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15.12.2009

Wie wird man eigentlich...
Architekt?

In der Architektur lassen sich künstlerische und mathematische Begabung vereinen, die Kunst braucht die Mathematik und die Mathematik braucht die künstlerische Kreativität. Was entsprechend Interessierte und angehende ArchitektInnen dabei erwartet, erfahrt Ihr im Interview zwischen einer Architektin und Simone Gölz.

Simone Gölz: Was für eine Ausbildung/Studium haben Sie?

Andrea Weidmann* (Architektin): Ich habe an der Fachhochschule Münster Architektur studiert.

Wie war Ihr bisheriger Berufsweg?

Ich habe mich bemüht, schon während des Studiums praktische Erfahrung zu sammeln und angefangen in Architekturbüros zu arbeiten. Direkt nach meinem Diplom habe ich in einem Büro als Berufseinsteiger angefangen und seitdem bei zwei weiteren Büros gearbeitet. Momentan arbeite ich als freiberufliche Architektin, was aufgrund zeitlich begrenzter Projekte nicht unüblich ist.

Simone Gölz arbeitet als Coach und Karriereberaterin in Hamburg.
Wie sieht der Einstieg in den Beruf aus?

Nicht anders als in anderen Berufen, nach bestandenem Diplom durchläuft man das normale Bewerbungsverfahren, es sei denn, man hat sich schon einen Arbeitsplatz während des Studiums gesichert, indem man als StudentIn dort angefangen hat.

Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen?

Flexibilität, Durchhaltevermögen, Durchsetzungsvermögen, Belastbarkeit, Teamfähigkeit, Kreativität.

Welche Persönlichkeitsmerkmale halten Sie für wichtig?

Selbstsicherheit bzw. Selbstbewusstsein.

Wie sieht ein Arbeitstag / Tagesablauf bei Ihnen aus?

Das kommt darauf an, in welchem Bereich man arbeitet: Entwurf oder Ausführung bzw. Bauablauf. In der Entwurfs- oder Wettbewerbsabteilung und auch in der Ausführungsabteilung skizziert man seine Ideen und setzt diese dann mittels Rechner in Zeichnungen um, außerdem kommuniziert man mit Fachingenieuren und Gewerken, ausführenden Firmen und Herstellern, welche an dem Entstehungsprozess eines Entwurfes beteiligt sind. Außer der kreativen Arbeit hat man noch normale Bürotätigkeiten wie Ablage, Orga, Korrespondenz und Telefonie zu erledigen. In der Planungsabteilung setzt man sich vielmehr mit zeitlicher Planung des Bauablaufes sowie Kostenschätzung, Kostenberechnung und Kostenkontrolle auseinander. Je nach Position unterscheiden sich die Tätigkeiten bzw. Verantwortungsbereiche.

Je nach Größe des Büros können sich die Aufgabenbereiche auch unterscheiden. In einem großen Büro sind die Zuständigkeiten oft in Abteilungen strukturiert, in kleinen Büros ist man oft für alle Aufgabenbereiche zuständig.

Wie ist das mit dem Verdienst?

Das ist Verhandlungssache. Im Allgemeinen ist jedoch zu sagen, dass man als ArchitektIn unter den AkademikerInnen unterdurchschnittlich verdient, wenn man angestellt arbeitet.

Was würden Sie sagen sind die typischen Klischees über den Beruf ArchitektIn?

Zu den Klischees kann ich nicht viel sagen........ vielleicht so viel: Architekten tragen gerne schwarz! Ja das stimmt.

Valerijs Kostreckis - Fotolia.com

Unsichtbar: Dem in vergleichsweise kurzer Zeit präsentierten Ergebnis, wird selten angesehen, wie viele Überstunden und Wochenendarbeit in ihm stecken.
Gibt es etwas, was Sie an Ihrem Beruf nicht mögen?

Nicht mögen würde ich so nicht sagen, aber immer wieder erstaunlich ist, dass kreative Prozesse oft sehr viel Zeit in Anspruch nehmen und man es am Ende nicht sieht. Man präsentiert in vergleichsweise kurzer Zeit das Ergebnis, dem man nicht ansieht, wie viele Überstunden und Wochenendarbeit in ihm steckt. Kreative Arbeit ist oft uneffektiv, weil Ideen eben nicht auf Knopfdruck entstehen, das kann manchmal recht zermürbend sein.

Was mögen Sie besonders?

Das die einfachste Lösung nicht immer die beste Lösung ist, aber die beste Lösung oft einfach ist!

Wie sieht das mit dem Matheanteil im Architekturstudium aus?

Mathematik begegnet einem immer wieder, z.B. in den Fächern Konstruktion, Ingenieurhochbau, Bauphysik, Baustofftechnologie, Haustechnik, Technischer Ausbau. Es zieht sich schon durch das Studium und letztendlich bildet es bei den Grundlagen im Fach Statik eine Hürde für die, die kein mathematisches Verständnis besitzen und aufgrund dessen abbrechen müssen.

Würden Sie InteressentInnen mit schlechter Mathenote von einem Architekturstudium abraten?

Das kommt darauf an, ob die schlechte Note durch Faulheit oder Unwissenheit zustande kommt. Wenn man Schwierigkeiten hat, mathematische Zusammenhänge zu begreifen und keine Ahnung von Geometrie hat, ist es nicht möglich, den Beruf des Architekten zu erlernen. Man muss kein Mathegenie sein, aber zumindest in der Lage sein die Fachmathematik zu lernen.

Was würden Sie angehenden ArchitektInnen empfehlen?

Möglichst viele Erfahrungen zu sammeln in Büros unterschiedlicher Struktur. Unabhängig von Bezahlung an für sie interessanten Projekten zu arbeiten, um die größtmögliche Motivation zu haben und dabei viel zu lernen.

Wer ist Ihrer Meinung nach für den Beruf ungeeignet?

Menschen, die kein räumliches Vorstellungsvermögen haben.

Wo kann ich als ArchitektIn arbeiten?

Überall auf der Welt. Das ist ein großer Vorteil des Berufes, man geht dorthin wo es Arbeit gibt und hat somit die Möglichkeit, die Welt kennen zu lernen.

Welche Gründe haben Sie bewegt Architektin zu werden?

Mein Interesse an Kunst und Naturwissenschaft, mein Willen, meine Kreativität nachhaltig umzusetzen und dauerhafte Lösungen zu entwickeln, die ästhetisch ansprechend und konstruktiv funktional sind.

* Name von der Redaktion geändert







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