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Rechtswissenschaft


Studienorganisation ist miserabel!

Erfahrungsbericht von Gustavsen, 10.08.2019
Alter (bei Studienbeginn): 21 bis 25 Jahre
Zum Zeitpunkt des Berichts 6 Fachsemester studiert
Beginn des Studiums: Schon etwas her (2016), studierte noch bei Abgabe des Berichts

Bitte immer daran denken: Erfahrungsberichte sind subjektive Schilderungen – ob die Aussagen für Euch in gleicher Weise zutreffen, solltet Ihr gut prüfen und die Situation berücksichtigen, in der die/der SchreiberIn war. Achtet auch darauf, ob und wann das Studium abgeschlossen wurde – vielleicht hat sich in der Zwischenzeit schon etwas geändert.

Studieninhalt

Die Vorlesungen muss man besuchen, falls der Prof. entscheidet dort Tipps zur Klausur zu geben. Die Übungen muss man besuchen, weil die Klausur nur auf den dort vermittelten Lösungswegen beantwortet werden kann. Andere grundsätzlich zulässige Lösungswege führen zum Punktverlust bzw. Remonstrationszwang und im schlimmsten Fall zum Nichtbestehen der Klausur, da der gewählte Lösungsweg nicht innerhalb der während der Zwischenprüfung verkürzten Bearbeitungszeit beantwortet werden kann.

Betreuung und Lehre

Termine bei den Profs. kann man innerhalb von 1-2 Wochen bekommen. Die Gesprächszeit ist kurz, der Inhalt begrenzt, da die Profs. sehr vorsichtig sind niemanden zu bevorzugen. Die Büros der Profs. liegen in ganz Passau verstreut an verschiedenen Orten. Die Studienberatung hat 1 Person, wo man mit 3-6 Wochen Wartezeit rechnen muss. Die Lehrveranstaltungen sind in erster Linie klausurvorbereitend und dann natürlich aber auch in gewisser Weise wissensvermittelnden Veranstaltungen.

Ausstattung

Gut. Man muss sich keine Bücher kaufen. Sollte man ohnehin nicht, da man Klausuren sonst auf Wegen löst, die von den Klausurenerstellern nicht geplant waren und dann nicht zum Fall oder in die Zeit passen.

Organisation

Passau hat die schwierigste Zwischenprüfung in Deutschland. Das liegt an den Prüfungsrichtlinen, den Prüfungsterminen und an der gewählten Prüfungsart. Prüfungsrichtlinien: Es wird der Eindruck vermittelt, man hätte für jede Klausur 4 Versuche. Tatsächlich hat man die Wahl am Tag X entweder Klausur in Fach A oder B zu schreiben. Fällt man durch, darf man die Klausur lediglich 1 weiteres Mal schreiben. Das sind 4 Versuche für eine sog. Prüfungsleistung. Tatsächlich lernt man entweder nur für A oder B oder man lernt mehr für A oder mehr für B. Im Endeffekt hat man tatsächlich nur 2 Versuche! Prüfungstermine: Wie oben bereits erwähnt, werden die Klausuren für eine Prüfungsleistung immer am selben Tag oder innerhalb weniger Tage von einander geschrieben. Weshalb sich die allermeisten Menschen effektiv nur für eine Klausur vorbereiten. Hinzu kommt, dass die ersten Klausuren erst am Ende des 2. bzw. zu Beginn des 3. Semesters geschrieben werden. Das heißt man "studiert" 10 Monate vor sich hin, bevor Profs. und Dozenten in den Klausur-Kunden-Modus wechseln und damit beginnen ihre Veranstaltungen ernst zu nehmen und die Studenten auf das Klausurenschreiben vorzubereiten. Das ist wirklich wichtig: Es sind dann 50% der Zwischenprüfungszeit verbraucht. Wer jetzt erkennt, dass er mehr lernen muss, ist i.d.R. zu spät dran bzw. wird den Rückstand nicht aufholen können. Letzte Chance: Wechsel an andere Uni mit vernünftiger Prüfungsordnung! Denn direkt im 3. Semester folgen 4 weitere Klausuren für 2 Prüfungsleistungen und im 4. Semester noch einmal 2 Klausuren für 1 Prüfungsleistung. Schon ein einzige nichtbestandene Klausur sorgt hier bei den Studenten für extremen Stress, da jede Zwischenprüfungsklausr-Klausur 8 Wochen Lernen und 2-4 Wochen bzw. ca. 60-100 Stunden konzentrierter Vorbereitungszeit abverlangt. Prüfungsart: In Deutschland unterscheidet sich die Zwischenprüfung von Bundesland zu Bundesland und Uni zu Uni. Es kann für Zivilrecht, Staatsrecht usw.. eine Hausarbeit oder ein Referat sein (einfach) oder eine Klausur (schwierig). Unter den Klausuren gibt es entweder Fragenklausuren (einfach) oder normale Fallklausuren (schwierig) und dann gibt es Passau. In Passau bekommt man verkürzte Staatsexamensklausuren, die man in 90 bis 120 Minuten lösen darf. Problem ist der sog. juristische Syllogismus, d.h. es gibt viele verschiedene vertretbare Lösungswege. Pech für den, der einen Weg gewählt hat der beim Lehrstuhl nicht beliebt oder bekannt ist und dann nicht innerhalb der Zeit zu lösen ist, weil die Klausur ja schließlich nur für einen (1) Wunsch-Lösungsweg gestaltet wurde (was aber natürlich keiner zugibt). Dann kann man nur noch 6 von 18 Punkten bekommen, jedenfalls wenn all das Geschriebene richtig ist. Ansonsten schafft man nur noch mit Glück 4 Punkte. Fazit: Die Zwischenprüfungszeit ist effektiv nicht 2 Jahre, sondern 1 Jahr. Man hat nicht 3, sondern nur 2 Versuche. Keine Hausarbeiten, Referate oder Fragenklausuren, keine kurzen Fallklausuren. Sondern verkürzte Staatsexamensklausuren! Da wundert es nicht, weshalb wir (nach Brucerius) die meisten Prädikatsexamen schreiben!

Berufsorientierung

Einmal im Jahr gibt es eine Messe in der Turnhalle. Selten gibt es Gastdozenten die aus der Forschung und Wirtschaft berichten. Passau ist kein Wirtschafts- oder Forschungsstandort für die Rechtswissenschaften. Karriereberatung gibt es nicht!


Hochschule und Hochschulleben: Universität Passau

Es sind wohl alle Studiengänge chaotisch organisiert

Campusatmosphäre

Sehr gut, sehr schön. Der Campus wird aber von Studenten mit mehr Freizeit dominiert.

Mensa

Ist sehr klein und wie in der Schule. Geht man nur hin um gesehen zu werden. An anderen Unis kann man sich mit Freunden in eine Ecke setzen und Spaß haben oder ein stilles Plätzchen finden, Bücher aufschlagen und neben dem Essen lernen. Hier wird man durchgeschoben, hingesetzt, muss aufessen und gehen. Wer alleine geht ist komisch.

Hochschulsport

Es gibt ein großes Angebot. Für die interessanten Dinge muss man einen Antrag stellen. Die Fristen sind alle sehr knapp bemessen und die Plätze schnell vergeben.


Stadt und Umland: Passau

Überschaulich beruhigend, langweilig assig

Atmosphäre

Die Einwohner sind sehr ländlich-konservativ und einfach. Kulturell beschränken sich die Bayern hier auf 3 oder 4 Bierfeste wo dann 2 Wochen lang Dirndl und Lederhosen getragen, Bier gesoffen und immer die selben Volkslieder gesungen werden. Daran nimmt man einmal Teil und dann lieber nicht wieder, weil es wirklich so asozial ist. Da es dass dann aber auch mit Kultur hier schon war, wird einem hier sehr schnell sehr langweilig. Gibt keine coolen Cafes, Restaurants, Parks, Seen, Berge oder Shopping-Meilen oder so. Man geht halt am Wochenende am Fluss spazieren und setzt sich da hin und das wars dann. Die nächstgrößere Stadt München liegt 2-3 Stunden mit dem Zug entfernt. Dazwischen nur bayerische Bauernkultur. Man glaubt es nicht, aber die Stadt ist nicht gerade grün. Im Zentrum - wo man sich 100% der Zeit aufhält und 90% der Studenten wohnen- gibt es wenig Grünflächen, Parks oder überhaupt einfach Bäume. Ich habe letztens einen gesehen und dachte wow. Ein Baum. Dazu muss man an den Stadtrand gehen. Oder hinter der Uni am Fluss runter, da gibt es dann auch ein bisschen Fluss-Strand wo man Grillen und Party machen kann. Über den Stadtrand hinaus oder naja bereits auf einer der beiden anderen Flussseiten gibt es wirklich nichts zu sehen. Es gibt keine Fahrradwege. Es gibt in Passau keine kostenlosen Parkplätze. Für den Anwohner-Parkschein gibt es in Passau eine Wartezeit von immer mindestens 1-2 Jahren. Parkplatz kostet zwischen 70-100€/Monat in den Parkhäusern oder vom Vermieter oder ab 20€/Monat auf offen liegenden Parkplätzen in den Industriegebieten außerhalb. Wer außerhalb Passaus eine Wohnung mietet, kann aber ggf. sogar kostenlos in der Uni-Garage parken.

Lebenshaltungskosten

Die Mieten sind extrem gestiegen und liegen bei 12-15€ pro Quadratmeter, d.h. 360€-450€ Kaltmiete für eine 30m2 Wohnung oder 10-13€ pro Quadratmeter, d.h. 500€-650€ für eine 50m2 Wohnung. Kenne die Preise sehr gut, da ich seit dem ich hier bin täglich nachschaue und mehrmals umgezogen bin. Die Vermieter nehmen hier den Maximalbetrag für Betriebskosten. Strom, Gas und Wasser kosten pro Person ca. 30-50€. Es gibt sehr wenige 30m2-50m2 Wohnungen. Wenn man das verkraftet, zieht man am Besten in eine 3-5 Zimmer Wohnung mit Freunden oder in eine fremde WG. Dann kann man die Warm-Mietkosten auf 350€ oder weniger drücken.

(Neben-)Jobmöglichkeiten

Die Wirtschaft hat sich darauf eingestellt Studenten zu beschäftigen. Es gibt also immer Möglichkeiten.


Zu diesem Studiengang gibt es einen weiteren Erfahrungsbericht:

Sehr arbeitsintensiv

von Sabi am 12.04.2016 (6 Semester, Alter (bei Studienbeginn) 18 bis 20, im Studium)





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