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Kriminologie studieren

07.02.2022
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Schreibtischtäter statt Verbrecherjagd – In der Kriminologie geht es nicht um die Aufklärung von Kriminalfällen, sondern um deren Analyse. Untersucht werden dabei Verbrechen, Täter und Verbrechensopfer. Außerdem wird erforscht, wie Verbrechen kontrolliert und präventiv verhindert werden können. Theorie bildet dabei einen großen Anteil des Studiums. Wenngleich Kriminologie also mehr Jeremy Bentham als Sherlock Holmes ist: Spannend ist das Fach allemal!

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Ein Vermummter Verbrecher demaskiert sich
fotokitas - stock.adobe.com

Was bringt Menschen dazu Verbrechen zu begehen?


1. Oft gestellte Fragen

Die Kriminologie Kriminologie ist eine interdisziplinäre Studienrichtung, und beinhaltet Elemente aus Rechtswissenschaften, Soziologie, Psychatrie, Pädagogik, Psychologie, Ökonomie, Ethnologie, Anthropologie und Wirtschaftswissenschaft. Tragend sind dabei vor allem große Theorien.

Die Regelstudienzeit der meisten Master-Studiengänge der Kriminologie beträgt 4 Semester (120 Credit Points). Als Bachelor-Studiengänge gibt es nur einige ähnliche Studienangebote, die dann 6-semestrig (180 Credit Points).

Kriminologie kann in über 6 Städten studiert werden, und zwar in Berlin, Bochum, Mainz, Mönchengladbach, Hamburg und Regensburg.

Master-AbsolventInnen zum Einstieg ca. 40.800 €. Später verdienen KriminologInnen bis zu 62.400€ im Jahr, wobei das Gehalt in der freien Wirtschaft höher ausfallen kann.

2. Studieninhalte

Die Kriminologie ist eine interdisziplinäre Studienrichtung, da sie Elemente aus Rechtswissenschaften, Soziologie, Psychatrie, Pädagogik, Psychologie, Ökonomie, Ethnologie, Anthropologie und Wirtschaftswissenschaft enthält.

Wer Krimonologie studiert, sollte eine gewisse Leidenschaft für Theorien mitbringen, denn du wirst dich intensiv mit klassischen Theorien auseinandersetzen. Dabei gehst du beispielsweise folgenden Fragen nach:

Was ist Kriminalität?

Wie kann man intervenieren und Kriminalität kontrollieren?

Wie kann man Kriminalität präventiv entgegnen?

Werden Menschen als Verbrecher geboren oder (wodurch) werden sie dazu gemacht?

Gerade letztere Frage hat bereits viele Kontroversen ausgelöst. Eine der berühmtesten Theorien zu dieser Frage ist die des „verbrecherischen Menschen“ von Lombroso (sie ist aber auch veraltet und rassistisch geprägt). Er ging Ende des 19. Jahrhunderts davon aus, dass bestimmte äußerliche Merkmale menschlicher Körper als evolutionsgeschichtlicher Rückschlag angesehen werden können und solche Menschen eher Verbrecher*innen werden.

Nun kann man sich fragen, warum solch überholte Theorien auch heute noch Gegenstand der Kriminologie sind. Das liegt vermutlich daran, dass die Lombroso-Theorie quasi den Grundstein für die heutige empirische Kriminologie legte. Oder anders gesagt: Durch seine provokante These wurde ein gesellschaftlicher Diskurs über den Umgang mit Verbrecher*innen ausgelöst.

Bereiche der Kriminologie

Die Kriminologie umfasst drei Kernbereiche:

  • Kritische Kriminologie: Die sozialwissenschaftliche kritische Krimonologie ist quasi die Negation der Theorie Lombrosos. Es wird gelehrt, dass Kriminalität nicht angeboren ist. Stattdessen wird die Kriminalisierung von Straffälligen untersucht, Man geht davon aus, dass diese aus deren Lebensumständen resultiert.

  • Angewandte Kriminologie: Hier geht es um die Einzelfall-Krimonologie. Es werden Kriminalprognosen erstellt, innerhalb derer z.B festgestellt wird, inwieweit eine Person eine Bedrohung für die Gesellschaft ist.

  • Kriminalpolitische Kriminologie: Es wird der Frage nachgegangen, wie Kriminalität verhindert werden kann. Dieser Bereich nimmt Einfluss auf politische Entscheidungen.

Wenn du Kriminologie studieren möchtest, ist scharfes analytisches Denkvermögen von Vorteil. Außerdem solltest du Statistik mögen, denn sie ist ein großer Bestandteil des Faches.

Kriminologie und künstliche Intelligenz

Mittlerweile werden Forschungsergebnisse der Kriminologie auch mit künstlicher Intelligenz verknüpft. In den USA wird künstliche Intelligenz beispielsweise eingesetzt, um Sozialprognosen zu erstellen und damit Richter bei der Urteilsverkündung zu unterstützen. Zum einen wird Neutralität angenommen, zum anderen hat es zum Ziel Kosten zu sparen. Auch in China ist mit Informationen gefütterte künstliche Intelligenz in der Rechtssprechung keine Science Fiction mehr.

Für die Erstellung einer Sozialprognose werden der Lebenslauf sowie die Antworten der betroffenen Personen zu einer hohen Anzahl von Fragen analysiert. Der Rechtswissenschaftler Christoph Burchard warnt jedoch in einer Vortragsreihe im Forschungskolleg der Humanwissenschaften der Uni Frankfurt (worüber die FAZ berichtete) davor, dass künstliche Intelligenz auch befangen sein könne.

Abhängig von den Informationen mit der sie gefüttert wird oder gar dem Code des Programmierers, können auch die Empfehlungen, die der Algorithmus ausgibt, zu einer ungünstigeren Sozialprognose führen. Ebenso schwierig zu erfassen, ist die Künstliche Intelligenz selbst und ihre internen Verknüpfungen, die sich nach der Eingabe massenhafter Daten ergeben.

Christoph Burchard nimmt jedoch an, dass der Wunsch nach künstlicher Beratung auch in der Rechtssprechung nicht mehr aufzuhalten ist. Er empfiehlt deshalb Grenzen zu ziehen, damit der Algorithmus nicht vom Berater zum Richter werde.


3. Dauer des Kriminologie-Studiums und mögliche Studienabschlüsse

Kriminologie wird vor allem als Masterstudiengang angeboten. Der Master kann meist in 4 Semestern abgeschlossen werden, wobei 120 Credits erbracht werden müssen.

Es gibt aber auch schon entsprechende Bachelor, meist mit einer Studiendauer von 6 Semestern und 180 ECTS-Punkten (Credit Points).

Neben den konsekutiven Masterstudiengängen, die direkt im Anschluss an den Bachelor studiert werden können, werden auch einige weiterbildende Master angeboten. Weiterbildende Master setzen neben einem Hochschulabschluss meist noch mind. ein Jahr Berufstätigkeit nach diesem Abschluss voraus.

Kriminologie: Studiendauer (Regelstudienzeit)
Bachelor6 Semester
Master2 - 4 Semester
Bachelor (Teilzeit)8 Semester

Studienformen des Kriminologie-Studiums

Die klassische Form des Kriminologie-Studiums ist das Vollzeit-Präsenzstudium. Man studiert Vollzeit an einer Hochschule, an der man praktisch täglich zu Veranstaltungen (Vorlesungen, Übungen, Tutorien etc.) geht und wo auch die Prüfungen stattfinden. Vollzeit bedeutet grob 40 Stunden / Woche, wobei in der Realität meist Phasen mit weniger Zeitaufwand anderen (vor allem vor größeren Prüfungen) gegenüberstehen, in denen evt. auch mehr Zeit pro Woche mit dem Studium verbracht wird.

Daneben gibt es Studienangebote in Teilzeit, d.h. das Studium ist dabei so organisiert, dass man mit geringerem Zeitaufwand pro Woche, aber entsprechend längerer Studienzeit zum Studienabschluss kommen kann.

Kriminologie kann berufsbegleitend studiert werden. Das kann sinnvoll sein, wenn du eine Ausbildung schon hinter dir hast und – vielleicht sogar mit Unterstützung des Arbeitgebers – deine Kenntnisse ausbauen willst.


4. Was kostet Studieren 2022?

Lebenshaltungskosten insgesamt

Während eines Kriminologie-Studiums brauchst du eine finanzielle Grundlage für eine Unterkunft am Studienort, für Nahrung, Kleidung, Fahrtkosten, Telefon und Internet sowie Bücher und Arbeitshefte. Je nach Ort und eigener Sparsamkeit liegen die monatlichen Ausgaben zwischen 672 € und über 1.600 €. Im Durchschnitt geben Studierende inzwischen knapp 900 € im Monat für Studienkosten aus.

München ist Spitzenreiter, was die Mieten und die Lebenshaltungskosten an sich angeht, aber auch Frankfurt/Main, Hamburg, Köln und Berlin liegen deutlich über dem Durchschnitt. Günstiger lebt es sich in kleineren Städten abseits der Metropolen, insbesondere in den neuen Bundesländern.

Hauptkostenpunkt: Miete

Die Mieten für ein WG-Zimmer liegen je nach Stadt zwischen 249 Euro und 700 Euro (Werte von 2022 via wg-gesucht.de). Andere Wohnformen können billiger sein (günstige Wohnheimzimmer), aber auch teurer (eigene Wohnung, teure Studierenden-Appartments mit All-inclusive-Service).

Gerade durch die aktuellen Energiekosten kann es durch hohe Nebenkosten leider sogar noch teurer werden. Für BAföG-Empfänger:innen im Wintersemester 2022/2023 hilft hier ein wenig der zweite Heizkostenzuschuss.

Kosten je nach Ort und persönlicher Situation

Für das Studium ist halbjährlich noch ein Semesterbeitrag zu zahlen. Damit werden bspw. günstigere Mensapreise ermöglicht. In einigen Studienstädten ist ein Semesterticket für den öffentlichen Nahverkehr eingeschlossen, was zwar den Semesterbeitrag erhöht, aber deutlich günstiger als andere Dauerkarten für den jeweiligen Verkehrsverbund ist. An einigen größeren Unis gibt es auch studentische Fahrradwerkstätten.

Kosten für eine Krankenversicherung sind zu berücksichtigen, wenn eine Familienversicherung über die Eltern nicht mehr möglich ist.

Muss ich für ein Kriminologie-Studium Studiengebühren zahlen?

Praktisch alle Bachelor und konsekutiven Master können an staatlichen Hochschulen ohne Studiengebühren begonnen werden. Konsekutive Master schließen meist an ein fachgleiches (oder zumindest fachlich passendes) Bachelorstudium an und setzen keine Berufserfahrung voraus. Ein langes Studium oder ein Zweitstudium sind allerdings in einigen Bundesländern kostenpflichtig.


5. Wie kann ich mein Kriminologie-Studium finanzieren?

Unterhalt der Eltern

Eine Aufgabe deiner Eltern ist es, dir eine angemessene Berufsausbildung zu ermöglichen. Dazu zählt auch, dir im Studium finanziell oder mit Kost und Logis unter die Arme zu greifen. Die Entscheidung, ob es ein Studium sein soll und welche Fachrichtung, liegt primär in deiner Hand, so dein Schulabschluss dir diesen Weg ermöglicht. Der Staat unterstützt deine Eltern u.a. mit Kindergeld, das im Ausnahmefall auch direkt an dich ausgezahlt werden kann.


BAföG beantragen: Staatliche Förderung, zur Hälfte geschenkt!

BAföG für Student:innen soll einspringen, wenn deine Eltern – aus Sicht des Gesetzes – zu wenig Einkommen haben, um ausreichend Unterhalt für das Studium zu leisten.

Die Verbesserungen beim BAföG seit Wintersemester 2022/2023 führen dazu, dass ein Antrag viel eher lohnt als bisher. So wurde der Freibetrag auf das Elterneinkommen um 20,75 Prozent erhöht, die Bedarfssätze um 5,75 Prozent (letzteres ist leider das schwächste Detail). Vor allem steigt die Altersgrenze auf 45 Jahre und die Vermögensgrenze für alle, die schon 30 Jahre alt sind, auf 45.000 € (für alle unter 30 immerhin noch auf 15.000 €).

Die BAföG-Rückzahlung ist auf 10.010 € begrenzt, beginnt erst Jahre später und nur, wenn ausreichend verdient wird. Wenn du schon länger berufstätig warst, könnte es sogar elternunabhängiges BAföG für dich geben. Das gilt auch, wenn du bei Studienbeginn schon 30 Jahre oder älter bist.


Stipendien für das Kriminologie-Studium

Stipendien stehen einer viel kleineren Gruppe zur Verfügung als BAföG. Größter Vorteil: Durch Stipendien erhaltene Förderung ist geschenkt. Daneben gibt es oft eine ideelle Förderung. Die großen Studienförderwerke vergeben Stipendien nach den BAföG-Regeln (also abhängig vom Einkommen der Eltern). Hinzu kommen 300 Euro „Büchergeld“ im Monat für alle. Das Bewerbungsverfahren beginnt in der Regel ein halbes Jahr zuvor.

Für Auslandsaufenthalte im Studium kann es Förderung in Form von ERASMUS-Stipendien geben oder über den DAAD.


Jobben als Werkstudent / Minijob / Selbständig sein

Die meisten Studierenden jobben zumindest zeitweise während des Studiums, oft als Mini-Jobber oder als WerkstudentIn. Während der Vorlesungszeit darf die Arbeitszeit 20 Wochenstunden nicht überschreiten.

Eine Verrechnung mit BAföG erfolgt, wenn dein durchschnittlicher Verdienst über 520 Euro im Monat liegt (ab Oktober 2022, davor 450 €). Entscheidend ist im Unterschied zur Steuer nicht das Kalenderjahr, sondern der Bewilligungszeitraum des BAföG.


Staatlicher Bildungskredit und weitere Möglichkeiten

Für Studierende in höheren Semestern oder im Master gibt es den staatlichen Bildungskredit mit günstigen Zinsen und einer Auszahlung von bis zu 300 Euro / Monat für höchstens zwei Jahre.

Ein Studienkredit (oder ein Bildungsfonds) ist dagegen nur als letzte Möglichkeit in Betracht zu ziehen, wenn die günstigeren Möglichkeiten nicht reichen oder bspw. am Studienende eine Konzentration auf das Studium ohne Jobben möglich sein soll.

Wenn du schon in den letzten Semestern des Studiums angelangt bist, kann u.U. – gerade in sozialen Notlagen – auch ein Studienabschlussdarlehen oder Überbrückungsdarlehen in Frage kommen. Scheue dich nicht, dich zu erkundigen und – wenn für dich möglich – ein solches in Anspruch zu nehmen. Die Konditionen sind deutlich besser als bei Bildungskredit oder gar Studienkrediten!

6. Gehalt von KriminologInnen

Wer im öffentlichen Dienst als KriminologIn angestellt ist, wird nach Tarif bezahlt und in der Entgeltgruppe 13 oder 14 eingestuft. Das Einstiegsgehalt liegt dabei um die 3.400 Euro. Mit steigender Berufserfahrung steigt auch dein Gehalt. Als KriminologIn kannst du bis zu 5.200 Euro im Monat verdienen. Bei einer Anstellung in der freien Wirtschaft kann es auch mehr werden. Wenn du einen höheren Verdienst anstrebst, ist es ratsam zu promovieren. So wirst du zum/zur ExpertIn auf einem Fachgebiet und hast somit ein Alleinstellungsmerkmal.

7. Berufsaussichten

Wenn du ProfilerIn oder PolizistIn werden möchtest, ist das Kriminologie-Studium leider nicht das Richtige für dich.
KriminologInnen finden überwiegend eine Anstellung in der Forschung an Hochschulen oder kriminologischen Forschungsstellen. Möglich ist auch eine Beschäftigung in der Strafrechtspflege, z.B in der Bewährungs-, Gerichts-, oder Jugendgerichtshilfe.

Weiterführende Informationen

Studienfach-Datenbank von Studis Online

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