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Sehr durchwachsen, für mich eine Katastrophe

Erfahrungsbericht von Kim21, 22.01.2020
Alter (bei Studienbeginn): 26 bis 29 Jahre
Zum Zeitpunkt des Berichts 5 Fachsemester studiert
Beginn des Studiums: Schon etwas her (2014), Studium 2016 abgeschlossen

Bitte immer daran denken: Erfahrungsberichte sind subjektive Schilderungen – ob die Aussagen für Euch in gleicher Weise zutreffen, solltet Ihr gut prüfen und die Situation berücksichtigen, in der die/der SchreiberIn war. Achtet auch darauf, ob und wann das Studium abgeschlossen wurde – vielleicht hat sich in der Zwischenzeit schon etwas geändert.

Studieninhalt

Ich habe mich nach den zahlreichen Absagen von Masterplätzen wirklich über die Zusage der Uni Oldenburg gefreut. Die Inhalte dieses Masterstudienganges klangen wirklich spannend, die Website und das Angebot erschienen mir ansprechend. Ich stellte mich auf viel Klinische Neuropsychologie ein - mein persönliches Hauptinteresse, allerdings kam dieser Bereich in diesem Studiengang deutlich zu kurz. In der Veranstaltung „Clinical Neuropsychology“, wurde auf Nachfrage einer Studentin, welche fragte wann wir zu den klinischen Inhalten kommen geantwortet, dass dies ein Forschungsstudiengang sei und sie klinische Inhalte hier nicht zu erwarten habe. Man habe sie ja bei der Einführungsveranstaltung gewarnt, da hieß es als einleitenden Satz, dass jeder, wer klinisches Interesse nach diesem Master hier verfolge, hier Fehl am Platz sei und sich einen anderen Masterstudiengang suchen solle. Da stellt sich allerdings auch die Frage, warum der Schein von klinischen Inhalten im Modulhandbuch etc. dennoch gewahrt wurde? Klappte es sonst nicht mit der Akkreditierung des Masterstudienganges? Oder bekam man sonst nicht ausreichend Studenten rein?

Betreuung und Lehre

Insgesamt muss ich sagen, dass die Grundstimmung am Institut eine sehr schlechte war. Ellenbogenmentalität und kein Fördern von eigenen (klinischen) Interessen - die Dozenten waren vorwiegend daran interessiert die Studenten mit ihren eigenen Forschungsinteressen zu prägen und andere Inhalte kaum zuzulassen. So gab es beispielsweise auch keine internen Praxisprojekte (practical project – welche als Vorbereitung/Vorstudie für die Masterarbeit dienen sollten) oder Masterarbeiten im klinischen Bereich, sondern diese mussten immer extern gesucht werden - und dann musste man zittern, ob sich überhaupt irgendwer der Betreuung annehmen würde. Die Betreuung war auch wirklich durchwachsen - es gab engagiertes Personal, aber bei vielen musste man wochen- und monatelang hinterherlaufen um auch bei wirklich dringenden Anliegen eine Antwort zu erhalten. Dabei wurden die Dozenten nicht selten persönlich und nach gusto wurden bestimmte Studenten benachteiligt (meistens die, die nicht später am Institut Promotionsinteresse zeigten). Das Argument, dass jeder Student untergebracht werden könne, aber die Nicht-Annahme des Themas eigenes Versäumnis sei, zieht auch nicht – die angebotenen Themen bezogen sich dann meist auf sehr technisches Wissen inkl. EEG, welches man sich entweder nochmal selbst beibringen müsste oder man kann das Thema nicht machen, weil man die freiwillige EEG Veranstaltung nicht besuchen konnte oder wollte. Ebenso sehe ich die Verpflichtung des Matlab Kurses ab WiSe 2015 problematisch – wer später klinisch neuropsychologisch arbeiten möchte kann seine Zeit sinnvoller verbringen als mit Matlab. Für alle forschungsinteressierten super, aber dies sollte zur Wahl stehen. Vermutlich kann man die Studenten sonst noch weniger von den intern angebotenen Themen zur Masterarbeit und co. begeistern, weil sie sich somit ja noch eine Sache mehr neben EEG selbst beibringen müssten. Es wurde im Verlauf eine Studienkoordinatorin eingeführt, wo große Hoffnung für alle bestand, dass die Dinge ab nun ansatzweise besser laufen würden – so freundlich diese Person aber auch war, erzielt werden konnte durch sie allerdings herzlich wenig, da eine Überdiplomatisierung von ihrer Seite stattfand und so das Gefühl aufkam, als würden die Interessen der Studenten letztendlich doch nicht vertreten werden.

Organisation

Die ersten beiden Semester wurden ohne Ende voll geklatscht mit Veranstaltungen, sodass man teilweise den ganzen Tag in der Uni verbracht hat, Vor- und Nachbereitung der einzelnen Veranstaltungen nicht eingeschlossen. Der workload in den Veranstaltungen und "freiwillige" Bonussysteme sprengten den Rahmen komplett. Im zweiten Semester hielt man somit bis zu 8 Präsentationen und eine andere Art der Leistungserbringung stand für die Dozenten außer Diskussion. Man solle sich den Stundeplan doch nicht so vollknallen, man sei selber schuld - um aber alle Veranstaltungen in der Regelstudienzeit zu absolvieren, war aber nur dieses Modell vorgesehen (auch im Modulhandbuch empfohlen) – ansonsten müsste man auf zuvor nicht belegte Vorlesungen wieder ein Jahr warten. In nicht allen Seminaren war ausreichend Platz, z.B. im EEG Lab. Die Nicht-Belegung dieses Seminars aus Kontingenzgründen oder auch aus anderen brachte dann für die eigene Stellung im Institut ausschließlich Nachteile mit sich. Es ist insgesamt eine Menge schief gelaufen und das finde ich wirklich schade, weil der Studiengang per se Potential hat. Aber unkooperatives Vehalten seitens der Professoren, eine schlechte Grundstimmung, fehlende Hilfestellung und regelrechte Benachteiligung von Studenten, welche mehr klinisches Interesse haben, hinterließen nach diesen 2 Jahren einen sehr bitteren Beigeschmack. Natürlich kann man woanders studieren, aber die Erwartungen, welche durch die Website, das Modulhandbuch und die allgemeine Präsentation des Studienganges suggeriert werden, waren letztendlich ganz andere und nicht erfüllt – und zwar nicht nur bei mir. Nochmal würde ich hier keinesfalls studieren.


Zu diesem Studiengang gibt es einen weiteren Erfahrungsbericht:

Pures Ausnutzen von Bachelor-Psychologiestudenten

von Gemüseeintopf am 12.10.2016 (5 Semester, Alter (bei Studienbeginn) 21 bis 25, im Studium)





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