 1999 | 1.773.956 | 291.447 | 31,3% |
| 2000 | 1.799.338 | 314.956 | 33,5% |
| 2001 | 1.868.666 | 344.830 | 36,1% |
| 2002 | 1.939.233 | 358.946 | 37,1% |
| 2003 | 2.019.831 | 377.504 | 38,9% |
| 2004 | 1.963.598 | 358.870 | 37,1% |
| 2005 | 1.986.106 | 356.076 | 37,0% |
| 2006 | 1.979.445 | 344.967 | 35,7% |
| 2007 | 1.941.763 | 361.459 | 37,1% |
| 20082 | 2.009.776 | 385.508 | 39,3% |
Quelle: weiter unten angegebener Artikel sowie eigenes Archiv (ältere Zahlen vor 1998).
1 StudienanfängerInnequote - gemeint ist der Anteil der StudienanfängerInnen an der gleichaltrigen Bevölkerung
2 Vorläufige Ergebnisse
Quellen und weiteres zum Thema
- Neuer Höchststand bei Studienanfängerquote (Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes, 01.12.2008) »
- Annette Schavan: "Das Studium ist noch attraktiver geworden" (BMBF-Pressemitteilung, 01.12.2008) »
- Wieder mehr als 2 Millionen Studierende in Deutschland – fzs fordert ausreichende Finanzausstattung von Studium und Studierenden (fzs-Pressemitteilung, 01.12.2008) »
- Mehr Erstsemester vor allem ohne Studiengebühren (Artikel von Studis Online zu den Studienanfängerzahlen 2007) »
Jura studieren?
Jahr für Jahr entscheiden sich Tausende Abiturientinnen und Abiturienten für ein Jurastudium. Manch einer lässt sich dabei von der Vorstellung leiten, dass der Beruf des Juristen hohes Ansehen genießt und ein gutes Einkommen verspricht. Viel zu wenigen ist dagegen bekannt, welche Fähigkeiten und Interessen sie idealerweise mitbringen sollten, was man im Studiengang Rechtswissenschaft eigentlich lernt und in welchen Fällen ein rechtlich ausgerichteter Bachelorstudiengang die bessere Wahl wäre.
Über 500.000 StudienanfängerInnen – so viele wie noch nie
Dieses Jahr gab es einige Sondereffekte. Doppelte Abiturjahrgänge in Bayern und Niedersachsen sowie die Aussetzung der Wehrpflicht führten – da wenigstens zum Teil auch höhere Kapazitäten geschaffen wurden – wie erwartet zu einem drastischem Anstieg der Studierendenzahlen. Insgesamt sind somit knapp 2,4 Millionen Studierende immatrikuliert.
BWL / VWL / Management / Wirtschaft studieren
Betriebswirte werden in allen Bereichen des täglichen Lebens gebraucht. Daher gibt es nicht nur viele facettenreiche Jobchancen, sondern auch erstmal viele verschiedene Möglichkeiten, einen wirtschaftlichen Studiengang aufzunehmen. Sie alle haben aber auch einen gemeinsamen Kern: die sehr zahlenorientierte Managementlehre.
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