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Studieninhalte, Finanzierung, Berufschancen
Gesundheitswissenschaften / Public Health studieren

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25.05.2020
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Gerade jetzt in der Corona-Zeit haben Gesundheitswissenschaftler*innen eine Menge zu tun: Sei es in der Erforschung der Verbreitung des Virus oder in deren Eindämmung. Das Fach Public Health, wie es auch genannt wird, bietet durch seinen interdisziplinären Ansatz viele berufliche Möglichkeiten. Erfahrt hier mehr über die Studienmöglichkeiten und die Perspektiven nach dem Studium.

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1. Was erwartet mich in einem Studium der Gesundheitswissenschaften?

Das allgemeine Ziel der Gesundheitswissenschaften und Public Health ist es, die Gesundheit der Bevölkerung im Ganzen durch Prävention und Gesundheitsförderung zu stärken. Das Fach ist stark interdisziplinär geprägt – das heißt, dass unterschiedliche Disziplinen im Fach versammelt sind.

Die Fakultät Gesundheitswissenschaften der Uni Bielefeld, welche 1994 als erste diesen Studiengang in Deutschland angeboten hat, definiert ihr Fach wie folgt:

„Das Erkenntnisinteresse liegt dabei zum einen in der Analyse der körperlichen, psychischen und sozialen Ausgangsbedingungen und Ursachen für Gesundheit und Krankheit in verschiedenen Bevölkerungsgruppen und zum anderen in der Analyse der daraus erwachsenden Konsequenzen für Versorgungssysteme, Gesundheitspolitik, Gesundheitsmanagement und Gesundheitssystemgestaltung.“

Wer also das Fach studieren möchte, sollte sich für naturwissenschaftliche sowie auch sozialwissenschaftliche Themen und Herangehensweisen interessieren.

Gerade jetzt in der Phase der COVID-19-Pandemie wird deutlich, dass eine einseitig medizinische Betrachtung nicht ausreichend ist in ihrer Bekämpfung: Sei es in der Betrachtung und Nachverfolgung der Infektionswege, der Versorgung von Schutzausrüstung, der Berücksichtigung von sozialen und psychischen Folgen der Maßnahmen, der Kommunikation von Eindämmungsmaßnahmen und vielem mehr. Hier kann der breite Blick der Gesundheitswissenschaften auf unterschiedliche Faktoren wichtige Fragen stellen, die besonders anfänglich im Corona-Trubel untergegangen sind.




Studieninhalte

Folgende Module können euch im Studium Public Health erwarten:

  • Biomedizinische Grundlagen (Biochemie, Anatomie, Gesundheitsrisiken)

  • Gesundheitspsychologie

  • Sozialwissenschaften (Gesellschaft & Kommunikation, Diversität, Pädagogik, Sozialforschung)

  • Grundlagen der Wirtschaftswissenschaften

  • Biostatistik, Epidemiologie, empirischen Gesundheitsforschung

  • Rechtliche Grundlagen

  • Gesundheitssystem und –politik

  • Betriebliches Gesundheitsmanagement

  • Public Health und Epidemiologie

  • Gesundheitsökonomie

Die konkreten Inhalte der Studiengänge können teilweise stark variieren. Manche Hochschulen bieten explizit Schwerpunkte in den Naturwissenschaften an, während manche zum Beispiel einen starken Fokus auf Gesundheitsökonomie legen.

So kann es auch sein, dass einzelne Hochschulen eine Ausbildung im Gesundheitssektor als Zulassungsvoraussetzung oder mindestens ein Vorpraktikum verlangen.

Verwandte Studiengänge

Public Health und die Gesundheitswissenschaften werden von vielen deutschen Hochschulen synonym verwendet. Im medizinischen Nachschlagewerk Pschyrembel wird erwähnt, dass Public Health einen etwas stärkeren politischen Anwendungsbezug hat.

Den Gesundheitswissenschaften sehr ähnliche beziehungsweise spezialisiertere Studiengänge sind:


2. Dauer des Gesundheitswissenschaften / Public Health-Studiums und mögliche Studienabschlüsse

Gesundheitswissenschaften / Public Health wird vor allem als Masterstudiengang angeboten. Der Master of Science oder Master of Arts kann meist in 4 Semestern abgeschlossen werden, wobei 120 Credits erbracht werden müssen.

Es gibt aber auch schon entsprechende Bachelor, meist mit einer Studiendauer von 6 Semestern und 180 ECTS-Punkten (Credit Points).

Neben den konsekutiven Masterstudiengängen, die direkt im Anschluss an den Bachelor studiert werden können, werden auch einige weiterbildende Master angeboten. Weiterbildende Master setzen neben einem Hochschulabschluss meist noch mind. ein Jahr Berufstätigkeit nach diesem Abschluss voraus.

Gesundheitswissenschaften / Public Health: Studiendauer (Regelstudienzeit)
Bachelor6 - 8 Semester
Master2 - 4 Semester
Bachelor (Teilzeit)8 - 11 Semester
Master (Teilzeit)4 - 6 Semester

Studienformen des Gesundheitswissenschaften / Public Health-Studiums

Die klassische Form des Gesundheitswissenschaften / Public Health-Studiums ist das Vollzeit-Präsenzstudium. Man studiert Vollzeit an einer Hochschule, an der man praktisch täglich zu Veranstaltungen (Vorlesungen, Übungen, Tutorien etc.) geht und wo auch die Prüfungen stattfinden. Vollzeit bedeutet grob 40 Stunden / Woche, wobei in der Realität meist Phasen mit weniger Zeitaufwand anderen (vor allem vor größeren Prüfungen) gegenüberstehen, in denen evt. auch mehr Zeit pro Woche mit dem Studium verbracht wird.

Daneben gibt es Studienangebote in Teilzeit, d.h. das Studium ist dabei so organisiert, dass man mit geringerem Zeitaufwand pro Woche, aber entsprechend längerer Studienzeit zum Studienabschluss kommen kann.

Gesundheitswissenschaften / Public Health kann berufsbegleitend studiert werden. Das kann sinnvoll sein, wenn du eine Ausbildung schon hinter dir hast und – vielleicht sogar mit Unterstützung des Arbeitgebers – deine Kenntnisse ausbauen willst.

Schließlich kann Gesundheitswissenschaften / Public Health im Fernstudium absolviert werden. Das macht ein – bis auf die Prüfungszeiträume – orts- und zeitunabhängiges Studium möglich, erfordert daher aber auch ausreichend Selbstdisziplin. Für praktische Übungen gibt es dann manchmal doch Präsenztermine.

Eine Verbindung von Ausbildung und Studium stellt ein duales Studium dar, Gesundheitswissenschaften / Public Health kann auch so studiert werden.


3. Was kostet Studieren 2022?

Lebenshaltungskosten insgesamt

Während eines Gesundheitswissenschaften / Public Health-Studiums brauchst du eine finanzielle Grundlage für eine Unterkunft am Studienort, für Nahrung, Kleidung, Fahrtkosten, Telefon und Internet sowie Bücher und Arbeitshefte. Je nach Ort und eigener Sparsamkeit liegen die monatlichen Ausgaben zwischen 672 € und über 1.600 €. Im Durchschnitt geben Studierende inzwischen knapp 900 € im Monat für Studienkosten aus.

München ist Spitzenreiter, was die Mieten und die Lebenshaltungskosten an sich angeht, aber auch Frankfurt/Main, Hamburg, Köln und Berlin liegen deutlich über dem Durchschnitt. Günstiger lebt es sich in kleineren Städten abseits der Metropolen, insbesondere in den neuen Bundesländern.

Macht am meisten aus: Miete

Die Mieten für ein WG-Zimmer liegen je nach Stadt zwischen 249 Euro und 700 Euro (Werte von 2022 via wg-gesucht.de). Andere Wohnformen können billiger sein (günstige Wohnheimzimmer), aber auch teurer (eigene Wohnung, teure Studierenden-Appartments mit All-inclusive-Service).

Gerade durch die aktuellen Energiekosten kann es durch hohe Nebenkosten leider sogar noch teurer werden. Für BAföG-Empfänger:innen im Wintersemester 2022/2023 hilft hier ein wenig der zweite Heizkostenzuschuss.

Kosten je nach Ort und persönlicher Situation

Für das Studium ist halbjährlich noch ein Semesterbeitrag zu zahlen. Damit werden bspw. günstigere Mensapreise ermöglicht. In einigen Studienstädten ist ein Semesterticket für den öffentlichen Nahverkehr eingeschlossen, was zwar den Semesterbeitrag erhöht, aber deutlich günstiger als andere Dauerkarten für den jeweiligen Verkehrsverbund ist. An einigen größeren Unis gibt es auch studentische Fahrradwerkstätten.

Kosten für eine Krankenversicherung sind zu berücksichtigen, wenn eine Familienversicherung über die Eltern nicht mehr möglich ist.

Muss ich für ein Gesundheitswissenschaften / Public Health-Studium Studiengebühren zahlen?

Praktisch alle Bachelor und konsekutiven Master können an staatlichen Hochschulen ohne Studiengebühren begonnen werden. Konsekutive Master schließen meist an ein fachgleiches (oder zumindest fachlich passendes) Bachelorstudium an und setzen keine Berufserfahrung voraus. Ein langes Studium oder ein Zweitstudium sind allerdings in einigen Bundesländern kostenpflichtig. Gleiches gilt für die bisher an staatlichen Hochschulen seltenen berufsbegleitenden Bachelor.

An privaten Hochschulen werden Studiengebühren erhoben. Die Höhe variiert je nach Studienangebot und Hochschule.


4. Wie kann ich mein Gesundheitswissenschaften / Public Health-Studium finanzieren?

Unterhalt der Eltern

Eine Aufgabe deiner Eltern ist es, dir eine angemessene Berufsausbildung zu ermöglichen. Dazu zählt auch, dir im Studium finanziell oder mit Kost und Logis unter die Arme zu greifen. Die Entscheidung, ob es ein Studium sein soll und welche Fachrichtung, liegt primär in deiner Hand, so dein Schulabschluss dir diesen Weg ermöglicht. Der Staat unterstützt deine Eltern u.a. mit Kindergeld, das im Ausnahmefall auch direkt an dich ausgezahlt werden kann.


BAföG-Leistungen: Antrag stellen lohnt

BAföG für Studentinnen und Studenten soll einspringen, wenn deine Eltern – aus Sicht des Gesetzes – zu wenig Einkommen haben, um ausreichend Unterhalt für ein Studium zu leisten.

Die Verbesserungen beim BAföG seit Wintersemester 2022/2023 führen dazu, dass ein Antrag viel eher lohnt als bisher. So wurde der Freibetrag auf das Elterneinkommen um 20,75 Prozent erhöht, die Bedarfssätze um 5,75 Prozent (letzteres ist leider das schwächste Detail). Vor allem steigt die Altersgrenze auf 45 Jahre und die Vermögensgrenze für alle, die schon 30 Jahre alt sind, auf 45.000 € (für alle unter 30 immerhin noch auf 15.000 €).

Die BAföG-Rückzahlung ist auf 10.010 € begrenzt, beginnt erst Jahre später und nur, wenn ausreichend verdient wird. Wenn du schon länger berufstätig warst, könnte es sogar elternunabhängiges BAföG für dich geben. Das gilt auch, wenn du bei Studienbeginn schon 30 Jahre oder älter bist.


Stipendien für das Gesundheitswissenschaften / Public Health-Studium

Stipendien stehen einer viel kleineren Gruppe zur Verfügung als BAföG. Größter Vorteil: Durch Stipendien erhaltene Förderung ist geschenkt. Daneben gibt es oft eine ideelle Förderung. Die großen Studienförderwerke vergeben Stipendien nach den BAföG-Regeln (also abhängig vom Einkommen der Eltern). Hinzu kommen 300 Euro „Büchergeld“ im Monat für alle. Das Bewerbungsverfahren beginnt mindestens ein halbes Jahr zuvor.

Für Auslandsaufenthalte im Studium kann es Förderung in Form von ERASMUS-Stipendien geben oder über den DAAD.


Jobben als Werkstudent / Minijob / Selbständig sein

Die meisten Studierenden jobben zumindest zeitweise während des Studiums, oft als Mini-Jobber oder als Werkstudent/in. Während der Vorlesungszeit darf die Arbeitszeit 20 Wochenstunden nicht überschreiten.

Eine Verrechnung mit BAföG erfolgt, wenn dein durchschnittlicher Verdienst über 520 Euro im Monat liegt (ab Oktober 2022, davor 450 €). Entscheidend ist im Unterschied zur Steuer nicht das Kalenderjahr, sondern der Bewilligungszeitraum des BAföG.


Staatlicher Bildungskredit und weitere Möglichkeiten

Für Studierende in höheren Semestern oder im Master gibt es den staatlichen Bildungskredit mit günstigen Zinsen und einer Auszahlung von bis zu 300 Euro / Monat für höchstens zwei Jahre.

Ein Studienkredit (oder ein Bildungsfonds) ist dagegen nur als letzte Möglichkeit in Betracht zu ziehen, wenn die günstigeren Möglichkeiten nicht reichen oder bspw. am Studienende eine Konzentration auf das Studium ohne Jobben möglich sein soll.

Wenn du schon in den letzten Semestern des Studiums angelangt bist, kann u.U. – gerade in sozialen Notlagen – auch ein Studienabschlussdarlehen oder Überbrückungsdarlehen in Frage kommen. Scheue dich nicht, dich zu erkundigen und – wenn für dich möglich – ein solches in Anspruch zu nehmen. Die Konditionen sind deutlich besser als bei Bildungskredit oder gar Studienkrediten!


Berufsperspektiven

Tätigkeiten aus dem Bereich Gesundheitswissenschaften (je nach Schwerpunktsetzung im Studium):

  • Gesundheitsförderung & Prävention (z.B. für Schulen, Betriebe, Altenheime usw.)

  • Kommunale Gesundheitsförderung

  • Management im Gesundheitswesen

  • Epidemiologische Forschung und Gesundheitsberichterstattung

Mögliche Arbeitsorte können sein:

  • Kranken-, Pflege-, Unfallversicherungen

  • Wohlfahrts- und Interessenverbände

  • Hochschulen und Forschungseinrichtungen

  • Berufsgenossenschaften


Gehalt im Gesundheitswesen

Die Absolventenstudie des DZHW liefert leider keine Zahlen, was die Einkommensmöglichkeiten in den Gesundheitswissenschaften sind.

Deswegen können wir hier nur auf allgemeine Zahlen des Entgeldatlas der Arbeitsagentur verweisen, ohne unterscheiden zu können, was die Personen konkret studiert haben oder nach wie vielen Jahren nach Studienabschluss das durchschnittliche Einkommen erreicht wird.

Laut Arbeitstagentur verdienen Gesundheitswissenschaftler/innen im öffentliches Gesundheitswesen durchschnittlich 4405 Euro im Monat. In verwaltenden Berufen des Sozial- & Gesundheitswesen (komplexe Spezialistentätigkeiten) liegt das Gehalt nur bei 3164 Euro (Stand: Januar 2020).


Weiterführende Informationen

Studienfach-Datenbank von Studis Online


Weiterführende Links





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