20.02.2013

Malerei - Bildhauerei - Fotografie - Grafik - Goldschmiedekunst - Keramik und Glas - Visuelle Gestaltung - Performance - Medienkunst
Freie Kunst studieren

»Jeder Mensch ist ein Künstler.« Doch nicht jeder eignet sich auch fürs Kunststudium.

Von Nancy Hünger

Wer Freie Kunst studieren möchte, sollte nicht nur über einen ausgeprägten Idealismus und das nötige Quäntchen Kreativität verfügen, sondern auch über ein hohes Maß an Engagement und Eigenverantwortlichkeit. Denn nicht nur die eigene Kreativität und die Lust am freien Gestalten sind hier gefragt, sondern zudem auch Durchsetzungskraft sowie ein Talent zur Selbstvermarktung. So ist das Studium bei aller Freiheit immer auch ein strategisches - und es ist wichtig, sich in den ersten Jahren so gut als möglich zu beweisen.

Nancy Hünger
Ohne Worte
Dabei will nicht nur Zeichnen gelernt sein. In den letzten vierzig Jahren haben sich eine Menge interessante künstlerische Strategien entwickelt. So haben partizpatorische Kunst, Land Art, Kunst im öffentlichen Raum, Performance und Body Art, die konzeptuelle Kunst allgemein, um nur einige wenige Möglichkeiten zu benennen, die Palette der klassischen bildenden Künste (Malerei, Bildhauerei, Grafik etc.) maßgeblich erweitert. Nicht zu vergessen dabei die neuen Technologien, durch deren Nutzung wiederum eigene künstlerische Stilrichtungen und auch Studienbereiche entstanden sind, die sich im Großen und Ganzen unter dem Titel Medienkunst zusammenfassen lassen. Dahinter verbirgt sich bspw. Web Art, Experimental Sound, Videokunst u.v.m. So unterschiedlich diese verschiedenen Kunstrichtungen und Strategien sind oft auch die Konzepte der einzelnen Hochschulen gestaltet, sodass es wichtig ist, sich bereits vor Studienbeginn bestens zu informieren und ausdauernd Recherchearbeit zu betreiben.

Auch an die eigene Zukunft lohnt es dabei, ein paar Gedanken im Voraus zu verschwenden, denn es ist eine alte Binsenweisheit, dass Kunst ein brotloser Beruf ist - und wie so viele Binsenweisheiten berührt auch diese einen wahren Kern: Nur wenige der Kunststudierenden schaffen den großen Sprung und können sich nach dem Studium als berufstätige Künstler behaupten. Und wem der Sprung gelingt, dem ist noch lange kein regelmäßiges Einkommen gewiss. Daher ist es durchaus empfehlenswert, vor dem Antritt des Kunststudiums eine Lehre oder Ausbildung zu absolvieren. Hierdurch erschließen sich Möglichkeiten für die Zeit nach dem Studium, die eine lange Arbeitslosigkeit oder Umschulung in völlig artfremde Berufe zu verhindern vermögen. Besonders eignen sich dabei bestimmte Handwerke wie bspw. Fotografie, Grafik, Schneiderei, Tischlerei usw., weil sie oft einen beachtlichen Vorteil und Nutzen für das spätere Studium erbringen.

Und nicht selten hat sich der, wie sich herausstellt, doch nicht so starke Wunsch nach einem Kunststudium mit dem Abschluss einer Lehre oder Ausbildung auch schon erübrigt. Und die Entscheidung zum Kunststudium sollte angesichts sehr hoher Abbruchquoten ohnehin gut überlegt sein.

Im Folgenden werden einige Aspekte angesprochen und erläutert, die vor dem Beginn des Kunststudiums sowie vor der Entscheidung für einen Studienort zu beachten sind. Zu den wichtigsten zählen die Entscheidungen erstens für ein Studienkonzept, zweitens eine Ausrichtung der Hochschule sowie drittens für die Werkstätten. Des Weiteren werden einige Informationen über die Bewerbung an Kunsthochschulen und über den Ablauf des Kunststudiums gegeben. Abschließend wird auf die Zeit und die Möglichkeiten nach dem (erfolgreichen) Kunststudium hingewiesen.

Klasse oder Projekt

Ist der Wunsch jedoch noch immer vorhanden oder sogar stärker ausgebildet als zuvor, gilt es, sich die verschiedenen Profile der Universitäten und Akademien genauer anzusehen (siehe auch Artikel Hochschularten). Fast jede Universität oder Akademie verfolgt ein eigenes Konzept bzw. eine bestimmte Ausrichtung des Studiums. Der Studienort sollte daher mit den eigenen Zielen und Bedürfnissen, soweit diese schon gediehen sind, abgeglichen werden.

Auf einzelne, sehr wichtige Unterschiede sei exemplarisch anhand des Vergleiches der beiden Hochschulen Dresden und Weimar hingewiesen: An der staatlichen Akademie Dresden wird noch immer das traditionelle Klassensystem bevorzugt, wenn auch mit aufgebrochenen Strukturen. Das heißt, man studiert in einer relativ kleinen und konstanten Gruppe unter der Leitung und Aufsicht eines oder einer ProfessorIn. In Weimar unterscheidet sich das Studium der Freien Kunst hingegen kaum von anderen Studiengängen. Jedes Semester bieten die Dozenten Projekte zu bestimmten Themen an, in denen eine oder mehrere praktische Arbeiten angefertigt werden sollen und in die man sich als StudierendeR einschreiben kann. Zudem wird in Weimar Interdisziplinarität geschätzt und unterstützt. Daher ist es jedem Studierenden möglich, über das Lehrgebiet der Freien Kunst hinaus auch an anderen Studiengängen der Fakultät Gestaltung wie zum Beispiel jenen des Produktdesigns oder der Visuellen Kommunikation teilzunehmen.

Gebunden oder ungebunden

Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen dem Projektstudium und dem Klassenstudium besteht in der Arbeitsweise. Während man in den Klassen oft innerhalb einer Kunstform, jedoch meist ohne vorgegebenes Thema arbeitet, schreibt man sich in Weimar in jedem Semester in ein Projekt mit einem bestimmten, also vorgegebenen Thema ein. Anderenorts ist hingegen die Art der Arbeit zumeist gänzlich freigestellt. Erst ab dem Hauptstudium, das heisst nach mehrjähriger Erfahrung mit themengebundener Arbeit, besteht in Weimar die Möglichkeit, ein so genanntes Freies Projekt anzumelden, welches eine Auseinandersetzung mit einem selbst gestellten Thema unter Betreuung eines selbst gewählten Professors beinhaltet.

Beide Strukturen bergen Vor- und Nachteile: durch themengebundene Projekte wird man an Auftragsarbeiten gewöhnt, wie sie zum Beispiel in der Kunst im öffentlichen Raum gang und gebe sind. Solche Auftragsarbeiten gehören später zum künstlerischen Alltag und bieten daher eine praktische Vorbereitung auf den Beruf des Künstlers. Ein nicht zu unterschätzender Nachteil ist allerdings, dass man schnell verlernen kann selbstständig zu arbeiten und die eigene Produktivität zu erhalten. Bricht dann die Aufgabenstellung weg, ist es meist aus mit derselben. Des Weiteren ist der Druck spürbar größer, in jedem Semester aufs Neue und termingerecht eine fruchtbare und kreative Idee zu entwickeln. Nicht selten warten Studierende das ganze Semester vergebens auf diese.

Die künstlerische Ausrichtung

Auch die künstlerische Ausrichtung der Ausbildungsstätten unterscheidet sich stark. Während in Dresden bspw. immer noch die Malerei eindeutig im Vordergrund steht, der Tradition des Hauses folgend, ist der Studiengang der Bauhaus-Universität Weimar an einer breiten Vielzahl künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten interessiert. Die Kehrseite: die Malerei ist eher unterrepräsentiert.

Sicherlich kann auch nach dem Studienbeginn ein Wechsel der Universität erfolgen, doch sollte man sich bereits zuvor Gedanken über den Schwerpunkt der eigenen Arbeit machen. Dafür ist es unerlässlich, dass man bereits vor dem Studium über ausreichende Kenntnisse in verschiedenen Gebieten der Kunst verfügt, um nicht erst während des Studiums unterschiedliche künstlerische Strategien kennen zu lernen. Ist man sich bspw. gänzlich sicher, bei einem bestimmten Künstler Malerei studieren zu wollen, sollte man versuchen, in seine Klasse aufgenommen zu werden. Ist die Sicherheit nicht vorhanden oder will man sich nicht nur im Bereich Malerei, sondern vor allem in den Bereichen Fotografie, Installationen und Performanz ausbilden lassen, ist das Projektstudium oft von Vorteil. Auch dann lohnt es sich die ProfessorInnen der verschiedenen Universitäten hinsichtlich ihrer Lehrgebiete bzw. auch ihrer eigenen Arbeiten eingehend zu überprüfen.

Die Reputation

Nicht zuletzt spielt auch die Reputation der zukünftigen Lehrenden eine entscheidende Rolle. Denn diese hat häufig Auswirkung auf die spätere eigene Reputation, deren Relevanz für die zukünftigen Chancen als Künstler gar nicht überschätzt werden können. Hier sind die Klassensysteme klar von Vorteil: Oft ist man als StudentIN eines berühmten oder anerkannten Kunstprofessors besser eingebunden und vielleicht auch besser vorbereitet in und auf den Kunstbetrieb. Doch haftet diesem System auch der Ruf des antiquierten Kunstmonarchen und seiner Epigonen an; und es ist vielfach nicht einfach, sich von solchen dominanten Einflüssen wieder frei zu schwimmen, um (wenn es denn gelingt) eine eigene Formensprache zu etablieren bzw. zu dieser zurück zu finden.

Der Auswahltest

Ist die Wahl des Studienortes getroffen, folgt der nächste wichtige Schritt: der Auswahltest. Dieser besteht an jeder Hochschule zuerst daraus, eine eigene Mappe, die einen Querschnitt eigener künstlerischer Arbeiten zum Inhalt hat, zu fertigen und einzureichen. Leider gibt es für diese Mappenanfertigung kein allgemein gültiges Erfolgsrezept. Oft werden jedoch Mappenvorbereitungskurse an den Hochschulen angeboten, die man, im Falle großer Unsicherheit, auch nutzen sollte. Interessante und hilfreiche Tipps zu diesem Thema findet man bei Wikipedia/Wikibooks (de.wikibooks.org/wiki/Die_Bewerbung_zum_Design-_und_Kunststudium).

Die Mappe ist jedoch nur der erste Schritt hin zur Immatrikulation. So ist meist nicht nur ein weiterer Test vor Ort, im Sinne einer Prüfung, die sich durchaus über mehrere Tage erstrecken kann oder eine Hausaufgabe, sondern auch ein Gespräch oder gar Vorsingen (im wörtlichen Sinne) zu bewältigen. Denn der Auswahltest soll nicht nur zur Einschätzung der handwerklichen Befähigung dienen, sondern auch einen Einblick in die Persönlichkeit (soweit dies möglich) bzw. Motivation des Bewerbers bieten. Oft werden Bewerber nicht angenommen, weil sie außer dem Gestus, der Pose, des Künstlers nicht viel mehr zu bieten haben. Spätestens nach den Hürden des Eignungstests sollten auch die gängigen naiven Vorstellungen über das Kunststudium ausgeräumt sein.

Das Studium

Grundsätzlich baut sich der Studiengang der Freien Kunst aus einem Grundstudium bzw. der Orientierungsphase (BA) und einem Hauptstudium bzw. der Qualifizierungsphase (MA) auf, wobei das Grundstudium mit einem Vordiplom und das Hauptstudium mit einem Diplom abgeschlossen wird. Was nun die Leistungsnachweise anbelangt, so steht die praktische künstlerische Arbeit immer im Vordergrund. Ihr kommt, in Semesterwochenstunden berechnet, das größte Gewicht zu.

Nancy Hünger
Rundgang an der Kunstakademie Münster
Begleitend sind in der Regel Seminare und Vorlesungen der Kunstgeschichte und Ästhetik zu belegen, die – samt ihrer Relevanz für die Güte der praktischen Arbeit - kaum zu unterschätzen sind: Gute Künstler weisen zumeist auch sehr gute Kenntnisse in Kunstgeschichte, Kunsttheorie und Ästhetik auf, wenn sich dies auch nicht verallgemeinern lässt. Die Gewichtung der theoretischen Ausbildung unterscheidet sich je nach akademischem Konzept der Hochschule.

Eine Besonderheit aller Kunsthochschulen ist sicher der Rundgang, das öffentliche Präsentieren und Zur-Disputation-Stellen der in einem Semester oder Studienjahr an der Hochschule entstanden Arbeiten.

Das erste Semester

Ist der Auswahltest eigentlich dazu angelegt, Fehlentscheidungen von Seiten der Studierenden und von Seiten der Hochschule vorzubeugen, so ist er natürlich nicht ausreichend, um auch die Eignung eines Studierenden 100prozentig einzuschätzen zu können. Oft zeigt sich schon im ersten Semester, ob die getroffene Entscheidung richtig war. Um diesen Prozess zu beschleunigen, hat man bspw. an der Bauhaus-Universität Weimar das so genannte Wechselstrom-Projekt eingeführt. Der Begriff Wechselstrom ist in dem ersten Semester Programm. Dieses Projekt ist für alle Studierenden der Freien Kunst im ersten Semester verpflichtend. In ihm gilt es, alle 2 Wochen eine künstlerische Arbeit zu erstellen, unter wechselnder Leitung verschiedener Professoren. Dabei zählt nicht einzig künstlerische Perfektion. Vor allem soll erprobt werden, wie die Studierenden dem Druck standhalten, Ideen generieren und umsetzen und in kürzester Zeit neue künstlerische Strategien anwenden. In diesem Projekt und auch im ersten Semester an anderen Hochschulen zeigt sich sehr oft, dass die Kenntnisse über zeitgenössische bildende Kunst meist nicht über den schulischen Lehrplan hinaus reichen. Dieser Missstand sollte, wie bereits mehrfach erwähnt, schon vor Studienantritt behoben werden. Denn auch nach Picasso und den Expressionisten gab es aufregende Kunst, nur wird diese nicht immer im Lehrplan berücksichtigt.

Kritikfähigkeit

Nicht nur für eine fundierte (Selbst-)Einschätzung der Studierenden eignet sich das erste Semester, sondern auch um die persönliche Grundeinstellung zum Studium zu überprüfen: ist man lieber Autodidakt oder StudierendeR? Auch hier unterscheiden sich die Hochschulen maßgeblich. In Weimar bspw. steht das Projektstudium und damit einhergehend die konstruktive Kritik im Vordergrund. Im offenen Gespräch vor allen Projektteilnehmern werden mehrmals im Semester zunächst die Ideen, dann die Umsetzung dieser und letztlich die Güte der fertigen Arbeiten diskutiert. Man lernt, dass es objektive Fehler und objektiv schlechte künstlerische Arbeiten gibt und dass das subjektive Empfinden in den Hintergrund treten muss und nicht als Rechtfertigung gelten kann. Vielen Autodidakten fällt es schwer, sich nach jahrelanger und vielleicht auch erfolgreicher selbstständiger Arbeit, plötzlich der Kritik und der manchmal auch ermüdenden Rechtfertigung, ausgesetzt zu sehen.

Eigenständigkeit

Der Sprung von einem stundenbasierten Schullehrplan hin zu einem freien Studium fällt ebenfalls vielen sehr schwer. Das Studium der Freien Kunst baut dabei noch mehr als andere Studiengänge in hohem Maße auf Eigenverantwortlichkeit auf. Es gibt kaum »Pflichtveranstaltungen« und auch keinen fremdbestimmten Lehrplan. Man muss selbst entscheiden, ob man sein Studium im Kaffeehaus verbringen oder engagiert und diszipliniert arbeiten möchte. Es gibt keine wirklichen Sanktionen zu befürchten; außer vielleicht (Langzeit-)Studiengebühren.

Die Freiheit, die mit dem Studium im Allgemeinen und mit diesem Studiengang im Speziellen verbunden ist, will und soll also ausgenutzt sein. Es ist nicht ratsam, in Klausur zu gehen, um selbstvergessen zu produzieren: Es gilt, sich vielseitig zu interessieren und auch weiterzubilden, Ausstellungen und Kunstmessen zu besuchen, im weitesten Sinne also Vorsorge zu treffen für einen Einstieg ins spätere Berufsleben als SelbständigeR: Vorstellig werden in Galerien, ein Portfolio erstellen, an Ausstellungen teilnehmen oder Ausstellungen organisieren etc.

Werkstätten

Jede Hochschule verfügt über Werkstätten, in denen man sich Grundkenntnisse verschiedenster Materialbearbeitung erwerben kann, wie zum Beispiel Holzbau, Gips, Metall, Fotografie. An manchen Hochschulen besteht das Grundstudium zu großen Teilen aus dem Erwerb solcher Fertigkeiten, deren Beherrschung für die Umsetzung von Ideen nicht nur nützlich sondern unumgänglich sind. In anderen Hochschulen werden Werkstattkurse dagegen fakultativ angeboten. Das heißt, die Werkstätten werden zur freien Verfügung gestellt und können je nach Bedarf genutzt werden.

Wer sich vor Studienantritt schon bewusst ist, dass ein Schwerpunkt der eigenen Arbeit bspw. auf der Fotografie liegen wird, sollte sich über die Infrastruktur der Werkstätten an den Hochschulen dringend erkundigen. Denn die Unterschiede in der Ausrüstung an Material und Geräten sind groß. Zudem weisen einige Hochschulen bestimmte Werkstätten gar nicht auf.

Auslandsaufenthalt und Wechsel der Universität

Für das Studium der Freien Kunst kann es nicht schaden, ein oder mehrere Semester im Ausland zu verbringen, auch wenn dies nicht zwingend erforderlich ist. Denn auch hier gilt, was auch innerhalb Deutschlands gilt: Das Studium in anderen Studienkonzepten, bei anderen Dozenten oder in anderen Kunstausrichtungen kann nützlich sein. Wie schon mehrfach betont, ist es auch hier von Vorteil, sich nach Strukturen, Lehrmethoden oder Künstlern zu erkundigen, die der eigenen Entwicklung auch förderlich sind.

Auch Gastsemester an anderen (inländischen) Universitäten können hilfreich sein, bei einem als nötig erachteten Universitätswechsel, sind diese als Orientierungshilfe sehr zu empfehlen. Aber auch als Schnupperstudium, im weitesten Sinne, oder um die Arbeitsweise einer Klasse näher kennen zu lernen, ist es ein lohnenswertes Angebot. Was nun den Universitätswechsel anbelangt, so ist dies kein seltener Fall, denn auch die fleißigste Recherche bleibt eine Trockenübung. So kann es im Laufe des Studiums durchaus vorkommen, dass man feststellen muss, dass man vielleicht die falsche Hochschule gewählt hat. Es ist nicht unüblich, ja, sogar empfehlenswert, dann die Hochschule zu wechseln. Zumeist ist dafür nur ein erneutes Gespräch nötig oder eine Mappe - das heißt, die erneute vollständige Aufnahmeprozedur bleibt einem erspart. Sind die Strukturen der Hochschulen jedoch zu unterschiedlich, kann es beim Hochschulwechsel auch zur Rückstufung um ein oder zwei Semester kommen.

Es gibt mehr Produzenten als Käufer

Was fängt man nun mit dem Kunststudium an? Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums gilt es sich auf Stipendien bzw. Ausschreibungen zu bewerben, eine Galerie zu suchen oder eine Produzentengalerie zu gründen, sich irgendwie ins Gespräch und damit an den Markt zu bringen. Wer hier zu schüchtern ist und auf das Wunder der Entdeckung hofft, hat seine Chancen mehr oder minder bereits vertan. An diesen Hürden scheitern Kunststudenten nicht selten schon in den ersten Monaten nach ihrem Studienabschluss. Doch muss das Studium darum nicht gleich verloren sein.

Erstens gibt es eine Menge interessanter und hilfreicher Aufbaustudiengänge, die zwar stärker beruflich orientiert, deshalb aber nicht fern des Kunststudiums oder gar artfremd gelagert sind. Zum einen kann man sich für die Laufbahn als Kunstlehrer entscheiden (siehe auch unseren Studienführer Lehramt studieren). In Weimar und auch in München wird überdies das Doppelfach Kunst angeboten, wodurch sich die Ausbildung auf ein Aufbaustudium beschränkt, in welchem es hauptsächlich gilt, seine pädagogischen Kenntnisse zu vertiefen. Das Doppelfach Kunst ist eine Lehramtsausbildung ohne Zweitfach, will sagen, man studiert einzig Kunst.

Zum anderen kann man auch Kulturmanagement studieren oder den Master of Fine Arts (MFA) – bspw. zum Themen Kunst im öffentlichen Raum (Weimar) – abschließen. Die Möglichkeiten zur künstlerischen Weiterbildung nach dem Studium sind äußerst vielseitig. Doch sollte man angesichts lukrativer Angebote nicht vergessen, dass die finanziellen Reserven nach mindestens vier bis fünf Jahren Studium erheblich erschöpft sind. Und ein Aufbaustudium allein garantiert keine erfolgreiche Berufstätigkeit.

Zweitens steht natürlich auch dem Künstler eine wissenschaftliche Karriere offen. Hat man seine wissenschaftliche Befähigung unter Beweis gestellt, kann es damit potentiell auch schon losgehen. Doch eben diesen Nachweis zu erbringen, ist leider in der Regel gar nicht so leicht: Schließlich hat man ja kein Diplom in Kunstgeschichte oder Philosophie, selbst wenn man sich während des Studiums ausgiebig theoretisch mit der Kunst beschäftigt hat.

Um Künstlern den Einstieg in eine wissenschaftliche Laufbahn einfacher zu gestalten, wurde das Modell des PhD für die Freie Kunst eingeführt. Dieses Modell hat wie schon die Diplomarbeit eine praktisch-künstlerische Arbeit als auch eine theoretische Arbeit zum Ziel. Doch ist in diesem Fall die theoretische Arbeit nicht nur Beiwerk sondern gleich gewichtet. Wer jedoch eben nicht mehr praktisch-künstlerisch tätig sein, sondern sich ganz und gar auf die Theorie konzentrieren will, sollte entweder das Studienfach rechtzeitig wechseln oder fakultativ Philosophie bzw. Kunstgeschichte (nachweisbar) studieren, um sich den Einstieg zu ermöglichen.

Nichts desto trotz: Wer das Studium der Freien Kunst erfolgreich absolviert oder einfach mit Begeisterung studiert hat, wurde mit Sicherheit entlohnt.



Buchtipp Weiteres zum Studium Weitere Informationen Weiteres in Kürze



Diese Seite verlinken »

 
 

Studis Online Logo (kleinere Variante)  Studieren leicht gemacht